RTK Dialogtage09.10.26, 11:50 Uhr
RTG Summit: „Wir müssen wieder enkelfähig denken“
Ein Vortrag, der angenehm aus dem Rahmen fiel: Mit bewegenden Bildern der Ahrtal-Katastrophe und persönlichen Erinnerungen zeigte der frühere Fernsehjournalist Dieter Könnes, der sich bei Robin Gut engagiert, beim RTG Summit in Mainz, wie aus Betroffenheit konkretes Handeln wird. Gemeinsam mit der QTA will er 10.000 Bäume pflanzen. Dahinter steht eine Botschaft: Verantwortung übernehmen und für kommende Generationen handeln.

Fotos: RTK / Christian Wyrwa
Manchmal braucht es keine aufwendigen Präsentationen, um Menschen zu erreichen. Dieter Könnes, vielen noch als Fernsehjournalist und Moderator von Formaten wie „Könnes kämpft“ bekannt, gelang das beim RTG Summit in der Alten Lokhalle in Mainz auf bemerkenswerte Weise. Sein Vortrag war persönlich, emotional und zugleich ein Appell, Verantwortung zu übernehmen.
Könnes zeigte Bilder, die das ganze Ausmaß der Flutkatastrophe vom Juli 2021 im Ahrtal noch einmal vor Augen führten. Zerstörte Straßen, verwüstete Häuser, entwurzelte Bäume und Landschaften, die kaum wiederzuerkennen waren. Bilder, die auch fünf Jahre nach der Katastrophe nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren haben.
„Die Ahr, ein Fluss im Ahrtal, ist 80 Zentimeter hoch, normalerweise. Also bis zu meinem Knie“, erklärte Könnes. Während der Flut seien es stellenweise zehn bis zwölf Meter gewesen. Er ließ den Blick durch die hohe Lokhalle schweifen und machte damit die Dimension der Wassermassen anschaulich. 136 Menschen kamen nach seinen Angaben ums Leben.
Vom Fernsehjournalisten zum Sinnsucher
Könnes erzählte aber nicht nur von der Katastrophe. Er sprach auch über sich selbst und darüber, warum er seinem beruflichen Leben eine andere Richtung gegeben hat. Viele Jahre arbeitete er für den WDR, später für Sky und RTL. Er deckte Missstände auf, moderierte Verbrauchersendungen und beschäftigte sich mit gesellschaftlichen Konflikten. Eine erfolgreiche journalistische Karriere, die ihm viele Begegnungen und Möglichkeiten eröffnet habe. Doch irgendwann sei eine Frage immer wichtiger geworden: Welchen bleibenden Sinn hat das eigentlich?
„Ich hatte nicht das Gefühl, dass es sinnstiftend ist“, sagte Könnes rückblickend. Mit Mitte 50 sei für ihn der Zeitpunkt gekommen, etwas zurückzugeben. „Man will dem Ganzen mal was zurückgeben.“ Aus diesem Gedanken entstand sein gemeinnütziges Engagement, das ihn schließlich ins Ahrtal führte. Dort erlebte er wenige Tage nach der Flut nicht nur die ungeheure Zerstörung, sondern auch eine Hilfsbereitschaft, die ihn bis heute bewegt.

Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten kamen, um anzupacken. Studenten ebenso wie Unternehmer, Handwerker und Freiwillige. Die einen kochten, andere räumten Schutt weg oder organisierten dringend benötigtes Material. Könnes erinnerte an einen Aufruf nach Autoreifen für die zahlreichen Helferfahrzeuge. Am nächsten Morgen sei ein Transporter gekommen und habe neue Reifen abgeladen. Die Begründung des Spenders: „Ihr könnt sie besser brauchen als ich.“ Für Könnes war diese Solidarität eine prägende Erfahrung. „Helfen kann manchmal tatsächlich so einfach sein.“
10.000 Bäume für das Ahrtal
Aus den ersten Hilfsaktionen entwickelte sich schließlich die Idee, Bäume zu pflanzen. Den Anfang machten 75 große Bäume, die mit Unterstützung eines Unternehmens umgepflanzt wurden und im Ahrtal eine neue Heimat fanden.
