Cornelius Meyer: „KI kann unterstützen. Vertrauen verkauft“
Der Wechsel von Cornelius Meyer zu Coral Travel zählt zu den meistbeachteten Personalien des Touristikjahres. Im exklusiven Gespräch mit TRVL COUNTER erläutern Meyer und Coral-Chef Koray Çavdir ihre Strategie für Marke, Vertrieb und Digitalisierung und welche Chancen sie für Reisebüros sehen.

Als der Düsseldorfer Veranstalter Coral Travel Ende März den Wechsel von Cornelius Meyer bekanntgab, sorgte die Nachricht in der Branche für große Aufmerksamkeit. Nach fast zwei Jahrzehnten an der Spitze von Best-Reisen wechselt einer der profiliertesten Vertriebsstrategen des deutschen Reisebüromarktes auf die Veranstalterseite.
Seit dem 1. Juli verantwortet Meyer als Deputy Managing Director Sales & Marketing die Vertriebs- und Marketingaktivitäten des Veranstalters in der DACH-Region. Seine Aufgabe reicht dabei weit über den klassischen Vertrieb hinaus: Gemeinsam mit Geschäftsführer Koray Çavdir soll er die Markenpositionierung von Coral Travel schärfen, stationäre und digitale Vertriebswege enger verzahnen und die nächste Wachstumsphase des Unternehmens strategisch gestalten.
Auf den ersten Blick wirkt der Wechsel wie eine spektakuläre Personalie. Tatsächlich erzählt er jedoch eine viel größere Geschichte. Coral Travel verpflichtet nicht einfach einen erfahrenen Vertriebsmanager, sondern einen ausgewiesenen Kenner des stationären Reisevertriebs – zu einer Zeit, in der sich die Branche zwischen Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und verändertem Kundenverhalten neu sortiert. Dass die Wahl dabei ausgerechnet auf Meyer fiel, ist kein Zufall. Kaum ein anderer Touristiker kennt die Denkweise inhabergeführter Reisebüros, Kooperationen und mittelständischer Unternehmer so gut wie der langjährige Best-Reisen-Vorstand.
Beim exklusiven Gespräch in den Redaktionsräumen von TRVL COUNTER in der Hamburger HafenCity wird schnell deutlich, dass hinter diesem Wechsel weit mehr steckt als ein neuer Job. Die Atmosphäre ist offen, entspannt und von gegenseitigem Respekt geprägt. Neben Cornelius Meyer und Koray Çavdir nimmt auch Kommunikationschef Thomas Daubenbüchel an der Gesprächsrunde teil. Es wird gelacht, diskutiert und auch kontrovers argumentiert.
Vor allem aber fällt auf, wie selbstverständlich Meyer und Çavdir miteinander umgehen. Sie ergänzen sich, greifen Gedanken des anderen auf und sprechen immer wieder über Führung, Unternehmenskultur und Vertrauen. Genau diese Chemie, so wird im Verlauf des Gesprächs deutlich, war einer der entscheidenden Gründe für den Wechsel.
Ein Abschied ohne verbrannte Erde
Überrascht hat der Schritt dennoch viele in der Branche. Zu eng war Meyers Name über fast zwei Jahrzehnte mit Best-Reisen verbunden. Spekulationen, sein Abschied könne mit Unzufriedenheit oder internen Spannungen zusammenhängen, weist er jedoch entschieden zurück. „Ganz grundsätzlich war die Zeit bei Best eine Erfolgsstory“, sagt er gleich zu Beginn. Während der Best-Jahrestagung sei der Gedanke an einen Wechsel noch gar nicht ausgereift gewesen. „Erst später habe ich gemerkt, wie reizvoll es für mich ist, tatsächlich noch einmal etwas Neues zu machen.“
Ebenso wichtig ist ihm eine zweite Botschaft. „Die Best wird für mich immer eine Herzensangelegenheit bleiben. Ich bin wirklich im Guten gegangen.“ Auch den Umgang mit Aufsichtsrat und Gesellschaftern beschreibt er als „sehr fair und professionell“.

„Die Best“ wird für Cornelius Meyer, neuer Deputy Managing Director Sales & Marketing DACH bei Coral Travel, immer eine Herzensangelegenheit bleiben.
