LCC-Vollversammlung auf Malta09.11.25, 20:07 Uhr
„Authentizität ist keine Kampagne“ – Was Kommunikation heute leisten muss
In einer Welt voller Krisen, KI und Reizüberflutung braucht es mehr als gute Produkte: Es braucht Haltung und Erzählkraft. Der frühere Obama-Wahlkämpfer Julius van der Laar erklärt auf der LCC-Tagung, wie Marken Vertrauen schaffen – und warum die beste Geschichte oft gewinnt.

In seiner Keynote auf der LCC-Vollversammlung versuchte Julius van der Laar zu zeigen, warum Unternehmen ihre Rolle im Leben der Kunden neu definieren müssen – mit Storytelling statt Slogans. Foto: LCC/Sebastian Kirchner
Mit der Energie eines Bühnenprofis, der Rhetorik eines Politstrategen und der Schlagfertigkeit eines Entertainers zieht Julius van der Laar sein Publikum auf der LCC-Vollversammlung in Malta in den Bann. Sein Vortrag ist weit mehr als ein Streifzug durch aktuelle Krisen, Machtspiele und Wahlkampfrhetorik. Er ist ein tiefgehender Appell an Unternehmen, Kommunikation als strategische Waffe zu verstehen.
Van der Laar, der selbst als Wahlkämpfer für Barack Obama in den USA aktiv war, gilt als einer der schärfsten Beobachter politischer Kommunikation im deutschsprachigen Raum. Mit Witz, Tempo und Präzision analysiert er die Mechanismen, die Wahlkämpfe, Wirtschaft und Marken gleichermaßen prägen, und zieht Parallelen, die in der Tourismusbranche kaum aktueller sein könnten.
„Wir leben in einer Ära permanenter Unsicherheit“
Gleich zu Beginn seines Vortrags räumt van der Laar mit dem Wunsch nach Stabilität auf. „Wenn Sie heute das Gefühl haben, dass die Welt unberechenbarer ist als je zuvor, dann liegen Sie richtig“, sagt er mit einem Lächeln. „Aber das ist keine Katastrophe. Es ist die neue Normalität.“
Die geopolitische Bühne liefert ihm reichlich Anschauungsmaterial: Donald Trump und Xi Jinping, Handelskriege, Fake News, politische Spaltungen, Shutdowns und nukleare Testdrohungen. Doch van der Laar bleibt nicht bei der Analyse stehen. Sein zentrales Anliegen: Wie man aus Unsicherheit Kapital schlägt: kommunikativ, strategisch und emotional. „Krisen und Konflikte sind nicht das Ende – sie sind der Anfang einer Geschichte“, sagt er. „Und wer diese Geschichte zuerst erzählt, gewinnt.“
Die Lektionen der Macht
Van der Laar beschreibt die Parallelen zwischen politischem Wahlkampf und wirtschaftlicher Markenführung: Beide Systeme leben von Vertrauen, Emotionen und klaren Erzählungen. In beiden Fällen geht es nicht um Fakten, sondern um Deutungshoheit. „Erfolgreiche Kommunikation ist nie neutral“, erklärt er. „Sie schafft Bedeutung. Sie gibt Orientierung in einer chaotischen Welt.“
Als Beispiel führt er Donald Trump an – nicht aus Sympathie, sondern als Lehrstück. Trump habe die Regeln der Kommunikation besser verstanden als viele Politiker vor ihm: „Er hat Probleme nicht gelöst, sondern verkauft“, sagt van der Laar. „Er hat Angst zur Währung gemacht – und Hoffnung als Produkt angeboten.“
Das Prinzip sei simpel und zugleich effektiv:
Was in der Politik oft populistisch daherkommt, kann im Business zum Erfolgsfaktor werden, vorausgesetzt, man nutzt es verantwortungsvoll. Für die Reisebranche bedeutet das: Kunden nicht nur mit Angeboten konfrontieren, sondern mit Fragen, Emotionen und Relevanz.
„Ihr verkauft keine Flugtickets“, ruft van der Laar in den Saal. „Ihr verkauft Sehnsucht. Sicherheit. Vertrauen. Das Gefühl, wieder frei zu sein. Wenn ihr nur über Preise redet, verliert ihr gegen jede Plattform. Aber wenn ihr über Bedeutung redet, habt ihr etwas, was kein Algorithmus ersetzen kann.“
Angst, Aufmerksamkeit und Authentizität
Van der Laar führt die Mechanik von Angst als Kommunikationsmittel vor – ein Stilmittel, das er kritisch, aber analytisch betrachtet. „Angst ist die stärkste Emotion, die es gibt“, sagt er. „Sie bringt Menschen in Bewegung.“ Doch gleichzeitig warnt er: „Angst allein reicht nicht. Sie braucht ein Gegenbild – Hoffnung, Sicherheit, Perspektive.“
Die effektivsten Kampagnen – ob politisch oder kommerziell – balancierten genau dieses Spannungsfeld: Verunsicherung auf der einen Seite, Vertrauen auf der anderen.
