Motivation19.09.19, 00:00 Uhr
Geld oder Mitbestimmung
Die Generation Y tickt anders als ihre Vorgänger. Statt Sachleistungen und hohes Gehalt fordert sie von Arbeitgebern mehr Flexibilität, schnelle Übernahme von Verantwortung und Kommunikation auf Augenhöhe.

FUNKTIONIERT DIE KAROTTE? Bei der Generation Y nicht mehr, denn ganz oben steht die Selbstverwirklichung im Job.
Foto: iStock
Zuckerbrot und Peitsche: Der alte Führungs- und Motivationsstil von Belohnung und Bestrafung funktioniert bei den Fachkräften der Generation Y, der zwischen 1981 und 1996 Geborenen, nicht mehr. „Womit will man uns belohnen? Unsere Generation ist im Wohlstand groß geworden, wir haben doch alles!“, erklärt Tobias Klöpf (29), Präsidiumsmitglied des Travel Industry Clubs. Klöpf hatte den Ableger für den Nachwuchs, den Young Travel Industry Club, gegründet. Als Vertreter dieser Generation weiß er genau, was ihr bei der Arbeit wichtig ist: „Uns geht es um Selbstverwirklichung, Wertschätzung und sinnstiftende Arbeit“, sagt Klöpf.
Alle Wege stehe offen
Beruflich stehen der Generation Y, auch Millennials genannt, durch den akuten Fachkräftemangel alle Wege offen. Wer sie jedoch mit Geld oder Sachleistungen gewinnen und motivieren will, wird kaum Erfolg haben. Zu diesem Ergebnis kommt die Trend-Studie „Generation Y. Das Selbstverständnis der Manager von morgen“ des Zukunftsinstituts. Die Bereitschaft, sich einzubringen und mitzugestalten, sei bei dieser Generation besonders hoch: Wer für junge High Potentials attraktiv sein möchte, muss sich auf neue Sichtweisen, verändertes Leistungsdenken und neue Motivationsmechanismen einstellen, heißt es in der Studie. Der Job wird immer seltener als Zwang zur Sicherung des Lebensunterhalts gesehen, sondern als eine erfüllende Tätigkeit. „Gerade in der Touristikbranche mit nicht gerade üppigen Gehältern und langen Arbeitszeiten bietet dies neue Chancen, Fachkräfte für sich zu gewinnen“, sagt Klöpf.
Die Chemie muss stimmen
Klar, dass sich an den Kernarbeitszeiten wenig ändern lässt, doch es gibt Freiraum für Flexibilität. Sei es, dass die Mitarbeiter zeitweise in ihrem Homeoffi ce arbeiten können oder sich an verkaufsschwachen Tagen absprechen, wer die Stellung hält. „Die Mitarbeiter wollen heute mehr Freizeit und ihre Zeit nicht nutzlos absitzen“, erklärt Wibke Rissling-Erdbrügge, Inhaberin von WRE Training für Touristiker in Berlin. Teams, die Homeoffice, mobiles Verkaufen und stationäres Büro kombinieren, brauchen ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, bei dem die Kollegen miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. Ob das so ist, lässt sich in einem Praktikum herausfinden. So machte es Charlotte Stöttner, eine der Finalistinnen des DRV-Talentprogramms „Young Talents“. Die heute 24-Jährige lernte ihren Arbeitgeber Ralf Hieke, Geschäftsführer des IVR Reisebüros in Ibbenbüren, und dessen Team bei einem Praktikum nach ihrem Abitur kennen. Danach verbrachte sie ein Jahr im Ausland und begann im Dezember 2016 ihre Ausbildung. Seit August 2019 ist sie fest angestellt. „Mir war wichtig, dass das Verhältnis zum Arbeitgeber und den Kollegen gut ist und dass der Chef ein offenes Ohr für meine Ideen hat“, erklärt sie. Sie konnte früh Verantwortung übernehmen und ebenfalls Kontakt zu den Kunden pflegen. Als großes Plus empfindet sie, dass sie einmal im Jahr auf Inforeise in ein spannendes Zielgebiet fahren kann, ohne dass sie Urlaubstage dafür einsetzen muss. Davon profitieren am Ende auch die Kunden.
