Albin Loidl: „Ich komme aus der Mitte der Branche“
Albin Loidl ist neuer DRV-Präsident – ein Praktiker übernimmt das Steuer in einer Branche im Umbruch. Wer ist der Mann hinter der klaren Kante? Und welche Impulse will er der Branche geben? Ein Blick auf Person und Programm des neuen Präsidenten.

Mit der Wahl zum DRV-Präsidenten setzt die Reisewirtschaft ein deutliches Signal: mehr Praxisnähe, weniger politisches Schaulaufen. Loidl, Geschäftsführer von Alpha Reisebüro Partner, steht für erfahrungsbasiertes und pragmatisches Expertentum.
Sein Lebenslauf zeigt: Er kennt den Tourismus von unten nach oben, aus der täglichen Realität, nicht aus der Distanz. „Wenn ich sage, dass ich aus der Mitte der Branche komme, dann meine ich das wörtlich. Ich habe fast jede Station dieser Branche selbst erlebt. Und genau die Erfahrungen möchte ich in diese neue Aufgabe einbringen“, sagte Loidl bei seiner Rede in Berlin.
Zwischen den Zeilen klingt eine klare Botschaft: Der neue Präsident will nicht nur moderieren, sondern gestalten.
Wurzeln in der Praxis – nicht auf dem Podium
Albin Loidl ist kein klassischer Lobby-Profi, sondern ein Mann, der die Branche intensiv erfahren hat. Aufgewachsen im Berchtesgadener Land, wo seine Eltern eine Pension betrieben, war er mit Tourismus groß geworden – lange bevor er ein politisches Mandat anstrebte. Nach dem Studium zog es ihn als Reiseleiter in die Welt: Kroatien, Ostafrika, Südostasien, Mexiko – in einer Zeit, in der Digitalisierung noch ein Fremdwort war, steuerte Loidl Reisende durch Krisen, Unwetter und Verspätungen.
„Das war die beste Schule meines Lebens. Ich habe gelernt, genau zuzuhören, zu improvisieren, Probleme schnell zu lösen – und ruhig zu bleiben, selbst wenn um mich herum Chaos herrscht.“
Er war der letzte TUI-Reiseleiter in Hongkong, bevor die Gästebetreuung an eine Agentur übergeben wurde, und erlebte 1988 seine erste große Krise in Mexiko, nachdem der Hurrikan Gilbert auf Yucatán eine Spur der Verwüstung hinterlassen hatte. „Damals hieß es, eine touristische Destination wieder zum Laufen zu bringen. Danach wusste ich, was Krisenmanagement bedeutet – nicht auf dem Papier, sondern mitten im Sturm.“
Diese Erfahrungen prägen ihn bis heute. „Reiseleiter zu sein bedeutet: Du bist die Person, die Verantwortung trägt, wenn nichts mehr nach Plan läuft. Und genau das ist auch eine wichtige Eigenschaft für einen Verbandspräsidenten“, ist Loidl überzeugt.
Vom Counter ins Top-Management
Zurück in Deutschland startete Loidl bei Kreuzer Touristik in München, zunächst in der Reservierung, dann im Marketing und Produktmanagement. „Dabei habe ich tiefe Einblicke in die Entstehung von Produkten, die Funktionsweise des Vertriebs und die Komplexität der gesamten Prozesskette – vom ersten Beratungsgespräch bis zur Rückkehr des Gastes – erlangt.“
In zwölf Jahren arbeitete er sich bis zum Geschäftsführer Touristik und Marketing hoch. 2004 erfolgte die Berufung zum Vorstand Marketing und Vertrieb der Thomas Cook Austria AG. Später wurde er Geschäftsführer bei Alpha Reisebüro Partner, wo er den Verbund über zwei Jahrzehnte durch strategische Umbauten und Branchenkrisen führte: Thomas Cook, Pandemie, Neuordnung der QTA.
