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Weniger Tempo, mehr Freiheit

Dertour-Studie zeigt wachsende Lust auf Solo-Reisen

Slow Travel, Digital Detox und Urlaub ohne Begleitung gewinnen an Zuspruch. Der European Travel Trend Report der Dertour Group zeigt dabei deutliche Unterschiede zwischen den Märkten. Beim Interesse an Solo-Reisen liegt Deutschland mit mehr als 36 Prozent vorn.

Allein verreisen können sich mehr als 36 Prozent der Deutschen innerhalb der kommenden zwölf Monate vorstellen – der höchste Wert unter den untersuchten europäischen Märkten. Foto: iStock/Mumemories

Slow Travel und Solo-Reisen gewinnen unter europäischen Reisenden an Bedeutung. Besonders groß ist das Interesse am Alleinreisen in Deutschland: Mehr als 36 Prozent der Befragten können sich eine Solo-Reise innerhalb der kommenden zwölf Monate vorstellen. Das zeigt der dritte Teil des European Travel Trend Reports, den die Dertour Group beauftragt und veröffentlicht.

Grundlage sind eine Befragung von 8.000 Menschen in 13 europäischen Märkten, Buchungsdaten aus 16 europäischen Quellmärkten der Dertour Group sowie Experteneinschätzungen.

„Reisen bedeutet seit jeher, Neues zu entdecken. Heute jedoch legen Reisende mehr Wert denn je auf Erlebnisse, die ihnen etwas bedeuten und die in Erinnerung bleiben“, sagt Dertour-CEO Christoph Debus. Dazu gehörten unterschiedliche Reiseformen: „Ob Slow Travel, Digital-Detox-Auszeiten oder Solo-Reisen: Europäische Reisende entdecken neue Arten des Reisens, die ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen entsprechen.“

Mehr als die Hälfte interessiert sich für Slow Travel

Für Slow Travel, also bewusst langsameres Reisen, interessieren sich 53,2 Prozent der europäischen Befragten. Fast 64 Prozent wollen im Urlaub bewusst entschleunigen. In Deutschland liegt die Zahl mit 68 Prozent noch mal höher.

Mehr als 58 Prozent bevorzugen wenige prägende Erlebnisse statt vieler kleiner Aktivitäten. Mehr als 55 Prozent wollen Menschen vor Ort sowie Natur und Kultur intensiver kennenlernen.

Unter den Befürwortern von Slow Travel schätzen fast 59 Prozent die Reiseform, weil sie dadurch ihr Ziel intensiver erleben können. In Österreich wünschen sich mehr als 67 Prozent mehr Zeit am Urlaubsort. Gemeinsam mit Norwegen ist das der höchste Wert im europäischen Vergleich.

Allein verreisen können sich mehr als 36 Prozent der Deutschen innerhalb der kommenden zwölf Monate vorstellen – der höchste Wert unter den untersuchten europäischen Märkten. Foto: iStock/Mumemories
Slow Travel und Solo-Reisen liegen im Trend: Besonders groß ist das Interesse am Alleinreisen in Deutschland. Infografik: Google Gemini // Klicken zum Vergrößern

52 Prozent der europäischen Reisenden verbinden langsameres Reisen zudem mit persönlichem Wohlbefinden und weniger Stress. Fast 23 Prozent sehen darin eine Möglichkeit für intensivere Begegnungen mit Menschen und Kulturen vor Ort.

„Viele Menschen möchten weiterhin neue Reiseziele entdecken“, sagt Debus. Gleichzeitig verändere sich die Art, wie sie diese erleben wollten: Es wachse der Wunsch, so Debus, „sich Zeit zu nehmen, einen Ort wirklich kennenzulernen, anstatt möglichst viel auf einmal sehen zu wollen“.

Auch die Kosten spielen eine Rolle

Für rund 23 Prozent der europäischen Befragten ist Slow Travel auch eine Möglichkeit, die Urlaubskasse zu schonen. Unter deutschen Reisenden zwischen 45 und 55 Jahren sind es knapp 28 Prozent. Damit liegt der Wert rund sieben Prozentpunkte über dem europäischen Durchschnitt dieser Altersgruppe.

Die Dertour Group verbindet mit dem Trend auch das das Kofferwort Jomo für „Joy of Missing Out“. Gemeint ist der Verzicht auf möglichst viele Programmpunkte zugunsten weniger ausgewählter Erlebnisse.

Erste Angebote greifen das Konzept auf. Die Produktlinie „Go with the Flow“ von Meiers Weltreisen kombiniert organisierte Abläufe mit individueller Freiheit. Die Hotelmarke Ananea setzt mit ihrem „Slow Glamour“-Konzept auf entschleunigte Reiseerlebnisse.