Mehr Flexibilität
Melina Baschista (23), ebenfalls eines der „Young Talents“ im Jahr 2018, lernte ihren Beruf von der Pike auf, wenn auch mit einem Heimvorteil: Nach dem Abitur absolvierte sie ihre Ausbildung zur Tourismuskauffrau im Reisebüro Reise & Meer ihrer Mutter Sabine Baschista im nordrheinwestfälischen Rheinberg. Heute arbeitet sie dort parallel zu ihrem Studium an der „FOM – Hochschule für Ökonomie und Management“, an der sie Business Administration mit Schwerpunkt Marketing und Vertrieb studiert. Im nächsten Jahr schließt sie mit dem Bachelor ab. „Mir ist es in meinem Beruf wichtig, dass ich meine Ideen umsetzen kann und nicht nur Vorgaben erfüllen muss“, sagt sie. „Natürlich sind in der Branche die Arbeitszeiten bis in den Abend und samstags nicht die angenehmsten. Aber man muss wenigstens seinen Urlaub planen können.“ Ganz klar, die Work-Life-Balance ist ihr genauso wichtig wie das Gehalt, damit noch Zeit für Hobbys bleibt. Und das ist bei ihr ganz klar das Reisen. „Man muss sich die Welt anschauen, das ist in unserem Beruf wichtig.“ Im kommenden Jahr wird bei Reise & Meer wieder ein Ausbildungsplatz frei. „Ich durfte die Stellenausschreibung formulieren, die ich auf unserer Website und in den sozialen Medien postete“, sagt sie. Schnell meldeten sich Bewerber. „Ich hatte genau das reingeschrieben, was jüngere Leute heute interessiert. Etwa, dass es bei uns einen Zuschuss zu den Reisen gibt oder dass Info-Reisen bezahlt werden und dass die Arbeitszeiten flexibel sind. „Alles Punkte, die mir selbst wichtig sind. Das wollen wir auch unseren Azubis bieten.“
WAS DIE GENERATION Y WILL
SELBSTVERWIRKLICHUNG IST SEHR WICHTIG:
Die Young Talents wollen sich privat wie beruflich selbst verwirklichen. Gehalt und Geld sind weniger wichtig.
VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN:
Statt Aufgaben abzuarbeiten, wollen sie früh Verantwortung übernehmen. Das funktioniert nicht mit starren Hierarchien.
KREATIV SEIN UND SICH EINBRINGEN:
Young Professionals wollen Abwechslung in ihrem Beruf, ihrer Kreativität freien Lauf lassen und dass ihre Ideen ernst genommen werden.
DAZUGEHÖREN UND TEIL EINER GEMEINSCHAFT SEIN:
Auch im Beruf wollen sie sich in ihrer „Community“ wohl fühlen. Die Führung muss viel kooperativer und partizipativer werden, offen kommunizieren und vorleben, sich als Team zu verstehen.
FLEXIBIL SEIN UND ERGEBNISORIENTIERT ARBEITEN:
Mitarbeiter von heute wollen Ergebnisse liefern und nicht ihre Zeit absitzen. Arbeitgeber können ihnen mit Homeoffice-Tagen und flexibler Urlaubsplanung entgegenkommen.
Alle Wege stehe offen
Beruflich stehen der Generation Y, auch Millennials genannt, durch den akuten Fachkräftemangel alle Wege offen. Wer sie jedoch mit Geld oder Sachleistungen gewinnen und motivieren will, wird kaum Erfolg haben. Zu diesem Ergebnis kommt die Trend-Studie „Generation Y. Das Selbstverständnis der Manager von morgen“ des Zukunftsinstituts. Die Bereitschaft, sich einzubringen und mitzugestalten, sei bei dieser Generation besonders hoch: Wer für junge High Potentials attraktiv sein möchte, muss sich auf neue Sichtweisen, verändertes Leistungsdenken und neue Motivationsmechanismen einstellen, heißt es in der Studie. Der Job wird immer seltener als Zwang zur Sicherung des Lebensunterhalts gesehen, sondern als eine erfüllende Tätigkeit. „Gerade in der Touristikbranche mit nicht gerade üppigen Gehältern und langen Arbeitszeiten bietet dies neue Chancen, Fachkräfte für sich zu gewinnen“, sagt Klöpf.
