TUI hält Kurs auf Gewinnziel – Buchungen ziehen wieder an
Irankrieg, Konsumflaute und wirtschaftliche Schwäche haben TUI im dritten Quartal zugesetzt. Dennoch hält der Konzern an seiner Gewinnprognose fest. Rückenwind kommt von der jüngsten Buchungsentwicklung: In den vergangenen vier Wochen zog die Nachfrage um sieben Prozent an.

Der Krieg im Nahen Osten, wirtschaftliche Schwäche in Europa und Konsumzurückhaltung – TUI hat im dritten Quartal mit erheblichem Gegenwind zu kämpfen gehabt. Trotzdem bestätigt Europas größter Touristikkonzern seine Ebit-Prognose für das Geschäftsjahr 2026 und verweist auf eine deutliche Erholung der Buchungsdynamik in den vergangenen vier Wochen.
Neun-Monats-Bilanz zeigt Robustheit
Das bereinigte Ebit – Gewinn vor Zinsen und Steuern – lag im dritten Quartal bei 235 Millionen Euro, nach 321 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Nach neun Monaten kumuliert sich das operative Ergebnis auf 123 Millionen Euro, gegenüber rund 165 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang ist allerdings von Einmaleffekten und besonderen Belastungen geprägt: Der Irankrieg und der Hurrikan auf Jamaika hätten das Ergebnis mit insgesamt 81 Millionen Euro belastet.
Ohne diese Sondereffekte, rechnet TUI vor, hätte man das Vorjahresergebnis um rund 40 Millionen Euro übertroffen. Der Umsatz sank nach neun Monaten um 1,6 Prozent auf 14,5 Milliarden Euro, im dritten Quartal allein um 5,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Über alle Geschäftsbereiche hinweg zählte TUI im dritten Quartal 9,9 Millionen Kunden – ein Rückgang von 3 Prozent.
Verschiebung zu kurzfristigen Buchungen
CEO Sebastian Ebel ordnet die Zahlen vor dem Hintergrund eines ungewöhnlichen Geschäftsjahres ein: „2026 ist kein normales Jahr. TUI hat sich gut behauptet in einem schwierigen Marktumfeld. Unser Geschäftsmodell erweist sich als resilient.“ Reisen bleibe für das Leben der Menschen „sehr relevant“, aber der Zeitpunkt der Reise-Entscheidung „hat sich verschoben“, so Ebel.
Die Ursachen für das schwierige Umfeld benennt TUI-Chef konkret: „Kriege und Geopolitik, Konsumzurückhaltung, wirtschaftliche Schwäche, gestiegene Inflation in Kernmärkten Europas – das hatte Einfluss auf die Kauflaune und den Zeitpunkt der Kaufentscheidung.“

Die TUI-Bilanz nach neun Monaten: Der Konzern hält an seiner Ebit-Prognose für 2026 fest. Während Hotels, Kreuzfahrten und TUI Musement zum Ergebnis beitragen, setzt TUI bei den Buchungen auf eine weitere Erholung der zuletzt gestiegenen Nachfrage. Infografik: Gemini Notebook
Als Gegengewicht sieht Ebel die Konzernstruktur: „Unser integriertes Geschäftsmodell hat sich in diesem Umfeld bewährt. Insbesondere unsere Aufstellung mit bekannten eigenen Hotel- und Kreuzfahrtmarken steht für das TUI Qualitäts- und Leistungsversprechen.“ Die Kombination aus starken Produktmarken, Reiseveranstaltern, Reisebüros, Destinationspräsenz und dem Erlebnisgeschäft von TUI Musement bleibe „auch in Zukunft eine starke Basis für den Erfolg“.
Für das kommende Geschäftsjahr verweist er zudem auf die kommerziell ausgerichtete Airline, die neue Low-Cost-Marke Sundeals in Großbritannien, neue Einheiten der Mein-Schiff-Flotte, geplante Hotelneueröffnungen und die Transformation des Konzerns.
