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Hochsee-Updates
08.03.26, 15:09 Uhr

ITB-Kreuzfahrtpodium schnürt Paket mit Cruise-News

Neue Schiffe, neue Häfen, neue Zielgruppen – die Kreuzfahrtbranche bleibt Kursgeber in der Reisewirtschaft. Auf der ITB wurde deutlich, dass Reedereien trotz Nahostkrise und schwächerem Konsumklima an Wachstum glauben. Vor allem Erstfahrer und jüngere Gäste sorgen für zusätzlichen Boost.

Branchenvertreter diskutieren beim traditionellen Kreuzfahrtpodium auf der ITB Berlin über Neubauten, neue Routen und die Zukunft von Hochseereisen.

Seit Jahren ist die Kreuzfahrtbranche ein wichtiger Motor der Touristik, was im Markt zu wachsenden Flotten und immer neuen Routen von Kurztrips bis Weltreisen führt. Doch vor dem Hintergrund aktueller Krisen wie Klimawandel und dem Iran-Krieg zeigt sich auch, wie die wachsende Branche wieder und wieder mit Widerständen umgehen lernen muss.  

Aufgrund des aktuellen Weltgeschehens stand das Hochseepodium bei der diesjährigen ITB Berlin inhaltlich auch unter dem Einfluss des Nahostkonflikts, weswegen drei Reedereien ihre Teilnahme kurzfristig absagen mussten.

Doch auch ohne die Teilnehmer von TUI Cruises, Hapag-Lloyd und MSC sprachen die Organisatoren bei der zehnten Auflage des Branchentreffens auf der Reisemesse von einer „Rekordbeteiligung“ – und bescheinigen der „Boom-Branche der Touristik“ ein stabiles Wachstum, das Krisen und schwächelndem Konsumklima weiterhin trotzt. 

Dabei berichteten viele der teilnehmenden Reedereien von geplanten Neuerungen wie Schiffsneubauten und Renovierungen, neuen Routen und Abfahrtshäfen sowie technologischen Entwicklungen, die die Reiseart langfristig nachhaltiger und zukunftsfähig machen sollen. Die Reiselust der Kunden sei trotz aller Krisen ungebrochen – und auch was die Altersstruktur der Zielgruppen angehe, zeigten sich viele der Experten mit der aktuellen Buchungsentwicklung zufrieden. 

Dutzende Neubauten in den Orderbüchern

Die positiven Entwicklungen der Branche zeigten allein auch die Zahlen, die zum Auftakt des Expertengesprächs vorgestellt wurden. 75 neue Kreuzfahrtschiffe stehen derzeit weltweit in den Orderbüchern der Werften, 15 neue Hochseeschiffe sollen allein in diesem Jahr erstmals Gäste an Bord begrüßen.

Wie beträchtlich die Expansionspläne bei einer einzigen Reederei sein können, macht das Beispiel von MSC Cruises deutlich, wo bis 2033 um die 57.000 neue Betten auf See hinzukommen sollen. 

Auch der Ausrichter des Expertentalks, der norddeutsche Tourismus- und Hafenstandort Bremerhaven, zeigt sich mit der Entwicklung der Branche betont zufrieden und hat den Betrieb seines Terminals inzwischen auf eine ganzjährige Nutzung ausgeweitet. Dabei kommen auch hier immer wieder neue Reedereien hinzu, die Abfahrten aus Bremerhaven ins Programm nehmen – in diesem Jahr Oceania Cruises sowie die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd.

Dank der großzügigen Kailänge der Columbuskaje gehe dem Terminal in Bremerhaven der Platz so schnell nicht aus, heißt es auch vonseiten des Cruiseport-Betreibers, der die Versorgung mit Landstrom ab diesem Jahr auch in Bremerhaven zum Standard macht.  

Gen Z sorgt für Boom bei Aida

Eine der richtungsweisenden Reedereien für den deutschen Markt ist die zum Carnival-Konzern gehörende Marke Aida, für die Vice President Alexander Ewig am Kreuzfahrtpodium teilgenommen hat. Seine Botschaft zum 30. Jubiläum der Reederei: Die aktuellen Buchungsdaten deuten klar darauf hin, dass die Branche mehr und mehr Neukunden generiert und die Aida-Schiffe fast zur Hälfte Erstfahrer begrüßen.

Auch das Alter der Gäste stimmt Aida optimistisch – der Anteil von Reisenden aus der Gen Z wächst und bringt die Reederei so auf einen wichtigen Zukunftskurs.  

Was die Schiffe selbst betrifft, investiert Aida vor dem Start der nächsten Neubauten zunächst verstärkt in die Renovierung der sieben Schiffe der Selection-Klasse, die bis 2028 abgeschlossen sein soll. Zwei Schiffe sind schon aus der Werft, und gerade am Beispiel der Aida Diva zeigte sich hier bereits ein großer Sprung in puncto Kundenzufriedenheit. 