Inzwischen seien durch die verschiedenen Aktionen bereits rund 25.000 Bäume zusammengekommen. Nun soll gemeinsam mit der QTA und den Reisebüropartnern ein weiteres Projekt folgen: 10.000 zusätzliche Bäume für das Ahrtal.
Der Auftakt erfolgte bereits am Vortag des Summit während der rtk Dialogtage. Die ersten 1.000 Bäume sind durch die Unterstützung der QTA gesichert.
Dabei geht es um weit mehr als eine symbolische Pflanzaktion. Entstehen sollen klimaresiliente Mischwälder, die langfristig zur Stabilisierung der Landschaft beitragen. Gerade an den steilen Hängen des Ahrtals können Bäume helfen, Wasser zurückzuhalten und den Boden zu schützen. Allerdings können solche Maßnahmen allein keine Flutkatastrophe verhindern.
Könnes machte deutlich, warum er an die Kraft gemeinschaftlichen Handelns glaubt: „Der kleine einzelne Baum, der hat gar keine Wirkung, zehn Bäume haben auch keine Wirkung, aber 100 oder 1.000 oder vielleicht 10.000 Bäume, die haben eine Wirkung.“
Kinder sollen zu Klimabotschaftern werden
Besonders wichtig ist Könnes, Kinder und Jugendliche in die Projekte einzubeziehen. Bei Pflanzaktionen mit Schulklassen sollen sie nicht nur lernen, welche Bedeutung Bäume für Umwelt und Klima haben, sondern selbst Verantwortung übernehmen. „Wir entwickeln quasi Kinder und Jugendliche zu positiven Klimamultiplikatoren“, erklärte er. Die ersten Aktionen mit Schulklassen im Ahrtal haben bereits begonnen.

Dahinter steckt auch eine gesellschaftliche Botschaft. Könnes kritisierte eine öffentliche Debattenkultur, in der häufig nur noch Gegensätze und Konflikte im Mittelpunkt stünden. Dabei gehe das verloren, was Menschen miteinander verbinde. Das Pflanzen eines Baumes sei dagegen eine einfache Handlung, mit der sich Menschen unabhängig von Alter, Herkunft oder gesellschaftlicher Position identifizieren könnten. Sein Leitgedanke stammt aus der Zeit unmittelbar nach der Flut: „Das Wir zählt.“
„Enkelfähig“ statt Nachhaltigkeit
Seinen vielleicht stärksten Gedanken formulierte Könnes zum Schluss. Der Begriff Nachhaltigkeit sei inzwischen so häufig verwendet worden, dass er für viele Menschen kaum noch eine emotionale Bedeutung habe. „Nachhaltigkeit ist ein Wort, was extrem strapaziert ist und ich habe das ehrlicherweise so ein bisschen aus meinem Wortschatz gestrichen. Ich finde enkelfähig cooler, weil das sofort Kopfkino auslöst.“
Was er damit meint, erklärte er anhand seiner eigenen Familie. Seine Söhne seien inzwischen 16 und 19 Jahre alt. Sein heutiges Handeln solle dazu beitragen, dass auch deren Kinder noch von einer lebenswerten Umwelt profitieren könnten.
„Ein enkelfähiges Verhalten bedeutet, wenn ich mich enkelfähig halte und meine Jungs sind jetzt mittlerweile 16 und 19, dann soll mein Verhalten ja dafür sorgen, dass deren Kinder auch noch was von uns haben.“
Damit gab Könnes einem oft abstrakten Begriff eine sehr persönliche Bedeutung. Nachhaltigkeit wurde bei ihm nicht zur Pflichtübung, sondern zur Frage, was Menschen ihren Kindern und Enkeln hinterlassen wollen.
