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Interview Beverly Brenkmann (LCC)
06.03.26, 11:30 Uhr

„Die junge Generation hat enormen Tatendrang“

Beim ersten NXTGEN Community Day von LCC trafen sich junge Talente aus dem Netzwerk, um über die Zukunft des Reisevertriebs zu diskutieren. LCC-Marketing-Managerin und Community Lead des NXTGEN-Projekts, Beverly Brenkmann, berichtet über Stimmung, Ergebnisse und die Perspektive der jungen Generation.

Mehr Sinn, mehr Entwicklungsmöglichkeiten und ein moderneres Image: Beverly Brenkmann, hier beim NXTGEN Community Day von LCC, erklärt im Interview, welche Erwartungen die Gen Z an Arbeitgeber in der Touristik stellt. Alle Fotos: LCC

Frau Brenkmann, wie haben Sie die Stimmung beim ersten NXTGEN Community Day erlebt?
Die Stimmung war von Anfang an sehr offen und nahbar. Viele kannten sich bisher nur aus digitalen Calls, deshalb war das erste persönliche Treffen etwas Besonderes. Man hat schon am ersten Tag gemerkt, dass sich die Gruppe schnell gefunden hat. In den Pausen mussten wir niemanden motivieren, miteinander ins Gespräch zu kommen – das lief ganz selbstverständlich.

Am Abend haben wir gemeinsam gekocht, und da hatte das Ganze fast ein bisschen Klassenfahrt-Charakter. Alle waren auf einer Wellenlänge und sehr neugierig aufeinander.

Wie haben Sie die inhaltliche Arbeit strukturiert?
Wir hatten sehr unterschiedliche Perspektiven in der Gruppe: klassische Reisebüro-Expedienten, Corporate-Berater, Kolleginnen und Kollegen aus HR und Marketing sowie Vertreter aus unserer Luxusmarke. Deshalb haben wir uns viel Zeit genommen, eine Agenda zu entwickeln, die alle abholt.

Am Ende haben wir die zwei Tage klar strukturiert: Tag 1 stand im Zeichen des Themas Personal und Arbeitgeberattraktivität. Tag 2 im Zeichen des Kunden. Natürlich nutzt man bei solchen Workshops weiterhin klassische Methoden wie Brainstorming oder Pinnwände. Aber die Ergebnisse waren sehr konkret und liefern eine gute Basis, um die Ideen weiterzuentwickeln.


Lufthansa City Center setzt bei der Weiterentwicklung des Reisevertriebs auf die Perspektive der jungen Generation


Welche Erkenntnisse sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Ein wichtiger Punkt kam direkt zu Beginn in der Gesprächsrunde mit Markus Orth auf: Der Beruf im Reisebüro wird oft stark unterschätzt. Viele Menschen haben ein sehr vereinfachtes Bild davon, was wir tun. In Wirklichkeit ist die Arbeit viel komplexer – von Beratung über Krisenmanagement bis hin zur individuellen Reiseplanung. Diese Vielfalt müssen wir viel stärker sichtbar machen.

Ein Thema war auch Social Media. Welche Rolle spielt es für den Vertrieb?
Wir haben einen Workshop zu Social-Media-Strategien gemacht. Interessant war dabei eine Erkenntnis: Obwohl Gen Z und Gen Y mit Social Media aufgewachsen sind, bedeutet das nicht automatisch, dass es leicht ist, eine professionelle Strategie zu entwickeln. Wenn es darum geht, Inhalte zu planen, Skripte zu schreiben oder Kampagnen zu strukturieren, merkt man schnell, dass das Zeit, Kreativität und Ressourcen braucht. In vielen Reisebüros fehlt dafür im Alltag einfach die Kapazität – obwohl Social Media ein enormes Potenzial hat.

Ein weiterer Schwerpunkt war Employer Branding. Was erwartet die junge Generation von Arbeitgebern?
Wir haben uns sechs zentrale Motivatoren angeschaut, die laut Studien für die Gen Z besonders wichtig sind: Sinnhaftigkeit, Work-Life-Balance, Sicherheit, Entwicklungsmöglichkeiten, Vergütung sowie Nachhaltigkeit und Werte. In den Diskussionen hat sich bestätigt, dass diese Punkte auch in der Realität eine große Rolle spielen.

Natürlich ist die Bezahlung wichtig. Aber genauso entscheidend ist die Frage: Wofür steht ein Unternehmen eigentlich? Viele junge Menschen wollen sich außerdem stark weiterentwickeln – sie wollen die „beste Version ihrer selbst“ werden. Arbeitgeber müssen dafür heute deutlich mehr Möglichkeiten bieten als früher.


Beverly Brenkmann mit den Teilnehmern

Wurde auch über Technologien wie KI gesprochen?
Das Thema kam am Rande vor, aber es stand nicht im Mittelpunkt. Für diesen Workshop wollten wir zunächst das Alleinstellungsmerkmal der persönlichen Beratung herausarbeiten. Technologie ist wichtig, aber wir wollten zuerst definieren, wofür Reisebüros eigentlich stehen und welchen Mehrwert sie für Kunden bieten. 

Was nehmen Sie persönlich aus diesen zwei Tagen mit?
Vor allem den enormen Tatendrang der jungen Generation. Auch nach dem offiziellen Programm haben wir noch lange zusammengesessen und weiterdiskutiert. Die Gespräche sind einfach nicht abgerissen. Man merkt, dass viele junge Leute in der Branche wirklich etwas bewegen wollen.

Sie selbst sind Community Lead des NXTGEN-Projekts. Welche Rolle spielen Sie dabei?
Ich arbeite als Marketingmanagerin in der Zentrale von Lufthansa City Center in Frankfurt und unterstütze gemeinsam mit meinem Team rund 280 Reisebüros in Deutschland. Beim NXTGEN-Projekt übernehme ich die Rolle der Community Lead. Ich bin Jahrgang 2000 und gehöre damit selbst zur Zielgruppe. Diese Nähe ist wichtig, weil Authentizität eine große Rolle spielt, wenn man mit der jungen Generation arbeitet.

Ihr Fazit: Ist die Zukunft des Reisevertriebs bei der nächsten Generation in guten Händen?
Ich glaube schon. Die junge Generation wird manches anders machen, und nicht jede Veränderung wird sofort von allen verstanden. Aber die Energie, die Ideen und die Bereitschaft, Dinge neu zu denken, sind definitiv da. Das macht sehr viel Mut für die Zukunft.