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Rückschau auf Branchen-Event

QTA bringt Reisevertrieb in Mainz zusammen

Wie bleiben Reisebüros für eine sich wandelnde Kundschaft relevant? Beim QTA Reisesommer in Mainz ging es um Demografie, KI und die Zukunft der Beratung. Verbände sprachen zudem über bezahlbare Reisen und einfachere Prozesse.

Großes Branchentreffen in der Halle 45 in Mainz: Zum QTA Reisesommer kamen etwa 1.500 Touristiker. Foto: RTK/Christian Wyrwa
Knapp 1.500 Touristiker kamen beim QTA Reisesommer 2026 in Mainz zusammen, um über die Zukunft des Reisevertriebs zu sprechen. Wie der Ausrichter QTA mitteilt, waren das mehr als zehn Prozent mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer als im Vorjahr. Rund 160 Partner und 40 Speaker waren auf dem großen Branchen-Event vertreten. Reisebüros trafen auf Veranstalter, Destinationen, Airlines, Kreuzfahrtanbieter und Technologieunternehmen. Auch DRV-Präsident Albin Loidl und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder waren vor Ort. Das Programm in Halle 45, Auktionshaus und Turbinenhalle verband Messe, Masterclasses und Debatten über verändertes Reiseverhalten, KI und persönliche Beratung.

Demografie verändert die Beratung

Dr. Wolfgang Isenberg, wissenschaftlicher Leiter der Strategieberatung Project M, und Tourismusexperte Günter Ihlau stellten den demografischen Wandel in den Mittelpunkt ihres Vortrags. Für die Reisewünsche sei weniger das Alter entscheidend als die individuelle Lebenssituation. Reisebüros müssten deshalb genau zuhören, komplexe Wünsche ordnen und konkrete Bedürfnisse früh erkennen. „Die Chancen sind da“, betonten sie, schränkten jedoch zugleich ein: „Aber Beratung wird deutlich anspruchsvoller.“ Dabei könne den Experten zufolge auch KI eine wichtige Rolle einnehmen: Künstliche Intelligenz könne helfen, administrative und zeitaufwendige Aufgaben zu vereinfachen. Die frei werdende Zeit sollten Reisebüros für die persönliche Beratung nutzen. Isenberg und Ihlau sehen zugleich die Veranstalter in der Pflicht, ihre Angebote stärker auf die unterschiedlichen Bedürfnisse älterer Zielgruppen auszurichten.

QTA-Sprecher Thomas Bösl verwies auf die Nähe der Reisebüros zu ihren Kunden. Veränderten sich deren Informationsverhalten und Erwartungen, müssten Beratung, Kommunikation und Service mitziehen. Kooperationen könnten den Büros Arbeit abnehmen, Entwicklungen früh erkennen und Lösungen bündeln.

Reisepreise und Bürokratie beschäftigen Verbände

In einer Diskussionsrunde rückte DRV-Präsident Albin Loidl bezahlbare Urlaubsreisen in den Vordergrund. Familien könnten sich Urlaub zunehmend schwer leisten, warnte er. Seine Forderung: „Die Preise müssen sinken.“ Bösl ergänzte, Reisebüros merkten als direkte Ansprechpartner ihrer Kunden früh, wenn deren finanzieller Spielraum kleiner werde.

Anke Budde von der Allianz selbstständiger Reiseunternehmen (ASR) sprach sich für weniger Bürokratie und schlankere Prozesse aus. Zu viel Zeit gehe für Verwaltungsaufgaben verloren; Reisebüros sollten sich stärker auf den Verkauf konzentrieren können.

Auch Flugverbindungen standen auf der Agenda. DRV-Generalsekretär Sven Liebert zufolge hat Deutschland erst rund 80 Prozent des Vor-Corona-Niveaus erreicht, das europäische Ausland dagegen bereits 100 Prozent. Lieberts Fazit: „Europa fliegt an Deutschland vorbei.“

Nachwuchs und Politik kommen zu Wort

Die Young Community erhielt beim Reisesommer einen eigenen Platz. Die nächste Generation soll der QTA zufolge ihre Sicht auf die Zukunft des Reisevertriebs noch stärker in die Debatte einbringen. Laut Bösl gehen mit dem Generationenwechsel neue Erwartungen an Führung, Arbeitskultur, Technologie und Kommunikation einher. Deshalb solle die Branche „nicht über den Nachwuchs sprechen, sondern mit ihm“.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder nahm ebenfalls an der Messe teil und sprach mit den Touristikerinnen und Touristikern über die drängendsten Themen der Branche. Er betonte die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für Betriebe und Regionen im Land und sprach sich für dessen nachhaltige Weiterentwicklung aus.