Slowakei wirbt bei ASR-Tagung um deutschen Reisemarkt
Die Slowakei will mehr deutsche Urlauber gewinnen und setzt dabei auf Reisebüros und Veranstalter. Bei der Jubiläumstagung des ASR in Bratislava stehen neue Reiseangebote, bessere Erreichbarkeit und die Bustouristik im Fokus. Vor allem Regionen außerhalb der Hauptstadt sollen profitieren.

Zum Jubiläum hat der ASR zahlreiche prominente Branchenvertreter in die slowakische Hauptstadt eingeladen. Im Radisson Blu Carlton Hotel, mitten in der Altstadt von Bratislava, treffen sich vom 5. bis 8. November Vertreter der mittelständischen Reisewirtschaft. Neben ASR-Präsidentin Anke Budde sind BTW-Generalsekretär Sven Liebert, RDA-Präsident Benedikt Esser und der frühere DRV-Präsident Norbert Fiebig angereist. Auch die slowakische Tourismuswirtschaft zeigt mit einer hochrangigen Delegation Präsenz.
Gemeinsam mit Slovakia Travel hat der ASR ein Programm organisiert, das neben dem Rückblick auf 50 Jahre Interessenvertretung vor allem die Zukunft der mittelständischen Tourismuswirtschaft in den Mittelpunkt stellt.
Slowakei setzt auf engere Zusammenarbeit mit Deutschland
Mit einem deutlichen Bekenntnis zur deutsch-slowakischen Zusammenarbeit eröffnete Jana Štilichová, Staatssekretärin für Tourismus und Sport der Slowakischen Republik, die Jubiläumstagung. Sie würdigte die 50-jährige Arbeit des ASR und bezeichnete die Entscheidung, das Jubiläum in Bratislava zu feiern, als wichtige Gelegenheit, die touristischen Beziehungen zwischen beiden Ländern weiter auszubauen.
„Deutschland gehöre zu den wichtigsten touristischen Quellmärkten der Slowakei. Deshalb habe die Verbesserung der Erreichbarkeit aus Deutschland ebenso Priorität wie die Zusammenarbeit zwischen Reiseveranstaltern, Reisebüros und touristischen Institutionen“, betonte sie.
Neben Bratislava wolle sich die Slowakei stärker als Ziel für Aktiv-, Kultur-, Erholungs- und Kongressreisen positionieren. Gleichzeitig müssten touristische Angebote den steigenden Anforderungen an Qualität, Zugänglichkeit und Nachhaltigkeit gerecht werden.
Auch Mária Nepšinská, Generaldirektorin von Slovakia Travel, unterstrich die Bedeutung des deutschen Marktes. Mehr als 175.000 deutsche Gäste hätten die Slowakei 2025 besucht. Das Potenzial sei jedoch längst nicht ausgeschöpft.
Nepšinská machte deutlich, dass eine nationale Tourismusorganisation allein den Markt nicht erschließen könne. Entscheidend sei die enge Zusammenarbeit mit ausländischen Reiseveranstaltern, Reisebüros und privaten touristischen Partnern. Die ASR-Tagung biete dafür eine wichtige Plattform.
Budde: Die Slowakei hat mehr zu bieten als Bratislava
Bei einer Pressekonferenz vor der Tagung betonte ASR-Präsidentin Anke Budde die Chancen der Slowakei für den deutschen Reisemarkt. Das Land sei vielen Urlaubern noch weitgehend unbekannt. Neben Bratislava sieht sie insbesondere bei Kulturreisen, Weinregionen, Wellness- und Kuraufenthalten sowie Aktivurlaub großes Potenzial.
Gerade die mittelständischen Reiseveranstalter und unabhängigen Reisebüros könnten dabei eine wichtige Rolle spielen. Auch die gute Erreichbarkeit über den Flughafen Wien sei ein Vorteil, der im deutschen Markt noch zu wenig bekannt sei.
Deutsche Gästezahlen legen deutlich zu
Ľuboš Čurma, Vertreter von Slovakia Travel, verwies auf die positive Entwicklung aus Deutschland. 2025 besuchten rund 176.000 deutsche Gäste die Slowakei, ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 54 Prozent der deutschen Besucher konzentrierten sich auf Bratislava. Ziel sei es deshalb, auch andere Regionen stärker zu vermarkten, die Aufenthaltsdauer zu verlängern und die touristische Wertschöpfung breiter im Land zu verteilen.
Dazu soll die Zusammenarbeit mit deutschen Reiseveranstaltern und Reisebüros intensiviert werden. Im Mittelpunkt stehen neben den bekannten Städten insbesondere Naturerlebnisse, Kultur, regionale Gastronomie und authentische touristische Angebote.
Liebert: „Die Deutschen müssen nicht immer in die Ferne schweifen“
BTW-Generalsekretär Sven Liebert sieht für die Slowakei gute Voraussetzungen, vom veränderten Reiseverhalten der Deutschen zu profitieren. Während Verbraucher angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten in vielen Bereichen ihre Ausgaben reduzierten, bleibe der Urlaub für sie ein wichtiges Gut. „Die Deutschen wollen mindestens einmal im Jahr in den Urlaub fahren“, sagte Liebert. Trotz erheblicher Preissteigerungen und geopolitischer Krisen sei die Reiselust weiterhin ausgeprägt.
