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Touristik im Krisenmodus
06.03.26, 17:53 Uhr

Reisebranche arbeitet mit Hochdruck an Lösungen für Golfurlauber

Sonderflüge, Chartermaschinen und Umbuchungen bestimmen derzeit das Krisenmanagement der Reisebranche. Veranstalter und Reedereien bringen Gäste aus der Golfregion zurück nach Europa, während der Tourismus in den betroffenen Ländern auf Eis liegt.

Die angespannte Sicherheitslage im Nahen Osten zwingt Airlines und Veranstalter zu umfangreichen Rückholaktionen für Reisende. Foto: iStock/Jag_cz
Nach der Eskalation der militärischen Lage im Nahen Osten konzentrieren sich Reiseveranstalter und touristische Leistungsträger auf die Rückführung von Gästen aus der Golfregion und angrenzenden Fernreisezielen.

Sonderflüge, zusätzliche Charter und Umbuchungen prägen derzeit das Krisenmanagement der Branche. Der DRV koordiniert mit der Regierung. Gleichzeitig setzen viele Veranstalter Reisen in die betroffenen Länder vorübergehend aus oder ermöglichen kostenfreie Umbuchungen.

TUI bringt 550 Gäste nach Hause

Die TUI Group hat am Wochenende weitere Pauschalreisegäste mit Sonderflügen nach Europa zurückgebracht. In der Nacht von Samstag auf Sonntag landeten drei Maschinen mit insgesamt mehr als 550 Gästen in Frankfurt und Hannover.

Rund 300 Reisende wurden direkt von den Malediven nach Deutschland ausgeflogen, nachdem Umsteigeverbindungen über die Golf-Drehkreuze ausgefallen waren. Weitere etwa 250 Gäste befanden sich an Bord von zwei Boeing 737-8 der TUI Airline, die vom Flughafen Al Ain in den Vereinigten Arabischen Emiraten über einen technischen Zwischenstopp im griechischen Heraklion nach Hannover flogen.

An Bord waren neben deutschen Gästen auch Reisende aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Polen, dem Vereinigten Königreich, Schweden und Finnland.

Ebel: Wichtiger Meilenstein

TUI-Chef Sebastian Ebel bezeichnete die Flüge als wichtigen Schritt bei der Rückholung der Gäste. „Heute Nacht haben wir einen weiteren wichtigen Meilenstein erreicht, um zusätzliche Flugverbindungen für unsere Pauschalreisegäste zu organisieren und ihre Rückreise nach Deutschland sowie in andere europäische Heimatmärkte sicherzustellen“, sagte er am Flughafen Hannover-Langenhagen.

Nach Angaben des Konzerns setzt TUI für die Rückholaktionen sowohl eigene Flugzeuge ein als auch auf Kapazitäten von Partner-Airlines und chartert bei Bedarf zusätzliche Maschinen. Weitere Flüge seien in den kommenden Tagen geplant.

Dertour fliegt Gäste aus den Emiraten aus

Veranstalter Dertour bringt seine Gäste aus Dubai und Abu Dhabi derzeit über Sonderflüge der Airlines Emirates und Etihad Airways zurück nach Europa. Seit Anfang vergangener Woche werden Urlauber unter besonderen Sicherheitsauflagen ausgeflogen. Voraussetzung sei jeweils, dass sichere Luftkorridore zur Verfügung stehen, teilte das Unternehmen mit. Die Flugsituation bleibe dynamisch, kurzfristige Änderungen seien möglich.

Pauschalreisegästen entstehen keinerlei zusätzlichen Kosten für Rückholflüge, auch wenn sie mit Chartermaschinen oder Regierungsflügen ausgeführt werden. Das sei „ein wesentlicher Bestandteil des Schutzes, den Pauschalreisen Verbrauchern bieten“, versichert Dertour.

Parallel hat der Veranstalter Reisen in Nahost-Ziele mit bestehender Reisewarnung bis einschließlich 15. März abgesagt. Für Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain, Jordanien, Oman und Saudi-Arabien mit Abreise bis Ende März bietet Dertour kostenfreie Umbuchungen auf andere Reiseziele an.

