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Vertriebsklima-Index
16.03.26, 14:49 Uhr

Stimmung am Counter sackt auf niedrigstes Level seit Corona

Die Laune im Vertrieb kippt. Das monatliche Stimmungsbarometer sinkt im März auf 84,5 Punkte und erreicht damit den niedrigsten Stand seit Mai 2021. Der Abwärtstrend fällt mit den geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und deren Folgen für Nachfrage und Planungssicherheit zusammen.

Gedämpfte Stimmung im Reisevertrieb: Der Vertriebsklima-Index fällt im März auf den niedrigsten Stand seit Mai 2021. Foto: iStock/Juan Reig Peiro
Der touristische Vertrieb reagiert empfindlich auf die Eskalation im Nahen Osten. Der von der Unternehmensberatung Dr. Fried & Partner monatlich ermittelte Vertriebsklima-Index fällt im März 2026 auf 84,5 Punkte – ein Rückgang um fast zehn Zähler gegenüber Februar (94 Punkte). 

Damit erreicht das Stimmungsbarometer den niedrigsten Stand seit Mai 2021, also seit der späten Phase der Corona-Pandemie.

Krieg in Nahost und Folgen für die Branche

Der markante Einbruch folgt wenige Wochen auf den Ausbruch der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der USA und Israel mit Iran und den Welleneffekten im gesamten Nahen Osten durch die wahllosen Gegenschläge vonseiten Irans.

Die touristischen Implikationen sind – nur mit Blick auf die „Hardware“ – Luftraumsperren, die Rückführung von zehntausenden Pauschalgästen, Energiepreisschocks und Kreuzfahrtschiffe im Zwangsstopp.

Die World Travel & Tourism Council (WTTC) beziffert die aktuellen Verluste in der Region auf etwa 600 Millionen US‑Dollar pro Tag an ausbleibenden internationalen Ausgaben. Eine Einschätzung von Oxford Economics rechnet für 2026 mit einem Einbruch der internationalen Ankünfte im Nahen Osten um knapp ein Drittel – das wären bis zu 40 Millionen Gäste weniger und ein zweistelliger Milliardenbetrag an verlorenen Umsätzen.

Wie sehr der Konflikt auch am immateriellen Kapital der Region kratzt und in das Fundament aus Vertrauen, Image und Reisesicherheit am Golf eingreift, ist einstweilen völlig offen. Der Mehraufwand am Counter ist auf jeden Fall immens.

Lageeinschätzung eingetrübt

Vor dieser geopolitischen Kulisse sacken die Counter-Zahlen im März drastisch ab. Der Lagebewertung im jüngsten Vertriebsklima-Index sinkt von 97,3 auf 88,8 Punkte – niedrigster Stand seit Januar 2022.

Nur noch 26 Prozent der befragten Reisebüros bezeichnen ihre Situation als gut. Im Februar waren es noch 39 Prozent. Der Anteil derjenigen, die ihre Lage als befriedigend einschätzen, bleibt etwa gleich zum Vormonat. Derweil steigt der Anteil negativer Bewertungen deutlich: 32 Prozent sprechen von einer schlechten Geschäftslage – fast doppelt so viele wie im Februar (18,3 %).

Schwächere Nachfrageentwicklung

Auch bei der Nachfrageentwicklung zeigt sich eine klare Verschlechterung. 18 Prozent der Reisebüros melden gestiegene Verkaufszahlen in den vergangenen Monaten im Vergleich zum Vorjahr. Im Februar waren es noch 23 Prozent.

36 Prozent berichten von stabilen Umsätzen. Gleichzeitig steigt der Anteil der Agenturen mit rückläufigen Verkaufszahlen: 46,2 Prozent melden sinkende Nachfrage, nach 39,9 Prozent im Vormonat.

Erwartungen rutschen ab

Besonders stark fällt der Rückgang bei den Erwartungen für die kommenden sechs Monate aus. Der Erwartungsindex sinkt von 91 auf 81 Punkte – niedrigster Stand seit Februar 2021.

Nur noch neun Prozent der Reisebüros rechnen mit steigender Nachfrage. Im Februar lag dieser Anteil noch bei 16 Prozent. 40 Prozent erwarten eine stabile Entwicklung, während inzwischen 52 Prozent von rückläufiger Nachfrage ausgehen – fast doppelt so viele wie im Vormonat.

Auch bei den Erträgen wächst die Skepsis

Die Erwartungen an die Ertragssituation verschlechtern sich ebenfalls deutlich. Nur noch elf Prozent der Reisebüros rechnen in den kommenden sechs Monaten mit steigenden Erträgen. Im Februar waren es noch 19 Prozent. 

Der Anteil derjenigen, die stabile Einnahmen erwarten, sinkt von 46,5 auf 39,7 Prozent. Gleichzeitig steigt der Anteil der Betriebe, die mit rückläufigen Erträgen rechnen, deutlich von 34,4 auf 49,2 Prozent.

Jahresrückblick 2025 vs. 2026

Zum Vergleich: Im März 2025 lag der Klimaindex noch bei 107,5 Punkten, die Lagebewertung bei 112,6 und der Erwartungswert bei 102,8 Punkten. Das aktuelle Niveau markiert damit einen deutlichen Abstand zum Vorjahr.

An der aktuellen Befragung beteiligten sich 262 Reisebüros, die sowohl den stationären als auch den Online-Vertrieb von Urlaubsreisen abdecken. Die Mehrheit der teilnehmenden Unternehmen stammt aus dem mittelständischen Leisure-Segment.

Eine direkte Kausalität zwischen Nahostkonflikt und Stimmungseinbruch besteht nicht. Klar ist aber auch, dass die Entwicklungen nicht spurlos am Counter vorbeigehen. Die jüngsten Tats-Zahlen haben nahegelegt, dass zumindest der schwache Jahresauftakt im Reisevertrieb zuletzt langsam aufgearbeitet worden war.