30 Jahre Aida: Wie aus einer Idee eine der stärksten Tourismusmarken Deutschlands wurde
Beim Jubiläumsempfang an Bord der Aida Perla blickt Präsident Felix Eichhorn auf drei Jahrzehnte Wachstum, Innovation und Aufbruch zurück.

Mit einer Schiffsparade, Tausenden Gästen im Hamburger Hafen und zahlreichen Veranstaltungen feiert Aida Cruises sein 30-jähriges Bestehen. Beim offiziellen Empfang an Bord der Aida Pperla nutzte Präsident Felix Eichhorn die Gelegenheit, die Geschichte des Unternehmens Revue passieren zu lassen. Drei Jahrzehnte seien für ihn nicht nur Anlass für einen Rückblick, sondern auch die Frage: „Was nehmen wir mit und wie gestalten wir das auch neu nach vorn?“, sagte er vor Gästen aus Politik, Wirtschaft und Tourismus.
Für Eichhorn ist das Jubiläum zugleich ein persönlicher Meilenstein. Seit 27 Jahren begleitet er die Entwicklung der Reederei. Als er bei Aida begann, gab es lediglich ein Schiff. Dass daraus einmal eine Flotte mit elf Schiffen und mehr als 17 Millionen Gästen entstehen würde, habe sich damals kaum jemand vorstellen können.
Die Kreuzfahrt neu gedacht
Den entscheidenden Wendepunkt sieht Eichhorn in der Gründungsidee von 1996. Mit der Taufe des ersten Schiffes sei bewusst ein Gegenentwurf zur klassischen Kreuzfahrt entstanden. Statt Abendgarderobe und steifer Etikette setzte Aida auf Lockerheit, Freizeitkultur und ein breiteres Publikum. Das Konzept habe bedeutet: „Locker statt steif, legere Kleidung statt Abendgarderobe, große Shows statt Kapitänsdinner, Kreuzfahrt für viele statt Luxus für wenige.“ Aus dieser Philosophie leite sich bis heute der Anspruch ab, die Kreuzfahrt „demokratisiert“ zu haben.
Aus dem einstigen Branchenexperiment entwickelte sich eine der sichtbarsten Tourismusmarken Deutschlands. Mehr als 17 Millionen Gäste und rund 145 Millionen Übernachtungen an Bord dokumentieren diese Entwicklung eindrucksvoll.
Norddeutsche Wurzeln, globale Präsenz
Obwohl die Flotte heute mehr als 500 Häfen in über 100 Ländern anläuft, verortet Eichhorn die Heimat des Unternehmens eindeutig im Norden Deutschlands. „Wir wissen natürlich auch, wo unsere Heimat ist. Und das ist hier im Norden von Deutschland“, sagte er mit Blick auf die Standorte Hamburg und Rostock sowie die enge Verbindung zu den Häfen Hamburg, Kiel und Warnemünde.
Besonders Hamburg spielt dabei eine zentrale Rolle. Mehr als 120 Anläufe wird Aida in diesem Jahr an der Elbe absolvieren. Rechnerisch liegt damit nahezu jeden dritten Tag ein Schiff der Flotte in der Hansestadt. Für Eichhorn ist dies auch Ausdruck einer langjährigen Partnerschaft zwischen Reederei, Hafenwirtschaft und Politik.
Das berühmte Aida-Gefühl
Neben wirtschaftlichen Kennzahlen stellte Eichhorn vor allem die emotionale Bindung vieler Gäste in den Mittelpunkt. Der prägendste Moment einer Reise sei oft das Auslaufen aus dem Hafen, wenn die bekannte Auslaufmelodie „Sail away“ erklingt. Für ihn ist dies „der Moment, der die Gäste berührt“, und in dem für viele Urlauber das beginnt, was das Unternehmen seit Jahren als Aida-Gefühl beschreibt.
Auch der Kussmund am Bug symbolisiere weit mehr als eine Marke. Das markante Lächeln stehe für die Überzeugung, „dass Reisen verbinden kann“ – Menschen, Generationen, Regionen und Perspektiven.
Vier schwimmende Hotelgiganten
Mit Blick auf die heutige Größenordnung des Unternehmens griff Eichhorn zu einem ungewöhnlichen Vergleich. Mit Aida Nova, Cosma, Prima und Perla betreibe das Unternehmen vier der zehn größten Hotels Deutschlands. Der Unterschied bestehe lediglich darin, dass man „das Frühstück jeden Tag an einem anderen Ort genießen“ könne.
Dazu kommen 128 Restaurants, 148 Bars, elf große Theaterbühnen und mehr als 100.000 Stunden Entertainment pro Jahr. Hinter diesem Angebot stehen mittlerweile rund 18.000 Mitarbeiter aus 60 Nationen. Für Eichhorn sind sie das eigentliche Fundament des Erfolgs. Deshalb gebe es „eigentlich keinen schöneren Job“ als den, den die Kolleginnen und Kollegen an Bord und an Land täglich ausüben.
Nachhaltigkeit und Innovation
Einen breiten Raum nahm das Thema Nachhaltigkeit ein. Eichhorn erinnerte daran, dass Aida bereits früh auf Landstrom gesetzt habe. Heute werden die Schiffe mehr als 600 Mal pro Jahr über entsprechende Anlagen versorgt, jeder zweite Anlauf in Nordeuropa erfolgt inzwischen mit Landstrom.
Ähnlich stolz zeigte er sich auf die Einführung von Flüssigerdgas als Schiffstreibstoff. Mit der Nova habe die Reederei 2018 eine Technologie eingeführt, die mittlerweile von nahezu allen großen Kreuzfahrtunternehmen genutzt werde. Für die Neubauten ab 2030 setzt Aida nun auf Multifuel-Technologien und weitere Schritte in Richtung klimafreundlicher Schifffahrt.
Hamburg profitiert wirtschaftlich
Auch die wirtschaftliche Bedeutung der Kreuzfahrt für Hamburg spielte in Eichhorns Rede eine wichtige Rolle. Nach aktuellen Studien erwirtschaftet das Hamburger Kreuzfahrtcluster einen Gesamtumsatz von rund 1,7 Milliarden Euro und sorgt für mehr als 700 Millionen Euro Bruttowertschöpfung – rund 70 Prozent mehr als noch 2018.
Besonders greifbar werde dies bei jedem einzelnen Schiffsanlauf. Jeder Besuch eines Kreuzfahrtschiffes generiere zusätzliche wirtschaftliche Effekte von rund 2,7 Millionen Euro für Hafenwirtschaft, Tourismus, Handel und Gastronomie. Für Eichhorn ist das ein Beleg dafür, dass Kreuzfahrt „kein Randthema, sondern ein Teil industrieller und regionaler Stärke“ sei.
Der Blick nach vorn
Trotz aller Rückschau stand am Ende der Blick in die Zukunft. Mit dem Aida Innovation Cup will das Unternehmen Start-ups, Wissenschaft und Industrie zusammenbringen, um neue maritime Technologien und digitale Lösungen zu entwickeln. Gleichzeitig wird die Flotte weiter wachsen: Zwei weitere Schiffe sollen ab 2030 in Dienst gestellt werden.
Für Eichhorn bleibt das Jubiläum deshalb nicht nur eine Feier des Erreichten. Es sei vor allem „ein Versprechen nach vorn“, Kreuzfahrt weiterzuentwickeln und immer wieder neu zu denken.
Passend dazu endete seine Rede mit einer Formulierung, die zugleich als Leitmotiv für die vergangenen drei Jahrzehnte dienen kann: Aida sei „nie nur eine Reise, sondern immer auch ein Aufbruch“ gewesen.