Diese Klarstellung wirkt nicht wie eine Pflichtübung. Nach fast zwanzig Jahren an der Spitze einer der größten Reisebürokooperationen Deutschlands wäre ein geräuschloser Abschied keineswegs selbstverständlich gewesen. Meyer macht vielmehr deutlich, dass er seine Vergangenheit nicht hinter sich lassen, sondern auf ihr aufbauen möchte. Sein Wechsel sei keine Entscheidung gegen Best-Reisen gewesen, sondern bewusst für eine neue Perspektive.
„Die andere Seite hat mich gereizt“
Diese neue Perspektive beschreibt Meyer mehrfach als eigentlichen Antrieb. Schließlich kennt er beide Welten. Bevor er über viele Jahre den stationären Vertrieb prägte, arbeitete er bereits auf Veranstalterseite. „Ich komme ja ursprünglich vom Veranstalter. Ich war zehn Jahre bei Kreutzer Touristik. Jetzt noch einmal zurückzugehen und zu sehen, was sich in dieser Zeit verändert hat – das hat mich gereizt.“
Mindestens ebenso wichtig sei jedoch die Erfahrung, die er aus fast zwei Jahrzehnten im Reisebürovertrieb mitbringe. „Ich glaube, es ist für einen Reiseveranstalter sehr hilfreich, einen ausgeprägten Blick aus Reisebüro-Sicht im Unternehmen zu haben. Die Bedürfnisse, Wünsche und Hoffnungen des stationären Vertriebs sind mir durch und durch bekannt.“
Genau darin liegt aus Sicht von Coral einer der größten Mehrwerte. Meyer kennt die Herausforderungen der Reisebüros nicht aus Präsentationen oder Marktforschung, sondern aus dem täglichen Austausch mit Unternehmern. Dieses Wissen soll künftig helfen, Produkte, Vertrieb und Marke noch stärker an den Bedürfnissen des stationären Vertriebs auszurichten.
„Da hat es bei mir Klick gemacht“
Mindestens ebenso interessant ist die Frage, wie Coral Travel überhaupt auf Meyer aufmerksam wurde. Koray Çavdir erzählt die Geschichte erstaunlich offen. „Es gab verschiedene Kandidaten“, berichtet der Geschäftsführer. „Ein gemeinsamer Freund hat mir signalisiert, dass Cornelius offen wäre, auch noch einmal etwas anderes zu machen. Und in diesem Moment hat es bei mir Klick gemacht.“ Von da an habe er unbedingt das Gespräch suchen wollen. Bereits nach dem ersten Treffen sei für ihn klar gewesen, dass beide menschlich und fachlich zusammenpassen. „Vom ersten Gespräch an hat es funktioniert. Für mich war danach alles andere eigentlich erledigt.“
Meyer beschreibt diesen Moment nahezu identisch. „Schon nach dem ersten Gespräch hat einfach die Chemie gestimmt. Das war für mich einer der ausschlaggebenden Punkte, zu sagen: Ja, das ist die richtige Stelle.“
Bemerkenswert ist dabei, worüber beide sprechen – und worüber nicht. Es geht kaum um Organigramme, Zuständigkeiten oder Vertragsdetails. Stattdessen fallen immer wieder Begriffe wie Vertrauen, Offenheit und Unternehmenskultur. Themen, die später im Gespräch noch deutlich an Bedeutung gewinnen.
Willkommenskultur bei Coral
Seit dem 1. Juli gehört Meyer offiziell zum Executive Board von Coral Travel. Seine ersten Tage beschreibt er mit einer Begeisterung, die man ihm abnimmt. „Ich erlebe eine wirklich tolle Willkommenskultur. Es fühlt sich so an, als hätte man sich auf mich gefreut“, sagt er.
Wer Meyer kennt, weiß, dass solche Aussagen bei ihm nicht inflationär fallen. Umso bemerkenswerter ist, dass er seine ersten Eindrücke fast ausschließlich über Menschen beschreibt – und kaum über Prozesse oder Strukturen. Noch deutlicher wird dies, als er erklärt, was er an Koray Çavdir besonders schätzt.

Coral-Chef Cavdir und Cornelius Meyer – der Funke ist bei beiden schnell übergesprungen. Vertrauen und ein offener, persönlicher Umgang sind die Grundlage ihrer Zusammenarbeit.