Schauinsland startet Rückholflüge aus Thailand

Auch Schauinsland organisiert derzeit Rückführungen. Rund 170 Gäste, die sich in Thailand aufhalten, sollen in den kommenden Tagen nach Deutschland zurückkehren. Ein erster Sonderflug mit 50 Reisenden ist am 6. März ab Phuket in Kooperation mit der Airline Centrum Air gestartet. Weitere 120 Gäste sollen am 9. März von Bangkok aus mit Lufthansa zurückfliegen.

Die Rückholungen folgen auf bereits zuvor organisierte Flüge aus anderen betroffenen Zielgebieten. Dazu zählen laut Veranstalter Rückreisen aus den Emiraten sowie aus den Malediven, Sri Lanka und Mauritius.

Studiosus betreut noch einzelne Gäste in der Region

Der Studienreisespezialist Studiosus meldet derzeit noch einzelne Gäste in der Region. Demnach befinden sich Reisende im Oman sowie zuletzt ein Gast in Katar. „Es geht ihnen allen gut“, teilt der Münchner Veranstalter mit. Die Rückreisen aus dem Oman sind für das Wochenende vorgesehen, während für den Gast in Katar noch eine Ausreisemöglichkeit organisiert wird.

Weitere Abreisen in den Oman und nach Jordanien sagt Studiosus bis einschließlich 7. April ab. Gleichzeitig nimmt der Veranstalter Umbuchungen für Gäste vor, deren Flüge über Drehkreuze am Golf führen.

Transitpassagiere ebenfalls betroffen

Die Luftraumbeschränkungen treffen auch Fernreisende, die normalerweise über Drehkreuze am Golf reisen. Laut Dertour sind insbesondere Verbindungen zu Zielen wie den Malediven, Mauritius, den Seychellen, Thailand oder Vietnam betroffen.

Um gestrandete Transitgäste zurückzubringen, setzt der Veranstalter zusätzliche Charterflüge ein, etwa von den Malediven nach Deutschland. Weitere Charterverbindungen, unter anderem zur Rückholung von Gästen aus Thailand, werden derzeit geprüft.

MSC bringt Euribia-Gäste nach Hause

Auch Kreuzfahrtgesellschaften organisieren umfangreiche Rückholaktionen. MSC Cruises hat nach eigenen Angaben Flüge für mehr als 1.500 Gäste organisiert, die sich an Bord der MSC Euribia in Dubai befanden. Bislang seien sieben Flüge aus der Region gestartet, darunter Chartermaschinen, gesicherte Plätze auf Linienflügen sowie von Regierungen organisierte Flüge.

Die Passagiere wurden unter anderem nach Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien, in die USA und nach Brasilien gebracht. „Ich bin sehr stolz darauf, wie das gesamte Unternehmen bei dieser hochkomplexen Rückholaktion zusammenarbeitet“, sagt Pierfrancesco Vago, Executive Chairman von MSC Cruises. Crew und Teams weltweit hätten rund um die Uhr daran gearbeitet, die Gäste sicher nach Hause zu bringen.

Die Anschlussreisen der Euribia wurden abgesagt.

TUI Cruises organisiert Rückflüge für Mein-Schiff-Gäste

Auch TUI Cruises arbeitet an der Rückführung von Kreuzfahrtgästen. Von der Mein Schiff 4 konnten zuletzt 840 Gäste über Dubai mit Emirates nach Deutschland zurückkehren, weitere 660 Rückreisen waren für den 6. März geplant. Zusätzlich organisiert die Reederei Sonderflüge aus Maskat im Oman, mit denen rund 640 Gäste nach Deutschland ausgeflogen werden sollen. Insgesamt haben bereits mehr als 2.000 Gäste das Schiff verlassen und ihre Heimreise angetreten oder befinden sich auf dem Weg dorthin.

Für Gäste der Mein Schiff 5 im Hafen von Doha bereitet die Reederei weitere Rückflugmöglichkeiten vor, unter anderem über Saudi-Arabien.

Flugverkehr nimmt langsam wieder Fahrt auf

Parallel stabilisiert sich der Flugverkehr in der Region schrittweise. Emirates fliegt nach eigenen Angaben derzeit einen reduzierten Flugplan und arbeitet daran, das weltweite Streckennetz wieder vollständig aufzunehmen.

