Streit um Sicherungsfonds21.06.26, 14:51 Uhr
TUI drängt auf Entlastung und fordert DRSF-Gebühren-Stopp
Nach dem Dertour-Urteil erhöht TUI den Druck auf Politik und Fondsverantwortliche. Der Konzern fordert ein vollständiges Aus der Entgelte beim DRSF. Der „Pott“, so das Argument, ist voll genug. Weiter verlangt der Branchenprimus, die eingenommenen Mittel sinnvoll einzusetzen, statt nur zu horten.

Deutschlands größter Reisekonzern fordert einen Kurswechsel beim DRSF. Foto: TUI
Deutschlands größter Reisekonzern erhöht den Druck auf die Politik und fordert eine sofortige Entlastung der Reiseveranstalter beim Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF). Der Konzern verlangt, die Gebühren zum 1. Juli auf null zu setzen, die geforderten Sicherheiten zu senken und die Anlagestrategie des Fonds grundlegend zu überarbeiten.
Kritik an ausbleibenden Reformen
Bereits im Dezember hätten die Spitzen der deutschen Reiseveranstalter ihre Erwartungen an eine Reform des Fonds gegenüber dem Bundesjustizministerium deutlich gemacht. Seitdem sei jedoch nichts Wesentliches geschehen. „Senken Sie die Kosten für den Urlaub der Deutschen. Es kostet Sie nicht einen Cent Steuergeld“, fordert TUI von der Bundesregierung.
Aus Sicht des Konzerns verteuert der Staat die Pauschalreise unnötig. Dies beginne bei Gebühren im Luftverkehr und setze sich bei den Kosten für die Reisesicherung fort. Dabei sei inzwischen ausreichend Kapital vorhanden. Nach Angaben von TUI haben deutsche Reiseveranstalter mittlerweile rund eine Milliarde Euro in den Fonds eingezahlt.
„Ausreichend Geld für alle denkbaren Risiken“
Der Branchenprimus sieht deshalb keinen Grund mehr für die aktuelle Belastung der Branche. „Es ist ausreichend Geld für alle denkbaren Risiken hinterlegt“, heißt es in der Stellungnahme.
Der Fonds war nach der Insolvenz von Thomas Cook im Jahr 2019 eingeführt worden, um Pauschalreisende besser gegen Veranstalterinsolvenzen abzusichern. TUI stellt das Grundprinzip nicht infrage, kritisiert jedoch die heutige Ausgestaltung.
TUI bemängelt Kapitalbindung
Aus Sicht des Konzerns bindet der Fonds erhebliche Mittel, die den Unternehmen für Investitionen und Innovationen fehlen. Gleichzeitig werde das eingezahlte Kapital nicht ausreichend genutzt.
„Bei anhaltender Inflation verliert das Geld der Unternehmen real an Wert“, so das Argument. Der Fonds lege die Mittel „unter Aufsicht des Staates unter die Matratze“ und verhindere damit, dass das Geld produktiv eingesetzt werde und Wachstum generiere.
Kritik an der Aufsicht
Die grundsätzliche Absicherung von Reisenden bewertet TUI positiv. Mit der aktuellen Umsetzung zeigt sich der Konzern jedoch unzufrieden. „TUI findet die Absicherung gut und richtig. Aber die Umsetzung unter Aufsicht der Bundesjustizministerin funktioniert nicht.“
Der DRSF sei in seiner heutigen Form „ein politisch gemachter Kostentreiber für Urlaub“. Die Branche brauche einen Sicherungsmechanismus, der Verbraucher schütze, ohne gleichzeitig Reisen zu verteuern und Kapital in den Unternehmen zu binden.
Forderung nach Gebührenstopp und neuer Anlagestrategie
TUI fordert deshalb, die Gebühren des Fonds umgehend auf null zu reduzieren, die Sicherheitsleistungen der Veranstalter zu senken und die vorhandenen Mittel professionell anzulegen. „Nur so lässt sich Verbraucherschutz mit wirtschaftlicher Vernunft verbinden“, heißt es in der Stellungnahme.
Der Deutsche Reisesicherungsfonds ist seit 2022 die zentrale Einrichtung zur Insolvenzabsicherung von Pauschalreisen in Deutschland. Größere Reiseveranstalter sind gesetzlich verpflichtet, Beiträge zu leisten und Sicherheiten zu hinterlegen. Im Insolvenzfall sollen Reisende ihr Geld zurückerhalten beziehungsweise aus dem Urlaub zurückgebracht werden können. Für die Unternehmen bedeutet das System jedoch die Bindung erheblicher finanzieller Mittel.
Dertour-Urteil erhöht den Druck
Die Forderungen von TUI fallen wenige Tage nach einem wichtigen Urteil im Streit um den DRSF. Das Berliner Kammergericht hatte die Klage der Dertour Group auf Rückzahlung von rund 1,27 Millionen Euro abgewiesen und damit ein Urteil der Vorinstanz aufgehoben. Im Kern geht es um die Frage, ob Reiseveranstalter für bestimmte Reisen während der Einführung des Fonds faktisch doppelt belastet wurden.