Fast jeder Zweite sucht eine digitale Auszeit

Auch der Abstand von sozialen Medien und anderen digitalen Ablenkungen spielt im Urlaub eine Rolle. 48,9 Prozent der europäischen Reisenden betrachten Urlaub ganz oder eher als Gelegenheit für eine digitale Auszeit.

Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch bei Millennials: Mehr als die Hälfte der 25- bis 44-Jährigen in Europa sieht Reisen als Chance, digital abzuschalten. In Deutschland trifft dies besonders auf die 35- bis 44-Jährigen zu: Hier liegt der Anteil bei mehr als 53 Prozent.

„Reisen bietet vielen Menschen etwas, das im Alltag oft schwer zu finden ist: ungestörte Zeit“, sagt Debus. Die Auszeit von digitalen und alltäglichen Verpflichtungen gehöre für viele inzwischen zum Urlaub: „Sich für eine Weile von Bildschirmen, Terminen und Routinen zu lösen, gehört für viele inzwischen fest zum Urlaub dazu.“

Deutschland mit größtem Interesse an Solo-Reisen

Familienurlaub bleibt mit fast 66 Prozent die beliebteste Reiseform. Gleichzeitig halten es fast 30 Prozent der europäischen Befragten für sehr wahrscheinlich oder wahrscheinlich, innerhalb der nächsten zwölf Monate allein zu verreisen. Unter Singles sind es fast 38 Prozent. Auch rund jede vierte Person in einer festen Partnerschaft zieht eine Solo-Reise in Betracht.

Am größten ist das Interesse in Deutschland. Mehr als 36 Prozent können sich eine Alleinreise vorstellen. Dahinter folgen Schweden mit 35 Prozent, Frankreich mit 32,2 Prozent, Großbritannien mit 29,8 Prozent und Polen mit 28,9 Prozent.

Allein verreisen können sich mehr als 36 Prozent der Deutschen innerhalb der kommenden zwölf Monate vorstellen – der höchste Wert unter den untersuchten europäischen Märkten. Foto: iStock/Mumemories
Christoph Debus, CEO der Dertour Group, sieht einen wachsenden Wunsch nach Slow Travel, digitalen Auszeiten und Solo-Reisen. Foto: Dertour Group

„Solo-Reisen etablieren sich zunehmend als fester Bestandteil der europäischen Reiselandschaft“, sagt Debus. Der Trend verbinde dabei unterschiedliche Zielgruppen: „Besonders interessant ist dabei, dass dieser Trend Menschen unterschiedlicher Generationen, Lebensstile und Reisevorlieben verbindet.“

Als wichtige Motive nennt Debus Selbstbestimmung und Unabhängigkeit: „Für viele bedeutet Alleinreisen vor allem Freiheit, Flexibilität und die Möglichkeit, den Urlaub nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.“

Einzelzimmer ohne Zuschlag besonders gefragt

Mit dem Interesse an Solo-Reisen steigen auch die Anforderungen an entsprechende Angebote. Mehr als 38 Prozent der europäischen Befragten, die in den kommenden zwölf Monaten allein verreisen möchten, wünschen sich Einzelzimmer ohne Zuschlag.

Fast 28 Prozent möchten mit Gleichgesinnten unterwegs sein. Mehr als 22 Prozent wünschen sich Gelegenheiten für Begegnungen mit anderen Solo-Reisenden. Rund 27 Prozent legen Wert auf personalisierte Angebote und kuratierte Erlebnisse.

Auch Sicherheit spielt eine Rolle. Mehr als 25 Prozent möchten eine feste Ansprechperson für Notfälle, knapp 22 Prozent zusätzliche Sicherheitsangebote.

Veranstalter erweitern Angebot

Die Veranstalter der Dertour Group bauen ihr Angebot für Alleinreisende entsprechend auf Basis dieser Erkenntnisse aus aus. Dazu gehören Rund- und Erlebnisreisen ausschließlich für Solo-Reisende sowie Rundreisen mit reduzierten Einzelzimmerzuschlägen oder der Möglichkeit, ein Doppelzimmer zu teilen.

„Gemeinsame Mahlzeiten, interaktive Programmpunkte und kleine Reisegruppen fördern den Austausch mit anderen Teilnehmenden“, sagt Dertour-Produktchef Sven Schikarsky. Gleichzeitig sollen die Programme genügend Raum für individuelle Reiseerlebnisse lassen: „und schaffen zugleich Raum für besondere Erlebnisse, die lange in Erinnerung bleiben“.

Felix Hormel