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DRV-Hauptstadtkongress
09.10.25, 17:50 Uhr

„Nachhaltigkeit gelingt nur gemeinsam“

Nachhaltigkeit ist längst kein Randthema mehr: Beim DRV-Hauptstadtkongress diskutierten Vertreter aus Wissenschaft, Veranstalterwirtschaft, Politik und Naturschutz über die Zukunft des Reisens.

Teilnehmer der Panel-Diskussion zum Thema Nachhaltigkeit auf der Bühne beim DRV-Hauptstadtkongress. Foto: DRV/Marcel Kautz
Wie kann Tourismus ökologisch und sozial nachhaltiger gestaltet werden – und gleichzeitig ein starker Motor für Entwicklung bleiben? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer lebhaften Paneldiskussion beim DRV-Hauptstadtkongress. Auf der Bühne: Prof. Dr. Harald Zeiss (Hochschule Harz/DRV), Thomas Bohlander (Gebeco), Laura Steden (DERTOUR Deutschland), Martina von Münchhausen (WWF Deutschland) und Stefan Schmidt MdB (Bündnis 90/Die Grünen).

Harald Zeiss, Professor an der Hochschule Harz und Vorsitzender des DRV-Ausschusses Nachhaltigkeit, betonte die zentrale Rolle der Wertschöpfung in den Zielgebieten. „Tourismus funktioniert nur, wenn die Menschen vor Ort tatsächlich vom Tourismus leben können. Nachhaltigkeit ist kein Marketinglabel, sondern eine Frage von fairer Teilhabe.“ Er verwies darauf, dass jeder Euro, der lokal zirkuliert, mehrfach wirke: „Direkt über Löhne, indirekt über Zulieferer, induziert über Konsum. Das schafft Stabilität und Akzeptanz.“ Tourismus müsse als gesellschaftlicher Entwicklungsfaktor verstanden werden, nicht nur als Freizeitindustrie.

Zeiss mahnte, dass die Branche mehr Verantwortung übernehmen müsse, aber auch klare politische Rahmenbedingungen brauche. „Wir brauchen gemeinsame Standards, verlässliche Messgrößen und Transparenz. Ohne klare Leitplanken entsteht ein Flickenteppich – und das hilft niemandem.“

Nachhaltiger Tourismus könne nur dann funktionieren, wenn Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft gemeinsam handeln. „Wir brauchen verbindliche Spielregeln, damit verantwortungsvolles Handeln nicht zum Wettbewerbsnachteil wird, sondern zum Standard.“

Veranstalter als Schlüsselakteure

Eine entscheidende Rolle in diesem Prozess kommt den Reiseveranstaltern zu. Thomas Bohlander, Geschäftsführer des Studien- und Erlebnisreiseveranstalters Gebeco, schilderte aus der Praxis: „Veranstalter sind die Schnittstelle zwischen Gast und Zielregion. Wir entscheiden mit, wo das Geld ankommt, und wie Reisen gestaltet werden.“

Gebeco arbeitet seit vielen Jahren mit lokalen Partnern, NGOs und kleinen Projekten weltweit zusammen. „Vertrauen ist das A und O – aber auch Verlässlichkeit. Wenn wir Verantwortung ernst nehmen, müssen wir unsere Partner auch in schwierigen Zeiten stützen.“

So habe Gebeco während der Corona-Pandemie bewusst finanzielle Verpflichtungen gegenüber lokalen Leistungsträgern aufrechterhalten, um Strukturen in den Destinationen zu sichern. „Nachhaltigkeit bedeutet auch Krisenfestigkeit. Wenn unsere Partner vor Ort nicht überleben, bricht das Fundament unseres Geschäftsmodells weg.“

Bohlander machte deutlich: „Wir müssen bewusst steuern, dass ein möglichst großer Teil des Reisepreises in den Regionen bleibt. Das ist die Grundlage dafür, dass Tourismus einen echten Mehrwert schafft.“

Systematisches Engagement und unternehmerische Verantwortung

Laura Steden (DERTOUR Deutschland) ergänzte die Veranstalterperspektive aus Sicht eines großen Unternehmens: „Nachhaltigkeit ist keine Kampagne, sondern Teil unserer Unternehmensstrategie.“ DERTOUR engagiert sich seit über 20 Jahren weltweit in Projekten zu Frauenförderung, Bildung sowie Klima-, Tier- und Naturschutz.

