Digitale Buchungen dominieren – KI kommt mit großen Schritten
Insgesamt spielen digitale Kanäle inzwischen bei 77 Prozent aller Reisen eine Rolle, 17 Prozent der Deutschen nutzen KI für die Reiseplanung. Viele investieren mehr Geld in einzelne Reisen, statt mehrere Urlaube zu machen. Gleichzeitig wächst das Preisbewusstsein. Neue Daten zeigen strukturelle Veränderungen im Reisemarkt.

Der deutsche Reisemarkt verändert sich leise, aber merklich: Urlauber reisen seltener ein zweites Mal im Jahr, vergleichen stärker Preise und buchen zunehmend digital. Gleichzeitig etabliert sich Künstliche Intelligenz überraschend schnell als Planungshilfe.
Das sind die zentralen Erkenntnisse der Auswertung „Daten & Fakten zum Online-Reisemarkt 2026“ des Verbands Internet Reisevertrieb (VIR) auf Basis von Daten der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) sowie Travel Data + Analytics (TDA).
Immer digitaler
Digitale Buchungen prägen den Reisemarkt stärker als je zuvor. Über alle Reisen ab einer Übernachtung hinweg werden inzwischen 71 Prozent zumindest teilweise digital gebucht. Rechnet man hybride Buchungen hinzu, sind 77 Prozent aller Reisen digital beeinflusst, im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 74 Prozent.
Bei Urlaubsreisen ab fünf Tagen steigt der Anteil digitaler Buchungen auf 66 Prozent, bei Kurzurlaubsreisen auf 87 Prozent. Reine Buchungen über Webseiten nehmen auf 58 Prozent zu, Buchungen per E-Mail auf 18 Prozent. Erstmals werden bei Urlaubsreisen ab fünf Tagen mehr Pauschalreisen digital gebucht als offline. Der digitale Anteil liegt bei 52 Prozent.
„Digital ist heute nicht mehr Alternative, sondern Normalfall. Wir sehen keine schrittweise Verschiebung mehr, sondern eine neue Marktarchitektur. Digital ist heute das Betriebssystem der Touristik“, bringt es VIR-Vorstand Michael Buller auf den Punkt.
KI kommt schnell in der Reiseplanung an
Künstliche Intelligenz etabliert sich in kurzer Zeit als Werkzeug für die Reiseplanung. Rund 17 Prozent der Bevölkerung zwischen 18 und 75 Jahren haben bereits KI dafür genutzt. Weitere 35 Prozent können sich das künftig vorstellen.
KI wird vor allem für Inspiration, Angebotsvergleich und Strukturierung von Reisen eingesetzt. 48 Prozent der bisherigen Nutzer bewerten die Vorschläge als hilfreich. 42 Prozent berichten von Zeitersparnis und Zufriedenheit.
„Dass innerhalb von nur drei Jahren bereits 17 Prozent der erwachsenen Bevölkerung generative KI konkret für Reiseplanung einsetzen, ist bemerkenswert“, findet Buller. KI sei „kein Experiment mehr, sondern wird nunmehr als Teil der Customer Journey gesehen und sie wird die Entscheidungslogik im Reisemarkt nachhaltig verändern.“
Urlaub bleibt Priorität
Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten bleibt die Reisebereitschaft hoch. Sechs von zehn Reisenden sparen nach eigenen Angaben in anderen Lebensbereichen, um sich ihren Urlaub leisten zu können. Der Anteil des Haushaltseinkommens für Reisen liege bei rund sieben Prozent – stabil auf dem Niveau von 2019.
Das Preisbewusstsein nimmt deutlich zu: Mehr als jeder zweite Reisende (54 %) achtet bei der Urlaubsplanung gemäß der FUR-Anlyse besonders auf den Preis. 2024 lag der Wert der „Preisorientierung“ noch bei 46 Prozent. Die Qualitätsorientierung bleibt stabil bei 35 Prozent. 41 Prozent achten gezielt auf Sonderangebote oder preisgünstige Unterkünfte.

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Sowohl ausgeprägte Luxusreisen als auch konsequente Low-Budget-Reisen verlieren vor diesem Hintergrund an Bedeutung. Viele Urlauber suchten stattdessen ein ausgewogenes Verhältnis von Preis und Leistung.
