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DRV, DTV, BTW, ASR, DZG, VIR
28.01.26, 11:00 Uhr

Verbände begrüßen touristischen Kurs der Regierung

Deutschland versucht einen tourismuspolitischen Neustart. In der vom Bundeskabinett beschlossenen Tourismusstrategie sehen DRV, DTV, BTW und ASR zentrale Forderungen der Branche aufgegriffen – jetzt müsse die Umsetzung folgen, fordern die Verbände.

Die Tourismusverbände werten das Strategiepapier des Bundes als taugliche Grundlage für zukunftsfähige Entwicklungen in der Reisewirt. Foto: iStock/querbeet

Das Bundeskabinett hat die Nationale Tourismusstrategie beschlossen. Die hiesigen Tourismusverbände begrüßen das Strategiepapier als wichtiges Signal für die Branche. Aus ihrer Sicht greift die Bundesregierung zentrale Themen auf – von Outgoing-Tourismus und Infrastruktur über Digitalisierung und Bürokratieabbau bis hin zur Fachkräftesicherung.

Welche konkreten Maßnahmen die Bundesregierung in der Strategie vorsieht, lesen Sie im begleitenden Überblicksartikel.

Stimmen zu der Agenda gibt es auch aus dem Management der beiden größten deutschen Reisekonzerne, TUI und Dertour.
 


 

DRV

Der Deutsche Reiseverband (DRV) sieht in der neuen Tourismusstrategie einen zentralen Schritt zur Stärkung des Reisestandorts Deutschland – insbesondere im Outgoing-Segment. Präsident Albin Loidl spricht von einem „klaren Bekenntnis zur touristischen Wertschöpfung“ und betont: „Die Nationale Tourismusstrategie unterstreicht die Bedeutung des Tourismus und der organisierten Reise als wichtige Wachstumsbranche und tragende Säule der deutschen Volkswirtschaft.“

DRSF-Weiterentwicklung als Signal an Veranstalter

Besonders positiv bewertet der Verband die geplante Weiterentwicklung des Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF), mit dem Ziel, die Kostenbeiträge für abgesicherte Reiseveranstalter zu senken. Dass dieses Ziel nun ausdrücklich in der Strategie verankert sei, „begrüßen wir im Sinne der Branche außerordentlich“, so Loidl.

Wettbewerbsfähigkeit der Anbieter im Fokus

Laut DRV sendet die Strategie ein klares Signal an die Outbound-Branche. „Die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Reiseanbieter muss weiter gestärkt werden, denn Auslandsreisen sind und bleiben das Hauptgeschäft der Reisewirtschaft“, erklärt der Präsident. Die Strategie schaffe eine „klare Balance zwischen Wachstum, Qualität und Nachhaltigkeit“ und stärke damit „die Position der Outbound-Branche und ihrer Partner weltweit“.

Handlungsfelder mit konkretem Potenzial

Auch bei weiteren Handlungsfeldern sieht der DRV wichtige Ansatzpunkte – etwa bei der Verbesserung der Verkehrsverbindungen zu Kreuzfahrthäfen und Flughäfen, bei digitalen Lösungen wie der European Digital Identity Wallet oder der vereinfachten Visa-Erteilung.

Im Bereich der Arbeitskräftesicherung begrüßt der Verband das Ziel, qualifizierte Fachkräfte gezielt zu gewinnen und flexiblere Arbeitszeitmodelle zu ermöglichen.

Appell zur zügigen Umsetzung

Letztlich komme es auf die Umsetzung an, so Loidl: „Als DRV freuen wir uns auf den weiterhin regelmäßigen und intensiven fachlichen Austausch. Entscheidend bleibt, dass die Politik die geplanten Maßnahmen jetzt auch zeitnah und konsequent umsetzt.“


 

DTV

Der Deutsche Tourismusverband (DTV) bewertet den Kabinettsbeschluss als wichtigen Schritt. „Erstmals bekennt sich der Bund darin klar zu seiner koordinierenden Rolle“, stellt DTV-Präsident Reinhard Meyer heraus. Dass sich die Bundesregierung nach langer Zeit im Kabinett grundlegend mit dem Tourismus beschäftige, sei ein starkes Signal für die Relevanz der Branche.

Ziel: Leistungsfähige Infrastruktur für Reiseregionen

Meyer begrüßt insbesondere das klare Bekenntnis zur Förderung touristischer Infrastruktur. „Wir begrüßen, dass die Strategie die Attraktivität der deutschen Reiseregionen vor allem durch eine leistungsfähige Infrastruktur verbessern will. Damit wird die Grundlage für eine nachhaltige Qualität der touristischen Angebote geschaffen“, so der DTV-Präsident.

