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Tourismus kommt zum Erliegen
02.03.26, 12:03 Uhr

Krieg in Nahost zwingt Veranstalter in den Krisen-Modus

Kurz vor Beginn der ITB in Berlin prägt die Nahostkrise die Tourismusbranche. Veranstalter sagen Reisen ab, setzen Buchungen aus und versuchen, Rückreisen zu organisieren. Solange die Sicherheitslage unklar ist, rechnen Anbieter mit spürbaren Einbrüchen bei der Nachfrage.

Die künstliche Insel Palm Jumeirah, ein touristisches Wahrzeichen Dubais, wurde im Zuge der Nahost-Eskalation am 28. Februar von Explosionen und herabfallenden Trümmerteilen getroffen. Foto: iStock/Britus
Die militärische Eskalation im Nahen Osten führt zu weitreichenden Einschränkungen im Reiseverkehr. Nach den Luftangriffen und Gegenschlägen in der Region sowie umfangreichen Reisewarnungen des Auswärtigen Amts haben mehrere deutsche Veranstalter ihre Programme kurzfristig angepasst, Reisen abgesagt und Sonderregelungen für Kunden eingeführt.

Über die Hintergründe der Eskalation und unmittelbare touristische Implikationen hat TRVL COUNTER berichtet. Derweil arbeitet die Bundesregierung seit Montag an einer Rückführungsaktion für schätzungsweise 30.000 Bundesbürger, die im Nahen Osten feststecken.

Vor allem Luftraumsperrungen und geschlossene Flughäfen erschweren derzeit die Rückreise vieler Urlauber. Veranstalter prüfen entsprechend Möglichkeiten zur Rückführung ihrer Gäste. Emirates hat alle Flüge nach und ab Dubai bis Dienstag, den 3. März, 15:00 Uhr (Ortszeit der VAE) ausgesetzt.

Dertour sagt Nahost-Reisen ab

Dertour hat alle Reisen in Nahost-Ziele im eigenen Programm bis einschließlich 5. März abgesagt. Betroffen sind die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Katar, Bahrain, Oman, Jordanien, Israel und Kuwait. Gäste können kostenfrei umbuchen oder erhalten den vollständigen Reisepreis zurück.

Dertour hat zudem Krisenteams eingesetzt und eine 24-Stunden-Hotline für Gäste und Reisebüropartner eingerichtet: +49 69 9588 40 76.

Derzeit hält sich eine niedrige vierstellige Zahl von Gästen in den betroffenen Regionen auf. Die lokalen Reiseleitungen betreuen die Gäste vor Ort. Hotelaufenthalte werden bei Bedarf verlängert oder alternative Unterkünfte organisiert.

TUI fährt auf Sicht

Auch TUI reagiert: Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate sagt der Veranstalter zunächst bis Freitag, 6. März, ab, Reisen nach Katar vorerst bis Montag. Das Vorgehen werde „rollierend“ angepasst – Entscheidungen werden jeweils kurzfristig auf Basis der aktuellen Entwicklung getroffen.

Gäste mit unmittelbar bevorstehender Abreise können gebührenfrei umbuchen oder stornieren.

Solange eine Abreise nicht möglich ist, kümmert sich TUI um die Pauschalreisegäste vor Ort. Veranstalter seien dabei auf verfügbare Flugverbindungen angewiesen und stünden in engem Kontakt mit den Fluggesellschaften.

TUI Cruises streicht Golf-Abfahrten

Auch Kreuzfahrten im Persischen Golf sind betroffen. Bei TUI Cruises befinden sich Gäste weiterhin an Bord der Mein Schiff 4 (Abu Dhabi) und Mein Schiff 5 (Doha), wo sie betreut und versorgt werden. Der Bordbetrieb laufe unter den gegebenen Umständen regulär weiter.

Mehrere geplante Reisen können jedoch nicht stattfinden. Betroffen sind bei der Mein Schiff 4 die Abfahrten vom 1. und 2. März sowie vom 8. und 9. März. Bei der Mein Schiff 5 betrifft dies die Abfahrten vom 28. Februar und 5. März. Alle betroffenen Gäste seien informiert worden.

Wegen eingeschränkter Flugverbindungen arbeitet TUI Cruises gemeinsam mit Airlines an Lösungen für die Rückreise. Das Unternehmen hat zudem eine Hotline für Angehörige eingerichtet: +40 6000 15 403.

Alltours storniert Emirate- und Oman-Reisen

Auch Alltours hat Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate und in den Oman mit Abreise bis einschließlich 8. März storniert. Neubuchungen für diese beiden Zielgebiete setzt der Veranstalter vorsorglich bis einschließlich 7. April aus.