Zur aktuellen Nachfragesituation sagt er: „Die Nachfrage bleibt auch in geopolitischen Krisenphasen bestehen – wird jedoch kurzfristiger. Insbesondere die letzten vier Wochen zeigen, dass das Buchungsverhalten wieder anzieht. Die Menschen reisen, treffen ihre Entscheidung aktuell aber kurzfristiger.“
Bereich Erlebnisse trägt das Konzernergebnis
Der Geschäftsbereich Urlaubserlebnisse – bestehend aus Hotels & Resorts, Kreuzfahrten und TUI Musement – erzielte im dritten Quartal ein bereinigtes Ebit von 278 Millionen Euro nach 294 Millionen Euro im Vorjahr. Rechnet man die 20 Millionen Euro Belastung aus dem Iran-Krieg im Kreuzfahrtsegment heraus, wäre das Ergebnis sogar um 4 Millionen Euro gestiegen, heißt es aus Hannover.
- Das Segment Hotels & Resorts lieferte mit 121 Millionen Euro ein solides operatives Ergebnis. Die verfügbaren Bettennächte stiegen leicht um ein Prozent auf 11,3 Millionen, während die Auslastung um fünf Prozentpunkte auf 77 Prozent zurückging – Folge der Anlaufphase neuer Hotels sowie sinkender Nachfrage im östlichen Mittelmeerraum, in Mexiko und in der Karibik.
Die durchschnittliche Tagesrate blieb mit 88 Euro stabil. Nach neun Monaten steht das Segment bei 356 Millionen Euro bereinigtem Ebit (Vorjahr: 384 Millionen Euro), belastet durch 15 Millionen Euro Einmaleffekte aus dem Hurrikan auf Jamaika.
- Das Segment Kreuzfahrten blieb operativ stark. Das bereinigte Ebit im Quartal lag bei 133 Millionen Euro gegenüber 143 Millionen Euro im Vorjahr – der Rückgang geht vollständig auf den Irankrieg zurück: Mein Schiff 4 und 5 hatten von März bis Mitte Mai in Häfen der Golfregion festgesessen, bevor der reguläre Fahrplan wieder aufgenommen werden konnte. Ohne diese Belastungen von 20 Millionen Euro wäre das Segmentergebnis sogar um zehn Millionen Euro gestiegen.
Die durchschnittliche Tagesrate pro Passagier steigt um vier Prozent von 243 auf 252 Euro, die Gesamtauslastung verbesserte sich bereinigt um einen Prozentpunkt auf 99 Prozent. Die verfügbaren Passagiertage gingen im dritten Quartal leicht von 3,1 auf 3 Millionen zurück – bedingt durch planmäßige Werftaufenthalte von Mein Schiff 3 und Hanseatic Spirit. Nach neun Monaten steht Kreuzfahrten mit 297 Millionen Euro über dem Vorjahresergebnis von 273 Millionen Euro.
- TUI Musement wuchs am stärksten: Das bereinigte Ebit im Quartal stieg um 10,8 Prozent auf 23 Millionen Euro, getrieben vom verbesserten B2B-Geschäft und operativen Effizienzsteigerungen. Nach neun Monaten summiert sich das Wachstum auf 171 Prozent – von 6,4 Millionen auf 17,3 Millionen Euro. Die Zahl der Transfers sank zwar um 10 Prozent auf 7,9 Millionen, die verkauften Erlebnisse blieben mit 2,9 Millionen jedoch nahezu stabil.
Deutlich schwieriger gestaltete sich das Quartal im Geschäftsbereich Märkte + Airline, der Reiseveranstalter, Vertrieb und die TUI Airline umfasst. Das bereinigte Ebit fiel auf minus 16 Millionen Euro, nach noch positiven 50 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Schwächere Nachfrage infolge der geopolitischen Lage und erhöhter Preisdruck durch höhere Treibstoffkosten sowie zusätzliche Marktkapazitäten setzten dem Bereich zu.
