Mein Schiff 3 muss nach schwerer Kollision in die Werft
Nach dem Zusammenstoß mit gleich zwei Frachtern wird das Ausmaß des Unfalls zunehmend deutlich: Mehrere Rettungsboote und die Außenhaut der Mein Schiff 3 sind erheblich beschädigt. TUI Cruises hat die Kanaren-Reise mit 2.428 Gästen abgesagt. Wann das Schiff wieder einsatzbereit ist, bleibt offen.

Nach der Kollision der Mein Schiff 3 mit zwei Containerschiffen in Bremerhaven hat TUI Cruises die geplante 20-tägige Kanaren-Reise abgesagt. Das Kreuzfahrtschiff wurde bei dem Unfall am Sonntagnachmittag, 25. Oktober, so stark beschädigt, dass Reparaturen in einer Werft notwendig sind.
An Bord befanden sich zum Unfallzeitpunkt 2.428 Gäste und 922 Crewmitglieder. Verletzt wurde nach bisherigem Kenntnisstand niemand.
Die Mein Schiff 3 liegt weiterhin an der Columbuskaje in Bremerhaven. Unmittelbar nach der Kollision haben Techniker und weitere Experten mit der Untersuchung des Schiffes begonnen. Schnell stand fest, dass die Schäden nicht kurzfristig am Liegeplatz behoben werden können. „Vor diesem Hintergrund haben wir uns dazu entschieden, die geplante Reise auf die Kanaren abzusagen“, teilt die Reederei auf Anfrage von TRVL COUNTER mit.
Erstattung und zehn Prozent fürs nächste Mal
Wie der Kreuzfahrt-Experte Franz Neumeier auf seinem Portal Cruisetricks.de berichtet, hat der Kapitän die Passagiere am Montagmorgen über den Abbruch ihrer Reise informiert.
In einem Schreiben an die Gäste soll TUI Cruises die vollständige Erstattung des Reisepreises angekündigt haben – verbunden mit einem zehnprozentigen Rabatt auf die Neubuchung einer künftigen Kreuzfahrt als Entschädigung.
Auch TUI-Cruises-Chefin Wybcke Meier äußert sich am Montag zu dem Unfall. Bei einem Gipfel zur Zukunft des Wirtschafts- und Innovationsstandorts Deutschland an Bord der Mein Schiff Flow in Kiel erklärt sie, dass sich ein Teil der betroffenen Gäste noch auf der Mein Schiff 3 befinde.
Die Reederei unterstütze sie bei der Heimreise. Andere Passagiere hätten das Schiff bereits verlassen und teilweise eine andere Reise gebucht. Meier bestätigt zudem den zehnprozentigen Neubuchungsrabatt, den TUI Cruises als Entschädigung gewährt.
Abfahrt wegen Sturms verschoben
Die ursprünglich für den Sonntagvormittag geplante Abfahrt hatte TUI Cruises wegen der stürmischen Wetterlage an der Nordseeküste bereits auf den Nachmittag verschoben. Gegen 17.30 Uhr kommt es beim verspäteten Auslauf-Versuch zum Unfall.
Inzwischen hat die Polizei Bremen den Unfallhergang näher beschrieben. Demnach wird die Mein Schiff 3 auf Höhe der Stromkaje von einer Windböe erfasst. Das Kreuzfahrtschiff, das mit Unterstützung von Schleppern unterwegs ist, treibt daraufhin gegen zwei an der Kaje festgemachte MSC-Containerschiffe.
Für den Sonntagabend hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Bremerhaven vor Windböen um 55 Kilometer pro Stunde gewarnt. In exponierten Lagen waren auch Sturmböen um 65 Kilometer pro Stunde möglich. Die Warnung galt ab 18 Uhr.
Schäden, Auslaufverbote, Ermittlungen
An dem kleineren Frachter entsteht laut Polizei ein leichter, an dem wesentlich größeren Containerriesen, der MSC Victorine, dagegen ein erheblicher Sachschaden. Durch den Zusammenstoß wird dessen Backbordseite auf mehreren Metern aufgerissen, wie auch ein Foto in einem Kreuzfahrtforum dokumentiert. Zudem werden Containerführungen verformt. Die Schäden liegen jeweils mehrere Meter oberhalb der Wasserlinie. Zu einem Wassereinbruch kommt es auf keinem der drei Schiffe.
Auch die Mein Schiff 3 wird erheblich beschädigt, wie schon diese von Radio Bremerhaven geteilten Amateur-Aufnahmen nahelegen. Betroffen sind insbesondere die Rettungsboote, die dazugehörigen Kräne und die Außenhaut des Kreuzfahrtschiffs.
Das Schiff bricht das Auslaufmanöver ab und kehrt zum Kreuzfahrtterminal zurück. Zum tatsächlichen Umfang der Schäden äußert sich TUI Cruises bisher nicht. Reedereichefin Wybcke Meier kommentiert am Montag in Kiel: „Das wird hoffentlich zügig repariert werden können.“
Die Dienststelle Schiffssicherheit verhängt nach dem Unfall für alle drei beteiligten Schiffe ein Auslaufverbot. Die weiteren Ermittlungen der Wasserschutzpolizei Bremen dauern an. Auch Meier verweist auf die laufenden Untersuchungen. Neben der Wasserschutzpolizei seien zwei weitere Experten an Bord, um den Unfallhergang aufzuklären. Dabei handele es sich um reguläre Untersuchungen nach einem solchen Vorfall, so Meier.
Wiederaufnahme des Fahrplans unklar
Die nahezu ausgebuchte, lange Reise „20 Nächte – Zeitlose Kanaren“ sollte vom 25. Oktober bis zum 14. November stattfinden. Geplant waren zunächst Anläufe in Leixões bei Porto, Lissabon und Funchal auf Madeira. Anschließend sollte die Mein Schiff 3 San Sebastián auf La Gomera, Santa Cruz auf Teneriffa, Arrecife auf Lanzarote und Las Palmas auf Gran Canaria besuchen.
Über Agadir in Marokko und A Coruña in Spanien war die Rückkehr nach Bremerhaven vorgesehen, von wo aus laut Fahrplan eine Norwegen-Kreuzfahrt am 14. November anschließen soll. Angaben über die Wiederaufnahme des Kreuzfahrtbetriebs kann TUI Cruises zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht machen.
„Unser Fokus liegt nun darauf, unsere Gäste bestmöglich zu informieren, zu betreuen und bei den nächsten Schritten zu unterstützen“, so eine Sprecherin. Ein genauer Zeitplan für die Reparaturen liegt bislang nicht vor.
Die 2014 gebaute Mein Schiff 3 ist rund 293 Meter lang und verfügt über 1.253 Kabinen. Die reguläre Kapazität liegt bei bis zu 2.506 Gästen bei Doppelbelegung.

