Interview mit Alex Mirschel12.02.26, 10:00 Uhr
Wird KI mehr Reisebüros verdrängen als jede Veranstalterpleite?
Digitalberater Alexander Mirschel warnt vor einer wachsenden Wissensschere, sinkenden Standortzahlen und einem radikalen Strukturwandel. Wer jetzt nicht klar Position bezieht, riskiert, vom Markt gedrängt zu werden. Doch richtig eingesetzt, eröffnet KI dem stationären Vertrieb enorme Effizienz- und Profilierungschancen.

Reisebüros müssen Profil zeigen, um im Zeitalter der KI sichtbar zu bleiben, sagt Digitalberater Mirschel.
Herr Mirschel, Sie arbeiten seit über 12 Jahren als Digital- und Tourismusberater. Wie erleben Sie den Umgang der Reisebüros mit dem Thema Künstliche Intelligenz?
Die Bandbreite ist enorm – und sie wird gefühlt immer größer. Es gibt einige wenige, die die Zeichen der Zeit erkennen und vorangehen. Das merkt man auch anhand der Fragen, die gestellt werden. Und dann gibt es die, die immer noch keinen ersten Schritt gegangen sind, die Berührungsängste haben oder sagen, das Thema habe mit ihnen nichts zu tun. Diese Schere wird immer größer und wird zu einer echten Herausforderung.
Sie haben neulich in einem Vortrag gesagt, dass es in fünf Jahren deutlich weniger Reisebüros geben wird. Warum glauben Sie das?
Der Markt verändert sich. Immer mehr Inspiration und Buchung finden online statt, die Menschen werden bequemer und die digitalen Systeme funktionieren immer besser. Das führt zwangsläufig zu einer Marktverschiebung – weg vom stationären Einzelerlebnis. Das heißt nicht, dass das Konzept Reisebüro nicht mehr funktioniert. Aber wir reden heute über rund 8.500 Reisebüros in Deutschland, und ich glaube nicht, dass diese Zahl dauerhaft wirtschaftlich tragfähig ist.
Wenn wir auf die letzten Wochen schauen, scheint sich die Technologie rasant zu beschleunigen. Stichwort „Agentic AI“. Was kommt da auf uns zu?
Das ist der vielleicht wichtigste Punkt momentan. Wir sehen am Beispiel von Entwicklungen wie OpenClaw, wie schnell sich agentische KI-Technologien von einer theoretischen Spielerei zu etwas bewegen, das Menschen praktisch erleben. OpenClaw ist hier ein sehr sichtbarer Marker: Es ist ein autonomer Agent, der nicht mehr nur chattet, sondern Aufgaben selbstständig ausführt und sich persistent verhält. Das System läuft lokal, integriert verschiedene Sprachmodelle und lässt sich über normale Messenger steuern. Das zeigt: Agenten werden „in die Welt“ getragen, raus aus der Sandbox. Das ist eine Zwischenstufe, die sehr bald in der Breite ankommen wird.
Was bedeutet das Ganze in der Praxis konkret?
Das bedeutet: Menschen werden die Erledigung von Aufgaben – auch im Reisekontext – agentischen Systemen überlassen. Das verändert die Rolle des Reisebüros fundamental: Wir interagieren bald nicht mehr nur mit Menschen, sondern mit deren digitalen Assistenten.
Was können Reisebüros tun, um in diesem Umfeld zukunftsfähig zu bleiben?
Der wichtigste Punkt ist Profilierung. Wir leben in einer Welt voller Informationen – und auch voller Austauschbarkeit. Reisebüros müssen klar sagen, wofür sie stehen: Was sind meine Werte? Welche Expertise habe ich? Welchen Mehrwert biete ich meinen Kunden? Das reine Argument „Sicherheit“ wird nicht reichen. Man muss sich als Spezialist positionieren, statt alles für jeden machen zu wollen. Viele Büros haben dieses Profil eigentlich schon – sie trauen sich nur nicht, es sichtbar zu machen. Wenn jemand sagt, er sei Spezialist für Griechenland oder Kreuzfahrten, wird die Familie trotzdem ihren Mallorca-Urlaub buchen. Aber man hat eine klar erkennbare Positionierung. Und KI-Systeme können viel besser mit Büros arbeiten, die für etwas stehen.