Phoenix-Reisen setzt auf Weltentdeckung

Ein kleinerer Anbieter, der sich genau wie Aida vorrangig auf den deutschen Markt konzentriert, ist Phoenix-Reisen mit Sitz in Bonn. Die Reederei, zu deren Flotte mit der Amadea auch das Traumschiff aus der gleichnamigen Kultserie gehört, setzt auf deutlich kleinere Schiffe und Routen abseits der Klassikerstrecken.

Um die 700 Häfen stehen laut Michael Schulze, der den Bereich Schiffsreisen bei Phoenix leitet, jährlich auf dem Plan, darunter etliche, die nur für kleine Schiffe erreichbar sind. Zu den Programm-Highlights der nächsten Jahre zählt eine 188-tägige Weltreise in der Saison 2027/2028.

Kulinarik und Adults-only bei Oceania 

Ebenfalls mit einem Fokus auf kleinere Schiffe und exklusive Erlebnisse auf vielseitigen Routen hat sich die Norwegian-Marke Oceania Cruises in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht, wobei hier gleichzeitig auch noch die Kulinarik eine ganz besondere Rolle spielt. Hier wirbt man mit der „feinsten Küche auf See“, und das Verhältnis von Gästen zu Küchenpersonal liegt auf den Schiffen der Reederei im Schnitt bei acht zu eins. Dabei sind nicht nur die vielseitigen Restaurants, die alle im Reisepreis inbegriffen sind, kulinarische Highlights der Reisen, sondern auch diverse Zusatzangebote wie Kochworkshops oder spezielle Foodie-Ausflüge im Landprogramm. 

Beim Branchentalk gab DACH-Director Maik Schlüter einen Einblick in die geplanten Neubauten der Reederei, die für 2027 die Premiere der neuen Sonata-Klasse plant. Die soll zwei weitere neue Restaurant-Konzepte hinzubekommen. Die US-Marke spricht ein internationales Publikum an und gab erst vor einigen Monaten die neue Ausrichtung als Adults-only-Reederei bekannt, was bedeutet, dass das Mindestalter der Passagiere ab diesem Jahr bei 18 Jahren liegt.

Neu im Jahr 2026 plant Oceania außerdem mehrere Anläufe des Standorts Bremerhaven.

Spitzen-Entertainment bei Disney Cruise Line

Im Kontrast dazu bewirbt sich die Reederei der Walt Disney Company ganz selbstverständlich als Familienreederei und hat neben den weltberühmten Disney-Maskottchen auch zahlreiche Broadway-Musicals aus dem Disney-Portfolio an Bord ihrer Schiffe.

Die Flotte soll in den nächsten Jahren um weitere fünf Schiffe wachsen – dem neuesten Flottenzuwachs, Disney Adventure, steht unmittelbar nach der ITB die Jungfernfahrt bevor. Besonderes Highlight für Gäste in Deutschland ist laut Marketing- und PR-Expertin Laura Brummer die anstehende Europapremiere der erst wenige Jahre jungen Disney Wish in der Saison 2027. In der Saison 2026 ist zudem die Disney Dream im Mittelmeerraum sowie in Skandinavien unterwegs. 

Zusätzliche Abfahrten ab Hamburg: Costa-Flotte mit „La Bella Vita“

Als besonders familienfreundlich bezeichnet auch Costa-Vertriebschef Olaf Kistenmacher das Angebot der italienischen Reederei, die bei ihrer Flotte auf italienisches Design und Klassiker-Marken wie Campari und Nutella setzt.

Zum Service für Familien zählen hier nicht nur ein umfassendes Kinderprogramm und Familienkabinen, sondern für größere Kinder und Jugendliche auch das Angebot, zur Balkonkabine eine gegenüberliegende Innenkabine zum halben Preis dazuzubuchen. Mit Hinblick auf die wachsende Beliebtheit beim deutschen Publikum hat Costa auch die Abfahrten vor allem ab den Kreuzfahrtterminals in Hamburg deutlich erweitert und wirbt ab 2026 mit deutlich verlängerter Saison ab den Abfahrtshäfen in Deutschland. 

Saudi-Reederei Aroya setzt auf neue Infrastruktur am Golf

Im besonderen Fokus stand in diesem Jahr auch die Situation von Cruise Saudi und ihrer Reederei Aroya, die mit großen Plänen und ihrem ersten Schiff Aroya erst seit Ende 2024 auf dem Markt ist und sich auf Fahrgebiete der Golfregion sowie im Roten Meer spezialisiert hat. Aktuell stellt der Krieg zwischen Israel und Iran den Anbieter vor Schwierigkeiten, die deutlich über die Herausforderungen hinausgehen, die für die junge Reederei in einem völlig neuen Markt ohnehin an der Tagesordnung stehen.

Zu den großen Überraschungen von CEO Lars Clasen zähle etwa die Tatsache, dass die Kunden in den Golfstaaten ihre vergleichsweise kurzen Reisen deutlich spontaner antreten, als es etwa in Europa üblich sei, sodass es sogar regelmäßig zu Buchungen direkt am Terminal käme. Auch das Durchschnittsalter der Kunden liege mit 29 Jahren deutlich unter den Erfahrungswerten vieler Konkurrenten.

Sandra Kathe