Dabei zitiert van der Laar immer wieder das Motto der LCC-Vollversammlung: Impact through connection. „Das ist genau der Punkt“, sagt er. „In einer Welt der Spaltung gewinnt, wer Verbindungen schafft – emotional, menschlich, glaubwürdig.“
Die neue Währung: Bedeutung
In Zeiten von Künstlicher Intelligenz, globalen Krisen und Social Media brauche es mehr denn je menschliche Erzählkraft. Die, die zuhört, bevor sie spricht. Die, die Haltung zeigt, bevor sie wirbt. „Authentizität ist keine Kampagne“, betont van der Laar. „Sie ist eine Entscheidung. Jeden Tag.“
Als Wahlkampfstratege denkt van der Laar in Bewegungen – nicht in Produkten. Er fordert die Branche auf, ihre eigene Erzählung zu schärfen: „Was ist eure Vision von Reisen? Wofür steht ihr, wenn alles andere ins Wanken gerät?“
Er verweist auf die LCC-Community als Beispiel gelebter Resilienz. „Euer Netzwerk hat Krisen überstanden, weil ihr verbunden seid – lokal stark, global vernetzt. Genau diese Verbindung ist euer Kapital. Erzählt sie.“
Dabei plädiert er für eine neue Kommunikationskultur: weniger Rechtfertigung, mehr Inspiration. „Reisen ist ein menschliches Grundbedürfnis“, sagt van der Laar. „Und wer das versteht, verkauft keine Produkte, sondern Lebensqualität.“
Krisen, KI und die Kunst, Zukunft zu erzählen
Zum Schluss wird van der Laar grundsätzlich: „Wir wissen nicht, was morgen passiert – weder politisch noch technologisch. Aber wir wissen, dass alles schneller, komplexer, emotionaler wird.“
Der entscheidende Unterschied liege nicht in der Technologie, sondern in der Fähigkeit, Geschichten zu deuten und zu gestalten. „Ob es um künstliche Intelligenz, Klimawandel oder Populismus geht – jede Veränderung braucht eine Erzählung. Wer sie zuerst formuliert, führt.“
Und mit einem letzten Satz, der wie eine Mischung aus Rat und Herausforderung klingt, schließt er seinen Vortrag: „Lean into uncertainty. Turn fear into focus. Tell stories that matter.“
Fazit: Kommunikation als Kompass
Julius van der Laar liefert keinen klassischen Politikvortrag, sondern eine Masterclass in strategischer Kommunikation. Seine Botschaft ist zugleich einfach und unbequem: Kommunikation ist keine Begleiterscheinung – sie ist Führung. Und wer sie beherrscht, kann aus Unsicherheit Stärke machen, aus Angst Vertrauen – und aus Wandel Wirkung.
Van der Laar, der selbst als Wahlkämpfer für Barack Obama in den USA aktiv war, gilt als einer der schärfsten Beobachter politischer Kommunikation im deutschsprachigen Raum. Mit Witz, Tempo und Präzision analysiert er die Mechanismen, die Wahlkämpfe, Wirtschaft und Marken gleichermaßen prägen, und zieht Parallelen, die in der Tourismusbranche kaum aktueller sein könnten.
„Wir leben in einer Ära permanenter Unsicherheit“
Gleich zu Beginn seines Vortrags räumt van der Laar mit dem Wunsch nach Stabilität auf. „Wenn Sie heute das Gefühl haben, dass die Welt unberechenbarer ist als je zuvor, dann liegen Sie richtig“, sagt er mit einem Lächeln. „Aber das ist keine Katastrophe. Es ist die neue Normalität.“
Die geopolitische Bühne liefert ihm reichlich Anschauungsmaterial: Donald Trump und Xi Jinping, Handelskriege, Fake News, politische Spaltungen, Shutdowns und nukleare Testdrohungen. Doch van der Laar bleibt nicht bei der Analyse stehen. Sein zentrales Anliegen: Wie man aus Unsicherheit Kapital schlägt: kommunikativ, strategisch und emotional. „Krisen und Konflikte sind nicht das Ende – sie sind der Anfang einer Geschichte“, sagt er. „Und wer diese Geschichte zuerst erzählt, gewinnt.“
Die Lektionen der Macht
Van der Laar beschreibt die Parallelen zwischen politischem Wahlkampf und wirtschaftlicher Markenführung: Beide Systeme leben von Vertrauen, Emotionen und klaren Erzählungen. In beiden Fällen geht es nicht um Fakten, sondern um Deutungshoheit. „Erfolgreiche Kommunikation ist nie neutral“, erklärt er. „Sie schafft Bedeutung. Sie gibt Orientierung in einer chaotischen Welt.“
Als Beispiel führt er Donald Trump an – nicht aus Sympathie, sondern als Lehrstück. Trump habe die Regeln der Kommunikation besser verstanden als viele Politiker vor ihm: „Er hat Probleme nicht gelöst, sondern verkauft“, sagt van der Laar. „Er hat Angst zur Währung gemacht – und Hoffnung als Produkt angeboten.“
Das Prinzip sei simpel und zugleich effektiv:
- Definiere ein Problem.