In der Außendarstellung sieht man aktuell viele Experimente. Wie bewerten Sie zum Beispiel die Authentizität vieler Reisebüros auf Social Media?
Hier sehe ich eine gefährliche Entwicklung. Viele Büros treten im Außenauftritt fast nur noch mit KI-generierten Motiven auf – oft sogar mit Meme-artigen, künstlichen Versionen des eigenen Teams. Das ist punktuell mal ganz witzig, aber es verwässert schleichend das Gefühl, dass am anderen Ende echte Experten sitzen. Die Ironie ist: Die OTAs versuchen gerade, menschlicher zu wirken und persönlichen Service zu suggerieren, während sich stationäre Büros hinter generischer „AI Slop“-Kost verstecken. Das schafft Distanz statt Identifikation.
Mein Rat ist ganz klar: KI unterstützend einsetzen, ja. Aber an den entscheidenden Schnittstellen – und dazu gehört die Präsentation des Teams – muss man unbedingt auf vertrauenswürdigen, echten Content setzen. Nichts schlägt das echte Gesicht des Beraters. Nicht falsch verstehen: KI-Tools wie ViralSpoon können in der Aufbereitung und Distribution wertvolle Dienste leisten, aber die Inhalte selbst müssen umso mehr für Authentizität und den Faktor Mensch stehen.

Während KI-Avatare und Chatbots das Netz fluten, mahnt Digitalberater Mirschel zur Rückbesinnung auf echte Beratungskompetenz.
Welche Rolle spielt KI dann ganz konkret in den Prozessen, wenn nicht als Avatar-Ersatz?
KI kann die Ansprache deutlich verbessern, aber nur, wenn man sie kompetent nutzt. Das bedeutet: Die eigene Tonalität, die eigene Art zu kommunizieren muss erhalten bleiben. Wir haben formelle Premiumbüros, wir haben Büros, die eher „Kumpel-Typen“ sind – und wenn plötzlich eine KI für alle gleich kommuniziert, wird das nicht funktionieren. Deshalb ist Personalisierung so wichtig: Wer bin ich? Welche Rolle nehme ich ein? Wen möchte ich ansprechen? Künstliche Intelligenz kann bereits vorhandene Kundendaten strategisch und operativ völlig neu in Wert setzen, unseren Kunden zum besten Zeitpunkt die richtigen Produkte im passenden Format präsentieren. Hier stehen uns völlig neue Möglichkeiten offen, auch im Hinblick auf Differenzierung und Profilierung.
Sie betonen häufig die Bedeutung einer klaren Zielgruppe. Warum wird dieser Punkt unterschätzt?
Weil viele Reisebüros glauben, ihre Zielgruppe seien einfach „Menschen, die in den Urlaub fahren“. Das reicht zukünftig nicht mehr. Das heißt nicht, dass man nur kulturinteressierte Senioren oder nur Familien mit Hund bedienen soll. Aber man braucht einen Wunschkunden vor Augen, eine klare Persona – sonst passt das Marketing nicht. Wenn ich Nachhaltigkeit betonen möchte, kann ich nicht mit einem großen Kreuzfahrtschiff vor einer Karibikinsel werben. KI kann helfen, Zielgruppen besser zu verstehen und zu clustern. Aber die Grundentscheidung, wofür man steht, muss jedes Büro selbst treffen. Ansprache und Vertrieb mit der Gießkanne, diese Zeiten sind vorbei.
Was heißt das alles für die Kooperationen und Franchise-Systeme in der Touristik?
Die reine Wissensvermittlung reicht nicht mehr. Ich sehe die Aufgabe der Zentralen vor allem im smarten Aufbau und Ausbau der entsprechenden Systeme. Das einzelne Reisebüro ist die „letzte Meile“ zum Kunden und muss im Frontend eine wichtige Steuerungsfunktion wahrnehmen. Aber die Kooperationen müssen die Infrastruktur und die Toollandschaft im Hintergrund orchestrieren. Nur wenn die Zentrale die Datenströme und KI-Tools so aufbereitet, dass sie vor Ort nutzbar sind, können die vorhandenen Daten wirklich für den stationären Vertrieb in Wert gesetzt werden. Hier liegt eine riesige Verantwortung bei den Systemgebern. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es hierfür ein Aufbrechen historisch gewachsener Logiken und Strukturen brauchen wird, denn auch die Systeme selbst stehen zunehmend unter Druck.