Im Zentrum stehen Investitionen in Schienen, Straßen, Wasserwege, Rad- und Wanderwege sowie Ladeinfrastruktur und Barrierefreiheit. „Wenn Busse, Bahnen und Fähren nicht fahren, bleiben die Gäste aus“, betont Meyer. Eine moderne Anbindung sei für die Tourismusentwicklung unerlässlich.

Finanzierung kommunaler Aufgaben sichern

Der Verband macht auch auf die Herausforderungen vor Ort aufmerksam. Viele Kommunen gerieten bei der Finanzierung touristischer Aufgaben zunehmend unter Druck. Im neuen Tourismuspolitischen Forum müsse daher auch über eine sichere finanzielle Basis des öffentlich geförderten Tourismus gesprochen werden.

Meyer mahnt zur schnellen Umsetzung: „Es ist ein wichtiges Signal, dass die Strategie in dieser Legislaturperiode so schnell erarbeitet wurde. Nun müssen die Ziele in konkrete Maßnahmen überführt und vom Bund finanziell abgesichert werden.“


 

BTW


Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) hebt den wirtschaftspolitischen Fokus des Strategiepapiers hervor. „Als Dachverband der Tourismuswirtschaft begrüßen wir den klaren wirtschaftspolitischen Fokus der Strategie. Das ist ein wichtiges Signal für die Branche in aktuell nicht immer einfachem Fahrwasser“, so BTW-Präsident Sören Hartmann.

Wertschätzung und Breitenwirkung

Die Bundesregierung unterstreiche mit der Strategie auch die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Tourismus. „Die Bundesregierung betont schwarz auf weiß ihre Wertschätzung gegenüber unserer Branche und deren gesellschaftlichen wie volkswirtschaftlichen Wert.“

Bürokratie, Arbeitszeit und Visa

Viele der zentralen Forderungen des BTW seien berücksichtigt – etwa beim Bürokratieabbau, der Arbeitszeitflexibilisierung und der Digitalisierung von Visaverfahren. „Bürokratie tatsächlich konsequent zu reduzieren, wäre ein echter Entlastungsboost für die Betriebe“, so Hartmann. Auch das geplante digitale Visaverfahren mit einer maximalen Bearbeitungsdauer von acht Wochen sei überfällig.

Mobilität als Schlüsselthema

Ein weiteres Kernthema ist die Mobilität. „Ohne Mobilität ist Tourismus unmöglich“, so Hartmann. Wichtig sei daher, dass sowohl Geschäfts- als auch Privatreisende moderne, intermodale Angebote vorfinden – vom Luftverkehr bis zum ÖPNV.

Der BTW hatte sich mit einem eigenen Positionspapier in den Strategieprozess eingebracht und begrüßt, dass zentrale Inhalte übernommen wurden. Nun komme es auf die Umsetzung an, damit die Tourismuswirtschaft „ihr volles Potenzial als Wachstumsmotor und starker Wirtschaftsfaktor für den Standort Deutschland entfalten“ könne.


 

ASR


Auch der Mittelstandsverband Allianz selbstständiger Reiseunternehmen (ASR) begrüßt die neue Strategie. Der Verband hebt positiv hervor, dass die Bundesregierung den Tourismus in seiner gesamten Wertschöpfungskette betrachte – einschließlich der Vermittlung und Organisation von Auslandsreisen. Die klare Benennung des Outbound-Segments als Bestandteil einer leistungsfähigen Tourismuswirtschaft entspreche der Realität des Marktes.

Fokus auf Reisevertrieb und Veranstalter

„Die Strategie weist in die richtige Richtung. Jetzt muss sie praxisnah, verlässlich und mittelstandsorientiert umgesetzt werden. Reisebüros, Reiseveranstalter und die daran anknüpfenden touristischen Dienstleister müssen dabei konsequent im Mittelpunkt stehen“, erklärt ASR-Präsidentin Anke Budde.

Entlastungen im betrieblichen Alltag notwendig

Der Verband betont, dass es auf die Wirkung vor Ort ankommt. Gerade inhabergeführte Unternehmen bräuchten konkrete Entlastungen, die im Alltag spürbar seien. Positiv bewertet der ASR die in der Strategie angelegten Ansätze zu Bürokratieabbau, Arbeitszeitregelungen, Mobilität und Visaverfahren.

„Für den Mittelstand ist nicht die Anzahl der angekündigten Maßnahmen entscheidend, sondern ihre Umsetzbarkeit“, so Budde. Wichtig seien weniger Komplexität, klare Zuständigkeiten und Planungssicherheit, um Investitionen, Arbeitsplätze und Ausbildung zu sichern.

