KI im Airport-Alltag: „Wir testen lieber gründlich“
Wie viel Technik verträgt ein Airport? Flughafen-Expertin Christina Dorn erklärt auf der LCC-Vollversammlung, warum KI für MUC keine Show, sondern ein Werkzeug ist – und weshalb ethische Fragen, Nutzerakzeptanz und Sicherheit entscheidend für den Erfolg neuer Systeme sind.

„Bayern war schon immer ein Ort des Aufbruchs“, beginnt Dorn mit einem Augenzwinkern. „Aber in der Luftfahrt bewegen wir uns in einem Umfeld kritischer Infrastruktur – und da gilt: go smart, but go safe.“
Während weltweit über autonome Systeme, Chatbots und Roboter im Kundenkontakt diskutiert wird, setzt der Münchner Flughafen auf eine unsichtbare Digitalisierung: KI kommt vor allem dort zum Einsatz, wo Prozesse optimiert, Daten verknüpft und Abläufe sicherer werden – nicht im Showroom, sondern im Hintergrund.
Herzstück der Innovationsstrategie ist der sogenannte Trendradar, ein internes Früherkennungssystem. Sechs Fachabteilungen analysieren damit globale Entwicklungen, bewerten Risiken und entscheiden, in welchen Bereichen neue Technologien getestet werden. Erst nach einer strengen Testphase („See – Prepare – Act“) werden Innovationen wirklich eingeführt. „Wir sind bewusst keine First Mover“, betont Dorn. „In einem Hochsicherheitsumfeld kann man nicht einfach ausprobieren, man muss beweisen.“
Die digitale Passagierreise
Die Vision: eine vollständig vernetzte Reise, von der Haustür bis zum Gate.
In Arbeit ist eine App, die den gesamten Reiseweg visualisiert – inklusive Anfahrtszeit, Wartezeiten an der Sicherheitskontrolle und Boarding-Informationen. Ergänzt wird das System durch biometrische Zugangskontrollen, digitale Zwillinge und KI-gestützte Datenmodelle, die Bewegungsströme im Terminal simulieren.
„Unser Ziel ist ein nahtloser, stressfreier Ablauf, ohne dass der Passagier merkt, wie viel Technologie dahintersteckt“, erklärt Dorn. Datenschutz stehe dabei an erster Stelle – personenbezogene Daten würden anonymisiert und durch Bewegungsprofile ersetzt.
Auch hinter den Kulissen schreitet die Automatisierung voran: Ein autonomes Transportfahrzeug verbindet bereits Fracht- und Passagierbereiche, vollständig fahrerlos und selbststeuernd. „Das ist ein echter Meilenstein“, so Dorn.

Roboter mit Persönlichkeit – oder lieber nicht
Viel Aufmerksamkeit zieht das Projekt der Service-Roboter „Jeeves“ und „Autobot“ auf sich. Der eine freundlich mit Gesicht und Lächeln, der andere funktional und sachlich. Überraschendes Ergebnis: Passagiere reagierten positiver auf den technisch aussehenden Roboter. „Wir lernen, dass zu viel Menschlichkeit in Maschinen Misstrauen wecken kann“, sagt Dorn. „Technik darf nützlich sein – aber sie muss nicht so tun, als wäre sie menschlich.“
Ethik, Akzeptanz und Verantwortung
Spannend wird es, wenn Technologie auf Menschen trifft, die sie nicht erwartet haben. Dorn erzählt von einem autonomen Lieferroboter, der im Terminal einem Rollstuhlfahrer den Weg versperrte. „Für den Besteller war es eine Innovation, für den Mann im Rollstuhl ein Ärgernis. Und genau das zeigt: Jede Technologie hat zwei Seiten.“
Deshalb arbeitet der Flughafen eng mit der Technischen Universität München zusammen, um ethische Richtlinien für KI und Automatisierung zu entwickeln. „Die Frage ist immer: Entwickeln wir Innovation für den Prozess – oder für den Menschen?“
Fazit: Digitalisierung als Balanceakt
Für Dorn ist klar: Künstliche Intelligenz und Automatisierung werden den Flughafenbetrieb revolutionieren – aber Schritt für Schritt, mit klaren Grenzen. „Wir testen lieber gründlich, als zu früh zu fliegen“, sagt sie mit einem Lächeln. „Denn einmal eingeführte Technologie bekommt man nicht mehr zurück in die Box.“
Ihr Schlussbild bleibt hängen: „KI ist wie eine Welle. Manche reiten sie, manche schwimmen darin, manche kämpfen, über Wasser zu bleiben. Für uns ist sie ein Kompass – aber die Richtung bestimmen unsere Passagiere. Ihr Vertrauen ist unser Kurs.“