Welche ersten Schritte empfehlen Sie Reisebüros, die sich jetzt ernsthaft mit KI beschäftigen möchten?
Der erste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme im Team. Wer nutzt KI bereits? Welche Erfahrungen gibt es? Welche Bedürfnisse, Ängste oder Erfolge? Und dann muss die Büroleitung klar sagen: „Ihr seid mein Asset, der Faktor Mensch zählt.“ Gleichzeitig braucht es aber auch die Botschaft, dass Technologie notwendig ist, um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.
Der zweite Schritt ist: niedrigschwellig ausprobieren. Nicht 30 Tools testen, sondern eines – zum Beispiel ChatGPT – und erst einmal verstehen, was möglich ist. Grundlagenschulungen, Webinare, interne Sessions: zwei Stunden können schon enorm viel bringen. Und dann muss man sensibilisieren: KI ist ein Werkzeug. Menschen müssen prüfen, was herauskommt. Blindes Vertrauen funktioniert nicht. Aber ich bin überzeugt davon, dass binnen weniger Monate jeder einzelne Expedient in jedem Reisebüro mindestens vier Stunden Arbeitszeit pro Woche einsparen kann - diese rund 10 Prozent Freiraum sollten es Wert sein, dass wir uns ernsthaft mit den Möglichkeiten auseinander setzen.
Zum Schluss: Wie stark wird KI den Reisevertrieb insgesamt verändern?
Ich glaube, die Auswirkungen von KI in den nächsten fünf Jahren werden größer sein als die Pleiten von Thomas Cook und FTI zusammen. Das ist drastisch, aber ich halte es für realistisch.
Ist das nicht etwas übertrieben?
Der Wandel wird sehr unterschätzt: Der Transformationsdruck wird brutal sein. Und das betrifft keineswegs nur Reisebüros. Selbst OTAs wie Check 24, Trivago oder Expedia könnten extrem unter Druck geraten, wenn große KI-Systeme künftig Inspiration, Vergleich und Buchung vollständig integrieren. Die Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle werden enorm sein – für alle Marktteilnehmer.
Herr Mirschel, vielen Dank für das Gespräch.
Die Bandbreite ist enorm – und sie wird gefühlt immer größer. Es gibt einige wenige, die die Zeichen der Zeit erkennen und vorangehen. Das merkt man auch anhand der Fragen, die gestellt werden. Und dann gibt es die, die immer noch keinen ersten Schritt gegangen sind, die Berührungsängste haben oder sagen, das Thema habe mit ihnen nichts zu tun. Diese Schere wird immer größer und wird zu einer echten Herausforderung.
Sie haben neulich in einem Vortrag gesagt, dass es in fünf Jahren deutlich weniger Reisebüros geben wird. Warum glauben Sie das?
Der Markt verändert sich. Immer mehr Inspiration und Buchung finden online statt, die Menschen werden bequemer und die digitalen Systeme funktionieren immer besser. Das führt zwangsläufig zu einer Marktverschiebung – weg vom stationären Einzelerlebnis. Das heißt nicht, dass das Konzept Reisebüro nicht mehr funktioniert. Aber wir reden heute über rund 8.500 Reisebüros in Deutschland, und ich glaube nicht, dass diese Zahl dauerhaft wirtschaftlich tragfähig ist.
Wenn wir auf die letzten Wochen schauen, scheint sich die Technologie rasant zu beschleunigen. Stichwort „Agentic AI“. Was kommt da auf uns zu?
