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Impulse aus der Hauptstadt

Auf einen Blick – das war der DRV-Hauptstadtkongress 2026

Zwischen Reformen, Wachstum und Klimaschutz sucht die Branche ihren Kurs. Beim DRV-Hauptstadtkongress treffen verschiedene Erwartungen und Positionen aufeinander. Was diskutiert wurde, welche Konflikte sichtbar wurden und was vom Kongress bleibt – unsere Berichterstattung im Überblick.

Der DRV-Hauptstadtkongress zeigt eine Branche zwischen Zuversicht und Handlungsdruck – unsere Berichterstattung im kompakten Überblick. Foto: DRV/Marcel Kautz
Zwei Tage, viele Themen und zahlreiche Zukunftsfragen. Beim DRV-Hauptstadtkongress am 15. und 16. Oktober in Berlin diskutiert die Reisewirtschaft über politische Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Perspektiven und die Herausforderungen des Klimawandels. Dabei zeigt sich eine Branche, die weiter wachsen will, zugleich aber vor erheblichen Veränderungen steht.

Unsere Beiträge beleuchten die wichtigsten Entwicklungen und unterschiedliche Positionen.
 


Zwischen politischen Versprechen und Forderungen

DRV-Präsident Albin Loidl nimmt in seiner Grundsatzrede vor allem die Politik in die Pflicht. Weniger Bürokratie, niedrigere Standortkosten und die vollständige Abschaffung der Luftverkehrsteuer stehen auf seiner Forderungsliste.

Zugleich mahnt er die Branche, sich selbst stärker zu verändern. Etwa beim Einsatz von KI und bei der Ausbildung des Nachwuchses. In seiner ungewöhnlich langen Rede geht es auch um die grundsätzliche Bedeutung der Reisewirtschaft für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Die politische Antwort liefert Christoph Ploß. Der Tourismuskoordinator der Bundesregierung verspricht Entlastungen und bessere Rahmenbedingungen. Doch bei vielen Forderungen der Branche bleibt es zunächst bei Ankündigungen. Gerade bei den Standortkosten, der Luftverkehrsteuer und der Regulierung erwartet die Reisewirtschaft konkrete Schritte.
  • Was Ploß in Berlin zusagt und wo Antworten offenbleiben, lesen Sie hier.

Gute Geschäfte, aber nicht überall

Wirtschaftlich gibt es zunächst erfreuliche Nachrichten. Der DRV zieht eine positive vorläufige Bilanz der Sommersaison 2026. Der Umsatz legt gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent zu, die Zahl der Reisenden steigt um zwei Prozent. Besonders Pauschalreisen bleiben gefragt. Für den Winter 2026/2027 sieht es dagegen verhaltener aus, vor allem auf einigen Fernstrecken schwächelt die Nachfrage. Auch die steigenden Lebenshaltungskosten belasten die Reisebudgets.

Deutlich optimistischer blickt Aida-Chef Felix Eichhorn auf die kommenden Jahre. Für ihn ist das Wachstumspotenzial der Kreuzfahrt noch lange nicht ausgeschöpft. Neue Zielgruppen, zusätzliche Kapazitäten und Investitionen sollen den Markt weiter voranbringen. Doch wie viel Wachstum verträgt die Branche, und wo liegen mögliche Grenzen? Neue Perspektiven für Destinationen

Auch bei den Urlaubszielen geht es um die Zukunft. Die Türkei zählt zu den wichtigsten Destinationen des deutschen Reisemarktes, will aber stärker über Qualität und Vielfalt statt über günstige Preise wahrgenommen werden. Vertreter der Branche diskutieren, wie sich das Angebot weiterentwickeln und neue Zielgruppen erschließen lassen. Dabei geht es auch um die Zusammenarbeit zwischen Veranstaltern und touristischen Partnern. Eine weitere Destination rückt durch eine neue Partnerschaft in den Fokus: Der DRV und Angola wollen die touristische Zusammenarbeit ausbauen. Dazu unterzeichnen beide Seiten in Berlin eine Absichtserklärung. Für 2027 sind eine Delegationsreise mit Führungskräften deutscher Reiseveranstalter und ein Destination-Forum in Angola geplant.
  • Welche Chancen die Kooperation für den deutschen Reisemarkt bietet, lesen Sie hier.
Klimaschutz zwischen Warnungen und konkreten Lösungen

Deutlich ernster wird der Ton beim Klimaschutz. Klimaforscher Mojib Latif hält der Reisewirtschaft den Spiegel vor und warnt vor den Folgen der Erderwärmung. Besonders für den Tourismus stehen dabei grundlegende Fragen auf dem Spiel, schließlich sind viele Urlaubsregionen unmittelbar von steigenden Temperaturen und Wetterextremen betroffen. Latif macht deutlich, dass die Branche den Klimawandel nicht als fernes Zukunftsproblem betrachten kann. Doch wie wird aus Problembewusstsein konkretes Handeln? Darüber diskutieren Vertreter der Reisewirtschaft und des Naturschutzes auf einem weiteren Podium. Im Mittelpunkt steht die Frage, welchen Beitrag touristische Unternehmen zum Schutz natürlicher Lebensräume leisten können und wie sich wirtschaftliche Interessen mit wirksamen Schutzmaßnahmen verbinden lassen. Eco Trophea setzt auf lokale Teilhabe

Wie nachhaltiger Tourismus in der Praxis aussehen kann, zeigt die Verleihung der Eco Trophea. Der DRV-Nachhaltigkeitspreis geht in diesem Jahr an HX Expeditions. Ausgezeichnet wird ein Projekt, das Inuit-Gemeinschaften in der kanadischen Arktis stärker in die Entwicklung und Durchführung touristischer Angebote einbindet. Die Menschen vor Ort sollen nicht nur beteiligt werden, sondern selbst mitentscheiden und wirtschaftlich profitieren. Doch was macht ein nachhaltiges Tourismusprojekt überhaupt preiswürdig? Darüber haben wir mit Harald Zeiss gesprochen, dem Vorsitzenden des DRV-Ausschusses Nachhaltigkeit. Der Professor der Hochschule Harz begleitet die Eco Trophea seit vielen Jahren und erklärt, worauf es der Jury ankommt, wie sich die eingereichten Projekte entwickeln und warum nicht große Unternehmensversprechen, sondern konkrete Maßnahmen zählen.

Der Kongress zeigt damit eine Reisewirtschaft zwischen Zuversicht und Handlungsdruck. Die Nachfrage ist vielerorts stabil, Unternehmen sehen neue Wachstumschancen und die Politik signalisiert Unterstützung. Doch bei den Rahmenbedingungen, beim Klimaschutz und beim Wandel der Geschäftsmodelle bleibt einiges zu tun. Ob aus den Diskussionen von Berlin konkrete Veränderungen werden, muss sich erst zeigen.
Felix Hormel