Bis zum 7. März plant die Airline 106 tägliche Hin- und Rückflüge zu 83 Destinationen, was etwa 60 Prozent des Streckennetzes entspricht. Allein am Vortag wurden rund 30.000 Passagiere aus Dubai ausgeflogen. Deutschland wird wieder mehrfach täglich bedient, mit Flügen nach Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg.

Condor befördert Oman-Rückkehrer

Auch Condor beteiligt sich an der Rückholung von Reisenden. Zwei Sonderflüge im Auftrag des Auswärtigen Amtes haben rund 500 Passagiere am Wochenende von Maskat im Oman nach Frankfurt gebracht. Auf dem Weg nach Deutschland wurde ein Zwischenstopp im ägyptischen Hurghada eingelegt.

Die Auswahl der Passagiere sowie die Koordination erfolgten dabei über das Auswärtige Amt, bei dem sich die Reisenden zuvor registriert hatten. Condor steht im Austausch mit Reiseveranstaltern, um bei Bedarf zusätzliche Rückflugmöglichkeiten für Gäste zu schaffen, deren Heimreise ursprünglich über Drehkreuze im Nahen Osten geplant war.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte der Ferienflieger zusätzliche Direktverbindungen ab Malé auf den Malediven sowie ab Mauritius nach Frankfurt durchgeführt, um alternative Rückreisemöglichkeiten zu schaffen.

Israelische Airline startet eingeschränkt

In Israel wird der internationale Flugverkehr teilweise wieder aufgenommen. Die Airline El Al kündigte an, ab dem 8. März wieder Passagiere auf internationalen Flügen zu befördern. In der ersten Phase dürfen allerdings maximal 70 Passagiere pro Flug mitreisen.

Vorrang hätten Reisende, deren Flüge zuvor gestrichen wurden und die sich derzeit noch im Land befinden. Sie sollen zunächst auf Rückholflüge umgebucht werden, bevor der reguläre Ticketverkauf wieder aufgenommen wird.

Katar unterstützt Gestrandete

In Katar wurden zusätzliche Maßnahmen aktiviert, um Reisende zu unterstützen, deren Weiterreise sich wegen der Flugverkehrsbeeinträchtigungen verzögert. Nach Angaben der Tourismusorganisation Visit Qatar arbeiten Behörden, Tourismusorganisationen und Hotels eng zusammen, um betroffene Gäste vor Ort zu betreuen.

Reisende können ihre Hotelaufenthalte vorübergehend ohne zusätzliche Kosten verlängern. Gleichzeitig erleichtern die Behörden Visa-Verlängerungen für Gäste, die sich derzeit im Land aufhalten. Zudem wurde der Hotel- und Gastgewerbesektor mobilisiert, um zusätzliche Kapazitäten bereitzustellen.

Branche bleibt im Krisenmodus

Trotz erster Fortschritte bei Rückholflügen bleibt die Lage angespannt. Veranstalter, Airlines und Behörden stimmen ihre Maßnahmen weiterhin eng aufeinander ab. Vorrang haben derzeit die sichere Ausreise der Gäste aus der Region sowie flexible Umbuchungen für bereits geplante Reisen in den kommenden Wochen.

Die Rückholaktionen betreffen Reisende aus zahlreichen Herkunftsländern. Regierungsangaben zufolge hielten sich zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Krise rund 30.000 deutsche Pauschalreise- und Kreuzfahrtgäste in den Golfstaaten auf.

Dimension der Rückführung

Deutlich größer ist die Zahl britischer Bürger: Berichten von BBC und Guardian zufolge befanden sich mehrere Hunderttausend Briten in den Golfstaaten, darunter Residents, Urlauber und Transitpassagiere. Schätzungen reichen von mehr als 200.000 bis zu rund 300.000 Personen, rund 100.000 hätten sich in der Krisenerfassung des Außenamts registriert.

Aus Australien waren ähnlich viele Reisende betroffen. Schätzungen zufolge hielten sich jenseits der Marke von 100.000 australischen Staatsbürgern in der Region auf. Hintergrund ist vor allem die Rolle der Golf-Flughäfen als zentrale Umsteigedrehkreuze zwischen Europa, Asien und Australien.

Insgesamt dürfte die Krise zeitweise rund eine halbe Million Reisende aus verschiedenen Herkunftsländern betroffen haben.