Der DRV kritisierte die Entscheidung und hält die Argumentation zur Doppelbelastung weiterhin für nicht ausreichend berücksichtigt. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens fordert auch der Verband eine deutliche Senkung der Entgelte und eine Weiterentwicklung des Sicherheitenkonzepts. >> Mehr zum Urteil des Kammergerichts im Dertour-Verfahren
VIR-Vorstand verteidigt DRSF
Die Diskussion über Finanzierung, Aufsicht und Belastungen für die Reiseveranstalter beschäftigt die Branche intensiv. >> VIR-Vorstand Michael Buller hatte im Gespräch mit TRVL COUNTER zuletzt die Kritik am Fonds zurückgewiesen und den DRSF als bewährtes Sicherungssystem verteidigt.
Kritik an ausbleibenden Reformen
Bereits im Dezember hätten die Spitzen der deutschen Reiseveranstalter ihre Erwartungen an eine Reform des Fonds gegenüber dem Bundesjustizministerium deutlich gemacht. Seitdem sei jedoch nichts Wesentliches geschehen. „Senken Sie die Kosten für den Urlaub der Deutschen. Es kostet Sie nicht einen Cent Steuergeld“, fordert TUI von der Bundesregierung.
![]() |
Dertour vs. DRSF – oder, wie VIR-Vorstand Michael Buller sagt: „Der Skandal, der keiner ist“. |
Aus Sicht des Konzerns verteuert der Staat die Pauschalreise unnötig. Dies beginne bei Gebühren im Luftverkehr und setze sich bei den Kosten für die Reisesicherung fort. Dabei sei inzwischen ausreichend Kapital vorhanden. Nach Angaben von TUI haben deutsche Reiseveranstalter mittlerweile rund eine Milliarde Euro in den Fonds eingezahlt.
„Ausreichend Geld für alle denkbaren Risiken“
Der Branchenprimus sieht deshalb keinen Grund mehr für die aktuelle Belastung der Branche. „Es ist ausreichend Geld für alle denkbaren Risiken hinterlegt“, heißt es in der Stellungnahme.
Der Fonds war nach der Insolvenz von Thomas Cook im Jahr 2019 eingeführt worden, um Pauschalreisende besser gegen Veranstalterinsolvenzen abzusichern. TUI stellt das Grundprinzip nicht infrage, kritisiert jedoch die heutige Ausgestaltung.
TUI bemängelt Kapitalbindung
Aus Sicht des Konzerns bindet der Fonds erhebliche Mittel, die den Unternehmen für Investitionen und Innovationen fehlen. Gleichzeitig werde das eingezahlte Kapital nicht ausreichend genutzt.
„Bei anhaltender Inflation verliert das Geld der Unternehmen real an Wert“, so das Argument. Der Fonds lege die Mittel „unter Aufsicht des Staates unter die Matratze“ und verhindere damit, dass das Geld produktiv eingesetzt werde und Wachstum generiere.
Kritik an der Aufsicht
Die grundsätzliche Absicherung von Reisenden bewertet TUI positiv. Mit der aktuellen Umsetzung zeigt sich der Konzern jedoch unzufrieden. „TUI findet die Absicherung gut und richtig. Aber die Umsetzung unter Aufsicht der Bundesjustizministerin funktioniert nicht.“
Der DRSF sei in seiner heutigen Form „ein politisch gemachter Kostentreiber für Urlaub“. Die Branche brauche einen Sicherungsmechanismus, der Verbraucher schütze, ohne gleichzeitig Reisen zu verteuern und Kapital in den Unternehmen zu binden.
Forderung nach Gebührenstopp und neuer Anlagestrategie
TUI fordert deshalb, die Gebühren des Fonds umgehend auf null zu reduzieren, die Sicherheitsleistungen der Veranstalter zu senken und die vorhandenen Mittel professionell anzulegen. „Nur so lässt sich Verbraucherschutz mit wirtschaftlicher Vernunft verbinden“, heißt es in der Stellungnahme.
Der Deutsche Reisesicherungsfonds ist seit 2022 die zentrale Einrichtung zur Insolvenzabsicherung von Pauschalreisen in Deutschland. Größere Reiseveranstalter sind gesetzlich verpflichtet, Beiträge zu leisten und Sicherheiten zu hinterlegen. Im Insolvenzfall sollen Reisende ihr Geld zurückerhalten beziehungsweise aus dem Urlaub zurückgebracht werden können. Für die Unternehmen bedeutet das System jedoch die Bindung erheblicher finanzieller Mittel.
Dertour-Urteil erhöht den Druck
Die Forderungen von TUI fallen wenige Tage nach einem wichtigen Urteil im Streit um den DRSF. Das Berliner Kammergericht hatte die Klage der Dertour Group auf Rückzahlung von rund 1,27 Millionen Euro abgewiesen und damit ein Urteil der Vorinstanz aufgehoben. Im Kern geht es um die Frage, ob Reiseveranstalter für bestimmte Reisen während der Einführung des Fonds faktisch doppelt belastet wurden.
Der DRV kritisierte die Entscheidung und hält die Argumentation zur Doppelbelastung weiterhin für nicht ausreichend berücksichtigt. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens fordert auch der Verband eine deutliche Senkung der Entgelte und eine Weiterentwicklung des Sicherheitenkonzepts. >> Mehr zum Urteil des Kammergerichts im Dertour-Verfahren
VIR-Vorstand verteidigt DRSF
Die Diskussion über Finanzierung, Aufsicht und Belastungen für die Reiseveranstalter beschäftigt die Branche intensiv. >> VIR-Vorstand Michael Buller hatte im Gespräch mit TRVL COUNTER zuletzt die Kritik am Fonds zurückgewiesen und den DRSF als bewährtes Sicherungssystem verteidigt.