„Es menschelt“, sagt Meyer und lacht. Natürlich werde hochprofessionell gearbeitet. „Aber man spricht auch darüber, wie es einem privat geht. Man tauscht sich aus. Das ist für mich sehr wichtig.“ Diese Offenheit präge nicht nur den Geschäftsführer, sondern „das ganze Haus“. Die Atmosphäre sei fast familiär. „Und das kenne ich auch aus meiner Zeit bei Best. Das schätze ich wirklich sehr.“
Çavdir beschreibt seinen neuen Kollegen ähnlich. Nicht dessen Lebenslauf habe ihn überzeugt, sondern seine Haltung. „Er hört erst einmal zu, bevor er sagt: Das ist meine Meinung. Er zeigt großen Respekt vor dem, was bisher geleistet wurde.“ Beeindruckt habe ihn außerdem, wie intensiv Meyer sich vorbereitet habe. „Vor unserem ersten Gespräch wusste er über Coral schon viel mehr, als ich erwartet hatte. Das zeigt die Ernsthaftigkeit und den Respekt, mit dem er diese Aufgabe angeht.“
Gerade diese gegenseitige Wertschätzung dürfte mehr sein als ein gelungener Start. Sie bildet die Grundlage für das, was Coral Travel in den kommenden Jahren erreichen will. Schnell wird deutlich: Es geht längst nicht mehr nur um einen personellen Wechsel, sondern um die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens: Aus Wachstum soll Profil werden.
Strategischer Gestalter
Dass Cornelius Meyer bei Coral Travel nicht als klassischer Vertriebschef angetreten ist, sondern als strategischer Gestalter der nächsten Unternehmensphase, wird im weiteren Gespräch schnell deutlich. Wer nach wenigen Tagen im Amt einen fertigen Maßnahmenkatalog oder spektakuläre Ankündigungen erwartet, wird enttäuscht.
Meyer will zunächst verstehen, bevor er gestaltet. „Ich muss jetzt einfach erst einmal ankommen“, sagt er. Sein Anspruch sei, den Vertrieb und das Marketing „etwas stärker strategisch auszurichten, damit die Mannschaft weiß: Das sind unsere Ziele, da wollen wir hin. Und dann richten wir die Maßnahmen entsprechend danach aus.“
Für Koray Çavdir war die Erweiterung der Geschäftsführung deshalb eine logische Konsequenz dieser Entwicklung. Vertrieb und Marketing auf Executive-Ebene zu bündeln, sei „mit unserem Wachstum einfach notwendig geworden“. Meyer werde künftig die Vertriebs- und Marketingaktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantworten und zugleich die Abstimmung mit weiteren europäischen Märkten übernehmen. „Das ist kein Ersatz für bestehende Strukturen, sondern eine Erweiterung“, stellt Çavdir klar.
„Markenarbeit treibt mich um“
Im Verlauf des Gesprächs rückt ein Begriff immer stärker in den Mittelpunkt: die Marke. Während viele zunächst auf neue Vertriebsinitiativen oder Wachstumsziele warten würden, beschäftigt Meyer vor allem die Frage, wofür Coral Travel künftig im deutschsprachigen Markt stehen soll. „Das Thema Markenarbeit treibt mich natürlich um“, sagt er. Gleichzeitig mahnt er zur Geduld. Noch sei es zu früh, sich festzulegen. Zunächst müsse analysiert werden, wie Coral heute wahrgenommen werde und welche Zielgruppen künftig noch gezielter angesprochen werden könnten.
Seine Definition von Markenführung fällt dabei erstaunlich klar aus. „Marke ist Differenzierung. Marke ist Abgrenzung.“ Genau darum werde es in den kommenden Monaten gehen. Nicht möglichst viele Kunden anzusprechen, sondern diejenigen, für die Coral ein klares Profil entwickelt. Dahinter steckt eine Denkweise, die Meyer bereits bei Best-Reisen geprägt hat: Erfolgreiche Marken entstehen nicht durch möglichst laute Werbung, sondern dadurch, dass Kunden sofort verstehen, wofür ein Unternehmen steht.
