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Tourismuswirtschaft

EU legt Tourismusstrategie vor – DRV fordert jetzt Taten

Die EU will Europas Position als weltweit führende Reisedestination langfristig sichern und hat dafür eine eigene Tourismusstrategie vorgestellt. Während der DRV die stärkere politische Aufmerksamkeit für die Branche begrüßt, sieht er bei Themen wie Outgoing-Tourismus und Regulierung noch erheblichen Nachbesserungsbedarf.

Nach Ansicht des DRV konzentriert sich die EU-Kommission bei ihrer neuen Strategie zu sehr auf den Incoming-Tourismus. Foto: CHUYN/iStock
Mit einer eigenen Tourismusstrategie will die EU-Kommission die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Tourismuswirtschaft stärken und Europas Position als weltweit führende Reisedestination sichern. Der Deutsche Reiseverband (DRV) begrüßt den Vorstoß grundsätzlich, mahnt aber an, dass auf die strategischen Ziele nun konkrete Entlastungen für die Unternehmen folgen müssen.

EU setzt auf Wettbewerbsfähigkeit, Digitalisierung und Krisenvorsorge

Die neue Strategie versteht sich als gemeinsamer Rahmen für einen Sektor, der rund zehn Prozent zur Wirtschaftsleistung der EU beiträgt und mehr als 20 Millionen Arbeitsplätze sichert. Im Mittelpunkt stehen die Themen Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Resilienz, wie es in einer Mitteilung der EU-Kommission zu den Mitte der Woche getroffenen Beschlüssen heißt.

Unternehmen und Destinationen sollen der EU-Kommission zufolge künftig stärker bei Digitalisierung, Datennutzung und Fachkräftequalifizierung unterstützt werden. Geplant sind unter anderem eine europäische Tourismusakademie, eine Tourismusbeobachtungsstelle sowie ein gemeinsamer Datenraum für touristische Informationen. Gleichzeitig kündigt die Kommission Maßnahmen zum Bürokratieabbau und eine weitere Verbesserung des grenzüberschreitenden Reisens innerhalb Europas an.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf einem ausgewogeneren Tourismusmanagement. Reisen sollen stärker über das gesamte Jahr verteilt und Besucherströme besser gelenkt werden. Zudem will die EU die Krisenvorsorge verbessern und Europa international als Reisedestination noch sichtbarer machen.

DRV sieht wichtiges Signal für die Branche

Beim DRV stößt vor allem der Fokus auf die Wettbewerbsfähigkeit auf Zustimmung. „Dass die EU-Kommission dem Tourismus erstmals eine eigene, übergreifende Strategie widmet und die Wettbewerbsfähigkeit in den Mittelpunkt stellt, ist ein wichtiges Signal für unsere Branche“, sagt Albin Loidl, Präsident des Deutschen Reiseverbands.

Aus Sicht des Verbands kommt es nun darauf an, dass die angekündigten Maßnahmen nicht bei Absichtserklärungen bleiben. Die Unternehmen bräuchten vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und faire Wettbewerbsbedingungen.

Kritik an zu starkem Fokus auf Europa als Reiseziel

Gleichzeitig sieht der DRV Lücken in der Strategie. Die Kommission betrachte Europa in erster Linie als Destination für internationale Gäste. Die Bedeutung von Reiseveranstaltern, Reisebüros und des Outgoing-Tourismus werde dagegen bislang zu wenig berücksichtigt.

Der Verband fordert deshalb, die organisierte Reisewirtschaft stärker in die Umsetzung einzubeziehen. Reiseveranstalter und Reisebüros seien wichtige Vermittler zwischen Reisenden, Destinationen und Leistungsträgern und trügen wesentlich zu Verbraucherschutz und Reisesicherheit bei.

Margensteuer im Fokus der Reisewirtschaft

Besonders aufmerksam verfolgt die Branche die angekündigte Überarbeitung der europäischen Margensteuerregelungen. Der DRV hofft auf eine Vereinfachung der bestehenden Vorschriften und weniger Verwaltungsaufwand für die Unternehmen.

„Die Überarbeitung muss die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Reisewirtschaft stärken. Neue steuerliche Belastungen wären das falsche Signal“, betont Loidl.

Auch bei Themen wie Digitalisierung, Fachkräftesicherung und nachhaltigem Tourismus sieht der Verband grundsätzlich positive Ansätze, plädiert jedoch dafür, auf freiwillige Lösungen und praxisnahe Instrumente statt auf zusätzliche Regulierung zu setzen.