Anzeige
XXL-Modernisierung
07.10.26, 10:00 Uhr

Aida Evolution geht mit Perla und Prima in die nächste Runde

Aida macht bei der Modernisierung seiner Flotte Tempo: Mit Aida Prima und Aida Perla kommen nun zwei vergleichsweise junge Schiffe ins Evolution-Programm – für rund 100 Millionen Euro pro Schiff. Alexander Ewig und Marc Spingler erklären, warum Aida jetzt so massiv investiert, welche Erfahrungen aus den bisherigen Umbauten einfließen und warum dabei auch das Feedback von Gästen und Reisebüros eine wichtige Rolle spielt.

Aida Perla macht den Anfang: Im Frühjahr 2027 geht das Schiff im Rahmen von Aida Evolution für einen Monat in die Werft und erhält zahlreiche neue Angebote an Bord. Foto: Aida Cruises
Aida nimmt jetzt auch Aida Prima und Aida Perla ins Evolution-Programm – und investiert dafür rund 100 Millionen Euro pro Schiff. Bemerkenswert ist dabei weniger, dass neue Restaurants, Bars und Familienbereiche kommen,, sondern dass Aida zwei vergleichsweise junge Schiffe umfassend anfasst. Alexander Ewig, Vice President Marketing & Sales, und Marc Spingler, Director of Hotel Maintenance, Dry Docks and Refit, erklären, warum das Programm weit mehr als eine Renovierung ist – und welche Rolle dabei Gäste-Feedback und Reisebüros spielen.
 

Aida hat gerade erst damit begonnen, einen erheblichen Teil seiner Flotte durch das größte Modernisierungsprogramm der Unternehmensgeschichte zu schicken. Während die zweite Phase von Aida Evolution noch läuft, steht bereits die nächste Schiffsgeneration auf dem Plan bei der französischen Werft Chantier Naval de Marseille:
  • Aida Perla geht vom 2. April bis 2. Mai 2027 in die Werft,
  • Aida Prima folgt vom 21. April bis 21. Mai 2028.

Das eigentlich Bemerkenswerte daran: Aida Perla ist dann gerade einmal zehn Jahre alt. Trotzdem wird nicht nur ein bisschen aufgehübscht. Rund 100 Millionen Euro will Aida nach Angaben von Vertriebs- und Marketingchef Alexander Ewig pro Schiff investieren.

„Wir wären ja nicht Aida, wenn wir uns mit dem zufriedengeben würden, was wir jetzt schon erreicht haben“, betont Ewig. Hinter dem Satz steckt eine klare strategische Botschaft: Aida Evolution soll nicht nur ältere Schiffe auf den aktuellen Stand bringen. Das Programm entwickelt sich zunehmend zu einem Instrument, mit dem erfolgreiche Konzepte innerhalb der Flotte übertragen, weniger erfolgreiche Lösungen korrigiert und neue Angebote getestet werden.

Gäste-Feedback entscheidet mit

Dass Aida Perla und Aida Prima jetzt an der Reihe sind, sei deshalb keineswegs eine kurzfristige Entscheidung. „Die Gedanken gibt es bei uns schon seit mehreren Jahren“, sagt Ewig. Die Pläne hätten bereits „in der Schublade“ gelegen. Aida habe aber zunächst Erfahrungen mit den ersten Evolution-Schiffen sammeln wollen: „Wir haben natürlich schon ein bisschen geguckt: Wie klappt das alles? Wie kommen wir als Firma durch? Werden die Konzepte, die wir uns überlegt haben, auch so von den Gästen angenommen?“

Die Antwort scheint eindeutig zu sein. Diva, Luna und Bella erzielen laut Ewig inzwischen innerhalb der Flotte besonders hohe Werte bei der Kundenzufriedenheit. „Das sind die Schiffe, die bei uns den höchsten NPS, die höchste Kundenzufriedenheit tatsächlich erzielen.“ Und auch von den Vertriebspartnern komme positives Feedback.


 
Die Spray Bar (links) erhält einen wärmeren Nachtclub-Look und einen neuen Zugang. Die Panorama Lounge & Bar setzt künftig unter anderem auf Signature Cocktails und Tea Time.
Klicken zum Vergrößern

 

Genau dieses Prinzip wird nun auf Prima und Perla übertragen. „Was ist das Beste, was wir aus den beiden laufenden Evolution-Projekten sehen? Was kommt von den neuen Restaurant-Konzepten und Umgestaltungen am besten an?“, beschreibt Ewig die Herangehensweise. Gleichzeitig schaut Aida auf die größeren Schiffe Nova und Cosma und übernimmt von dort Konzepte, die sich bewährt haben. Das Ergebnis soll also kein einfaches Copy-and-paste werden, sondern ein „Best of“ der Flotte – ergänzt um neue Ideen.

