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Halbjahresbilanz 2025/2026
14.05.26, 09:16 Uhr

TUI wächst operativ trotz Krisenbelastungen

Der Branchenprimus meldet trotz geopolitischer Belastungen ein verbessertes Halbjahresergebnis. Besonders stark entwickelte sich erneut das Kreuzfahrtgeschäft. Mehr als die Hälfte der Sommer-Kapazitäten ist bereits abverkauft – Spanien und Griechenland führen die Nachfrage an.

TUI-CEO Sebastian Ebel sieht den Konzern trotz geopolitischer Belastungen auf Kurs. Foto. TUI
Deutschlands größter Reisekonzern TUI hat das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 trotz geopolitischer Belastungen um 45 Millionen Euro auf minus 111 Millionen Euro verbessert. Im traditionell schwächeren zweiten Quartal lag das Ergebnis bei minus 188 Millionen Euro und damit 19 Millionen Euro über dem Vorjahreswert.

Belastungen durch den Iran-Krieg und den Hurrikan Melissa hätten sich allein im zweiten Quartal auf 45 Millionen Euro summiert – weswegen TUI im April eine Gewinnwarnung herausgegeben hatte.

Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 1,3 Prozent. Insgesamt reisten im ersten Halbjahr 12,8 Millionen Gäste mit TUI, rund 200.000 mehr als im Vorjahr. Den im April angepassten Ausblick für das Gesamtjahr bestätigte der Konzern.

„TUI wächst das vierzehnte Quartal in Folge im operativen Ergebnis“, bilanziert TUI-COE Sebastian Ebel. „Das sehr gute Ergebnis gibt uns Zuversicht für das 2. Halbjahr. Es wird aufgrund der geopolitischen Herausforderungen und dynamischen Rahmenbedingungen hohen Einsatz und Flexibilität erfordern.“

Kreuzfahrten bleiben Wachstumstreiber

Im Geschäftsbereich Urlaubserlebnisse mit Hotels, Kreuzfahrten und TUI Musement erzielte TUI im zweiten Quartal ein bereinigtes Ebit von 176 Millionen Euro nach 172,3 Millionen Euro im Vorjahr. Ohne die Belastungen im Mittleren Osten hätte das Ergebnis um weitere 20 Millionen Euro höher ausfallen können.

Besonders stark entwickelte sich erneut das Kreuzfahrtgeschäft. Das Ergebnis stieg im ersten Halbjahr um rund 26 Prozent auf 163,5 Millionen Euro. Im zweiten Quartal lag das Ergebnis trotz Belastungen aus dem Iran-Krieg bei 80,3 Millionen Euro.

Die Nachfrage in Großbritannien und Deutschland blieb hoch. Die durchschnittliche Tagesrate über alle Kreuzfahrtmarken stieg um zwei Prozent auf 223 Euro. Die verfügbaren Passagiertage erhöhten sich um zehn Prozent auf knapp drei Millionen. Die Auslastung lag bei 93 Prozent nach 97 Prozent im Vorjahr. Ohne die Auswirkungen des Iran-Kriegs hätte sie 98 Prozent erreicht, wie TUI vorrechnet.

Im zweiten Halbjahr erwarten die Hannoveraner zusätzliche Impulse durch die Indienststellung der Mein Schiff Flow. Gleichzeitig wirkten sich abgesagte Reisen der Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 zeitweise belastend aus.

Hotels stabil trotz Jamaika-Hurrikan

Das Segment Hotels & Resorts erreichte mit 103 Millionen Euro nahezu das Vorjahresniveau. Auswirkungen des Hurrikans Melissa in Jamaika und eine schwächere Nachfrage für Mexiko wurden kompensiert.

Bereinigt um die Folgen des Hurrikans stiegen die Durchschnittsraten um zwei Prozent, die Auslastung verbesserte sich auf 79 Prozent.

Für das zweite Halbjahr meldet TUI eine um sechs Prozentpunkte niedrigere gebuchte Auslastung. Hintergrund ist eine Verlagerung der Nachfrage vom östlichen ins westliche Mittelmeer. Die Durchschnittsraten sollen im zweiten Halbjahr um vier Prozent steigen.

TUI Musement verkauft mehr Erlebnisse

Die Erlebnisschmiede TUI Musement konnte die Zahl der Verkäufe im zweiten Quartal um sechs Prozent auf 1,6 Millionen steigern. Die Transfers nahmen leicht auf vier Millionen zu.

Das bereinigte Ebit verbesserte sich im traditionell schwächeren zweiten Quartal um 39,7 Prozent auf minus 7,3 Millionen Euro.

Für das zweite Halbjahr rechnet TUI mit einem Buchungsplus im mittleren einstelligen Prozentbereich.

Märkte und Airline profitieren von Kostensenkungen

Der Bereich Märkte + Airline mit Reiseveranstaltern, Vertrieb und Airline verbesserte das bereinigte Ebit im zweiten Quartal um sieben Prozent auf minus 339,5 Millionen Euro. TUI führt dies auf Effizienzsteigerungen und eine niedrigere Kostenbasis zurück. Belastungen von 20 Millionen Euro durch den Iran-Krieg konnten kompensiert werden.

Dynamisch paketierte Reisen legten um zwölf Prozent auf 0,5 Millionen Buchungen zu. Die Verkäufe über die TUI-App stiegen um 20 Prozent. Ihr Anteil am Gesamtumsatz erreichte 11,4 Prozent.

Regional entwickelte sich das Geschäft unterschiedlich. In der Region Zentral mit Deutschland, Österreich, Schweiz und Polen lag das bereinigte Ebit bei minus 104,6 Millionen Euro nach minus 98,2 Millionen Euro im Vorjahr. Die Region Nord verbesserte sich auf minus 157,5 Millionen Euro nach minus 182,1 Millionen Euro. Die Region West erreichte minus 77,3 Millionen Euro nach minus 84,6 Millionen Euro.

Kurzfristige Sommerbuchungen prägen den Markt

TUI beobachtet für den Sommer 2026 weiterhin ein kurzfristiges Buchungsverhalten. Viele Urlauber hätten bislang noch nicht gebucht. Gleichzeitig verschiebt sich die Nachfrage vom östlichen ins westliche Mittelmeer. Spanien mit Balearen und Kanaren sowie Griechenland gehören nach Einschätzung des Konzerns zu den beliebtesten Sommerzielen.

Mehr als die Hälfte der verfügbaren Sommerkapazitäten ist bereits verkauft. TUI setzt weiter auf differenzierte Produkte und dynamisch zusammengestellte Reisen. Höhere Durchschnittspreise sollen einen Teil der gestiegenen Kosten ausgleichen.

KI soll Vertrieb und Service stärken

„Künstliche Intelligenz sehen wir als Chance für die Reise- und Tourismusindustrie“, so Ebel. TUI nutze KI bereits konzernweit. „Bei TUI gilt KI nicht als Tool, sondern als Way of Working.“ Der Konzern arbeite unter anderem mit Google und Chat GPT zusammen und habe KI-Dialogfunktionen in die eigene App integriert. Digitale Services und persönliche Beratung im Reisebüro sollten sich ergänzen, sagte Ebel weiter.

TUI sieht sich trotz Krisen widerstandsfähig

Finanzvorstand Mathias Kiep betonte die Stabilität des Konzerns trotz der Belastungen durch den Iran-Krieg und den Hurrikan Melissa in Jamaika. „TUI ist resilient aufgestellt“, versichert Kiep. „Wir schauen trotz aller Herausforderungen in der Welt zuversichtlich auf das zweite Halbjahr.“