Nach neun Monaten liegt das bereinigte Ebit bei minus 474 Millionen Euro gegenüber minus 440 Millionen Euro im Vorjahr. Kriegsbedingte Kunden-Rückholkosten von 20 Millionen Euro und sechs Millionen Euro durch den Hurrikan auf Jamaika belasteten zusätzlich. Die durchschnittliche Flugauslastung sinkt von 94 auf 91 Prozent. Positiv für den Konzern: Der Absatz über die TUI-App wuchs um 20 Prozent auf einen Anteil von knapp 13 Prozent.
Regional zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Region Zentral (Deutschland, Österreich, Schweiz, Polen) rutschte auf minus zehn Millionen Euro Ebit, nach 25 Millionen Euro im Vorjahr. Die Region Nord (Großbritannien, Irland, nordische Länder) verzeichnete einen Rückgang auf zehn Millionen Euro von zuvor 45 Millionen Euro. Die Region West (Niederlande, Belgien, Frankreich) verbesserte sich immerhin leicht von minus 21 auf minus 16 Millionen Euro.
Buchungslage: Erholung in letzter Zeit sichtbar
Für das vierte Quartal zeichnet sich eine Fortsetzung der Trends ab.
- Im Segment Urlaubserlebnisse bleibt die Nachfrage stark: Bei Hotels & Resorts liegen die verfügbaren Bettennächte bei plus ein Prozent, die Durchschnittspreise bei plus vier Prozent. Im Kreuzfahrtsegment steigen die verfügbaren Passagiertage um zwölf Prozent, angetrieben von der Indienststellung der Mein Schiff Flow als 19. Schiff der TUI-Flotte, bei unverändert hoher Auslastung und einer um zwei Prozent gestiegenen Tagesrate.
- Im Segment Märkte + Airline bleibt der Trend zu kurzfristigeren Buchungen bestehen. Der gebuchte Umsatz für den Sommer liegt derzeit bei minus sechs Prozent, hat sich seit dem Update vom 13. Mai aber um einen Prozentpunkt verbessert.
Positiver fällt der Blick auf die jüngste Entwicklung aus: In den vergangenen vier Wochen zog die Nachfrage um sieben Prozent an. Griechenland und Spanien inklusive Balearen und Kanaren führen die Beliebtheitsskala an, zuletzt gewann auch das östliche Mittelmeer wieder an Zuspruch.
Einen aktualisierten Blick auf die Saison sowie erste Buchungszahlen für den Winter 2026/2027 will TUI am 22. September 2026 liefern.
Prognose bestätigt, Umsatzziel ausgesetzt
TUI hält an ihrer Strategie fest und bestätigt die Ebit-Prognose für das Geschäftsjahr 2026 – vorausgesetzt, es kommt zu keiner wesentlichen Verschärfung der geopolitischen Spannungen und die Treibstoffversorgung bleibt gesichert. Erwartet wird ein bereinigtes Ebit zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro, nach 1,4 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2025.
Die Umsatzprognose (Vorjahreswert: 24,2 Mrd. Euro) hat der Konzern dagegen ausgesetzt.
Blick in die Zukunft
Strategisch will TUI in den kommenden Jahren auf nachhaltiges Wachstum über alle Produktbereiche und Vertriebskanäle hinweg setzen.
Im Bereich Märkte + Airline stehen der Ausbau des Low-Cost-Angebots über Marken wie Ltur und Sundeals sowie die Weiterentwicklung von App und KI-gestütztem Vertrieb im Fokus, während die Airline zunehmend als kommerziell eigenständiges Geschäft geführt wird.
Hotels & Resorts soll mit gezielten Investitionen und etablierten Marken wie Riu und TUI Blue weiterwachsen, das Kreuzfahrtgeschäft profitiert von neuen TUI-Cruises-Schiffen und der Modernisierung der Marella-Flotte. TUI Musement setzt auf exklusive Erlebnisse und mehr Effizienz durch Digitalisierung und KI.

