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Zeichen der Resilienz
09.03.26, 09:37 Uhr

ITB zieht trotz Nahostkrise 97.000 Teilnehmer an

Rund 97.000 Teilnehmer und 5.601 Aussteller aus 166 Ländern sind zur Jubiläumsausgabe der ITB gekommen. Die Messe fand vor dem Hintergrund der militärischen Eskalation im Nahen Osten statt. Dennoch blieb die Besucherzahl stabil. Im Umfeld der Messe wurden milliardenschwere Geschäfte initiiert.

Zum 60-jährigen Bestehen hat die ITB Berlin rund 97.000 Teilnehmer aus zahlreichen Quell- und Zielmärkten zusammengebracht. Insgesamt präsentierten sich 5.601 Aussteller aus 166 Ländern. Die Messe fand vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen im Nahen Osten statt, die teilweise zu eingeschränkten Flugverbindungen führten. Dennoch lagen die Besucherzahlen nahezu auf dem Niveau des Vorjahres.

An den drei Fachbesuchertagen nutzten Branchenvertreter die Messe vor allem für Geschäftsgespräche, Networking und neue Kooperationen. Rund 90 Prozent der Besucher wollen erneut teilnehmen, teilt die Messe mit.

Im Kontext der Messe seien Geschäftsabschlüsse und Einkaufsentscheidungen im Volumen von rund 47 Milliarden Euro getätigt worden. Dieser Wert umfasse ausschließlich Geschäfte, die direkt mit der Teilnahme an der ITB Berlin verbunden sind.

Bedeutung persönlicher Begegnungen

Die Jubiläumsausgabe zeigt aus Sicht der Veranstalter, wie wichtig persönliche Kontakte für die Branche bleiben. „Auch in ihrem Jubiläumsjahr brachte die ITB Berlin Märkte zusammen, ermöglichte Gespräche über gemeinsame Perspektiven und zeigte gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen – insbesondere im Nahen Osten – ihre Bedeutung für internationalen Austausch und Zusammenarbeit“, sagt Messe-Chef Mario Tobias.

Als „Spiegel der Branche“ habe die Messe einen verlässlichen Rahmen geboten, „in dem Kontakte geknüpft, Ideen ausgetauscht und Geschäfte angestoßen werden konnten“, so Tobias weiter.

Kongress mit über 24.000 Besuchern

Parallel zur Messe zog der ITB Berlin Kongress mehr als 24.000 Besucher an. Unter dem Motto „Leading Tourism into Balance“ diskutierten über 400 Referenten in rund 200 Sessions und 17 Themen-Tracks über zentrale Entwicklungen der Branche.

Im Mittelpunkt standen unter anderem Künstliche Intelligenz, nachhaltiges Wachstum, neue Marktstrukturen sowie die Rolle von Unternehmen und Destinationen in Krisenzeiten.

Branche diskutiert „Polykrise“

Viele Debatten standen im Kontext einer zunehmend unsicheren globalen Lage. Geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und Klimarisiken prägten die Diskussionen über die Rolle des Tourismus in einer sogenannten „Polykrise“.

Dabei rückten Themen wie Resilienz, Krisenvorsorge und datenbasierte Frühwarnsysteme stärker in den Fokus. Gleichzeitig gilt Künstliche Intelligenz als Treiber eines tiefgreifenden Wandels – etwa durch personalisierte Reiseerlebnisse oder agentenbasierte Buchungssysteme.

Strukturwandel im Reisemarkt

Neben technologischen Entwicklungen beschäftigte sich der Kongress auch mit strukturellen Veränderungen der Branche. Diskutiert wurden unter anderem eine wachsende Kluft zwischen Premium- und Massenmarkt sowie neue Ansätze im Umgang mit Overtourism.

Zugleich gewinnt Vertrauen in der Kommunikation mit Reisenden an Bedeutung. Mehrere Beiträge betonten, dass Tourismus auch in Krisenzeiten eine stabilisierende Rolle spielen kann, etwa beim Wiederaufbau von Destinationen wie der Ukraine.

Kooperation mit Green Destinations

Während der Messe vereinbarte die ITB Berlin eine strategische Zusammenarbeit mit der Organisation Green Destinations – Good Travel Community. Ziel der Partnerschaft ist es, Nachhaltigkeit, verantwortungsvollen Tourismus und langfristige Destinationsentwicklung stärker in Programme und Initiativen der ITB einzubinden.

Operativ koordiniert das Good Travel Institute die Zusammenarbeit und berät Destinationen weltweit. Die Kooperation ist strategisch und beratend angelegt, nicht exklusiv und umfasst keine Zertifizierungen.

Leadership Exchange blickt auf die nächsten 20 Jahre

Beim Leadership Exchange von Phocuswright und ITB Berlin diskutierten internationale Branchenvertreter in einem geschlossenen Format über langfristige Entwicklungen der globalen Reiseindustrie.

Im Mittelpunkt standen Fragen zur Zukunft des Vertrauens in der Branche, zur Wertschöpfung in einer von Künstlicher Intelligenz geprägten Wirtschaft sowie zur möglichen Konsolidierung oder Fragmentierung des Marktes. In Arbeitsgruppen analysierten die Teilnehmer Chancen, Risiken und Prioritäten für die kommenden Jahre. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse soll Ende März erscheinen.

Angola als Gastland

Offizielles Gastland der ITB Berlin 2026 war Angola. Unter dem Motto „The Rhythm of Life“ stellte das Land touristische Attraktionen wie die Kalandula-Wasserfälle, die Atlantikküste sowie seine Kultur mit Musik, Tanz und Traditionen vor.

Mit seinem Messeauftritt wollte Angola sowohl sein touristisches Potenzial als auch Themen wie nachhaltige Entwicklung, internationale Vernetzung und die Stärkung lokaler Gemeinschaften hervorheben.

Politisches Forum der Branche

Neben ihrer Rolle als Handelsplattform war die ITB Berlin erneut ein wichtiges politisches und mediales Forum. Rund 110 Vertreter aus Politik, internationalen Organisationen und Institutionen sowie etwa 3.000 Journalisten, Blogger und Medienvertreter haben teilgenommen.

Ein Höhepunkt war der UN Ministers’ Summit im City Cube Berlin. Rund 20 Tourismusminister diskutierten dort gemeinsam mit Branchenvertretern über nachhaltiges Wachstum, Governance, Fachkräfteentwicklung und soziale Verantwortung im Tourismus.

Malediven werden Gastland der ITB 2027

Während der Messe unterzeichneten die Veranstalter außerdem den Vertrag für das nächste Gastland. Die Malediven werden sich 2027 als offizielles Partnerland präsentieren.

Im Mittelpunkt der Präsentation sollen Luxus- und Boutique-Resorts, Tauch- und Wassersporterlebnisse, Wellness, Kultur sowie nachhaltige Reiseangebote stehen. Auch der Schutz empfindlicher Meeresökosysteme und die Rolle lokaler Gemeinschaften werden thematisiert.

ITB 2027 mit neuem Termin

Die nächste ITB Berlin findet vom 16. bis 18. März 2027 statt. Die einmalige Terminverschiebung berücksichtigt kulturelle Aspekte: Muslimische Aussteller und Besucher sollen zunächst das Zuckerfest zum Ende des Ramadan feiern können und anschließend uneingeschränkt an der Messe teilnehmen.