Rund 100 Millionen Euro – pro Schiff

Die Dimension des Vorhabens zeigt sich auch beim Investitionsvolumen. „Die Investitionssumme, die wir hier in jedes Schiff stecken, ist in etwa so hoch wie die Investitionssumme, die wir auch in die Selection-Schiffe gesteckt haben – nämlich circa 100 Millionen Euro pro Schiff“, sagt Ewig. Als Selection-Schiffe vermarktet die Rostocker Reederei bislang jene Schiffe der Sphinx-Klasse, die den Refit bereits durchlaufen haben – also Aida Diva, Bella und Luna. Es folgen Aida Mar noch in diesem Jahr sowie Blu, Sol und Stella bis 2028.

Der Zeitpunkt der jetzt bekanntgegebenen dritten Evolution-Phase, die Prima und Perla betrifft, hat allerdings auch einen pragmatischen Grund. Marc Spingler verweist darauf, dass die Schiffe turnusmäßig ohnehin ins Dock müssen. Die entscheidende Frage habe deshalb gelautet: „Machst du das jetzt oder in fünf Jahren?“

Nicht alles hat funktioniert

Interessant wird das Programm dort, wo Aida offen einräumt, dass bestehende Konzepte nicht optimal funktioniert haben. Ein Beispiel ist die Spray Bar. Die Idee sei zwar „super“ gewesen, sagt Ewig, doch der bisherige Zugang durch das Nightfly habe insbesondere am Abend für Unruhe gesorgt.

„Es hat eben nicht so funktioniert, wie wir uns das eigentlich gewünscht hätten“, sagt Ewig. Deshalb wird die Bar nicht nur optisch grundlegend verändert, sondern künftig über die Diskothek D6 erschlossen. Aus dem bislang sehr hellen, fast kühlen Bereich soll eine wärmere, stärker an einen Nachtclub erinnernde Bar werden.

Eine große LED-Wand schafft zusätzliche Möglichkeiten für Veranstaltungen und private Feiern. „Wir haben damit eine Fläche geschaffen, die vielfältig genutzt werden kann“, sagt Ewig. Genau diese Mehrfachnutzung von Flächen zieht sich wie ein roter Faden durch Evolution.

Asien wird zum kulinarischen Schwerpunkt

Besonders sichtbar wird der Umbau beim gastronomischen Angebot. Auf Deck 7 entsteht ein regelrechter Asia-Cluster. Das bereits auf anderen Evolution-Schiffen erprobte East Fusion wird übernommen und um Korean Barbecue und Hotpot ergänzt. Dazu kommt der von Nova und Cosma bekannte Teppanyaki Asia Grill. „Wir haben eigentlich alles – Best of plus Neu“, fasst Ewig zusammen. „Einmal Asien komplett durchgespielt und dann am Ende auch für unsere Gäste durchgegessen.“


 
Die Hemingway Lounge (links) gehört zu den Rückzugsorten an Bord. Im Four Elements ersetzt der neue Fun Park Air mit großer Netzstruktur den bisherigen Klettergarten.
Klicken zum Vergrößern
 

Die Nachfrage beispielsweise an den Bars bewege sich zunehmend „jenseits des Tequila Sunrise“. „Das Thema Mocktails hat extrem zugenommen.“ Darauf reagieren die neuen Bars. Die Art Bar verbindet Kunst, Lounge-Atmosphäre und Barista-Kaffee, die Panorama Lounge & Bar setzt unter anderem auf Signature Cocktails und Tea Time. Neu entsteht zudem die lateinamerikanisch inspirierte Chilli Out Bar mit Tacos, Snacks, Tequila-Varianten und eigenen Cocktails.

Mehr Wohnzimmer statt Durchgangsfläche

Auch das Theatrium verändert sich. Ewig bezeichnet es als „unser Wohnzimmer in der Mitte der Schiffe“. Genau dieses Wohnzimmer soll wohnlicher werden. Fast alle Möbel werden neu entwickelt, zusätzliche Sitz- und Loungeflächen sollen dafür sorgen, dass Gäste den zentralen Bereich nicht nur passieren, sondern länger dort verweilen.

Auch die Plaza wird angepasst. Die beliebte Tapas Bar bekommt zusätzliche Sitzplätze, der Kiosk zieht von Deck 6 auf Deck 7 und erhält mehr Fläche.

