Anzeige
ITB-Gastland 2026
23.11.25, 14:16 Uhr

„Tourismus ist das grüne Öl Angolas“

„Visit Angola – The Rhythm of Life“: Mit diesem Slogan präsentiert sich Angola 2026 erstmals als touristisches Ziel auf der internationalen Bühne. Im Fokus stehen Kultur, Natur, Lebensfreude – und eine klare Strategie: Tourismus als Wachstumsmotor. Tourismusminister Márcio de Jesus Lopes Daniel erklärt im Gespräch mit TRVL Counter, wie Angola sich aufstellt, welche Gäste es ansprechen will – und warum Nachhaltigkeit von Anfang an eine zentrale Rolle spielt.

Angolas Tourismusminister Márcio de Jesus Lopes Daniel im interview mit TRVL COUNTER in der Botschaft in Berlin
Herr Minister, was genau steckt hinter dem neuen Markenauftritt „Visit Angola – The Rhythm of Life“?
Mit dem Rhythmus wollen wir zeigen, was Angola einzigartig macht. Er steht für unsere Kultur, unsere Musik, unsere Lebensfreude – und die Gastfreundschaft unserer Menschen. Wenn wir Gäste empfangen, begrüßen wir sie tanzend, lachend, mit offenen Armen. Dieser Rhythmus spiegelt sich aber auch in der Natur wider – in unseren Wasserfällen, der Savanne, der Wüste, an der Küste. Es ist Ausdruck eines Landes, das lebt, das seine Energie teilt und sich für die Welt öffnet.

Welche Zielgruppen möchten Sie mit dieser Botschaft ansprechen?
Angola ist kein klassisches Tourismusland – noch nicht. Wir sprechen deshalb gezielt Menschen an, die Abenteuer suchen, Ursprünglichkeit erleben wollen und neue Wege gehen. Das sind Millennials, Entdecker, Individualreisende. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der afroamerikanischen Community in den USA und Brasilien. Historisch gesehen stammen mehr als die Hälfte der versklavten Menschen, die nach Amerika verschleppt wurden, aus Angola. Für viele Nachfahren ist das Land ein Stück ihrer Geschichte. Wir möchten diese Verbindung bewusst aufgreifen und ihnen eine Reise zu ihren Wurzeln ermöglichen.

Langfristig setzen wir aber auch auf klassische Urlauber. Unsere 1.650 Kilometer Atlantikküste sind spektakulär – weitgehend unberührt und bereit, entdeckt zu werden.

Sie bezeichnen Tourismus als „grünes Öl“. Warum?
Angola war jahrzehntelang vom Erdöl abhängig. Das war unser wirtschaftliches Rückgrat – aber auch unsere größte Verwundbarkeit. Wir wissen, dass wir dieses Modell hinter uns lassen müssen. Tourismus ist unsere große Chance. Er ist sauber, nachhaltig, schafft Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Regionen, die bisher kaum wirtschaftlich eingebunden sind. Tourismus ist das „grüne Öl“, das unsere Wirtschaft diversifiziert.

Welche Rolle spielen die Messeauftritte 2026 etwa auf der ITB in Berlin?
Eine sehr zentrale. 2026 wird Angola Gastland auf der CMT Stuttgart – einer der größten Publikumsmesse für Tourismus weltweit – und Gastland auf der ITB Berlin, der führenden Fachmesse der Branche. Die ITB ist so etwas wie das Mekka der weltweiten Reiseindustrie. In Stuttgart wollen wir die Menschen emotional abholen. Tänzerinnen und Tänzer bringen Kizomba, unsere traditionelle Musik und Lebensfreude, direkt nach Deutschland.

Der Messestand selbst wird ein Erlebnis: Grün steht für die Natur, Blau für unsere Küste und Wasserfälle, Braun für die Weite der Wüsten und Berge, Rot für Lebensfreude und Kulinarik. Auf der ITB Berlin werden wir – passend zum 60. Jubiläum der Messe – zeigen, dass Angola bereit ist für den internationalen Tourismusmarkt. Mit starken Partnern, Investoren und Tourismusorganisationen 
positionieren wir unser Land als sicheres, authentisches und lebendiges Reiseziel.

