Lufthansa greift nach TAP – Portugal gibt grünes Licht
Der Kranichkonzern hat sich im Rennen um TAP Air Portugal gegen Air France-KLM durchgesetzt. Nun stehen Vertragsverhandlungen und behördliche Genehmigungen an. Lufthansa will vor allem ihre Position im Verkehr nach Brasilien stärken. Für Reisebüros ändert sich zunächst nichts.

Die Lufthansa Group hat das Bieterrennen um TAP Air Portugal für sich entschieden. Die portugiesische Regierung hat den Konzern als künftigen strategischen Partner der Fluggesellschaft ausgewählt. Der Kranichkonzern bietet 1,025 Milliarden Euro für zunächst 44,9 Prozent der Anteile und setzt sich damit gegen Air France-KLM durch. Mit dem Einstieg will der Konzern vor allem seine Position im Verkehr zwischen Europa und Lateinamerika stärken. Unter Dach und Fach ist die Übernahme allerdings noch nicht.
Lufthansa und TAP kennen sich bereits seit vielen Jahren. Der portugiesische Carrier gehört seit 2005 zur Star Alliance. Nun soll Lufthansa auch als Anteilseigner bei TAP einsteigen. Beide verbliebenen Interessenten hatten Ende September ihre endgültigen Angebote eingereicht.
Wie teuer wird der TAP-Deal?
Für einen Anteil von 44,9 Prozent bietet Lufthansa 1,025 Milliarden Euro. Weitere fünf Prozent sind zunächst für die Beschäftigten von TAP reserviert. Üben diese ihre Kaufoption nicht vollständig aus, kann Lufthansa sie zusätzlich übernehmen und ihre Beteiligung auf bis zu 49,9 Prozent steigern. Einschließlich einer sogenannten Ticking Fee, einer zeitabhängigen Kaufpreiserhöhung, könnte der Gesamtbetrag damit auf bis zu 1,2 Milliarden Euro steigen.
Der portugiesische Staat würde nach der ersten Privatisierungsstufe zunächst mit 50,1 Prozent Mehrheitsaktionär bleiben.
Noch nicht in trockenen Tüchern
Lufthansa arbeitet jetzt mit der portugiesischen Regierung und der staatlichen Beteiligungsgesellschaft Parpública an den Verträgen. Anschließend müssen die zuständigen Behörden dem Anteilserwerb zustimmen.
Die portugiesische Regierung hat zudem angekündigt, den Prozess zur vollständigen Privatisierung von TAP einzuleiten. Ein späterer vollständiger Verkauf ist mit dem jetzigen Zuschlag allerdings noch nicht beschlossen.
Bis zum tatsächlichen Einstieg dürfte noch einige Zeit vergehen: Portugals Finanzminister Joaquim Miranda Sarmento hatte Medienberichten zufolge zuletzt einen Zeitraum von 18 bis 24 Monaten für den Privatisierungsprozess genannt. Damit könnte sich der Abschluss bis 2028 hinziehen. Lufthansa selbst nennt bislang keinen festen Termin.
Lissabon bleibt das Herzstück von TAP
TAP soll auch unter dem neuen Anteilseigner ihre Marke, den Unternehmenssitz in Portugal und das Drehkreuz Lissabon behalten. Darüber hinaus sieht das Lufthansa-Angebot einen Ausbau des Flugbetriebs in Porto, eine größere Flotte und eine Stärkung des Wartungs- und Technikgeschäfts vor. Konkrete Investitionssummen, zusätzliche Flugzeuge oder neue Verbindungen nennen die Unternehmen bislang nicht.
„Dabei geht es um mehr als den Einstieg eines neuen Anteilseigners“, betont Carlos Oliveira, Verwaltungsrats-Chef bei TAP. Entscheidend seien konkrete Wachstumschancen, eine stärkere Wettbewerbsfähigkeit und ein Mehrwert für Portugal. Bis zum Abschluss der Transaktion hält TAP an ihrem Strategieplan für die Jahre 2026 bis 2035 fest.
Lufthansa nimmt den Südatlantik ins Visier
Für Lufthansa ist TAP vor allem wegen ihres Streckennetzes interessant. Die Fluglinie verbindet Europa über Lissabon mit Nord-, Mittel- und Südamerika sowie Afrika und spielt insbesondere im Verkehr zwischen Europa und Brasilien eine wichtige Rolle. Im Sommer 2026 bietet TAP mehr als 1.250 wöchentliche Verbindungen zu insgesamt 88 Städten an.
„Gleichzeitig setzen wir damit unsere Strategie der Internationalisierung weiter konsequent fort und stärken unsere Position auf dem Südatlantik nachhaltig“, erklärt Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Der Konzern will mit dem Einstieg sein Langstreckengeschäft ausbauen und seine Position im Verkehr zwischen Europa und Lateinamerika festigen.
Was ändert sich für Reisebüros?
Auch auf dem Nordatlantik könnte die Zusammenarbeit enger werden. TAP stellt eine künftige Einbindung in das sogenannte A++-Joint-Venture in Aussicht. In diesem Verbund arbeiten Netzwerk-Airlines der Lufthansa Group mit United Airlines und Air Canada zusammen. Die Partner stimmen unter anderem ihre Flugpläne ab und verknüpfen ihre Verbindungen zwischen Europa und Nordamerika.
Für Reisebüros und Veranstalter könnte sich damit langfristig ein stärker vernetztes Angebot über Lissabon ergeben. Wann TAP dem Joint Venture beitreten soll, ist allerdings noch offen. Auch konkrete zusätzliche Strecken, Flugfrequenzen oder Änderungen bei Tarifen und Buchungsmöglichkeiten haben die Unternehmen bislang nicht kommuniziert. Unmittelbare Änderungen für Reisebüros ergeben sich aus der Ankündigung damit zunächst nicht.
Lufthansa baut ihre Portugal-Präsenz aus
Unabhängig vom geplanten TAP-Einstieg baut Lufthansa ihre Präsenz in Portugal bereits aus. Die Airlines der Gruppe bieten derzeit 353 wöchentliche Flüge zu sechs portugiesischen Zielen an. Das sind 75 Prozent mehr als 2019.
Zudem entsteht in Santa Maria da Feira bei Porto ein neuer Standort von Lufthansa Technik. Bis 2030 soll die Zahl der direkten Arbeitsplätze der Lufthansa Group in Portugal von derzeit mehr als 500 auf über 1.000 steigen.
Der Zuschlag ist ein weiterer Schritt im Privatisierungsprozess, den Portugal im Juli 2025 neu gestartet hatte. Zuvor hatte der Staat TAP während der Corona-Pandemie mit milliardenschweren Hilfen gestützt.

