Christoph Ploß verspricht viel – die Branche wartet auf Taten
Christoph Ploß hat beim DRV in Berlin eine schwierige Aufgabe. Nach der kritischen Grundsatzrede von Albin Loidl muss er die Bilanz der Regierung verteidigen und zugleich weitere Verbesserungen versprechen. Das gelingt rhetorisch gut, doch die Branche erwartet mehr Tempo.

Christoph Ploß macht es wie immer. Er geht auf der Bühne nach vorn, lässt das Redepodest hinter sich und spricht frei. Der Tourismuskoordinator der Bundesregierung kennt sein Publikum, die Themen und die politischen Botschaften, die er platzieren möchte. Das wirkt souverän, gelegentlich etwas zu routiniert und stellenweise ziemlich politiktypisch. Aber Ploß versteht es, seine Argumente verständlich und mit einer gewissen Leichtigkeit vorzutragen.
Sein Auftritt folgt auf die ungewöhnlich lange Grundsatzrede von DRV-Präsident Albin Loidl, der der Politik zuvor eine umfangreiche Forderungsliste präsentiert hat. Ploß muss nun einen schwierigen Spagat bewältigen: Er will die Erfolge der Bundesregierung herausstellen, ohne die weiterhin bestehenden Probleme der Reisewirtschaft kleinzureden.
Das gelingt ihm vor allem dadurch, dass er Loidl kaum widerspricht. Stattdessen greift er dessen Forderungen auf, verweist auf bereits Erreichtes und verspricht weitere Schritte. Eigenlob und Anerkennung für den Verband halten sich dabei weitgehend die Waage.
Tourismusstrategie: „Viele Anregungen sind direkt eingeflossen“
Ploß beginnt mit einem Rückblick. Vor einem Jahr sei die Bundesregierung gerade erst im Amt gewesen. Damals habe sich die Branche gefragt, welchen Stellenwert der Tourismus künftig in der Politik einnehmen werde.
Heute präsentiert er die Nationale Tourismusstrategie als sichtbares Ergebnis dieser Zusammenarbeit. Vieles von dem, was damals diskutiert worden sei, habe die Bundesregierung inzwischen aufgegriffen. Besonders ausdrücklich bedankt er sich beim DRV: „Sie waren bei der Erarbeitung für uns ein sehr wichtiger Partner.“ Viele Argumente und Anregungen seien „direkt eingeflossen“.
Das ist politisch geschickt. Ploß reklamiert die Strategie als Erfolg der Koalition, beteiligt aber zugleich die Branche daran. Schließlich soll die Tourismusstrategie nicht als Regierungsprojekt von oben erscheinen, sondern als Ergebnis eines Dialogs auf Augenhöhe.
Allerdings bleibt die entscheidende Frage, wann aus politischen Leitlinien konkrete Entlastungen für die Unternehmen werden.
Luftverkehr: „Ich werde weiter dafür kämpfen“
Besonders deutlich wird Ploß beim Luftverkehr. Ein leistungsfähiger Tourismusstandort brauche einen wettbewerbsfähigen Luftverkehrsstandort. Deshalb müssten die hohen Kosten an deutschen Flughäfen weiter sinken.
Ploß erinnert daran, dass er sich bereits im vergangenen Jahr für niedrigere Standortkosten eingesetzt habe. Erste Schritte seien erfolgt, doch das Problem sei längst nicht gelöst. „Ich werde weiter dafür kämpfen, dass die Standortkosten gesenkt werden“, verspricht er.

Christoph Ploß sieht die Bundesregierung bei der Tourismuspolitik auf einem guten Weg. Beim DRV-Hauptstadtkongress lobt er die Zusammenarbeit mit der Branche und kündigt weitere Schritte an.
Dabei argumentiert er nicht allein mit den Interessen der Airlines und Flughäfen. Die internationale Erreichbarkeit sei für Geschäftsreisende, den Tourismus und den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland von zentraler Bedeutung.
Auch beim Klimaschutz setzt Ploß auf Wettbewerbsfähigkeit und technische Innovationen. Wenn Flugzeuge nicht mehr von deutschen Flughäfen starteten, würden sie andernorts eingesetzt. Damit sei dem Weltklima wenig geholfen, während Deutschland wirtschaftlich verliere.
Sein Ansatz lautet deshalb: „Fliegen nicht verbieten, sondern klimafreundlich machen“ – und zugleich wettbewerbsfähig bleiben. Dafür verweist er auf die Förderung nachhaltiger Flugkraftstoffe.
Die Branche dürfte diese Position grundsätzlich begrüßen. Allerdings geht die Forderung des DRV deutlich weiter: Loidl verlangt die vollständige Abschaffung der Luftverkehrsteuer. Eine konkrete Zusage dazu macht Ploß nicht.
Infrastruktur: Mehr investieren, schneller bauen
Bei der Infrastruktur verweist Ploß auf hohe Investitionen in Schiene, Autobahnen und Wasserstraßen. Besonders freut ihn, dass die Wasserstraßen inzwischen ebenfalls im Sondervermögen für Infrastruktur berücksichtigt werden. Das sei vor einem Jahr noch nicht vorgesehen gewesen.
Zugleich verspricht er schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Projekte dürften in Deutschland nicht mehr 30 oder 40 Jahre benötigen, bevor sie umgesetzt werden könnten.