Was sind die größten Herausforderungen auf diesem Weg?
Ganz klar: Infrastruktur, Finanzierung und Fachkräfte. Wenn wir internationale Gäste empfangen wollen, brauchen wir funktionierende Straßen, Flughäfen, Energieversorgung und Wassersysteme. Diese Basis schaffen wir derzeit schrittweise. Gleichzeitig müssen Investoren verlässliche Rahmenbedingungen vorfinden. Das bedeutet klare Strukturen, Sicherheit und Anreize. Und nicht zuletzt: Menschen. Wir müssen Angolanerinnen und Angolaner gezielt für die Branche ausbilden – als Guides, Hotelmitarbeiter, Servicekräfte. Dafür haben wir Capacita Tourism ins Leben gerufen – ein Programm zur gezielten Qualifizierung.

Sprache ist auch ein Thema, denn Angola als ehemalige Kolonie ist heute noch portugiesischsprachig. Wie gehen Sie damit um?
Englisch ist die Sprache des internationalen Tourismus. Deshalb investieren wir massiv in Sprachtrainings. Wir brauchen Guides, die Englisch fließend sprechen – und mittelfristig auch Deutsch, Französisch oder Spanisch. Das ist eine große, aber lösbare Herausforderung.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Nachbarländern?
Sehr wichtig. Konkurrenzdenken war gestern. Afrika kann nur gemeinsam stark auftreten. Mit Sambia haben wir bereits erste B2B-Formate gestartet: Safari und Strand in einer Reise. Mit Namibia bereiten wir ähnliche Kooperationen vor. Besonders spannend ist das Kaza-Projekt – ein grenzüberschreitendes Schutzgebiet rund um den Okavango und den Sambesi. Hier entsteht eine gemeinsame Marke, die es Touristen erlaubt, mehrere Länder mit einem Visum zu bereisen. Das ist gelebte Zusammenarbeit.

Angola positioniert sich bewusst als nachhaltige Destination. Wie setzen Sie das um?
Wir haben einen Vorteil: Wir stehen am Anfang. Wir müssen keine Fehler aus der Vergangenheit korrigieren, sondern können von Beginn an auf nachhaltige Entwicklung setzen. Jede Investition, jedes Projekt wird an Masterplänen gemessen, die ökologische und kulturelle Faktoren berücksichtigen. Unser Ziel ist es, Angola als eine der saubersten Tourismusdestinationen der Welt zu etablieren – im Einklang mit Natur, Menschen und Wirtschaft.

Was bedeutet die internationale Sichtbarkeit für Angola?
Sie verändert unser Selbstverständnis. Tourismus schafft Arbeitsplätze, stärkt lokale Gemeinschaften und verändert die Wahrnehmung Angolas nach außen. Auf den Messen in Stuttgart und Berlin können wir zeigen: Wir sind mehr als ein Öl-Exporteur. Wir sind ein Land voller Energie, Vielfalt und Lebensfreude.

Wo sehen Sie Angola in fünf Jahren?
Ich sehe ein Land mit einer funktionierenden touristischen Infrastruktur, mit starken internationalen Partnerschaften und mit einer neuen Generation gut ausgebildeter Menschen, die stolz im Tourismus arbeiten. Persönlich werde ich dann wahrscheinlich wieder an die Universität zurückkehren und mein Wissen weitergeben. Aber bis dahin wird Angola als Reisedestination fest auf der touristischen Weltkarte stehen.
 

Info: Zur Person

Márcio de Jesus Lopes Daniel steht seit März 2024 an der Spitze des neu geschaffenen Tourismusministeriums Angolas – ein klares Signal für die wachsende Bedeutung des Sektors. Der studierte Jurist bringt nicht nur umfangreiche Erfahrung aus der öffentlichen Verwaltung mit, sondern auch akademische Tiefe: Er absolvierte sein Jurastudium an der Katholischen Universität von Angola, forschte an der renommierten Harvard Law School und erwarb einen Masterabschluss in Verwaltungsrecht und öffentlichem Auftragswesen in Lissabon.

Vor seiner Ernennung leitete er das juristische Büro im angolanischen Finanzministerium und war stellvertretender Direktor eines Forschungszentrums in Luanda. Als Dozent unterrichtete er Verfassungs- und Finanzrecht, Themen, die er als Politiker mit Weitsicht verknüpft. 

In seiner neuen Rolle will Daniel den Tourismus zu einem strategischen Motor für wirtschaftliche Diversifizierung machen. Dabei setzt er auf Nachhaltigkeit, internationale Partnerschaften und verbesserte Reisebedingungen – etwa durch offene Grenzen, vereinfachte Visa-Verfahren und eine „Open Skies“-Politik. Sein Ziel: Angola als authentisches und attraktives Reiseziel zu positionieren. 

Die Kleber Group betreut die Destination Angola als globales Tourism Board.