Das ist der vielleicht wichtigste Punkt momentan. Wir sehen am Beispiel von Entwicklungen wie OpenClaw, wie schnell sich agentische KI-Technologien von einer theoretischen Spielerei zu etwas bewegen, das Menschen praktisch erleben. OpenClaw ist hier ein sehr sichtbarer Marker: Es ist ein autonomer Agent, der nicht mehr nur chattet, sondern Aufgaben selbstständig ausführt und sich persistent verhält. Das System läuft lokal, integriert verschiedene Sprachmodelle und lässt sich über normale Messenger steuern. Das zeigt: Agenten werden „in die Welt“ getragen, raus aus der Sandbox. Das ist eine Zwischenstufe, die sehr bald in der Breite ankommen wird.
Was bedeutet das Ganze in der Praxis konkret?
Das bedeutet: Menschen werden die Erledigung von Aufgaben – auch im Reisekontext – agentischen Systemen überlassen. Das verändert die Rolle des Reisebüros fundamental: Wir interagieren bald nicht mehr nur mit Menschen, sondern mit deren digitalen Assistenten.
Was können Reisebüros tun, um in diesem Umfeld zukunftsfähig zu bleiben?
Der wichtigste Punkt ist Profilierung. Wir leben in einer Welt voller Informationen – und auch voller Austauschbarkeit. Reisebüros müssen klar sagen, wofür sie stehen: Was sind meine Werte? Welche Expertise habe ich? Welchen Mehrwert biete ich meinen Kunden? Das reine Argument „Sicherheit“ wird nicht reichen. Man muss sich als Spezialist positionieren, statt alles für jeden machen zu wollen. Viele Büros haben dieses Profil eigentlich schon – sie trauen sich nur nicht, es sichtbar zu machen. Wenn jemand sagt, er sei Spezialist für Griechenland oder Kreuzfahrten, wird die Familie trotzdem ihren Mallorca-Urlaub buchen. Aber man hat eine klar erkennbare Positionierung. Und KI-Systeme können viel besser mit Büros arbeiten, die für etwas stehen.
In der Außendarstellung sieht man aktuell viele Experimente. Wie bewerten Sie zum Beispiel die Authentizität vieler Reisebüros auf Social Media?
Hier sehe ich eine gefährliche Entwicklung. Viele Büros treten im Außenauftritt fast nur noch mit KI-generierten Motiven auf – oft sogar mit Meme-artigen, künstlichen Versionen des eigenen Teams. Das ist punktuell mal ganz witzig, aber es verwässert schleichend das Gefühl, dass am anderen Ende echte Experten sitzen. Die Ironie ist: Die OTAs versuchen gerade, menschlicher zu wirken und persönlichen Service zu suggerieren, während sich stationäre Büros hinter generischer „AI Slop“-Kost verstecken. Das schafft Distanz statt Identifikation.
Mein Rat ist ganz klar: KI unterstützend einsetzen, ja. Aber an den entscheidenden Schnittstellen – und dazu gehört die Präsentation des Teams – muss man unbedingt auf vertrauenswürdigen, echten Content setzen. Nichts schlägt das echte Gesicht des Beraters. Nicht falsch verstehen: KI-Tools wie ViralSpoon können in der Aufbereitung und Distribution wertvolle Dienste leisten, aber die Inhalte selbst müssen umso mehr für Authentizität und den Faktor Mensch stehen.

Während KI-Avatare und Chatbots das Netz fluten, mahnt Digitalberater Mirschel zur Rückbesinnung auf echte Beratungskompetenz.
Welche Rolle spielt KI dann ganz konkret in den Prozessen, wenn nicht als Avatar-Ersatz?
KI kann die Ansprache deutlich verbessern, aber nur, wenn man sie kompetent nutzt. Das bedeutet: Die eigene Tonalität, die eigene Art zu kommunizieren muss erhalten bleiben. Wir haben formelle Premiumbüros, wir haben Büros, die eher „Kumpel-Typen“ sind – und wenn plötzlich eine KI für alle gleich kommuniziert, wird das nicht funktionieren. Deshalb ist Personalisierung so wichtig: Wer bin ich? Welche Rolle nehme ich ein? Wen möchte ich ansprechen? Künstliche Intelligenz kann bereits vorhandene Kundendaten strategisch und operativ völlig neu in Wert setzen, unseren Kunden zum besten Zeitpunkt die richtigen Produkte im passenden Format präsentieren. Hier stehen uns völlig neue Möglichkeiten offen, auch im Hinblick auf Differenzierung und Profilierung.