Seine Definition von Markenführung fällt dabei erstaunlich klar aus. „Marke ist Differenzierung. Marke ist Abgrenzung.“ Genau darum werde es in den kommenden Monaten gehen. Nicht möglichst viele Kunden anzusprechen, sondern diejenigen, für die Coral ein klares Profil entwickelt. Dahinter steckt eine Denkweise, die Meyer bereits bei Best-Reisen geprägt hat: Erfolgreiche Marken entstehen nicht durch möglichst laute Werbung, sondern dadurch, dass Kunden sofort verstehen, wofür ein Unternehmen steht.
Diesen Gedanken greift Çavdir unmittelbar auf. International verfüge Coral bereits über eine starke Marke, im deutschsprachigen Markt gelte es nun, dieses Profil konsequent weiterzuentwickeln. Dabei gehe es nicht nur um Kommunikation, sondern ebenso um das Produktportfolio, die Destinationsvielfalt und die Positionierung gegenüber dem Wettbewerb. Dass diese strategische Neuausrichtung nicht losgelöst von der aktuellen Marktentwicklung erfolgt, macht Çavdir anschließend deutlich.
Denn wirtschaftlich blickt Coral Travel trotz eines schwierigen Jahres wieder optimistischer nach vorn. Nach einem starken Jahresauftakt bremsten die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten das Geschäft spürbar aus. Besonders betroffen waren ausgerechnet jene Fernziele, auf die Coral seine Wachstumsstrategie ausgerichtet hatte – darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, die Malediven, Sri Lanka, Thailand und Vietnam.
„Wir mussten uns – wie alle Unternehmen – zunächst neu sortieren und orientieren“, sagt Geschäftsführer Koray Çavdir. Dank der hohen Agilität des Unternehmens habe sich das Geschäft in den vergangenen Wochen jedoch deutlich belebt. Für 2026 rechnet Coral deshalb damit, das Vorjahresniveau zu erreichen – auf die ursprünglich geplanten Wachstumsraten wird das Unternehmen allerdings verzichten müssen.
Mit Bedacht wachsen, Profil schärfen
Für 2027 setzt Coral Travel deshalb auf einen realistischeren Kurs. Die strategischen Wachstumsziele bleiben bestehen, werden jedoch konservativer geplant. Während die klassischen Mittelmeer- und Badedestinationen bereits ein hohes Marktniveau erreicht hätten, sieht Çavdir die größten Entwicklungschancen weiterhin bei Fernzielen.
Parallel dazu soll die strategische Weiterentwicklung der Marke vorangetrieben werden. Gemeinsam mit Cornelius Meyer will Coral das Profil des Veranstalters im deutschsprachigen Markt weiter schärfen, Vertrieb und Marketing enger verzahnen und das Wachstum künftig stärker über Markenstärke, Produktqualität und eine enge Partnerschaft mit dem stationären Vertrieb absichern. „Es geht darum, nachhaltiges Wachstum und die Stabilität dieses Wachstums zu festigen“, bringt Çavdir die Zielsetzung auf den Punkt.
Dass Meyer dabei analytisch vorgeht, zeigt sich auch an seinem Umgang mit Zahlen. Zwar gelte er vielen als kreativer Vertriebsstratege, doch ohne belastbare Kennzahlen lasse sich aus seiner Sicht keine gute Strategie entwickeln. „Für mich sind Zahlen immer die Basis, auf der ich Entscheidungen treffe“, sagt er. Ziel sei es, „sehr tagesaktuell zu wissen, wo wir stehen, welche Organisation wie performt, wo es Herausforderungen gibt und wie wir gegensteuern können.“
Dabei interessiert ihn weniger die reine Anzahl der Buchungen, als deren Ursache. „Gerade wenn wir über Marke sprechen, ist es wichtig zu wissen: Wer bucht uns? Warum bucht er uns? Wann bucht er uns?“ Erst wenn diese Fragen beantwortet seien, lasse sich eine Markenstrategie entwickeln, die langfristig trage.
Bis dahin will Meyer vor allem beobachten. „Aktuell bin ich noch in der glücklichen Lage, den Blick von draußen zu haben“, sagt er. Seine Wurzeln im stationären Reisevertrieb bleiben dabei unverkennbar. Gerade deshalb sieht er seine Aufgabe nicht darin, Veranstalter und Reisebüros neu zu erfinden, sondern beide Seiten enger zusammenzubringen. „Es ist ganz wichtig, dass es uns gelingt, den stationären Vertrieb dabei zu unterstützen, die Digitalisierung gut zu meistern“, sagt er.
