Kreuzfahrtschiffe verlassen Konfliktzone Nahost
Nach wochenlangem Patt und einer Reihe von Reiseabsagen haben Mein Schiff 4 und 5 sowie die MSC Euribia die Meerenge von Hormus passiert und Kurs auf sichere Gewässer genommen. Damit nährt sich die Hoffnung auf eine schrittweise Rückkehr zum Regelbetrieb – wenn auch ohne das Fahrgebiet Orient.

Nach fast sieben Wochen im erzwungenen Hafenstopp haben fünf der im Persischen Golf festsitzenden Kreuzfahrtschiffe am Wochenende die enge Straße von Hormus passiert und die Gefahrenzone Nahost verlassen.
Neben den Celestyal-Schiffen Discovery und Journey haben bis Samstag, 18. April, die MSC Euribia sowie Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 von TUI Cruises die Passage zwischen Iran und Oman erfolgreich durchquert. Zurück bleibt nun noch ein Cruiseliner der saudischen Reederei Aroya, der weiterhin in Dammam liegt.
Strategisch wichtige Meerenge
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist die einzige Ausfahrtsroute aus dem Golf. Etwa ein Drittel des weltweit transportierten Öls passiert diese Meerenge, die in Teilen unter iranischer Hoheit liegt. Seit Ende Februar hatte der Iran die Passage de facto gesperrt.
Am Freitag, 17. April, verkündete der Iran, die Wasserstraße sei für Schifffahrt und den internationalen Handel wieder frei – solange eine Waffenruhe bestehe. Nur Stunden später, am Samstagmorgen, meldete Teheran erneut die Schließung – zu einem Zeitpunkt, als die Kreuzfahrtschiffe bereits auf dem Weg zur Ausfahrt waren.
Alle Schiffe fuhren Medienberichten dennoch weiter, auf einer südlichen Route nahe der omanischen Küste – abseits der Hauptschifffahrtsstraße und möglicher Angriffspunkte.
Euribia nimmt Kurs auf Kiel
Die MSC Euribia (ab Dubai) ist inzwischen auf dem Weg nach Europa. Das Schiff mit Platz für rund 6.300 Gäste hat seinen Basishafen in diesem Sommer in Kiel. Die Nachricht von der erfolgreichen Passage am Samstagnachmittag kam für MSC-DACH-Manager Jörg Eichler zu einem denkwürdigen Zeitpunkt. Eichler befand sich am Samstag an Bord der MSC Virtuosa auf einer Branchenveranstaltung.
Kreuzfahrt-Journalist Christoph Assies hat den Moment in einem Instagram-Reel festgehalten. „Ich habe eine unfassbare Nachricht bekommen, nämlich genau um 17:13 Uhr, aus der Zentrale in Genf: Die Euribia ist frei, sie ist durch“, ruft Eichler in dem Clip sichtbar bewegt von der Bühne in die Reihen der Anwesenden, Jubel bricht los.
Für den weiteren Fahrplan zeigte sich Eichler zuversichtlich: Nach seiner Einschätzung könnte die Euribia am 16. Mai den Betrieb wieder aufnehmen. Man wolle daran arbeiten, die Stornierungen zurückzunehmen. „Wir holen die Gäste zurück“, so Eichler.
Mein Schiff 4 und 5 entkommen
Auch TUI Cruises kann nach wochenlangem Stillstand aufatmen. Die Mein Schiff 4 (ab Abu Dhabi) und die Mein Schiff 5 (ab Doha) passierten die Straße von Hormus am Samstag erfolgreich. Noch am Freitag hatte die Reederei sämtliche Abfahrten für Mein Schiff 4 bis zum 10. Mai und für Mein Schiff 5 bis zum 8. Mai abgesagt.
Die Reederei hatte zuletzt angekündigt, binnen vier Wochen nach einer Öffnung der Straße von Hormus wieder reguläre Abfahrten aufnehmen zu wollen.
Der Kreuzfahrtanbieter würdigt den Einsatz der Mannschaft an Bord: „Unser Dank gilt den Kapitänen und Crews sowie allen Beteiligten, die mit großer Professionalität und Umsicht diese sichere Passage unterstützt und ermöglicht haben.“
Hintergrund der Krise
Ausgelöst worden war die Krise am 28. Februar 2026, als die USA und Israel Militärangriffe auf den Iran starteten. Die eskalierte Lage im Nahostkonflikt veranlasste den Iran, die Straße von Hormus faktisch zu sperren.
Kreuzfahrtgäste wurden in teils aufwendigen Rückholaktionen über alternative Routen durch Saudi-Arabien oder Oman ausgeflogen. Die Schiffe lagen seither mit Minimalbelegung fest.
MSC inklusive der Luxusmarke Explora Journeys sowie Aida und Costa haben ihre Orient-Programme für die Saison 2026/2027 gestrichen. Auch die ursprünglich geplanten Reisen der neuen Mein Schiff Flow ab/bis Dubai im Winter sind abgesagt.
Felix Hormel