Das klingt im Einzelnen unspektakulär, zeigt aber die Logik hinter Evolution: Aida schaut genauer hin, welche Flächen tatsächlich genutzt werden – und wo das ursprüngliche Konzept mit dem realen Verhalten der Gäste nicht mehr übereinstimmt.

Familien bekommen deutlich mehr Platz

Umfangreich fallen die Veränderungen für Familien aus. Im Four Elements ersetzt der neue Fun Park Air den bisherigen klassischen Klettergarten. Kernstück ist eine große Netzstruktur, auf der Gäste klettern, spielen oder einfach liegen können.

Der bisherige Klettergarten sei zwar beliebt gewesen, erklärt Ewig, aber personalintensiv und beim Durchsatz begrenzt. Mit dem neuen Konzept könnten „deutlich mehr Gäste dort Spaß haben“. Hinzu kommt ein Sechs-Loch-Minigolfplatz auf Deck 16. Aida habe beim Start des Minigolf-Angebots auf Nova selbst nicht gewusst, wie gut es angenommen werde, räumt Ewig ein. Inzwischen gehöre es dort zu den besonders nachgefragten Angeboten.

Noch wichtiger für Familien dürfte die Neuordnung der Kinder- und Teenagerbereiche sein. Der Kids Club bekommt erstmals auf dieser Schiffsklasse einen eigenen Außenbereich. Im Beach Club entsteht eine Mini-Spielecke für die jüngsten Gäste. Die Teens wiederum ziehen tagsüber ins D6.

USB-Steckdose als Symbol für Evolution

Dass Modernisierung nicht immer spektakulär sein muss, zeigt ein erstaunlich profanes Detail. Zu den Angeboten, die nach den bisherigen Evolution-Umbauten besonders gut bewertet worden seien, gehörten USB-Anschlüsse direkt am Bett und ein Nachtlicht im Bad.

„Die USB-Steckdose ist heutzutage unverzichtbar“, sagt Ewig. Beides wird deshalb auch auf Prima und Perla übernommen. Die Kabinen erhalten darüber hinaus weitere Komfortverbesserungen, die Suiten ein neues Farbdesign. Zudem entstehen durch Umbauten zusätzliche Innen-, Meerblick- und Balkonkabinen.

„Wir werten das extrem systematisch aus“

Dahinter steckt ein bemerkenswert strukturierter Prozess. Aida sammelt nach Angaben Ewigs kontinuierlich Rückmeldungen seiner Gäste. Der Fragebogen für den Net Promoter Score (NPS) sei durchaus anspruchsvoll: „Da braucht man so 15 bis 18 Minuten, um den auszufüllen.“

Die Ergebnisse verschwinden offenbar nicht in irgendeiner Statistik. „Wir werten diese NPS-Fragebögen wirklich extrem systematisch aus – auf Wochenebene, auf Monatsebene und auf Quartals- und Jahresebene.“

Und an dieser Stelle kommt der Counter unmittelbar ins Spiel. „Das Gleiche machen wir auch mit unseren Reisebüro-Partnern“, sagt Ewig. Aida frage gezielt: „Was sagen eure Gäste, wenn sie gereist sind? Was kommt da an Rückmeldungen?“ Damit wird Evolution auch zum Ergebnis eines permanenten Feedbackkreislaufs zwischen Reederei, Gästen und Vertrieb.

Evolution findet auch unter Wasser statt

Während Restaurants, Bars und Familienbereiche für den Gast unmittelbar sichtbar sind, steckt ein erheblicher Teil der Arbeit dort, wo ihn später kaum jemand bemerkt.

„Wir haben im technischen Bereich weit über 30 Einzelprojekte“, sagt Marc Spingler, Director of Hotel Maintenance, Dry Docks and Refit. Dazu gehört die turnusmäßige Klassenerneuerung – von ihm augenzwinkernd als größerer „Schiffs-TÜV“ bezeichnet.

Der komplette Unterwasserrumpf wird bearbeitet. Ein neuer biozidfreier Unterwasseranstrich soll zugleich den Strömungswiderstand und damit den Treibstoffverbrauch reduzieren. Antriebe werden überholt, Hoteltechnik und Küchengeräte modernisiert und stärker auf Energieeffizienz ausgerichtet.


