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BB Kreuzfahrt
Update nach Kollision

Mein Schiff 3 liegt in der Werft – Provisionen bleiben erhalten

Für die Mein Schiff 3 beginnt eine ungewisse Werftzeit in Bremerhaven. Die Ermittlungen nach der Kollision laufen weiter. Offen sind Reparaturdauer, mögliche weitere Reiseabsagen und die wirtschaftlichen Folgen. Die Agenturprovisionen für die gestrichene Kanaren-Reise sollen erhalten bleiben.

Die Mein Schiff 3 liegt nach der Kollision mit zwei Containerschiffen jetzt an der Lloyd Werft in Bremerhaven. Wie lange die Reparatur dauert, ist offen. Symbol/Foto: iStock/studioportosa

Eine Woche nach der Kollision mit zwei Containerschiffen in Bremerhaven ist die Mein Schiff 3 am Sonntag zur Reparatur an die Pier der Lloyd Werft gewechselt. Wie lange das Schiff dort bleiben muss, ist noch offen. TUI Cruises will Anfang der Woche über mögliche weitere Reiseabsagen informieren. Reisebüros sichert die Reederei die Provision für die abgesagte Kanaren-Kreuzfahrt.

Was ist passiert?

Über den Unfallhergang hat unter anderem die Deutsche Presse-Agentur (Dpa) berichtet. Demnach sollte die Mein Schiff 3 am 25. Oktober mit 2.428 Gästen und 922 Crewmitgliedern zur Reise „20 Nächte – Zeitlose Kanaren“ aufbrechen. Wegen stürmischen Wetters hatte TUI Cruises die Abfahrt vom Vormittag auf den Nachmittag verschoben. Gegen 17.30 Uhr kam es beim Auslaufen zur Kollision.

Die Polizei geht davon aus, dass eine Windböe das Schiff auf Höhe der Stromkaje erfasste. Trotz Schlepperunterstützung trieb es gegen zwei dort liegende MSC-Containerschiffe. Der Deutsche Wetterdienst hatte am Abend vor Windböen von rund 55 Kilometern pro Stunde gewarnt. In exponierten Lagen waren Sturmböen von bis zu 65 Kilometern pro Stunde möglich. Die Warnung galt ab 18 Uhr.

Die Mein Schiff 3 brach das Auslaufmanöver ab und kehrte zum Kreuzfahrtterminal zurück. Niemand wurde verletzt. Die Gäste verließen das Schiff am folgenden Tag.

Welche Schäden sind entstanden, wer ermittelt?

Bei der Mein Schiff 3 sind unter anderem Rettungsboote, deren Kräne, die Außenhaut und die Brückennock beschädigt. Das Containerschiff MSC Victorine erlitt einen mehrere Meter langen Riss im Rumpf. Auf keinem der drei Schiffe war Wasser eingedrungen. Die Dienststelle Schiffssicherheit verhängte zunächst für alle drei Schiffe ein Auslaufverbot.

Wie die Dpa weiter berichtet, hat die Polizei ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Kapitän der Mein Schiff 3 eingeleitet. Geprüft wird ein möglicher Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht. Die Wasserschutzpolizei untersucht weiterhin den Unfallhergang. Auch die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung befasst sich mit dem Vorfall, wie der Weser-Kurier berichtet.

In Bremerhaven gibt es keine generellen Fahrverbote bei starkem Wind. Die Entscheidung über das Auslaufen liege beim Kapitän, erklärt Hafenkapitän und Leiter der Port Authority Bremen, Stephan Berger, gegenüber dem Ndr. TUI-Cruises-Chefin Wybcke Meier bezeichnete die Ermittlungen bei einem Auftritt in Kiel als „ganz normale“ Vorgänge.

Welche Reparaturen stehen an?

Die Mein Schiff 3 hat am Sonntagmittag die Columbuskaje verlassen und gegen 16 Uhr die Kaiserschleuse passiert. Anschließend ging es an die Pier der Lloyd Werft. Die Rönner-Gruppe, zu der die Werft gehört, hat den Reparaturauftrag bestätigt. Geplant sind vor allem Stahlarbeiten und der Austausch beschädigter Rettungsboote. Wie lange die Arbeiten dauern, ist noch offen.

Besonders die beschädigten Rettungsboote könnten die Rückkehr in den Kreuzfahrtbetrieb verzögern. Wie der Weser-Kurier berichtet, müssen mindestens drei Boote auf der Steuerbordseite ersetzt werden. Die Bauwerft Fassmer prüfe gemeinsam mit TUI Cruises, welche Schäden repariert werden können und wo Ersatz nötig ist. Die Rettungsboote würden auf Bestellung gefertigt und seien nicht auf Lager verfügbar. Fachleute halten dem Bericht zufolge eine Fertigungszeit von bis zu acht Wochen für möglich. Fassmer selbst kann bislang keine Lieferzeit nennen.

Eine Möglichkeit, die Ausfallzeit zu verkürzen, wäre eine Notreparatur. Dabei könnte das Schiff nach Beseitigung der größeren Schäden zunächst mit reduzierter Gästezahl fahren, bis neue Rettungsboote installiert sind. Auch darüber berichtet der Weser-Kurier unter Berufung auf Fachleute. Ob TUI Cruises diese Möglichkeit in Betracht zieht, ist nicht bekannt.