Wenn Reiseveranstalter ihren Vertriebspartnern Werkzeuge an die Hand gäben, die den Arbeitsalltag erleichterten und digitale Prozesse vereinfachten, entstünde daraus ein echter Wettbewerbsvorteil. Damit schlägt Meyer die Brücke zum vielleicht wichtigsten Thema des Gesprächs: Künstliche Intelligenz. Doch anders als vielerorts steht bei Coral nicht die Frage im Mittelpunkt, ob KI den Menschen ersetzt. Die entscheidende Frage lautet: Wie kann Technologie den Menschen besser machen?
Vertrauen entscheidet über den Erfolg
„KI ist nicht mehr wegzudenken“, sagt Meyer. Er selbst arbeite bereits intensiv mit entsprechenden Anwendungen. Den größten Nutzen sieht er allerdings nicht in der Beratung, sondern in den Prozessen dahinter. „Vor allem im Hintergrund kann KI unglaublich viel leisten. Das Menschliche, das das Reisebüro ausmacht, wollen wir ja gerade nicht ersetzen. Das ist das Asset des Reisebüros.“
Daten schneller auszuwerten, Prozesse zu automatisieren oder bessere Entscheidungsgrundlagen zu schaffen – genau dort liege das eigentliche Potenzial. Reisebüros, die diese Möglichkeiten aktiv nutzten, würden künftig einen deutlichen Wettbewerbsvorteil haben.
Wie groß der Einfluss von KI tatsächlich sein wird, bewertet Meyer differenziert. Im Backoffice sieht er langfristig einen hohen Automatisierungsgrad. In der persönlichen Beratung falle der Einfluss deutlich geringer aus. „Es geht darum, Kapazitäten zu optimieren. Es ist weniger Personal da, und genau dort kann KI sehr viel leisten.“

Coral-Chef Koray Çavdir sieht Markenstärke, Produktqualität und die Partnerschaft mit Reisebüros als Grundlage für die nächste Wachstumsphase des Düsseldorfer Veranstalters.
Dabei verweist er auf eine Entwicklung, die längst begonnen habe. Als Meyer 2007 bei Best-Reisen anfing, habe es noch rund 14.000 Reisebüros gegeben, heute sei deren Zahl in etwa halb so groß. Verantwortlich dafür seien jedoch nicht allein digitale Technologien, sondern ebenso der demografische Wandel und ein verändertes Konsumverhalten.
Gleichzeitig beobachte er, dass die verbliebenen Reisebüros moderner, professioneller und deutlich technikoffener aufgestellt seien. „Die Büros, die heute erfolgreich sind, sind hybrid unterwegs und offen für digitale Werkzeuge. Sie wissen, dass sie mit KI und digitalen Tools weiterkommen.“
Die Technik soll Routinen übernehmen
Gerade im Bereich CRM und Kundenkommunikation sieht Meyer erhebliche Chancen. Reisebüros könnten ihre Kunden künftig wesentlich individueller ansprechen, ohne jede Aktion manuell vorbereiten zu müssen. „Die Maschine hält den Kontakt, inspiriert den Kunden und lernt gleichzeitig dessen Vorlieben kennen. Dadurch werden Angebote immer individueller.“ Die Technik übernehme Routinen – Zeit, die Berater künftig für das eigentliche Beratungsgespräch nutzen könnten.
Von der oft geäußerten Sorge, Reisebüros stünden der Künstlichen Intelligenz besonders skeptisch gegenüber, hält Meyer wenig. Die Unterschiede im Umgang mit KI seien kein Branchenthema, sondern spiegelten die Gesellschaft insgesamt wider. „Es gibt Menschen, die sich intensiv damit beschäftigen, und andere, die neue Technologien grundsätzlich ablehnen. Das gibt es in allen Branchen.“ Entscheidend sei letztlich die Bereitschaft, sich mit den neuen Möglichkeiten auseinanderzusetzen.