 
Lateinamerikanisches Flair mit Tacos, Tequila und Cocktails bringt die neue Chill Out Bar (links) an Bord. Die Art Bar verbindet Kunst und Lounge-Atmosphäre mit Barista-Kaffee.
Klicken zum Vergrößern
 

Auch Kreislaufwirtschaft spielt eine Rolle. Alte Teppiche sollen nicht einfach entsorgt, sondern teilweise für neue Unterlagen weiterverwertet werden. Matratzen werden recycelt. Noch nutzbare Möbel gehen über die Initiative „Der Hafen hilft“ in die Wiederverwendung. „Da sitzt bis zum letzten Tag, bis das Schiff in die Werft geht, unser Gast drauf – die sind ja nicht kaputt“, sagt Spingler. Sogar eine erneute Versteigerung einzelner Möbelstücke an Aida-Fans sei denkbar.

Der Counter bekommt zwei deutlich veränderte Produkte

Für den Vertrieb dürfte entscheidend sein, dass Prima und Perla nach dem Umbau nicht plötzlich völlig andere Schiffe werden. Aida spricht bewusst von Evolution, nicht Revolution. Die bekannten Stärken bleiben, gleichzeitig werden Schwächen korrigiert und erfolgreiche Konzepte anderer Schiffsklassen übertragen.

Damit entstehen für Reisebüros vor allem neue Beratungsargumente: mehr gastronomische Vielfalt, deutlich aufgewertete Familienangebote, zusätzliche Rückzugsorte und Bars, modernisierte Kabinen und ein stärker ausdifferenziertes Bordprodukt.

Aida Perla macht den Anfang. Direkt nach ihrem Werftaufenthalt startet sie am 2. Mai 2027 ab Mallorca zu einer zehntägigen Mittelmeerreise. Aida Prima folgt nach ihrem Umbau am 21. Mai 2028 ebenfalls ab Mallorca.

Und danach? Nova und Cosma werden natürlich ebenfalls beobachtet. Konkrete Pläne für deren nächste große Evolution gebe es derzeit aber nicht. Ewig formuliert die grundsätzliche Richtung dennoch ziemlich eindeutig: „Wir wären nicht Aida, wenn wir uns nicht ständig selbst hinterfragen würden.“

Jean-Marc Göttert
 

Counter-Box: Sieben Aussagen, die für den Vertrieb wichtig sind
  • Rund 100 Millionen Euro Investition pro Schiff: Aida investiert nach Angaben von Alexander Ewig jeweils rund 100 Millionen Euro in die Modernisierung von Aida Perla und Aida Prima. Damit handelt es sich nicht um ein kosmetisches Facelift, sondern um eine umfassende Weiterentwicklung des Produkts.
  • Perla startet 2027, Prima folgt 2028: Aida Perla liegt vom 2. April bis 2. Mai 2027 in Marseille in der Werft. Aida Prima folgt vom 21. April bis 21. Mai 2028. Die ersten Reisen im neuen Look starten jeweils direkt danach im Mittelmeer.
  • Mehr Verkaufsargumente für Familien: Kids Club mit Außenbereich, Fun Park Air, Minigolf auf Deck 16, Mini-Spielecke für Kleinkinder und ein neuer Treffpunkt für Teens im D6 verbreitern das Familienangebot deutlich.
  • Kulinarik wird noch stärker differenziert: East Fusion, Korean Barbecue, Hotpot, Teppanyaki Asia Grill und Best Burger @ Sea erweitern das gastronomische Spektrum. Für den Counter entstehen damit zusätzliche Ansatzpunkte, unterschiedliche Kundentypen gezielter anzusprechen.
  • Mehr Rückzugsorte neben Entertainment und Familie: Art Bar, Panorama Lounge & Bar und die komplett überarbeitete Spray Bar schaffen bewusst ruhigere und hochwertigere Bereiche. Prima und Perla lassen sich damit stärker auch Gästen empfehlen, die auf großen Familienschiffen Rückzugsmöglichkeiten suchen.
  • Evolution basiert auf echtem Gäste-Feedback: Aida wertet die NPS-Befragungen nach eigenen Angaben systematisch auf Wochen-, Monats-, Quartals- und Jahresebene aus. Konzepte, die funktionieren, werden übertragen; Schwachstellen wie bei der bisherigen Spray Bar werden korrigiert.
  • Reisebüro-Feedback fließt in die Produktentwicklung ein: Aida holt laut Ewig systematisch Rückmeldungen seiner Vertriebspartner ein: Was berichten Kunden nach ihrer Reise, welche Angebote funktionieren, wo gibt es Kritik? Für den Counter ist das eine wichtige Botschaft: Das Feedback aus den Reisebüros soll ausdrücklich Teil der Weiterentwicklung der Flotte sein.