Die Chemie muss stimmen
Klar, dass sich an den Kernarbeitszeiten wenig ändern lässt, doch es gibt Freiraum für Flexibilität. Sei es, dass die Mitarbeiter zeitweise in ihrem Homeoffi ce arbeiten können oder sich an verkaufsschwachen Tagen absprechen, wer die Stellung hält. „Die Mitarbeiter wollen heute mehr Freizeit und ihre Zeit nicht nutzlos absitzen“, erklärt Wibke Rissling-Erdbrügge, Inhaberin von WRE Training für Touristiker in Berlin. Teams, die Homeoffice, mobiles Verkaufen und stationäres Büro kombinieren, brauchen ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, bei dem die Kollegen miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. Ob das so ist, lässt sich in einem Praktikum herausfinden. So machte es Charlotte Stöttner, eine der Finalistinnen des DRV-Talentprogramms „Young Talents“. Die heute 24-Jährige lernte ihren Arbeitgeber Ralf Hieke, Geschäftsführer des IVR Reisebüros in Ibbenbüren, und dessen Team bei einem Praktikum nach ihrem Abitur kennen. Danach verbrachte sie ein Jahr im Ausland und begann im Dezember 2016 ihre Ausbildung. Seit August 2019 ist sie fest angestellt. „Mir war wichtig, dass das Verhältnis zum Arbeitgeber und den Kollegen gut ist und dass der Chef ein offenes Ohr für meine Ideen hat“, erklärt sie. Sie konnte früh Verantwortung übernehmen und ebenfalls Kontakt zu den Kunden pflegen. Als großes Plus empfindet sie, dass sie einmal im Jahr auf Inforeise in ein spannendes Zielgebiet fahren kann, ohne dass sie Urlaubstage dafür einsetzen muss. Davon profitieren am Ende auch die Kunden.
Mehr Flexibilität
Melina Baschista (23), ebenfalls eines der „Young Talents“ im Jahr 2018, lernte ihren Beruf von der Pike auf, wenn auch mit einem Heimvorteil: Nach dem Abitur absolvierte sie ihre Ausbildung zur Tourismuskauffrau im Reisebüro Reise & Meer ihrer Mutter Sabine Baschista im nordrheinwestfälischen Rheinberg. Heute arbeitet sie dort parallel zu ihrem Studium an der „FOM – Hochschule für Ökonomie und Management“, an der sie Business Administration mit Schwerpunkt Marketing und Vertrieb studiert. Im nächsten Jahr schließt sie mit dem Bachelor ab. „Mir ist es in meinem Beruf wichtig, dass ich meine Ideen umsetzen kann und nicht nur Vorgaben erfüllen muss“, sagt sie. „Natürlich sind in der Branche die Arbeitszeiten bis in den Abend und samstags nicht die angenehmsten. Aber man muss wenigstens seinen Urlaub planen können.“ Ganz klar, die Work-Life-Balance ist ihr genauso wichtig wie das Gehalt, damit noch Zeit für Hobbys bleibt. Und das ist bei ihr ganz klar das Reisen. „Man muss sich die Welt anschauen, das ist in unserem Beruf wichtig.“ Im kommenden Jahr wird bei Reise & Meer wieder ein Ausbildungsplatz frei. „Ich durfte die Stellenausschreibung formulieren, die ich auf unserer Website und in den sozialen Medien postete“, sagt sie. Schnell meldeten sich Bewerber. „Ich hatte genau das reingeschrieben, was jüngere Leute heute interessiert. Etwa, dass es bei uns einen Zuschuss zu den Reisen gibt oder dass Info-Reisen bezahlt werden und dass die Arbeitszeiten flexibel sind. „Alles Punkte, die mir selbst wichtig sind. Das wollen wir auch unseren Azubis bieten.“
WAS DIE GENERATION Y WILL
SELBSTVERWIRKLICHUNG IST SEHR WICHTIG:
Die Young Talents wollen sich privat wie beruflich selbst verwirklichen. Gehalt und Geld sind weniger wichtig.
VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN:
Statt Aufgaben abzuarbeiten, wollen sie früh Verantwortung übernehmen. Das funktioniert nicht mit starren Hierarchien.
KREATIV SEIN UND SICH EINBRINGEN:
Young Professionals wollen Abwechslung in ihrem Beruf, ihrer Kreativität freien Lauf lassen und dass ihre Ideen ernst genommen werden.
DAZUGEHÖREN UND TEIL EINER GEMEINSCHAFT SEIN:
Auch im Beruf wollen sie sich in ihrer „Community“ wohl fühlen. Die Führung muss viel kooperativer und partizipativer werden, offen kommunizieren und vorleben, sich als Team zu verstehen.
FLEXIBIL SEIN UND ERGEBNISORIENTIERT ARBEITEN:
Mitarbeiter von heute wollen Ergebnisse liefern und nicht ihre Zeit absitzen. Arbeitgeber können ihnen mit Homeoffice-Tagen und flexibler Urlaubsplanung entgegenkommen.