Koray Çavdir sieht das ähnlich. Wer KI aus Angst ablehne, riskiere langfristig den Anschluss zu verlieren. „Wenn man sich verweigert, ist die Gefahr viel größer, verdrängt zu werden, als wenn man KI bewusst als Werkzeug nutzt.“
Spannend wird die Diskussion, als das Gespräch auf KI-gestützte Telefonassistenten kommt. Standardanfragen könnten künftig problemlos automatisiert beantwortet werden. Doch beide ziehen eine klare Grenze: Sobald Kunden verunsichert seien oder sich in einer Krisensituation befänden, müsse der Mensch übernehmen. „In Krisenzeiten muss man überlegen, wie man den Kunden emotional abholt. Wir dürfen uns von der KI nicht verrückt machen lassen. Wir Menschen haben Empathie, Gefühle und Emotionen. Das hat KI nicht.“, sagt Çavdir. Meyer ergänzt: „Zahlen, Daten und Fakten – dafür kann KI ein hervorragender Assistent sein. Alles, was über Empathie und Menschlichkeit betrifft, bleibt Aufgabe des Menschen.“
Klare Haltung zu Cashback
Dass sich der Wettbewerb künftig nicht allein über Technologie entscheiden wird, zeigt sich auch bei einem ganz anderen Thema: Cashback. Coral Travel beteiligt sich bewusst nicht an entsprechenden Modellen. Zwar könne Cashback kurzfristig Aufmerksamkeit erzeugen, räumt Çavdir ein. Gleichzeitig warnt er davor, Reisen zu einer austauschbaren Preisware zu machen. „Reisen sollte keine Ramschware sein.“
Für Meyer ist die Frage noch grundsätzlicher. „Du schaffst echte Kundenbindung nur über Leistung – und nicht über den Preis. Wenn der Kunde wegen des Preises kommt, geht er morgen wieder zum nächsten Anbieter. Wenn er wegen der Leistung kommt, bleibt er loyal.“ Gerade beratungsintensive Produkte wie u. a. Kreuzfahrten, Luxus-, Fern- oder Studienreisen würden deshalb auch künftig ihre Heimat im stationären Vertrieb haben.
Dass Coral Travel mit Cornelius Meyer einen Manager verpflichtet hat, der beide Welten kennt, den stationären Vertrieb ebenso wie die Veranstalterseite, passt gut ins Bild. Seine Aufgabe besteht nicht darin, die Branche neu zu erfinden. Vielmehr soll er dazu beitragen, dass aus einem erfolgreichen Veranstalter eine noch stärkere Marke wird.
Vielleicht lässt sich die zentrale Erkenntnis des Gesprächs so zusammenfassen: KI wird die Touristik nachhaltig verändern. Doch den entscheidenden Unterschied werden auch in Zukunft Menschen machen. Oder, um es mit den Worten von Cornelius Meyer zu sagen: „Es menschelt.“ Genau diese menschliche Nähe verstehen Meyer und Koray Çavdir als entscheidenden Erfolgsfaktor und als Fundament für die nächste Wachstumsphase von Coral Travel.
Fazit: Die fünf wichtigsten Thesen
- Marke statt Masse: Coral Travel will sich vom reinen Wachstumsanbieter zu einer klar positionierten Marke entwickeln. Vertrieb, Marketing und Produkt sollen künftig noch stärker auf ein unverwechselbares Profil einzahlen.
- KI unterstützt – der Mensch überzeugt: Künstliche Intelligenz soll Prozesse automatisieren und Reisebüros effizienter machen. Beratung, Empathie und Vertrauen bleiben jedoch der entscheidende Wettbewerbsvorteil des stationären Vertriebs.
- Reisebüros bleiben strategische Partner: Cornelius Meyer bringt die Perspektive des stationären Vertriebs auf Veranstalterseite ein. Ziel ist es, Reisebüros mit digitalen Werkzeugen zu stärken und die Zusammenarbeit deutlich auszubauen.
- Wachstum braucht Werte: Meyer und Çavdir betonen, dass Unternehmenskultur, Vertrauen und gegenseitiger Respekt keine weichen Faktoren sind, sondern die Basis für nachhaltigen Unternehmenserfolg bilden.
- Leistung schlägt Preis: Coral Travel positioniert sich klar gegen Cashback-Modelle. Kundenbindung entsteht aus Qualität, Beratung und Verlässlichkeit, nicht über Rabatte.