Verband will Umsetzungsprozess aktiv begleiten

Als unabhängiger Mittelstandsverband kündigt der ASR an, den weiteren Umsetzungsprozess „konstruktiv, sachlich und mit der notwendigen Beharrlichkeit“ zu begleiten. Ziel sei es, dass die Strategie „ihre Wirkung entlang der gesamten touristischen Wertschöpfungskette entfaltet“.
 


DZG


Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) begrüßt die neue Strategie grundsätzlich, mahnt aber Nachbesserungen an. Vorstandsvorsitzender Marcel Klinge sieht in dem Papier einen „wichtigen politischen Aufschlag“, der jedoch noch nicht weit genug gehe. „Dass die Tourismuswirtschaft (Gastwelt) überhaupt mit einer eigenen nationalen Strategie adressiert wird, ist überfällig und schon ein deutlicher Fortschritt“, so Klinge.

Zentrale Branchenforderungen anerkannt

Positiv bewertet die DZG, dass zentrale Anliegen aus der Branche Eingang in das Papier gefunden haben. Dazu zählen das dauerhafte Bekenntnis zur ermäßigten Mehrwertsteuer in der Gastronomie, flexiblere Arbeitszeitmodelle und weniger Bürokratie. Auch die bessere internationale Anbindung des Reiselandes Deutschland über die Luftverkehrsbranche wird begrüßt.

Breite Themen, aber wenig Steuerung

Zugleich kritisiert die Denkfabrik, dass die Strategie teilweise nur bestehende Vorhaben bündele. „Ein übergeordnetes Zukunftsbild fehlt bislang und müsse im weiteren Prozess schnellstmöglich entwickelt werden.“ Die Gastwelt werde zwar als Querschnittsaufgabe eingeordnet – es brauche aber mehr politische Steuerung und Gestaltung.

Tourismuspolitisches Forum mit klarer Rolle gefragt

Kritisch sieht die DZG das geplante „Tourismuspolitische Forum“. Ohne klare Aufgaben, politische Anbindung und Verbindlichkeit bestehe die Gefahr, dass das Gremium ins Leere laufe. „Die aktive Unterstützung der Gastwelt und ihrer 250.000 Unternehmen darf nicht mit dem Kabinettsbeschluss enden“, betont Klinge.

Strategie braucht Weiterentwicklung

Insgesamt zieht die DZG ein konstruktives Fazit: Die Strategie sei „ein guter und notwendiger Start“. Jetzt müsse sie mit Inhalten gefüllt und zu einer echten Zukunftsstrategie ausgebaut werden. Die Gastwelt brauche „nicht nur bessere Rahmenbedingungen, sondern eine klare Vorstellung davon, welche Rolle sie künftig wirtschaftlich, gesellschaftlich und regional spielen soll.“

 


VIR


Auch der Verband Internet Reisevertrieb (VIR) bewertet die Nationale Tourismusstrategie als starkes Signal für die Reisewirtschaft. Die Bundesregierung würdige damit ausdrücklich die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus als zentrale Leitökonomie mit Millionen von Arbeitsplätzen und hoher Wertschöpfung für den Standort Deutschland.

Zugleich setze sie klare inhaltliche Schwerpunkte auf Wettbewerbsfähigkeit, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen.

Outbound-Tourismus ausdrücklich anerkannt

VIR-Vorstand Michael Buller hebt hervor, dass die Strategie die Organisation und Vermittlung von Reisen klar einbezieht. „Die Bundesregierung erkennt an, dass der Outbound-Tourismus sowie die Organisation und Vermittlung von Reisen tragende Pfeiler der deutschen Reisewirtschaft sind“, so Buller.

KI, Nachhaltigkeit und EU-Rahmenbedingungen

Positiv bewertet der VIR, dass Digitalisierung und Künstliche Intelligenz als strategische Zukunftsfelder definiert werden. Nachhaltigkeit werde dabei als Wettbewerbsfaktor verstanden. Zudem begrüßt der Verband das Bekenntnis zu einer praxistauglichen, bürokratiearmen EU-Gesetzgebung und zu mehr europäischer Abstimmung.

VIR signalisiert Mitwirkung

„Eine moderne Reisewirtschaft braucht verlässliche, innovationsfreundliche und europäisch gut abgestimmte Rahmenbedingungen“, sagt Buller. Der VIR sieht in der Strategie eine gute Grundlage und kündigt an, die Umsetzung gemeinsam mit Politik und Branche konstruktiv zu begleiten.