US-Embargo trifft Kuba – Außenamt warnt, Luftverkehr bricht ein
Erhebliche Engpässe bei Strom, Treibstoff und in der Versorgung zwingen Kuba in die Knie. Die Regierung rationiert. Das Auswärtige Amt spricht eine Reisewarnung aus. Der Flugverkehr ist massiv beeinträchtigt. Dertour unterstützt wenige verbleibende Gäste.

Ein verschärftes US-Embargo unter der Trump-Regierung hat zu einem massiven Rückgang von Öl- und Treibstofflieferungen nach Kuba geführt. In der Folge erlebt das Land derzeit eine schwere Energiekrise.
Erhebliche Engpässe in vielen Bereichen
Das Auswärtige Amt rät wegen der Auswirkungen auf Infrastruktur und Versorgungslage von nicht notwendigen Reisen nach Kuba ab. Die Regierung des Karibikstaates rationiert Kraftstoff und Strom, wodurch medizinische Versorgung, Nah- und Flugverkehr erheblich eingeschränkt sind.
Auch Hotels mussten schließen, der Zugang zu Lebensmitteln und Wasser ist beeinträchtigt. In vielen Regionen sind mehrstündige Stromausfälle an der Tagesordnung, die sich auf Wasser- und Lebensmittelversorgung auswirken.
Das deutsche Außenamt warnt außerdem vor weiteren Engpässen bei Medikamenten und empfiehlt eine sorgfältige Krisenvorsorge vor der Einreise.
Luftverkehr unter Druck
Seit dem 9. Februar können Flugzeuge auf kubanischen Flughäfen nicht mehr betankt werden. Laut dem Krisenmonitoring-Anbieter A3M haben zahlreiche Fluggesellschaften ihre Verbindungen nach Kuba gestrichen oder deutlich reduziert. Air Canada, Air Transat und Westjet haben sämtliche Flüge ausgesetzt. National Carrier Cubana de Aviación fliegt bis mindestens 8. März nicht mehr zwischen Deutschland und Kuba.
Einige Airlines passen ihren Betrieb an: Iberia und Air Europa bieten Ticket-Umtausch und Rückerstattungen an. Um den Flugbetrieb aufrechterhalten zu können, legen beide Airlines einen Tankstopp in Santo Domingo ein. Aeroméxico ist derzeit die einzige große Fluggesellschaft, die ihre Verbindungen nach Kuba bislang planmäßig durchführt.
In den kommenden Wochen sind laut A3M zahlreiche leere Rückflüge vorgesehen – also Maschinen, die ohne Passagiere nach Kuba fliegen, um gestrandete Urlauber zurückzuholen. Die Fluglinien stellen dafür Maschinen mit voller Kerosinladung bereit, um unabhängig von der lokalen Treibstoffversorgung operieren zu können.
Dertour mit niedriger dreistelliger Gästezahl
Veranstalter Dertour hat sein Kuba-Programm bereits vor längerer Zeit „risikoorientiert angepasst und deutlich reduziert“. Rundreisen und Ausflüge sind ausgesetzt, Hotels ohne ausreichende Notstrom- oder Treibstoffreserven aus dem Programm genommen.
Derzeit befinde sich eine „niedrig dreistellige Gästezahl“ der Veranstaltermarken der Dertour Group – Dertour, ITS und Meiers Weltreisen – auf der Insel. Sie hielten sich in touristischen Hauptregionen auf, für die „notwendige Transferfahrten bislang sichergestellt sind“. Die Gäste würden „eng durch unsere Reiseleitungen vor Ort sowie durch unser zentrales Sicherheits- und Krisenmanagement betreut und fortlaufend über die aktuelle Lage informiert“.
Man bereite Reisende auch auf mögliche Folgen vor – etwa „auf Kommunikationsausfälle, reduzierte Transfermöglichkeiten oder Einschränkungen im Hotelbetrieb“. Bereits jetzt biete man „aktiv Transferlösungen nach Havanna an, organisiere bei Bedarf vorgezogene Rückreisen und ermögliche alternative Hotelunterbringungen in unmittelbarer Airportnähe“.
Kulanzregelungen für Pauschalgäste
Pauschalgäste können kostenfrei umbuchen oder stornieren. Das gelte auch für Sommerreisen, für Abreisen bis zum 31. März sogar inklusive kostenloser Stornierung. Dertour empfiehlt, „Reiseabsichten vor dem Hintergrund der aktuellen Situation sorgfältig zu überdenken“.
Politischer Hintergrund
Die Vereinigten Staaten unter Präsident Trump verschärfen den Druck auf Kuba, um die wirtschaftliche Lebensader des Inselstaats zu treffen und damit den politischen Druck auf die kommunistische Führung in Havanna zu maximieren.
Offiziell begründet Washington dies mit Menschenrechtsverletzungen und mangelnder Demokratie in dem Land. De facto zielt die Politik aber auch darauf ab, Kubas Rolle als sicherheits- und geheimdienstlicher Unterstützer des venezolanischen Maduro-Regimes zu schwächen.
Über Sanktionen gegen Tanker, Reedereien, Versicherer und staatliche Unternehmen, die Öl nach Kuba bringen, entsteht so ein Embargo, das Lieferungen auch aus Drittstaaten mit hohen Risiken belegt.
Innenpolitisch sendet diese harte Linie zugleich ein Signal an exilkubanische Wähler in den USA, weshalb sie trotz der humanitären Folgen seit Jahrzehnten fortgeführt und immer wieder verschärft wird.

