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RTK Dialogtage 2026
09.10.26, 10:00 Uhr

RTK Dialogtage machen Reiseprofis zu Ahrtal-Botschaftern

Vom Rotweinwanderweg bis zur Baumpflanzaktion reichte das Programm zum Auftakt der RTK Dialogtage. Rund 200 Reiseprofis lernten das Ahrtal kennen und kamen miteinander ins Gespräch. Auf einen erlebnisreichen Tag folgen beim RTK Summit in Mainz die großen Vertriebsfragen.

Weinberge, Regierungsbunker und eine spektakuläre Klangwelle: Rund 200 Reiseprofis haben die RTK Dialogtage im Ahrtal eröffnet. Alle Fotos: Christian Wyrwa

Rund 200 Reiseprofis, ein abwechslungsreiches Programm und eine Region, die sich nach der Flutkatastrophe neu positioniert: Zum Auftakt der RTK Dialogtage stand das Ahrtal im Mittelpunkt. Die Stimmung unter den Teilnehmern war gut, das Programm allerdings ausgesprochen lang. Erst weit nach Mitternacht kehrte die Ausflugsgruppe nach Mainz zurück. Heute geht es beim RTK Summit in der Alten Lokhalle um die Zukunft des Reisevertriebs. Den Auftakt macht QTA-Sprecher Thomas Bösl.
 



Ein Glas Rotwein, eine Wanderung durch die Weinberge, ein Besuch im ehemaligen Regierungsbunker, eine gemeinsame Baumpflanzaktion und zum Abschluss eine spektakuläre Klangwelle: Die RTK hatte sich für den Auftakt ihrer diesjährigen Dialogtage einiges vorgenommen. Rund 200 Reisebüroprofis und touristische Partner waren am Donnerstag ins Ahrtal gereist, um eine Destination kennenzulernen, die sich fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe mit neuem Selbstbewusstsein präsentiert.

Das Konzept ging offenbar auf. Übereinstimmend berichteten Teilnehmer von einer guten Stimmung, interessanten Begegnungen und einem abwechslungsreichen Programm. Allerdings verlangte der Tag den Reiseprofis auch einiges ab. Die zahlreichen Veranstaltungen und Ortswechsel machten den Auftakt zu einem regelrechten Marathon. Erst weit nach Mitternacht waren viele Teilnehmer wieder in Mainz. Viel Zeit zum Durchatmen blieb damit nicht: Bereits heute steht mit dem RTK Summit der eigentliche Kongresstag auf dem Programm.

Das Ahrtal will wieder als Urlaubsregion wahrgenommen werden

Unter dem Motto „Probiere mal Ahrtal“ hatten RTK und Ahrtal-Tourismus bewusst auf einen klassischen Tagungsauftakt verzichtet. Statt Präsentationen und Vorträgen sollten die Reiseprofis die Region selbst erleben. Die angebotenen Programme führten unter anderem auf den Rotweinwanderweg, in die historische Altstadt von Ahrweiler und in den ehemaligen Regierungsbunker. Hinzu kamen Einblicke in die regionale Weinkultur und touristische Angebote.

Dahinter steckt eine klare vertriebliche Überlegung: Wer eine Destination aus eigener Anschauung kennt, kann sie glaubwürdiger empfehlen. Gerade für eine Region wie das Ahrtal, deren öffentliche Wahrnehmung noch immer stark von den Bildern der Flutkatastrophe 2021 geprägt ist, hat dieser Ansatz besondere Bedeutung.

„Menschen lassen sich am besten für eine Region begeistern, wenn diese Begeisterung auch bei denjenigen ankommt, die Urlaub empfehlen und verkaufen“, erklärte RTK-Geschäftsführer und QTA-Sprecher Thomas Bösl. „Das Ahrtal zeigt eindrucksvoll, wie viel entstehen kann, wenn Destination und Vertrieb nicht nebeneinander arbeiten, sondern miteinander.“

Sein Wunsch an die Teilnehmer war entsprechend eindeutig: Sie sollten als „Ahrtal-Fans zurückkommen“.

