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Nachwuchs-Initiative
03.03.26, 12:16 Uhr

LCC holt junge Expis an den Tisch der Vertriebsstrategie

Die nächste Generation der Reisebürobranche meldet sich zu Wort. Beim NXTGEN Community Day von Lufthansa City Center entwickelten junge Mitarbeiter Ideen für den Vertrieb von morgen – von Social-Media-Strategien bis zu neuen Rollen für das Reisebüro als Begegnungsort.

Lufthansa City Center setzt bei der Weiterentwicklung des Reisevertriebs auf die Perspektive der jungen Generation. Alle Fotos: LCC

Die Zukunft des Reisevertriebs entsteht nicht mehr nur in Vorstandsrunden oder Strategiepapieren – sondern zunehmend in der Praxis der jungen Generation. Genau darauf setzt Lufthansa City Center (LCC) mit seinem Projekt NXTGEN. Beim ersten Community Day in Frankfurt kamen rund 30 junge Reisebüro-Mitarbeiter aus dem Netzwerk zwei Tage zusammen, um gemeinsam mit der Zentrale neue Ideen für den Vertrieb von morgen zu entwickeln.

Die Atmosphäre war dabei von Beginn an besonders. „Die Stimmung war sehr, sehr locker und sehr nahbar“, berichtet Beverly Brenkmann, Marketingmanagerin in der LCC-Zentrale und Community Lead des Projekts. Viele kannten sich zuvor nur aus digitalen Calls.


Beim NXTGEN Community Day von Lufthansa City Center entwickelten Nachwuchskräfte aus dem Netzwerk gemeinsam neue Konzepte für den Reisevertrieb


„Man hat schon nach dem ersten Tag gemerkt: Wir mussten niemanden motivieren, ins Gespräch zu kommen – das lief ganz von allein.“ Beim gemeinsamen Kochen am Abend habe sich das Treffen fast wie eine Klassenfahrt angefühlt.

Bottom-up statt Strategiepapier

Unter dem Motto „Reisevertrieb neu denken“ analysierten die Teilnehmer vor allem die Erwartungen der Generation Y und Z – sowohl als Kunden als auch als potenzielle Nachwuchsunternehmer in der Branche.

Für Markus Orth, Deutschlandchef von LCC, ist der Ansatz bewusst anders angelegt als klassische Strategieprozesse in der Touristik. „Wir machen das Thema bewusst nicht top-down. Wir lassen die Gruppe arbeiten und begleiten sie. Daraus entsteht etwas Echtes.“


Gruppenarbeit Sotiria Wiludda (FYNE Schmidt & Partner), Franziska Heinzmann (Ibero International), Mia Baldes (marbet)


Auch Brenkmann betont die inhaltliche Vielfalt: „Wir hatten Expis vor Ort, Corporate-Berater, HR, Marketing und Kolleginnen und Kollegen aus unserer Luxusmarke. Da musste man viele Perspektiven unter einen Hut bringen.“ Die Lösung: klare Struktur. Ein Tag widmete sich dem Thema Personal und Arbeitgeberattraktivität, der zweite dem Kunden.

Das Berufsbild neu erzählen

Ein zentrales Thema war das Image des Reisebüro-Berufs. In einer offenen Gesprächsrunde mit Markus Orth wurde schnell deutlich, dass hier Nachholbedarf besteht.

„Unser Beruf ist viel mehr, als es dieses allgemeine Stereotyp wiedergibt“, sagt Brenkmann. „Wir können so viel, wir kümmern uns um so viele Dinge – das muss viel stärker in die breite Masse getragen werden.“
Gerade mit Blick auf die Nachwuchsgewinnung sei das entscheidend. Für ein Franchise-System wie LCC ist diese Frage strategisch relevant. „Wir müssen unser Franchise-System für junge Unternehmer attraktiv weiterentwickeln“, betont Orth.


Martina Larch (Arabella Reisen)


Social Media: Affin – aber nicht automatisch strategisch

Ein weiterer Schwerpunkt war Social Media. Die Erwartung: Die Gen Z ist digital aufgewachsen, also fällt ihr Social-Media-Marketing leicht. Die Realität sei differenzierter. „Man könnte ja meinen, dass Gen Z und Gen Y ganz nah an Social Media sind. Aber wenn es darum geht, eine konkrete Strategie zu entwickeln und Skripte zu schreiben, merkt man schnell: Das braucht Kreativität, Struktur und Zeit“, so Brenkmann. In vielen Büros fehle dafür schlicht die Kapazität.

Die Erkenntnis: Social Media ist kein Selbstläufer – sondern ein professionelles Instrument, das strategisch gedacht werden muss.

Das Reisebüro als Treffpunkt

In den Diskussionen zeichnete sich zudem ein neues Bild des stationären Vertriebs ab. „Das Reisebüro ist kein statischer Ort mehr. Es wird ein Treffpunkt, ein Austauschraum – eine Plattform für persönliche Reisevermittlung.“ Beratung bleibt das Herzstück – aber ergänzt um Inspiration, Community-Gedanken und flexible Formate. Klassische Ladenlokale könnten künftig um neue Begegnungsräume ergänzt werden.

Employer Branding: Sinn zählt

Beim Thema Arbeitgeberattraktivität kristallisierten sich sechs zentrale Motivatoren heraus: Sinnhaftigkeit, Work-Life-Balance, Sicherheit, Entwicklungsmöglichkeiten, Vergütung sowie Nachhaltigkeit und Werte. „Vergütung ist wichtig, aber sie ist nicht alles“, sagt Brenkmann. „Die Frage ist: Wie steht dieses Unternehmen in der Welt da? Und welche Möglichkeiten zur Selbstentwicklung bietet es?“


Team Hauptgang


Die junge Generation sei stark darauf fokussiert, sich individuell weiterzuentwickeln. „Viele wollen die beste Version ihrer selbst werden. Da muss ein Arbeitgeber heute deutlich mehr bieten.“

KI? Ja – aber nicht im Mittelpunkt

Künstliche Intelligenz wurde zwar angesprochen, stand jedoch nicht im Zentrum. „Wir wollten zuerst unser USP als persönliche Beratung klar definieren“, erklärt Brenkmann. Technologie sei wichtig – aber sie müsse den Kern der Beratungsleistung unterstützen, nicht ersetzen.

Orth formuliert es grundsätzlich: „Für die junge Generation ist KI kein Zukunftsthema mehr – das ist Handwerk.“ Entscheidend sei, welche Rolle der Vertrieb künftig im Zusammenspiel mit Technologie einnehme.


Markus Orth

Tatendrang als Signal

Was bleibt nach zwei intensiven Tagen? „Das Thema ist einfach nicht abgerissen“, sagt Brenkmann. „Wir saßen auch nach dem offiziellen Programm noch lange zusammen. Man merkt, wie viel Tatendrang da ist.“ Ihr persönliches Fazit: „Die Energie, die Ideen und die Bereitschaft, Dinge neu zu denken, sind definitiv da.“

Der erste NXTGEN Community Day sendet damit ein klares Signal in die Branche: Die junge Generation will nicht nur Teil des Systems sein – sie will es aktiv mitgestalten.