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Wechsel an der Spitze
14.04.26, 11:43 Uhr

Schauinsland holt Ex-Aldi-Manager als neuen CEO

Mit Sascha Leutner holt Schauinsland erstmals einen CEO von außen. Der Wechsel erfolgt schrittweise bis 2027 und beendet die operative Führung des Reisekonzerns durch die Familie Kassner. Hintergrund ist ein umfassender strategischer Umbau nach Jahren starken Wachstums.

Sascha Leutner, ehemaliger COO der Aldi Nord Gruppe, wird der erste externe Unternehmenschef in der über 100-jährigen Geschichte des Duisburger Reisekonzerns. Foto: Schauinsland/Sandra Sperlinger

Der Duisburger Reiseveranstalter Schauinsland-Reisen vollzieht einen wichtigen Schritt in seiner mehr als 100-jährigen Unternehmensgeschichte: Mit Sascha Leutner bestellt das Familienunternehmen einen CEO von außen – und ohne touristische Vita.

Leutner tritt zum 1. Juli dieses Jahres in die Geschäftsführung ein und übernimmt zum 1. Januar 2027 offiziell die Rolle des Chief Executive Officer (CEO).


Gerald und Steffen Kassner wechseln bis 2027 aus der Geschäftsführung in einen neu gegründeten Beirat

Damit endet eine Ära: Gerald Kassner, der das Unternehmen seit 1997 in dritter Generation geführt hat, zieht sich gemeinsam mit seinem Sohn Steffen Kassner aus dem operativen Geschäft zurück und wechselt in einen Beirat.

Das Unternehmen bleibt dabei in Familienhand – die Kassners behalten ihre strategische Rolle als Gesellschafter.

Vom Discounter in die Touristik

Leutner war zuletzt als Chief Operations Officer (COO) der Aldi Nord Group tätig, nachdem er dort zuvor als Chief Strategy Officer (CSO) gewirkt hatte. Bei dem Discounter habe er vor allem Digitalisierungsinitiativen und die Weiterentwicklung komplexer internationaler Strukturen geprägt – Kompetenzen, die Schauinsland fortan gezielt für die eigene Wachstumsphase nutzen will.

Die Entscheidung für einen Quereinsteiger sei bewusst gefallen. Es gehe darum, „die bestehende Expertise im Unternehmen um zusätzliche Perspektiven in Führung und Organisationsentwicklung“ zu erweitern, erläutert Steffen Kassner. Mit Sascha Leutner „gewinnen wir einen CEO, der strategische Klarheit mit operativer Umsetzung verbindet und gleichzeitig die Kultur unseres Hauses versteht und anerkennt“, ist Kassner überzeugt.

Wachstum als Treiber des Umbaus

Der Zeitpunkt der Neuaufstellung ist kein Zufall. Schauinsland hat in den vergangenen Jahren eine beachtliche Expansionsphase durchlaufen: Im Touristikjahr 2023/2024 zählte das Unternehmen knapp unter zwei Millionen Gäste bei einem Jahresumsatz von rund 2,3 Milliarden Euro. Im Dezember 2025 fiel schließlich auch die Zwei-Millionen-Gäste-Marke.

Zuletzt war der Reisekonzern auch durch Zukäufe gewachsen – etwa durch die Übernahme von Mehrheitsanteilen an der Fluglinie Sundair und der Schwester-Airline Fly Air41 in 2023 sowie durch den Einstieg beim Bausteinveranstalter Explorer ein Jahr später. „Genau deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, unsere Führungsstruktur weiterzuentwickeln und zukunftssicher auszurichten“, erklärt Kassner.

Verschiebungen an der Spitze

Bereits im Vorfeld hatte Schauinsland personelle Veränderungen erlebt – mit dem Weggang von Andreas Rüttgers nach über 30 Jahren hat Schauinsland im vergangenen Februar einen langjährigen Geschäftsführer und eine prägende Figur des Hauses verloren. Rüttgers Abgang markierte das Ende einer Übergangsphase und legte den Boden für die nun vollzogene Neuausrichtung an der Spitze.


CCO Markus Förster und CSO Detlef Schroer bilden das operative Rückgrat der neuen Führungsstruktur bei Schauinsland

Die CEO-Berufung bildet bis auf Weiteres der Abschluss eines im November 2025 angekündigten, zweistufigen Führungsumbaus. In einem ersten Schritt rückten zum Januar 2026 zwei langjährige interne Führungskräfte in die Geschäftsführung auf:

  • Markus Förster, seit 27 Jahren im Unternehmen und bislang Leiter des Flugbereichs, übernahm die Position des Chief Commercial Officer (CCO).
  • Detlef Schroer, seit 15 Jahren verantwortlich für Vertrieb und Reservierung, wurde zum Chief Sales Officer (CSO) berufen.

Beide stehen für operative Kontinuität und tiefe Branchenkenntnis aus den eigenen Reihen – und bilden künftig das Fundament, auf dem Leutner als CEO aufbauen soll.

Geordneter Übergang

Jetzt soll ein gleitender Wechsel beginnen: Bis Ende 2026 begleiten Gerald und Steffen Kassner weiterhin die operative Führung, während Leutner das Business kennenlernt und die nächsten Entwicklungsschritte vorbereitet.

Schroer betont bei alledem den Fokus auf das Kerngeschäft. Dieser liege „weiterhin klar auf unseren Vertriebspartnern und unseren Gästen.“ Für den Pauschalreiseanbieter, der auch in Zukunft konsequent auf den Reisebürovertrieb setzen will, ist die Kontinuität in Vertrieb und Kundenorientierung ein zentrales Signal – gerade in einem Umfeld, in dem der neue CEO aus einer anderen Branche kommt.

Neuer Kapitelzähler

Mit diesem Schritt schließt Schauinsland ein bemerkenswertes Kapitel: Was 1918 als Möbelspedition von Erich Kassner begann und durch drei Generationen zu einem der größten deutschen Flugreiseveranstalter heranwuchs, geht nun in die operative Verantwortung eines externen Managers, während die Kassner-Familie im neu gegründeten Beirat die Ebene ihrer Einflussnahme zum 1. Januar 2027 wechselt.

Felix Hormel