„Wir profitieren vom Reisen – also tragen wir auch Verantwortung“, betonte sie. Nachhaltigkeit müsse nicht nur in den Zielgebieten, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette gelebt werden – vom Einkauf über Transport bis zum Betrieb der Reisebüros.

Tourismus und Naturschutz gehören zusammen

Martina von Münchhausen vom WWF Deutschland machte deutlich, wie eng Tourismus und Naturschutz miteinander verflochten sind. „Viele Schutzgebiete weltweit sind ohne Einnahmen aus dem Tourismus nicht überlebensfähig. Corona hat das schmerzhaft gezeigt.“

Wenn der Tourismus ausbleibe, fehle das Geld für Ranger, Schutzmaßnahmen oder alternative Einkommensquellen. „Menschen kehren dann oft zu Aktivitäten zurück, die Natur und Biodiversität massiv schädigen.“ Nachhaltiger Tourismus könne dagegen helfen, Naturräume zu erhalten und Lebensgrundlagen zu sichern.

Politik als Rahmengeber

Stefan Schmidt MdB (Bündnis 90/Die Grünen) betonte, dass Nachhaltigkeit kein Widerspruch zu wirtschaftlichem Erfolg sei. „Klimaschutz ist auch ökonomisch vernünftig – er spart Ressourcen, schafft Effizienz und Zukunftsfähigkeit.“

Die Aufgabe der Politik sei es, Rahmenbedingungen zu schaffen, innerhalb derer verantwortungsvolles Handeln gestärkt werde. Viele Initiativen kämen bereits aus der Branche selbst. „Wir müssen diese Dynamik fördern und nicht durch unnötige Bürokratie bremsen.“

Gemeinsame Standards statt Insellösungen

Zum Abschluss forderte Zeiss verbindliche und überprüfbare Standards. „Es gibt viele Kriterien und Indikatoren, aber keine einheitliche Linie. Ohne klare Regeln bleibt Nachhaltigkeit oft freiwillig – und damit beliebig.“

Auch von Münchhausen unterstrich die Notwendigkeit ganzheitlicher Ansätze: „Naturschutz ist mehr als ein schönes Strandbild. Es geht um Wasserverbrauch, Ernährungssysteme, Flächenmanagement. Tourismus muss Teil der Lösung sein, nicht des Problems.“

Fazit: Nachhaltiger Tourismus ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Veranstalter tragen dabei eine Schlüsselrolle – als Brücke zwischen Reisenden und Zielregionen. Wissenschaft und NGOs liefern das Wissen, Politik setzt den Rahmen. Zeiss betonte: „Wenn wir alle gemeinsam handeln, sichern wir nicht nur Geschäftsmodelle, sondern die Zukunft der Orte, die wir lieben.“

Wie kann Tourismus ökologisch und sozial nachhaltiger gestaltet werden – und gleichzeitig ein starker Motor für Entwicklung bleiben? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer lebhaften Paneldiskussion beim DRV-Hauptstadtkongress. Auf der Bühne: Prof. Dr. Harald Zeiss (Hochschule Harz/DRV), Thomas Bohlander (Gebeco), Laura Steden (DERTOUR Deutschland), Martina von Münchhausen (WWF Deutschland) und Stefan Schmidt MdB (Bündnis 90/Die Grünen).

Das Fazit des Panels: Nachhaltigkeit ist längst kein Nebenschauplatz mehr, sondern der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit der Touristik.