Gleichzeitig beobachte die Branche eine stärkere Bedeutung von Reisen innerhalb Europas und von Zielen, die ohne Flugzeug erreichbar sind. Internationale Konflikte und Verwerfungen im Luftverkehr verstärkten diese Entwicklung. Für ein gut erreichbares europäisches Reiseland wie die Slowakei eröffne das zusätzliche Möglichkeiten. „Die Deutschen müssen nicht immer in die Ferne schweifen“, betonte Liebert. Europa biete zahlreiche attraktive Alternativen zu klassischen Fernreisezielen.
Dabei verwies der BTW-Generalsekretär auf die Bedeutung des deutschen Quellmarktes: Etwa zwei Drittel der deutschen Urlauber verreisten ins Ausland, rund ein Drittel verbringe den Urlaub im eigenen Land. Die Slowakei könne damit auf einen großen potenziellen Kundenkreis zugreifen.
Allerdings bleibe der Preis ein entscheidender Faktor. Besonders Familien mit geringerem Einkommen litten unter den gestiegenen Lebenshaltungskosten. Destinationen, die ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis mit vielfältigen Urlaubserlebnissen verbinden, hätten deshalb gute Chancen. Liebert nannte insbesondere Städtereisen, Kultur, Kulinarik und Wellness als interessante Angebotsfelder.
Neben dem touristischen Angebot seien politische Stabilität, Sicherheit und eine unkomplizierte Erreichbarkeit wichtige Wettbewerbsvorteile. Gerade die Verkehrsanbindung müsse bei der Vermarktung stärker berücksichtigt werden. Für Liebert steht fest: Die anhaltende Reiselust der Deutschen bietet der Slowakei eine gute Ausgangsposition, um sich als europäisches Urlaubsziel stärker zu etablieren.
Esser: Bustouristik kann neue Regionen erschließen
RDA-Präsident Benedikt Esser rückte die Bus- und Gruppentouristik als wichtigen Wachstumsmotor in den Mittelpunkt. Die Slowakei sei aufgrund ihrer geografischen Nähe zu Deutschland ein attraktives Ziel für Busreisen. Zudem biete der Reisebus die Möglichkeit, auch touristisch weniger erschlossene Regionen zu erreichen.
Ein entscheidender Faktor sei dabei der demografische Wandel. Mehr als drei Viertel der Busreisenden seien über 60 Jahre alt, rund die Hälfte sogar über 70. Diese Altersgruppen würden in Deutschland in den kommenden 15 Jahren deutlich wachsen. „Unser Potenzial in der Bus- und Gruppentouristik wird wachsen“, prognostizierte Esser.
Gerade ältere Reisende suchten neue Ziele und Reiseerlebnisse, seien aber nicht immer bereit oder in der Lage, diese mit Flugzeug, Bahn oder eigenem Pkw zu erreichen. Der Reisebus könne hier eine wichtige Funktion übernehmen und gleichzeitig touristische Wertschöpfung in bislang weniger besuchte Regionen bringen.
Esser unterstrich zudem die wirtschaftliche Bedeutung der Bustouristik. Allein in Deutschland hätten Kurz- und Urlaubsreisen mit dem Bus 2025 eine Wertschöpfung von rund sechs Milliarden Euro erzielt. Weitere 1,5 Milliarden Euro seien durch zusätzliche Ausgaben der Gäste in den Destinationen entstanden.
Auch beim Thema Nachhaltigkeit sieht der RDA-Präsident den Reisebus im Vorteil. Nach seinen Angaben verursache ein Busreisender nur etwa ein Fünftel der Treibhausgasemissionen einer vergleichbaren Pkw-Reise und rund ein Zehntel einer Flugreise. Mit neuen Antriebstechnologien könne sich diese Bilanz weiter verbessern.
Forderung nach besserer Infrastruktur
Allerdings müssten Destinationen die Voraussetzungen schaffen, um stärker von der Bustouristik profitieren zu können. Esser forderte ausreichende Busparkplätze, zentrale Ein- und Ausstiegszonen in den Städten sowie künftig Ladeinfrastruktur für elektrische Reisebusse. Gerade für ältere Gäste seien kurze Wege zwischen Reisebus und Sehenswürdigkeiten entscheidend.
Hinzu kämen Hotels mit geeigneten Gruppenkapazitäten und entsprechenden Konditionen sowie qualifizierte Reiseleiter und Gästeführer. Erst das Zusammenspiel dieser Angebote ermögliche eine erfolgreiche touristische Erschließung.
Dabei gehe es längst nicht nur um klassische Pauschalreisen. Auch Vereine, kirchliche Gruppen und andere gesellschaftliche Organisationen nutzten den Reisebus. „Der Reisebus gehört in die Mitte der Gesellschaft“, sagte Esser. Für die Slowakei sieht er deshalb erhebliche zusätzliche Potenziale im deutschen Markt.
50 Jahre ASR – und der Blick nach vorn
Das Jubiläum in Bratislava soll allerdings mehr sein als eine Rückschau auf fünf Jahrzehnte Verbandsgeschichte. Die Tagung steht unter der Leitfrage, wie sich der Tourismus in den kommenden Jahren verändern wird. Im Mittelpunkt stehen Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Fachkräftesicherung und gesellschaftlicher Wandel.

