Klimaschutz und Nachhaltigkeit
Virtueller Fussabdruck
Klimaschutz-Befürworter fordern den Verzicht auf Flugreisen. Doch wie viel CO2 erzeugen wir beim Chatten, Mailen und Posten? Fragen an einen IT-Profi.

Foto: Getty Images
Alle reden heute vom Klimaschutz und von Nachhaltigkeit und fordern unter anderem den Verzicht auf Flugreisen. Was aber wenige wissen: Deutsche Rechenzentren verursachen genauso viel CO2, wie der gesamte deutsche Flugverkehr. Wir fragen Roman Bansen vom Digitalverband Bitkom, was es bei Mails, Chats und Cloud-Diensten zu beachten gilt.
Wie viel CO2 verursacht eigentlich eine Mail, ein Post oder das Speichern eines Fotos in der Cloud?
Das werde ich oft gefragt, aber das ist schwer zu sagen. Denn die Antwort hängt von vielen Faktoren ab, etwa der Größe des Fotos oder der Mail, vom Anbieter, den man nutzt, und sogar von der Region, in der man sich befindet. Es gab zwar immer wieder Versuche, konkrete Zahlen für die durchschnittlichen CO2-Emissionen von E-Mails und Postings zu benennen, diese variieren aber sehr stark und sind nur bedingt aussagekräftig. Fest steht jedoch: Das Versenden einer E-Mail verursacht bedeutend weniger CO2-Ausstoß als etwa das Versenden eines Faxes, für das auf beiden Seiten zusätzlich zum Stromverbrauch noch Papier und Tinte oder Toner und auch das Gerät notwendig sind.
Wie sieht es beim Streamen eines Films aus? Wäre es da nicht viel „grüner“ einen Film auf DVD zu kaufen oder auszuleihen?
Das Herstellen einer DVD und des Abspielgerätes verbraucht eine Menge Ressourcen und Energie. Erst wenn man denselben Film 20 Mal immer wieder über das Internet streamt, wäre die DVD vermutlich die ökologischere Variante. Es hängt also vom Nutzungsverhalten ab, welche Variante die umweltschonendere ist.
Aber wir können kaum allen vorschreiben, wie viel sie texten oder posten können?
Natürlich nicht. Auf das Versenden einzelner Text-E-Mails zu verzichten bringt sowieso kaum etwas. Auf das Mitversenden großer Anhänge zu verzichten, wenn sich zu den entsprechenden Dateien stattdessen auch ein Link in der Mail schicken lässt, kann aber einen großen Unterschied ausmachen. Auf das Hören eines einzelnen gestreamten Songs zu verzichten erscheint ebenfalls nicht sinnvoll. Ob man allerdings jedes Mal das Musikvideo dazu mitstreamen muss, ist eine andere Frage. Generell gilt: Sparen lässt sich vor allem dort, wo sehr große Datenmengen übertragen werden, wie bei Dateien, Videos oder Filmen aus der Mediathek.
Was können Dienstleister wie Reisebüros machen, die beruflich viele Mails schreiben und mit digitalen Buchungssystemen arbeiten, um ihre CO2-Bilanz zu reduzieren?
Sie können zum Beispiel auf Anbieter mit regenerativem Strom umstellen. Das Thema Nachhaltigkeit wird bei den Anbietern von Internet-Diensten immer wichtiger. Hier lohnt es, sich mal umzuschauen.
Neuer Drucker, Display oder Rechner – lässt sich die Öko-Bilanz mit modernerer Technik verbessern?
Gerade im digitalen Bereich tragen neue Technologien kontinuierlich zu Energieeffizienzsteigerungen und damit zu einer Verbesserung der Öko-Bilanz bei. In Rechenzentren wird ständig in neue, bessere Technologien investiert, um den Stromverbrauch zu senken. Neben dem positiven Umweltaspekt spart dies auch Kosten ein.
Pro Sekunde muss Google angeblich rund 65.000 Anfragen bearbeiten, das entspricht umgerechnet einer Emission von 23 Bäumen. Was können wir da ändern?
Wir können Alternativen wie die Suchmaschine Ecosia nutzen. Sie gleicht den CO2-Ausstoß der Suchanfragen aus, indem jeder Werbeklick für den Schutz des Regenwaldes investiert wird.
Ist es überhaupt möglich, umweltfreundlich zu posten und zu surfen, und wenn ja, wie?
Jeder sollte sich bewusst sein, dass die Nutzung von Online-Diensten, Cloud-Services oder Videostreaming natürlich auch eine ganze Menge Energie verbraucht. Insgesamt steigt die Nutzung, das heißt also auch mehr Rechenzentren und immer mehr Stromverbrauch. Nur weil man den Verbrauch nicht unmittelbar selbst am Stromzähler ablesen kann, heißt es eben nicht, dass es ihn nicht gibt. Insofern ist ein sparsamer Umgang mit Online-Ressourcen genauso sinnvoll wie er das auch bei „klassischen“ Ressourcen wie Gas, Wasser, Strom und Heizung ist.