- Erzeuge Dringlichkeit.
- Biete eine klare Lösung – oder das Gefühl, dass du sie hast.
Diese Struktur funktioniere in der Politik ebenso wie im Marketing. „Menschen reagieren auf Geschichten, nicht auf Zahlen“, betont van der Laar. „Sie kaufen Emotionen, keine Argumente.“
„Never Solve a Problem that Nobody’s Aware of“
Mit dieser provokativen Formel bringt van der Laar sein Kommunikationsgesetz auf den Punkt: „Niemand wird dich feiern, wenn du ein Problem löst, das keiner kennt. Also sorge zuerst dafür, dass das Problem sichtbar wird.“

Was in der Politik oft populistisch daherkommt, kann im Business zum Erfolgsfaktor werden, vorausgesetzt, man nutzt es verantwortungsvoll. Für die Reisebranche bedeutet das: Kunden nicht nur mit Angeboten konfrontieren, sondern mit Fragen, Emotionen und Relevanz.
„Ihr verkauft keine Flugtickets“, ruft van der Laar in den Saal. „Ihr verkauft Sehnsucht. Sicherheit. Vertrauen. Das Gefühl, wieder frei zu sein. Wenn ihr nur über Preise redet, verliert ihr gegen jede Plattform. Aber wenn ihr über Bedeutung redet, habt ihr etwas, was kein Algorithmus ersetzen kann.“
Angst, Aufmerksamkeit und Authentizität
Van der Laar führt die Mechanik von Angst als Kommunikationsmittel vor – ein Stilmittel, das er kritisch, aber analytisch betrachtet. „Angst ist die stärkste Emotion, die es gibt“, sagt er. „Sie bringt Menschen in Bewegung.“ Doch gleichzeitig warnt er: „Angst allein reicht nicht. Sie braucht ein Gegenbild – Hoffnung, Sicherheit, Perspektive.“
Die effektivsten Kampagnen – ob politisch oder kommerziell – balancierten genau dieses Spannungsfeld: Verunsicherung auf der einen Seite, Vertrauen auf der anderen.
Dabei zitiert van der Laar immer wieder das Motto der LCC-Vollversammlung: Impact through connection. „Das ist genau der Punkt“, sagt er. „In einer Welt der Spaltung gewinnt, wer Verbindungen schafft – emotional, menschlich, glaubwürdig.“
Die neue Währung: Bedeutung
In Zeiten von Künstlicher Intelligenz, globalen Krisen und Social Media brauche es mehr denn je menschliche Erzählkraft. Die, die zuhört, bevor sie spricht. Die, die Haltung zeigt, bevor sie wirbt. „Authentizität ist keine Kampagne“, betont van der Laar. „Sie ist eine Entscheidung. Jeden Tag.“
Als Wahlkampfstratege denkt van der Laar in Bewegungen – nicht in Produkten. Er fordert die Branche auf, ihre eigene Erzählung zu schärfen: „Was ist eure Vision von Reisen? Wofür steht ihr, wenn alles andere ins Wanken gerät?“
Er verweist auf die LCC-Community als Beispiel gelebter Resilienz. „Euer Netzwerk hat Krisen überstanden, weil ihr verbunden seid – lokal stark, global vernetzt. Genau diese Verbindung ist euer Kapital. Erzählt sie.“
Dabei plädiert er für eine neue Kommunikationskultur: weniger Rechtfertigung, mehr Inspiration. „Reisen ist ein menschliches Grundbedürfnis“, sagt van der Laar. „Und wer das versteht, verkauft keine Produkte, sondern Lebensqualität.“
Krisen, KI und die Kunst, Zukunft zu erzählen
Zum Schluss wird van der Laar grundsätzlich: „Wir wissen nicht, was morgen passiert – weder politisch noch technologisch. Aber wir wissen, dass alles schneller, komplexer, emotionaler wird.“
Der entscheidende Unterschied liege nicht in der Technologie, sondern in der Fähigkeit, Geschichten zu deuten und zu gestalten. „Ob es um künstliche Intelligenz, Klimawandel oder Populismus geht – jede Veränderung braucht eine Erzählung. Wer sie zuerst formuliert, führt.“
Und mit einem letzten Satz, der wie eine Mischung aus Rat und Herausforderung klingt, schließt er seinen Vortrag: „Lean into uncertainty. Turn fear into focus. Tell stories that matter.“
Fazit: Kommunikation als Kompass
Julius van der Laar liefert keinen klassischen Politikvortrag, sondern eine Masterclass in strategischer Kommunikation. Seine Botschaft ist zugleich einfach und unbequem: Kommunikation ist keine Begleiterscheinung – sie ist Führung. Und wer sie beherrscht, kann aus Unsicherheit Stärke machen, aus Angst Vertrauen – und aus Wandel Wirkung.