Sein Vortrag war deshalb mehr als ein emotionaler Rückblick auf die Ahrtal-Katastrophe oder ein Spendenaufruf für ein Aufforstungsprojekt. Er war die Geschichte eines Menschen, der nach vielen Jahren im Berufsleben einen neuen Sinn gefunden hat – und andere dafür begeistern möchte, ebenfalls Verantwortung zu übernehmen.
Gerade auf einer touristischen Branchentagung, auf der ansonsten vor allem über Wachstum, Digitalisierung und wirtschaftliche Herausforderungen gesprochen wurde, setzte Könnes damit einen bemerkenswert anderen Akzent.
https://robin-gut.org/
Könnes zeigte Bilder, die das ganze Ausmaß der Flutkatastrophe vom Juli 2021 im Ahrtal noch einmal vor Augen führten. Zerstörte Straßen, verwüstete Häuser, entwurzelte Bäume und Landschaften, die kaum wiederzuerkennen waren. Bilder, die auch fünf Jahre nach der Katastrophe nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren haben.
„Die Ahr, ein Fluss im Ahrtal, ist 80 Zentimeter hoch, normalerweise. Also bis zu meinem Knie“, erklärte Könnes. Während der Flut seien es stellenweise zehn bis zwölf Meter gewesen. Er ließ den Blick durch die hohe Lokhalle schweifen und machte damit die Dimension der Wassermassen anschaulich. 136 Menschen kamen nach seinen Angaben ums Leben.
Vom Fernsehjournalisten zum Sinnsucher
Könnes erzählte aber nicht nur von der Katastrophe. Er sprach auch über sich selbst und darüber, warum er seinem beruflichen Leben eine andere Richtung gegeben hat. Viele Jahre arbeitete er für den WDR, später für Sky und RTL. Er deckte Missstände auf, moderierte Verbrauchersendungen und beschäftigte sich mit gesellschaftlichen Konflikten. Eine erfolgreiche journalistische Karriere, die ihm viele Begegnungen und Möglichkeiten eröffnet habe. Doch irgendwann sei eine Frage immer wichtiger geworden: Welchen bleibenden Sinn hat das eigentlich?
„Ich hatte nicht das Gefühl, dass es sinnstiftend ist“, sagte Könnes rückblickend. Mit Mitte 50 sei für ihn der Zeitpunkt gekommen, etwas zurückzugeben. „Man will dem Ganzen mal was zurückgeben.“ Aus diesem Gedanken entstand sein gemeinnütziges Engagement, das ihn schließlich ins Ahrtal führte. Dort erlebte er wenige Tage nach der Flut nicht nur die ungeheure Zerstörung, sondern auch eine Hilfsbereitschaft, die ihn bis heute bewegt.

Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten kamen, um anzupacken. Studenten ebenso wie Unternehmer, Handwerker und Freiwillige. Die einen kochten, andere räumten Schutt weg oder organisierten dringend benötigtes Material. Könnes erinnerte an einen Aufruf nach Autoreifen für die zahlreichen Helferfahrzeuge. Am nächsten Morgen sei ein Transporter gekommen und habe neue Reifen abgeladen. Die Begründung des Spenders: „Ihr könnt sie besser brauchen als ich.“ Für Könnes war diese Solidarität eine prägende Erfahrung. „Helfen kann manchmal tatsächlich so einfach sein.“
10.000 Bäume für das Ahrtal
Aus den ersten Hilfsaktionen entwickelte sich schließlich die Idee, Bäume zu pflanzen. Den Anfang machten 75 große Bäume, die mit Unterstützung eines Unternehmens umgepflanzt wurden und im Ahrtal eine neue Heimat fanden.
Inzwischen seien durch die verschiedenen Aktionen bereits rund 25.000 Bäume zusammengekommen. Nun soll gemeinsam mit der QTA und den Reisebüropartnern ein weiteres Projekt folgen: 10.000 zusätzliche Bäume für das Ahrtal.
Der Auftakt erfolgte bereits am Vortag des Summit während der rtk Dialogtage. Die ersten 1.000 Bäume sind durch die Unterstützung der QTA gesichert.