„Reisen bleibt für viele Menschen unverzichtbar. Aber die Entscheidungen werden bewusster getroffen – mit stärkerem Preisvergleich“, ordnet Ulf Sonntag, Leiter der FUR-Reiseanalyse, die Ergebnisse ein.
Weniger zusätzliche Reisen
Die Zahl der Urlaubsreisen ab fünf Tagen sinkt leicht auf 67,7 Millionen. Gleichzeitig steigen die Gesamtausgaben um rund eine Milliarde Euro. Vor allem die Zahl der Zweitreisen sinkt deutlich – von 11,96 Millionen im Jahr 2024 auf 10,59 Millionen im Jahr 2025. Ersturlaubsreisen hingegen nehmen leicht zu. Kurzurlaubsreisen gehen moderat zurück, liegen aber weiterhin über dem Niveau von 2019.
Die durchschnittlichen Ausgaben pro Person bei vorab gebuchten Urlaubsreisen ab fünf Tagen steigen auf 1.429 Euro – ein kleines Plus von 30 Euro gegenüber dem Vorjahr,
„Wir sehen eine klare Verschiebung: weniger zusätzliche Reisen, dafür mehr Investition in die einzelne Reise“, so Sonntag.
Ausland bleibt dominierend
Das Ausland bleibt für längere Urlaubsreisen klar führend. 78 Prozent der Haupturlaubsreisen ab fünf Tagen führen 2025 jenseit der bundesdeutschen Grnezen. Der Anteil steigt damit nach 2024 weiter, während Inlandsreisen leicht an Bedeutung verlieren.
Parallel dazu nehme der Fluganteil bei Haupturlaubsreisen weiter zu, vor allem bei klassischen Mittelmeerzielen und Fernreisen. Bei Kurzurlaubsreisen entwickelt sich der Trend in die entgegengesetzte Richtung: Hier gewinnt die Anreise mit dem Auto an Bedeutung, während der Fluganteil sinkt.
„Je länger die Reise, desto höher die internationale Orientierung und die Bereitschaft zum Flug“, hält Michael Buller fest.
Auch bei den Buchungsformen zeigen sich Unterschiede je nach Zielgebiet. Bei Reisen in den Mittelmeerraum steigt der Anteil der Pauschalreisen weiter. Fernreisen werden dagegen häufiger aus einzelnen Bausteinen zusammengestellt.
Buchungstrends verschieben sich
Der Veranstaltermarkt entwickelt sich weiter positiv. Die Umsätze mit vorab gebuchten Leistungen liegen 2025 um 32 Prozent über dem Niveau von 2019. Für 2026 wird ein weiteres Wachstum von rund drei Prozent erwartet. „Trotz spürbarer Preissteigerungen bleibt die Nachfrage stabil“, beobachtet Roland Gassner, Direktor Geschäftsentwicklung des Marktforschers Travel Data + Analytics.
Auffällig sei eine Verschiebung der Reisezeiten. Oktober 2025 ist über alle Vertriebskanäle hinweg der volumenstärkste Abreisemonat und überholt damit die klassischen Sommermonate Juli und August deutlich. Auch bereinigt um Ferienzeiten gehört der Oktober zu den wachstumsstärksten Monaten im Online-Veranstaltervertrieb. Vor allem preisbewusste und flexible Reisende nutzen verstärkt günstigere Termine in der Nachsaison.
Bei klassischen Warmwasserzielen zählen die Türkei, Ägypten und Griechenland zu den Gewinnern im Online-Veranstaltermarkt. Den stärksten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr verzeichnet Bulgarien.
Das Buchungsverhalten entwickelt sich in zwei gegensätzliche, wenn auch vereinbare Richtungen: Neben langfristiger Planung bleibt die kurzfristige Buchung stark. Ein Teil der Reisenden bucht frühzeitig, um Preise zu sichern: 29 Prozent der im November gebuchten Reisen beginnen erst in neun Monaten oder später. Gleichzeitig bleibt der Last-Minute-Markt lebendig: 38 Prozent der im September gebuchten Reisen starten innerhalb von vier Wochen.
„Der Markt wird flexibler – mit früher Planung zur Preissicherung und gleichzeitig hoher kurzfristiger Dynamik“, so Gassner.