Er ist keiner, der große Schlagzeilen sucht, aber einer, der Komplexität handhaben kann. „Ich weiß, was es bedeutet, in schwierigen Zeiten Organisationen zu stabilisieren. Ich habe das nicht in der Theorie gelernt – ich habe es gemacht.“
Vier Schwerpunkte für eine neue Amtszeit
Loidls Amtsantritt steht für Pragmatismus. Seine Agenda kreist um vier Schwerpunkte, die zugleich die neuralgischen Punkte der Branche sind:
- Faire Wettbewerbsbedingungen: „Unsere Positionen bei Pauschalreiserichtlinie, Margen-Besteuerung und DRSF werden von der Politik in Berlin getragen, das ist auf dem Hauptstadtkongress nochmals sehr deutlich geworden – und das will ich weiter verstärken. Sonst wird für uns entschieden – und nicht mit uns.“
- Nachwuchsgewinnung: „Ist mir schon immer sehr wichtig. Wir müssen junge Menschen für diese Branche begeistern und ihnen Raum geben, Verantwortung zu übernehmen. Und ich möchte, dass sie sich im DRV wiederfinden und engagieren – nicht irgendwann, jetzt.“
- Digitalisierung und KI: „Digitalisierung – nicht nur, aber auch KI – ist kein Zukunftsthema mehr – sie ist Gegenwart. Hier sehe ich den Verband als Stütze und Unterstützer.“
- Modernisierung des Verbands: „Wir werden uns die Strukturen genau anschauen. Das Profil des DRV ist auf einer guten Basis – wir müssten es vielleicht noch plakativer nach außen tragen. Die Politik ist jedenfalls froh, dass es so einen Verband wie den DRV gibt und setzt auf die verlässliche Zusammenarbeit.“
Diese Punkte sind nicht neu – aber Loidl formuliert sie anders: weniger als Schlagworte, mehr als Arbeitsauftrag.
Nachhaltigkeit als Pflicht, nicht als Kür
Loidl will Nachhaltigkeit als Kern im Verband verankern. „Nachhaltigkeit bedeutet nicht allein CO₂-Reduktion. Es geht auch um Biodiversität, soziale Verantwortung, kulturelle Sensibilität. Und das muss Teil unserer DNA werden.“
Dabei verwies er auf die Verleihung der diesjährigen Ecotrophea an die Via Transilvanica – nicht als PR-Bühne, sondern als Beispiel für konkrete Ansätze, die es nun zu bündeln und weiterzuentwickeln gilt.
Ein nahbarer Präsident mit klarer Haltung
„Verband funktioniert nur mit Nähe zu seinen Mitgliedern“
Loidl steht für Nähe und Pragmatismus. „Ich möchte, dass unsere Mitglieder spüren: Der Präsident hört zu, er handelt, er steht für sie ein. Ich werde viel unterwegs sein, Gespräche führen, Präsenz zeigen. Denn ein Verband funktioniert nur mit Nähe zu seinen Mitgliedern.“ Auch politisch kündigte er Präsenz an: „Ich werde unsere Stimme für die Branche in Berlin und Brüssel weiter hörbar machen.“ Und er ergänzt: „Aber das gelingt nur, wenn wir als Branche geschlossen auftreten.“
Mit Albin Loidl übernimmt ein Präsident den DRV, der nicht aus dem Politikbetrieb kommt, sondern aus der Mitte der Touristik, wie er selbst sagt. Übertriebene Visionen – das ist Albin Loidl nicht. Weitsicht sehr wohl. Seine Stärken liegen in Verlässlichkeit, Hands-on-Mentalität, Offenheit und Nahbarkeit.
Ob das reicht, um die Branche in Zeiten verschärfter Regulierung, Fachkräftemangel, Nachhaltigkeitsdruck und digitaler Transformation zu einen, wird sich zeigen. Doch Loidl setzt von Beginn an auf eine klare Haltung: „Ich will kein Präsident sein, der spaltet. Ich will einer sein, der zusammenführt und Brücken baut. Und ich verspreche, dass ich diese Aufgabe mit ganzem Herzen, mit Erfahrung – und mit einer sehr großen Portion Leidenschaft angehe.“