Für die Reisewirtschaft ist das eine wichtige Botschaft, gerade mit Blick auf die Kreuzfahrt, die Flussschifffahrt und die touristische Erreichbarkeit. Entscheidend bleibt allerdings, ob sich die angekündigte Beschleunigung tatsächlich in der Praxis bemerkbar macht.
Bürokratie: Schluss mit nationalen Sonderwegen
Beim Bürokratieabbau greift Ploß eine weitere zentrale Forderung Loidls auf. Deutschland solle bei der Umsetzung europäischer Vorschriften künftig keine zusätzlichen nationalen Anforderungen mehr schaffen.
„Nicht mehr über die europarechtlichen Vorgaben hinausgehen“, beschreibt er den neuen Ansatz der Bundesregierung. Die bisherige Praxis sei „ein großer Fehler“ gewesen. Gemeint ist das sogenannte Gold-Plating, das deutsche Unternehmen durch zusätzliche Vorgaben gegenüber europäischen Wettbewerbern benachteiligen kann.
Für Reisebüros und Veranstalter ist diese Zusage besonders relevant. Denn gerade bei der Umsetzung der überarbeiteten EU-Pauschalreiserichtlinie warnt der DRV vor neuen Belastungen.
Ploß verweist auf die intensive Zusammenarbeit mit dem Verband und den beteiligten Ministerien. In Brüssel habe man schwierige Verhandlungen geführt, um weitreichende Verschärfungen zu verhindern. Auch künftig werde die Bundesregierung darauf achten, dass die Pauschalreise gestärkt werde.
Die Richtung stimmt damit aus Sicht des DRV. Ob die angekündigte Zurückhaltung bei nationalen Sonderregeln tatsächlich durchgehalten wird, muss sich allerdings erst zeigen.
Reisesicherungsfonds: Weitere Entlastungen angekündigt
Auch beim Deutschen Reisesicherungsfonds signalisiert Ploß Unterstützung. Er greift die Frage auf, ob die Belastungen für Veranstalter weiter sinken und die Gelder künftig anders angelegt werden könnten.
Sein Argument ist wirtschaftlich nachvollziehbar: Kapital, das über Jahre im Fonds gebunden bleibt, steht den Unternehmen nicht für Investitionen zur Verfügung.
Ploß zeigt sich „sehr zuversichtlich“, dass mit dem nächsten Geschäftsjahr am 1. November weitere Schritte möglich werden. Seine Unterstützung sagt er ausdrücklich zu.
Damit kommt er der Branche entgegen, ohne sich auf das von Loidl geforderte Ziel einer vollständigen Abschaffung des DRSF-Entgelts festzulegen.
Viel Zustimmung, aber die Branche will mehr Tempo
Überhaupt ist das ein wiederkehrendes Muster seiner Rede. Ploß bestätigt die Probleme, verweist auf Fortschritte und verspricht weitere Anstrengungen. Er vermeidet den offenen Widerspruch und vermittelt stattdessen politische Gemeinsamkeit.
Das ist durchaus bemerkenswert. Denn nach Loidls deutlicher Kritik hätte der Tourismuskoordinator auch defensiver reagieren können. Stattdessen stellt er die Zusammenarbeit zwischen Bundesregierung und DRV heraus und präsentiert die bisherigen Ergebnisse als gemeinsame Erfolge.
Stellenweise gerät das allerdings etwas formelhaft. Die Nationale Tourismusstrategie wird gelobt, Fortschritte werden aufgezählt, weitere Maßnahmen in Aussicht gestellt. Ploß beherrscht diese politische Routine, doch nicht jede Ankündigung beantwortet die drängende Frage nach dem Zeitpunkt der Umsetzung.
Hinter den Kulissen des Kongresses wird jedenfalls deutlich, dass die Branche mehr Veränderungswillen und vor allem mehr Tempo erwartet. Gerade bei den Standortkosten, der Bürokratie und der Wettbewerbsfähigkeit reicht vielen Unternehmen die bisherige Bilanz noch nicht aus.
Tourismuspolitiker als Vorbild für die Koalition?
Zum Schluss setzt Ploß einen bemerkenswerten Akzent. Er lobt ausdrücklich die Zusammenarbeit der tourismuspolitischen Fachpolitiker im Bundestag, auch über Parteigrenzen hinweg. Hier funktioniere das gemeinsame Arbeiten offenbar besser als in manch anderem Politikbereich.
„Von der Tourismuspolitik lernen“ könnten deshalb durchaus auch andere Bereiche, meint Ploß sinngemäß. Die Bürger erwarteten schließlich nicht, dass Politiker ständig miteinander stritten, sondern dass sie „Aufgaben lösen, Probleme lösen und sie dann vorantreiben“.
Das lässt sich durchaus als Botschaft an die eigene schwarz-rote Koalition verstehen. Weniger öffentlicher Streit, mehr gemeinsame Sacharbeit – die Zusammenarbeit der tourismuspolitischen Sprecher könnte dafür tatsächlich als Vorbild dienen.
Ploß hinterlässt mit seinem freien, zugewandten Auftritt den Eindruck eines Politikers, der die Anliegen der Reisewirtschaft kennt und ihre Interessen innerhalb der Bundesregierung vertritt. Die Balance zwischen Eigenlob und Anerkennung für den DRV gelingt ihm weitgehend, auch wenn manches etwas zu routiniert klingt. Doch die entscheidende Botschaft, die Ploß aus Berlin mitnehmen muss, bleibt: Gute Zusammenarbeit ist wichtig. Jetzt müssen den Worten schneller konkrete Veränderungen folgen.