„Das wird hoffentlich zügig repariert werden können“, hatte TUI-Cruises-Chefin Wybcke Meier am Montag in Kiel gesagt. Als nächste Reise steht am 14. November eine 14-tägige Norwegen-Kreuzfahrt ab Bremerhaven im Fahrplan. Geplant sind unter anderem Anläufe in Nordfjordeid, Narvik, Honningsvåg, Tromsø und Ålesund. Anschließend soll das Schiff bis kurz vor Jahreswechsel für fünf Abfahrten nach Kiel wechseln. Ob diese Reisen wie geplant stattfinden können, ist unklar.

Was könnte der Ausfall kosten?

Die Polizei schätzt den reinen Sachschaden an den drei beteiligten Schiffen auf eine Millionensumme. Hinzu kommen mögliche wirtschaftliche Folgen durch den Ausfall der Mein Schiff 3. Zu deren Höhe hat TUI Cruises auch auf Nachfrage von TRVL COUNTER keine Angaben gemacht.

Wie hoch sich der finanzielle Ausfall für TUI Cruises beläuft, ist letztlich offen, die Reederei geht auf diesbezügliche Nachfragen nicht ein. Eine überschlägige Näherung kann derweil allein die durchschnittliche Tagesrate pro Passagier inklusive Bordausgaben im Kreuzfahrtsegment der TUI Group liefern: Diese lag im dritten Geschäftsquartal bei 252 Euro. Bei rund 2.400 Gästen und 20 Reisetagen ergäbe das allein einen Umsatz von etwa zwölf Millionen Euro, jedenfalls aber einen achtstelligen Betrag. Der Wert gilt allerdings für alle Marken des Geschäftsbereichs und für einen anderen Zeitraum, weshalb die tatsächliche Summe stark abweichen und deutlich geringer ausfallen kann.

Hinzu kommt der angekündigte Rabatt von zehn Prozent auf eine Neubuchung. Wie stark dieser die künftigen Einnahmen mindert, hängt davon ab, wie viele Gäste das Angebot nutzen und welche Reisen sie buchen. Würden sämtliche betroffenen Gäste eine vergleichbar teure Reise buchen, ergäbe sich ein rechnerischer Rabattwert von rund 1,2 Millionen Euro. Ob und in welchem Umfang dies tatsächlich geschieht, ist offen.

Weitere Kosten entstehen durch Reparaturen und laufende Personalaufwendungen. In welchem Umfang Versicherungen für Schäden und Ausfälle aufkommen, ist ebenso unklar wie die Frage, ob weitere Kreuzfahrten abgesagt werden müssen.

(*) Die genannten Beträge sind Modellrechnungen der Redaktion auf Basis von Durchschnittswerten und vereinfachten Annahmen. Sie stammen nicht von TUI Cruises und erlauben keine Rückschlüsse auf den tatsächlichen finanziellen Schaden oder den entgangenen Gewinn.

Welche rechtlichen Ansprüche bestehen?

Für die abgesagte Kanaren-Kreuzfahrt erhalten die Gäste den vollständigen Reisepreis zurück. Bei Buchungen über Reisebüros erfolgt die Rückabwicklung über die jeweilige Agentur. Zusätzlich gewährt TUI Cruises zehn Prozent Rabatt auf eine Neubuchung bis zum 31. Dezember 2026.

Unter bestimmten Voraussetzungen könnten betroffene Gäste darüber hinaus weitere Ansprüche haben. Rechtsanwalt Prof. Dr. Hans-Josef Vogel von der Kanzlei Advant Beiten verweist in einer rechtlichen Einschätzung auf § 651n Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB). Danach können Reisende bei einer vereitelten oder erheblich beeinträchtigten Pauschalreise eine angemessene Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit verlangen.

Entscheidend ist allerdings, ob TUI Cruises die Umstände zu vertreten hat, die zur Absage führten. Bei unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umständen kann ein solcher Entschädigungsanspruch entfallen. Ob der Sturm und die Entscheidung zum Auslaufen unter diese rechtliche Ausnahme fallen, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen. Dafür kommt es unter anderem auf die Wetterbedingungen, die vorliegenden Warnungen und die nautischen Entscheidungen an. Die laufenden Untersuchungen könnten hierzu weitere Erkenntnisse liefern.

Auch bei möglichen weiteren Reiseabsagen hängt die rechtliche Bewertung von den jeweiligen Umständen ab. Vogel weist darauf hin, dass dann nicht mehr unmittelbar der Sturm, sondern die Reparaturbedürftigkeit des Schiffs Ursache des Ausfalls wäre. Ob daraus zusätzliche Ansprüche entstehen, ist offen. Erhebliche Änderungen der vereinbarten Reiseleistungen müssen Gäste zudem nicht ohne Weiteres akzeptieren.

Was bedeutet das für Agentur-Provisionen?

Auch die Provisionsansprüche hängen grundsätzlich davon ab, wer die Nichtdurchführung einer Reise zu vertreten hat. Vogel verweist auf § 87a Absatz 3 Handelsgesetzbuch (HGB). Danach bleibt der Provisionsanspruch bestehen, wenn der Veranstalter die Nichtausführung der Reise zu vertreten hat. Beruht der Ausfall dagegen auf Umständen außerhalb seiner Verantwortung, kann der Anspruch entfallen. Bereits ausgezahlte Provisionen könnten dann grundsätzlich zurückgefordert werden.

Für die abgesagte Kanaren-Kreuzfahrt hat TUI Cruises diese Unsicherheit inzwischen ausgeräumt. In einer Vertriebsinformation sichert die Reederei den Reisebüros die vereinbarte Provision für die ausgefallene Reise zu. Bereits gezahlte Vergütungen behalten ihre Gültigkeit. Wie sich der zehnprozentige Neubuchungsrabatt auf die Provision einer neuen Buchung auswirkt, ist dabei nicht bekannt.

Felix Hormel