ROMAN BANSEN: ist Referent IT-Infrastrukturen beim Digitalverband Bitkom und beschäftigt sich mit den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit.
Wie viel CO2 verursacht eigentlich eine Mail, ein Post oder das Speichern eines Fotos in der Cloud?
Das werde ich oft gefragt, aber das ist schwer zu sagen. Denn die Antwort hängt von vielen Faktoren ab, etwa der Größe des Fotos oder der Mail, vom Anbieter, den man nutzt, und sogar von der Region, in der man sich befindet. Es gab zwar immer wieder Versuche, konkrete Zahlen für die durchschnittlichen CO2-Emissionen von E-Mails und Postings zu benennen, diese variieren aber sehr stark und sind nur bedingt aussagekräftig. Fest steht jedoch: Das Versenden einer E-Mail verursacht bedeutend weniger CO2-Ausstoß als etwa das Versenden eines Faxes, für das auf beiden Seiten zusätzlich zum Stromverbrauch noch Papier und Tinte oder Toner und auch das Gerät notwendig sind.
Wie sieht es beim Streamen eines Films aus? Wäre es da nicht viel „grüner“ einen Film auf DVD zu kaufen oder auszuleihen?
Das Herstellen einer DVD und des Abspielgerätes verbraucht eine Menge Ressourcen und Energie. Erst wenn man denselben Film 20 Mal immer wieder über das Internet streamt, wäre die DVD vermutlich die ökologischere Variante. Es hängt also vom Nutzungsverhalten ab, welche Variante die umweltschonendere ist.
Aber wir können kaum allen vorschreiben, wie viel sie texten oder posten können?
Natürlich nicht. Auf das Versenden einzelner Text-E-Mails zu verzichten bringt sowieso kaum etwas. Auf das Mitversenden großer Anhänge zu verzichten, wenn sich zu den entsprechenden Dateien stattdessen auch ein Link in der Mail schicken lässt, kann aber einen großen Unterschied ausmachen. Auf das Hören eines einzelnen gestreamten Songs zu verzichten erscheint ebenfalls nicht sinnvoll. Ob man allerdings jedes Mal das Musikvideo dazu mitstreamen muss, ist eine andere Frage. Generell gilt: Sparen lässt sich vor allem dort, wo sehr große Datenmengen übertragen werden, wie bei Dateien, Videos oder Filmen aus der Mediathek.
Was können Dienstleister wie Reisebüros machen, die beruflich viele Mails schreiben und mit digitalen Buchungssystemen arbeiten, um ihre CO2-Bilanz zu reduzieren?
Sie können zum Beispiel auf Anbieter mit regenerativem Strom umstellen. Das Thema Nachhaltigkeit wird bei den Anbietern von Internet-Diensten immer wichtiger. Hier lohnt es, sich mal umzuschauen.
Neuer Drucker, Display oder Rechner – lässt sich die Öko-Bilanz mit modernerer Technik verbessern?
Gerade im digitalen Bereich tragen neue Technologien kontinuierlich zu Energieeffizienzsteigerungen und damit zu einer Verbesserung der Öko-Bilanz bei. In Rechenzentren wird ständig in neue, bessere Technologien investiert, um den Stromverbrauch zu senken. Neben dem positiven Umweltaspekt spart dies auch Kosten ein.
Pro Sekunde muss Google angeblich rund 65.000 Anfragen bearbeiten, das entspricht umgerechnet einer Emission von 23 Bäumen. Was können wir da ändern?
Wir können Alternativen wie die Suchmaschine Ecosia nutzen. Sie gleicht den CO2-Ausstoß der Suchanfragen aus, indem jeder Werbeklick für den Schutz des Regenwaldes investiert wird.
Ist es überhaupt möglich, umweltfreundlich zu posten und zu surfen, und wenn ja, wie?
Jeder sollte sich bewusst sein, dass die Nutzung von Online-Diensten, Cloud-Services oder Videostreaming natürlich auch eine ganze Menge Energie verbraucht. Insgesamt steigt die Nutzung, das heißt also auch mehr Rechenzentren und immer mehr Stromverbrauch. Nur weil man den Verbrauch nicht unmittelbar selbst am Stromzähler ablesen kann, heißt es eben nicht, dass es ihn nicht gibt. Insofern ist ein sparsamer Umgang mit Online-Ressourcen genauso sinnvoll wie er das auch bei „klassischen“ Ressourcen wie Gas, Wasser, Strom und Heizung ist.
ROMAN BANSEN: ist Referent IT-Infrastrukturen beim Digitalverband Bitkom und beschäftigt sich mit den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

