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Appell an die Politik
23.09.26, 18:08 Uhr

DRV fordert Rückendeckung für Reisebüros im KI-Zeitalter

Zwischen Chancen und wachsender Plattformmacht sieht der DRV den Counter vor großen Veränderungen. Bei einer Anhörung im Bundestag fordert der Verband bessere Bedingungen, gerade für kleine Reisebüros. Nicht die beste KI allein solle über die Zukunft im Reisevertrieb entscheiden.

DRV-Präsident Albin Loidl war als Sachverständiger zur Anhörung des Tourismusausschusses im Deutschen Bundestag geladen. Dort forderte er faire Wettbewerbsbedingungen und bessere Voraussetzungen für die Digitalisierung des Reisevertriebs. Foto: DRV/Marcel Kautz
Der Deutsche Reiseverband (DRV) fordert bessere Rahmenbedingungen für kleine und eigenständige Reisebüros sowie Unterstützung bei der Digitalisierung. Bei einer öffentlichen Anhörung des Tourismusausschusses des Deutschen Bundestages zur Situation von Reisebüros und Reiseveranstaltern warnte der Verband zugleich vor einer wachsenden Marktmacht großer Technologiekonzerne durch Künstliche Intelligenz und Daten.

„Die Zukunft des Reisevertriebs entscheidet sich nicht allein an der Frage, wer die beste Technologie hat. Entscheidend ist, ob Unternehmen Zugang zu dieser Technologie haben, ob der Wettbewerb fair bleibt und wie sie ihre eigenen Stärken ausspielen können“, sagte DRV-Präsident Albin Loidl, der als Sachverständiger an der Anhörung teilnahm.

Der DRV sieht kleine Reisebüros durch verändertes Kundenverhalten, digitale Vertriebsplattformen und neue Technologien unter Druck. Gleichzeitig steigen aus Sicht des Verbandes die Anforderungen an Technik, Prozesse und Fachkräfte. Zusätzlich wirkten sich Preisentwicklungen und geopolitische Ereignisse auf Buchungen und Umsätze von Reisebüros und Veranstaltern aus.

DRV setzt auf Beratung und persönliche Betreuung

Der Wettbewerb mit onlinegestützten Vertriebsplattformen wird dem Verband zufolge besonders für kleine und eigenständige Reisebüros spürbarer. Der DRV sieht jedoch nur geringe Möglichkeiten, deren Geschäftsmodelle mit wettbewerbsrechtlichen Einschränkungen zurückzudrängen. Stattdessen solle der persönliche und stationäre Vertrieb seine Wettbewerbsfähigkeit stärken.

„Reisebüros sollten sich auf ihre expliziten Stärken besinnen und diese noch deutlicher herausstellen: Beratung, Empathie, Erfahrung und verlässliche Unterstützung – gerade dann, wenn eine Reise nicht nach Plan läuft“, sagte Loidl.

Die Zukunft des Reisebüros sieht der Verband in der Verbindung von persönlicher und digitaler Beratung. Dafür seien neben Digitalisierung und KI effizientere Prozesse und Schnittstellen zwischen Reisebüros, Veranstaltern und Leistungsträgern nötig. Auch die Gewinnung und Bindung qualifizierter Fachkräfte bleibe eine wichtige Aufgabe.

„KI ist ein wichtiger Teil der Zukunft – aber sie ist nicht die gesamte Antwort“, sagte Loidl. „Zukunftsfähigkeit entsteht dort, wo Technologie, qualifizierte Menschen und gute Prozesse zusammenspielen.“

KI bereits in Planung und Buchung im Einsatz

Künstliche Intelligenz wird in der Reisewirtschaft bereits in mehreren Bereichen eingesetzt. Reiseveranstalter nutzen entsprechende Anwendungen in unterschiedlichen Prozessen, im Reisevertrieb kommen sie vor allem bei Planung und Buchung zum Einsatz.

KI kann etwa geeignete Reiseverbindungen identifizieren, Angebote erstellen und Buchungsprozesse automatisieren. Während einer Reise können virtuelle Assistenten Informationen zu Verspätungen und Störungen bereitstellen und bei der Suche nach alternativen Verbindungen helfen.

Der DRV unterstützt seine Mitglieder beim Einsatz von KI mit Schulungen, Webseminaren und Informationspapieren.

„Der internationale Wettbewerb hat bei der KI-Entwicklung ein hohes Tempo vorgegeben. Die deutsche Reisewirtschaft muss deshalb in der Lage sein, diese Technologien ebenfalls schnell und sinnvoll einzusetzen“, so Loidl.

KI könne Fachkräfte bei wiederkehrenden Aufgaben entlasten und zugleich das Kundenerlebnis verbessern, erklärte der DRV-Präsident. „Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung durch Menschen.“

Verband warnt vor digitaler Marktmacht

Mit der stärkeren Nutzung von KI wächst aus Sicht des DRV auch die Bedeutung von Daten. Der Verband warnt davor, dass sich digitale Besucher- und Umsatzströme zunehmend auf wenige internationale Technologiekonzerne konzentrieren könnten.

„Wenn wenige globale Plattformen über immer größere Datenbestände und den direkten Zugang zu Kunden verfügen, kann daraus eine erhebliche Marktmacht entstehen“, sagte Loidl. „Das müssen Politik und Gesetzgeber im Blick behalten.“

Der DRV fordert deshalb einen wirksamen Schutz geistigen Eigentums sowie faire Wettbewerbsbedingungen im digitalen Umfeld. Kleine und mittlere Unternehmen sollten zudem beim Aufbau digitaler Kompetenzen unterstützt werden.

DRV fordert verlässlichen Rechtsrahmen

Der Verband sieht die Anhörung des Tourismusausschusses als Anlass, die politischen Rahmenbedingungen für die Reisewirtschaft weiterzuentwickeln. Die Debatte dürfe sich aus seiner Sicht nicht auf einzelne technologische Anwendungen beschränken.

„Die Reisewirtschaft braucht keine Sonderbehandlung. Sie braucht faire Bedingungen, unter denen Unternehmen investieren, innovativ sein und im Wettbewerb bestehen können“, sagte Loidl. Dazu gehörten ein verlässlicher Rechtsrahmen, Schutz vor einer übermäßigen Konzentration digitaler Marktmacht sowie gezielte Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen bei der digitalen Transformation.

Der DRV begrüßt, dass sich der Tourismusausschuss mit der Situation von Reisebüros und Reiseveranstaltern befasst. Beide Bereiche seien aus Sicht des Verbandes ein zentraler Pfeiler des organisierten Reisens in Deutschland. „Die Reisewirtschaft ist bereit für den nächsten Schritt. Jetzt geht es darum, die richtigen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen“, so Loidls Überzeugung.