Anzeige
Stimmung am Counter
14.09.26, 17:11 Uhr

Vertriebsklima steigt weiter – die Erholung verliert an Tempo

Der Reisevertrieb arbeitet sich weiter aus dem Stimmungstief. Im September steigt der Vertriebsklima-Index abermals. Der Aufwärtstrend hält damit an, verliert nach dem August-Sprung aber deutlich an Kraft. Bei Nachfrage und Erträgen verschiebt sich das Bild jedoch in Richtung Stabilität.

Es geht voran, aber nur mit angezogener Bremse – das Tempo der Erholung am Counter lässt im September nach. Foto: iStock/erhui1979

Die Stimmung im Reisevertrieb verbessert sich im September erneut. Der touristische Vertriebsklima-Index steigt von 85 auf 86,5 Punkte und damit den vierten Monat in Folge. Die Erholung seit dem Tief im Mai setzt sich fort, verliert aber an Tempo. Im August hatte das Stimmungsbarometer noch um 6,3 Punkte zugelegt.

Unter der Oberfläche entwickelt sich das Bild weiter in die richtige Richtung. Die aktuelle Geschäftslage wird etwas besser bewertet, die Erwartungen für die kommenden sechs Monate steigen ebenfalls. Zugleich berichten weniger Reisebüros von rückläufigen Verkäufen. Bei Nachfrage und Erträgen verschiebt sich die Stimmung weiter in Richtung Stabilität.

Vom Niveau des Vorjahres bleibt der Vertriebsklima-Index allerdings deutlich entfernt. Im September 2025 hatte er bei 96,7 Punkten gelegen. Zu Jahresbeginn 2026 waren es 94,1 Punkte.

Der Lageindex steigt von 86,4 auf 87,3 Punkte. Etwas stärker verbessern sich die Erwartungen: Der entsprechende Index legt von 83,6 auf 85,7 Punkte zu. Seit dem Tief im Mai haben damit beide Teilindizes deutlich Boden gutgemacht. Damals hatte der Lageindex bei 73,7 und der Erwartungsindex bei 74,4 Punkten gelegen.

Lage verbessert sich weiter

Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage hellt sich minimal auf. 23,5 Prozent der Reisebüros bewerten ihre Lage im September als gut, nach 23,3 Prozent im August. Der Anteil negativer Bewertungen sinkt von 27,5 auf 25,1 Prozent. 51,4 Prozent sprechen von einer befriedigenden Lage, nach 49,2 Prozent im Vormonat. Insgesamt also wenig Verschiebungen. Der große Sprung vom August wiederholt sich nicht.

Verkaufsrückgänge lassen weiter nach

Auch bei den Verkaufszahlen setzt sich die Entspannung fort. 54,3 Prozent der Reisebüros berichten von gesunkenen Verkäufen in den vergangenen zwei bis drei Monaten gegenüber dem Vorjahr. Im August waren es 55,7 Prozent. Die Mehrheit des Vertriebs verzeichnet damit weiterhin Rückgänge, allerdings nimmt deren Verbreitung erneut leicht ab.

32 Prozent melden unveränderte Verkäufe, nach 30,9 Prozent im August. Der Anteil der Reisebüros mit steigenden Verkäufen geht dagegen geringfügig von 13,4 auf 13,8 Prozent nach oben. Damit berichten inzwischen 45,8 Prozent von stabilen oder wachsenden Verkäufen.

Nachfrageerwartungen werden stabiler

Deutlicher fällt die Verbesserung beim Blick auf die kommenden sechs Monate aus. Nur noch 35,6 Prozent der Befragten rechnen mit einer sinkenden Nachfrage nach Reiseleistungen. Im August waren es 39,7 Prozent.

Die Mehrheit erwartet inzwischen zumindest Stabilität: 53,4 Prozent gehen von einer unveränderten Nachfrage aus, nach 49,6 Prozent im Vormonat. Weitere 10,9 Prozent rechnen mit steigender Nachfrage. Im August waren es 10,7 Prozent. Damit erwarten fast zwei Drittel der Reisebüros für die kommenden sechs Monate eine stabile oder wachsende Nachfrage.

Auch bei den Erträgen schwindet die Skepsis

Noch stärker verschiebt sich das Bild bei den Ertragserwartungen. 40,5 Prozent der Reisebüros rechnen in den kommenden sechs Monaten mit einer Verschlechterung. Im August waren es noch 48,1 Prozent.

Gleichzeitig steigt der Anteil der Reisebüros, die von unveränderten Erträgen ausgehen, deutlich von 39,7 auf 47,8 Prozent. 11,7 Prozent erwarten eine Verbesserung, nach 12,2 Prozent im August. Auch hier speist sich die Aufhellung damit nicht aus wachsendem Optimismus, sondern vor allem aus einer Verschiebung von negativen zu stabilen Erwartungen.

Die Entwicklung bestätigt damit den Erholungskurs der vergangenen Monate, ohne bereits eine Rückkehr zu früheren Stimmungswerten zu markieren. Seit dem Tief im Mai ist der Vertriebsklima-Index von 74 auf 86,5 Punkte gestiegen. Gegenüber September 2025 fehlen jedoch weiterhin mehr als zehn Zähler

Die Erhebung wird regelmäßig von der Münchner Unternehmensberatung Dr. Fried & Partner durchgeführt. An der aktuellen Befragung nahmen 247 Reisebüros (August: 262) teil, die sowohl den stationären als auch den Online-Vertrieb von Urlaubsreisen abdecken. Der Großteil stammt aus dem mittelständischen Leisure-Segment.

Felix Hormel