Sie betonen häufig die Bedeutung einer klaren Zielgruppe. Warum wird dieser Punkt unterschätzt?
Weil viele Reisebüros glauben, ihre Zielgruppe seien einfach „Menschen, die in den Urlaub fahren“. Das reicht zukünftig nicht mehr. Das heißt nicht, dass man nur kulturinteressierte Senioren oder nur Familien mit Hund bedienen soll. Aber man braucht einen Wunschkunden vor Augen, eine klare Persona – sonst passt das Marketing nicht. Wenn ich Nachhaltigkeit betonen möchte, kann ich nicht mit einem großen Kreuzfahrtschiff vor einer Karibikinsel werben. KI kann helfen, Zielgruppen besser zu verstehen und zu clustern. Aber die Grundentscheidung, wofür man steht, muss jedes Büro selbst treffen. Ansprache und Vertrieb mit der Gießkanne, diese Zeiten sind vorbei.
Was heißt das alles für die Kooperationen und Franchise-Systeme in der Touristik?
Die reine Wissensvermittlung reicht nicht mehr. Ich sehe die Aufgabe der Zentralen vor allem im smarten Aufbau und Ausbau der entsprechenden Systeme. Das einzelne Reisebüro ist die „letzte Meile“ zum Kunden und muss im Frontend eine wichtige Steuerungsfunktion wahrnehmen. Aber die Kooperationen müssen die Infrastruktur und die Toollandschaft im Hintergrund orchestrieren. Nur wenn die Zentrale die Datenströme und KI-Tools so aufbereitet, dass sie vor Ort nutzbar sind, können die vorhandenen Daten wirklich für den stationären Vertrieb in Wert gesetzt werden. Hier liegt eine riesige Verantwortung bei den Systemgebern. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es hierfür ein Aufbrechen historisch gewachsener Logiken und Strukturen brauchen wird, denn auch die Systeme selbst stehen zunehmend unter Druck.
Welche ersten Schritte empfehlen Sie Reisebüros, die sich jetzt ernsthaft mit KI beschäftigen möchten?
Der erste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme im Team. Wer nutzt KI bereits? Welche Erfahrungen gibt es? Welche Bedürfnisse, Ängste oder Erfolge? Und dann muss die Büroleitung klar sagen: „Ihr seid mein Asset, der Faktor Mensch zählt.“ Gleichzeitig braucht es aber auch die Botschaft, dass Technologie notwendig ist, um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.
Der zweite Schritt ist: niedrigschwellig ausprobieren. Nicht 30 Tools testen, sondern eines – zum Beispiel ChatGPT – und erst einmal verstehen, was möglich ist. Grundlagenschulungen, Webinare, interne Sessions: zwei Stunden können schon enorm viel bringen. Und dann muss man sensibilisieren: KI ist ein Werkzeug. Menschen müssen prüfen, was herauskommt. Blindes Vertrauen funktioniert nicht. Aber ich bin überzeugt davon, dass binnen weniger Monate jeder einzelne Expedient in jedem Reisebüro mindestens vier Stunden Arbeitszeit pro Woche einsparen kann - diese rund 10 Prozent Freiraum sollten es Wert sein, dass wir uns ernsthaft mit den Möglichkeiten auseinander setzen.
Zum Schluss: Wie stark wird KI den Reisevertrieb insgesamt verändern?
Ich glaube, die Auswirkungen von KI in den nächsten fünf Jahren werden größer sein als die Pleiten von Thomas Cook und FTI zusammen. Das ist drastisch, aber ich halte es für realistisch.
Ist das nicht etwas übertrieben?
Der Wandel wird sehr unterschätzt: Der Transformationsdruck wird brutal sein. Und das betrifft keineswegs nur Reisebüros. Selbst OTAs wie Check 24, Trivago oder Expedia könnten extrem unter Druck geraten, wenn große KI-Systeme künftig Inspiration, Vergleich und Buchung vollständig integrieren. Die Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle werden enorm sein – für alle Marktteilnehmer.
Herr Mirschel, vielen Dank für das Gespräch.