Weg von der Katastrophe, hin zu neuen Reiseanlässen

Für den Ahrtal-Tourismus boten die Dialogtage eine willkommene Gelegenheit, die touristische Entwicklung der Region einem bundesweiten Fachpublikum zu präsentieren. Denn die Herausforderung besteht längst nicht mehr allein im Wiederaufbau, sondern vor allem darin, das Bild der Destination nachhaltig zu verändern.

Andreas Lambeck, Geschäftsführer des Ahrtal-Tourismus, sieht die Reisebüros dabei als wichtige Partner. „Touristiker sind für unsere Branche bedeutende Multiplikatoren und wichtige Empfehlungsgeber“, betonte er. Wer das Ahrtal heute besuche, erlebe „eine Wein- und Erlebnisregion, die sich mit großem Engagement neu erfindet“.

Die Auszeichnung durch das Reiseportal Travelbook als schönste Weinregion Europas unterstreiche die touristischen Qualitäten des Tals. Gleichzeitig gebe der Besuch der Reiseprofis die Möglichkeit, das „neue Ahrtal“ selbstbewusst zu präsentieren.

Lambeck ist überzeugt, dass die Region aus der Katastrophe auch neue Perspektiven entwickelt hat. Das Ahrtal habe die Chance genutzt, etwas Einzigartiges entstehen zu lassen.

Für den Reisevertrieb ist diese Botschaft durchaus relevant. Denn das Ahrtal steht beispielhaft für eine Entwicklung, die viele deutsche Ferienregionen betrifft: Gefragt sind nicht allein Übernachtungsmöglichkeiten, sondern konkrete Reiseanlässe, authentische Erlebnisse und Angebote, die sich im Beratungsgespräch überzeugend vermitteln lassen. Wein, Kulinarik, Natur, Geschichte und regionale Identität bieten dafür zahlreiche Anknüpfungspunkte.

Allerdings bleibt die Frage, wie aus der Begeisterung eines solchen Veranstaltungstages tatsächlich zusätzliche Buchungen entstehen. Entscheidend wird sein, ob die gewonnenen Eindrücke anschließend durch konkrete Produkte, Informationen und gemeinsame Vertriebsaktivitäten in den Reisebüroalltag übertragen werden.

Eine Partnerschaft, die über den Veranstaltungstag hinausgeht

Dass RTK das Ahrtal für ihren Auftakt ausgewählt hat, ist kein Zufall. Die Reisebürokooperation und die Region verbindet eine langjährige Zusammenarbeit. Für Bösl liegt gerade darin ein wesentlicher Erfolgsfaktor. „Eine echte Partnerschaft zeigt sich darin, dass man über Jahre miteinander im Gespräch bleibt, sich gegenseitig unterstützt und gemeinsam Dinge auf die Beine stellt“, sagte der RTK-Chef.

Damit formuliert Bösl zugleich einen Anspruch an die Zusammenarbeit zwischen Destinationen und dem organisierten Reisevertrieb. Kooperationen sollen nicht allein aus gemeinsamen Marketingaktionen bestehen, sondern möglichst langfristige wirtschaftliche Impulse auslösen.

Die RTK verfügt dafür über eine beachtliche Reichweite. Nach eigenen Angaben gehören der Gruppe rund 3.900 Reisebüros an, die einen Umsatz von knapp sechs Milliarden Euro bündeln. Für eine Destination wie das Ahrtal eröffnet ein solches Netzwerk die Möglichkeit, ihre touristischen Angebote unmittelbar bei zahlreichen Reiseverkäufern bekannt zu machen.

10.000 Bäume als Zeichen langfristigen Engagements

Dass die Partnerschaft nicht nur aus touristischer Vermarktung bestehen soll, unterstrichen die Organisatoren mit einer gemeinsamen Baumpflanzaktion.