Die Düsseldorfer beobachten die Entwicklungen ebenfalls sehr aufmerksam und stehen im Austausch mit Partnern vor Ort, dem Krisenteam des Deutschen Reiseverbands (DRV) sowie den zuständigen Behörden. Für Kunden ist eine 24-Stunden-Notfallhotline eingerichtet.

Betroffene Gäste – sowohl in der Golfregion als auch in anderen Zielgebieten wie im Indischen Ozean, in Asien oder in Afrika – werden vor Ort von Reiseleitungen betreut. Sie befinden sich nach Veranstalterangaben in ihren gebuchten Hotels oder wurden bei Bedarf in andere Unterkünfte verlegt.

Für Gäste in Fernzielen mit Rückflügen über Drehkreuze in der Golfregion prüft Alltours fortlaufend Umbuchungen auf alternative Fluggesellschaften. Ziel sei es, allen betroffenen Reisenden schnellstmöglich die Rückreise zu ermöglichen.

Anex cancelt bis 3. März

Die Veranstalter der Anex Gruppe orientiert sich an den Einschätzungen des Auswärtigen Amts. Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate, den Oman und Katar werden zunächst bis zum 3. März storniert. Israel gehört nicht zum Anex-Programm.

Betroffen sei aktuell eine niedrige dreistellige Zahl von Gästen vor Ort.

Für Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate mit Abreise zwischen dem 3. und 6. März können Kunden kostenlos auf ein anderes Ziel oder einen anderen Termin umbuchen oder ihre Reise bis zum 5. März kostenfrei stornieren.

Vor Ort nehmen Mitarbeiter Kontakt zu den Gästen auf. Reiseleitungen begleiten die Reisenden und unterstützen bei Bedarf mit Hotelverlängerungen oder alternativen Unterkünften. Auswirkungen auf Buchungen in andere Urlaubsländer seien bislang nicht bekannt.

Schauinsland meldet gesperrte Flughäfen

Der Duisburger Veranstalter Schauinsland beschreibt die Lage in der Golfregion als angespannt. Flughäfen in Dubai, Abu Dhabi, Bahrain und Katar seien derzeit nicht operativ, zudem seien Lufträume in weiten Teilen der Region geschlossen. Auch im Oman bleibe die Situation volatil, wenngleich vereinzelt noch Flüge stattfänden.

Betroffen sind sowohl Direktreisen in die Golfstaaten als auch Fernreisen mit Umsteigeverbindungen über die Region. Der Veranstalter hat derzeit Pauschalreisende in den Emiraten sowie Fernreisende, deren Rückflüge annulliert wurden. Zahlen nennt der Anbieter nicht. Betroffene Gäste erhalten für mindestens fünf Tage eine Hotelverlängerung, möglichst im gebuchten Hotel. Parallel arbeitet Schauinsland an alternativen Rückflugmöglichkeiten.

Kurzfristig rechnet der Veranstalter mit einer spürbaren Zurückhaltung bei Buchungen in die Golfregion. Das Ausmaß werde von der weiteren Entwicklung der Sicherheitslage und der Wiederaufnahme des Flugbetriebs abhängen.

Gebeco setzt Buchungen aus

Der Kieler Spezialist für Studien- und Erlebnisreisen Gebeco hat Buchungsanfragen für Oman, Vereinigte Arabische Emirate und Jordanien für Abreisen bis einschließlich 31. März ausgesetzt. Für diese Ziele bietet der Veranstalter bis Ende März kostenfreie Umbuchungen an.

Gebeco-Gäste befänden sich derzeit nicht in den direkt von Angriffen betroffenen Ländern. Eine Gruppe ist im Oman unterwegs und soll zurückgeführt werden.

Für Gäste mit Rück- oder Weiterreisen über betroffene Drehkreuze prüft Gebeco laufend Flugverbindungen und organisiert bei Bedarf Ersatzflüge und Hotelübernachtungen.

Die aktuelle Lage stuft der Veranstalter als „deutlich eingeschränkt“ ein und erwartet kurzfristig spürbare Auswirkungen auf die Nachfrage. Die wirtschaftlichen Folgen seien derzeit jedoch noch nicht belastbar zu beziffern.

ITB im Zeichen der Krise

Unmittelbar nach den Militärschlägen eröffnet am Dienstag die ITB Berlin. Die Messe soll nach Angaben der Veranstalter wie geplant stattfinden. Die Sicherheit aller Teilnehmenden habe oberste Priorität, man stehe in engem Austausch mit internationalen Partnern.