Dabei geht es um weit mehr als eine symbolische Pflanzaktion. Entstehen sollen klimaresiliente Mischwälder, die langfristig zur Stabilisierung der Landschaft beitragen. Gerade an den steilen Hängen des Ahrtals können Bäume helfen, Wasser zurückzuhalten und den Boden zu schützen. Allerdings können solche Maßnahmen allein keine Flutkatastrophe verhindern.
Könnes machte deutlich, warum er an die Kraft gemeinschaftlichen Handelns glaubt: „Der kleine einzelne Baum, der hat gar keine Wirkung, zehn Bäume haben auch keine Wirkung, aber 100 oder 1.000 oder vielleicht 10.000 Bäume, die haben eine Wirkung.“
Kinder sollen zu Klimabotschaftern werden
Besonders wichtig ist Könnes, Kinder und Jugendliche in die Projekte einzubeziehen. Bei Pflanzaktionen mit Schulklassen sollen sie nicht nur lernen, welche Bedeutung Bäume für Umwelt und Klima haben, sondern selbst Verantwortung übernehmen. „Wir entwickeln quasi Kinder und Jugendliche zu positiven Klimamultiplikatoren“, erklärte er. Die ersten Aktionen mit Schulklassen im Ahrtal haben bereits begonnen.

Dahinter steckt auch eine gesellschaftliche Botschaft. Könnes kritisierte eine öffentliche Debattenkultur, in der häufig nur noch Gegensätze und Konflikte im Mittelpunkt stünden. Dabei gehe das verloren, was Menschen miteinander verbinde. Das Pflanzen eines Baumes sei dagegen eine einfache Handlung, mit der sich Menschen unabhängig von Alter, Herkunft oder gesellschaftlicher Position identifizieren könnten. Sein Leitgedanke stammt aus der Zeit unmittelbar nach der Flut: „Das Wir zählt.“
„Enkelfähig“ statt Nachhaltigkeit
Seinen vielleicht stärksten Gedanken formulierte Könnes zum Schluss. Der Begriff Nachhaltigkeit sei inzwischen so häufig verwendet worden, dass er für viele Menschen kaum noch eine emotionale Bedeutung habe. „Nachhaltigkeit ist ein Wort, was extrem strapaziert ist und ich habe das ehrlicherweise so ein bisschen aus meinem Wortschatz gestrichen. Ich finde enkelfähig cooler, weil das sofort Kopfkino auslöst.“
Was er damit meint, erklärte er anhand seiner eigenen Familie. Seine Söhne seien inzwischen 16 und 19 Jahre alt. Sein heutiges Handeln solle dazu beitragen, dass auch deren Kinder noch von einer lebenswerten Umwelt profitieren könnten.
„Ein enkelfähiges Verhalten bedeutet, wenn ich mich enkelfähig halte und meine Jungs sind jetzt mittlerweile 16 und 19, dann soll mein Verhalten ja dafür sorgen, dass deren Kinder auch noch was von uns haben.“
Damit gab Könnes einem oft abstrakten Begriff eine sehr persönliche Bedeutung. Nachhaltigkeit wurde bei ihm nicht zur Pflichtübung, sondern zur Frage, was Menschen ihren Kindern und Enkeln hinterlassen wollen.
Sein Vortrag war deshalb mehr als ein emotionaler Rückblick auf die Ahrtal-Katastrophe oder ein Spendenaufruf für ein Aufforstungsprojekt. Er war die Geschichte eines Menschen, der nach vielen Jahren im Berufsleben einen neuen Sinn gefunden hat – und andere dafür begeistern möchte, ebenfalls Verantwortung zu übernehmen.
Gerade auf einer touristischen Branchentagung, auf der ansonsten vor allem über Wachstum, Digitalisierung und wirtschaftliche Herausforderungen gesprochen wurde, setzte Könnes damit einen bemerkenswert anderen Akzent.
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