Im Rahmen der Initiative „Das Ahrtal blüht auf“ beteiligten sich Vertreter aus Touristik, Wirtschaft, Politik und der Region an einer Aufforstungsaktion oberhalb des Tals. Unterstützt wird das Projekt von Robin Gut und dessen Gründer Dieter Könnes.

Das langfristige Ziel ist ehrgeizig: Insgesamt sollen 10.000 neue Bäume gepflanzt werden. Den Anfang machen 1.000 Bäume klimaresilienter Arten.

Bösl versteht die Aktion ausdrücklich als langfristiges Engagement. „Wer heute einen Baum pflanzt, weiß, dass er dessen volle Wirkung nicht morgen sehen wird. Genau darin steckt eine schöne Botschaft: Wir wollen diese Region langfristig begleiten und einen Beitrag dazu leisten, dass ihre Attraktivität für Einheimische und Gäste erhalten und weiterentwickelt wird.“

Die Initiative passt damit zum übergeordneten Anspruch der Veranstaltung: Partnerschaft soll nicht allein beschworen, sondern möglichst konkret gelebt werden. Ob aus solchen Aktionen nachhaltige Wirkungen entstehen, wird sich allerdings erst über einen längeren Zeitraum zeigen.

Gute Stimmung, aber ein straffes Programm

Nach den unterschiedlichen Tagesprogrammen trafen sich die Teilnehmer beim „RTK Ahr together“ in Dernau wieder. Regionale Weine, kulinarische Angebote und persönliche Gespräche boten Gelegenheit zum Austausch. Den Abschluss bildete die Klangwelle im Kurpark von Bad Neuenahr-Ahrweiler mit ihrer Inszenierung aus Wasser, Licht und Musik.

Für die Organisatoren war das ein stimmungsvoller Schlusspunkt. Für viele Teilnehmer bedeutete es allerdings auch, dass sich die Rückkehr nach Mainz bis weit nach Mitternacht hinzog.

Der Auftakt zeigte damit zwei Seiten einer solchen Veranstaltung: Einerseits schaffen gemeinsame Erlebnisse abseits klassischer Kongressformate eine besondere Atmosphäre und erleichtern den persönlichen Austausch. Andererseits hat ein dicht gedrängtes Programm seine Grenzen. Gerade wenn am folgenden Morgen ein umfangreicher Kongresstag ansteht, kann die zeitliche Belastung durchaus zum Thema werden.
An der insgesamt positiven Stimmung änderte das nach den Rückmeldungen von Teilnehmern zunächst wenig.

Heute wird es politischer: RTK Summit in Mainz

Nach dem erlebnisorientierten Auftakt im Ahrtal wechselt die Veranstaltung heute ihren Charakter. In der Alten Lokhalle in Mainz beginnt der RTK Summit als zentraler Kongresstag der Reisebürokooperation.
Den Auftakt übernimmt Thomas Bösl mit einer Keynote. Als Geschäftsführer der RTK und Sprecher der QTA steht er dabei für eine Reisebüroallianz, die innerhalb des touristischen Vertriebs erhebliches Gewicht besitzt.

Nach einem Tag, an dem vor allem persönliche Begegnungen, touristische Produkte und die Zusammenarbeit mit einer Destination im Mittelpunkt standen, richtet sich der Blick nun auf die übergeordneten Herausforderungen des Reisevertriebs.

Der Wechsel könnte kaum deutlicher ausfallen: Gestern ging es darum, wie Reisebüros für eine Destination begeistert werden können. Heute stellt sich die grundsätzlichere Frage, unter welchen Bedingungen sie künftig erfolgreich arbeiten und ihre Position im touristischen Vertrieb behaupten können. Und damit beginnt nach dem langen Auftakt im Ahrtal der inhaltlich entscheidende Teil der RTK Dialogtage.

Jean-Marc Göttert