Air India setzt beim Neustart auf den deutschen Reisemarkt
Air India durchläuft derzeit einen der größten Umbauten ihrer Geschichte. Flotte, Kabinen, Technik und Vertrieb werden neu aufgestellt. Deutschland spielt dabei eine wichtige Rolle. Mit mehr Flügen, besseren Anschlüssen und neuen Vertriebsangeboten will die Airline im Leisure-Geschäft wachsen.

Am Counter entscheidet sich eine Indien-Reise oft nicht am Langstreckenflug, sondern an dem, was danach kommt: Anschluss, Rundreise, Weiterflug, Umbuchung. Genau diese Reisekette will Air India einfacher machen. Der laufende Umbau der Airline soll deshalb nicht nur das Produkt verändern, sondern auch Veranstaltern und Reisebüros in Deutschland neue Möglichkeiten im Indien-Geschäft eröffnen.
Air India baut sich neu auf
Dabei steckt Air India mitten in einem der größten Umbauten ihrer Geschichte. Die Wurzeln der Fluggesellschaft reichen bis in die 1930er-Jahre zurück, als sie als Tata Airlines gegründet wurde. 1953 wurde die Airline verstaatlicht, seit 2022 gehört sie wieder zur Tata Group. Seitdem läuft ein auf fünf Jahre angelegtes Transformationsprogramm, das Flotte, Kabinen, Technik und Vertrieb gleichermaßen erfasst.
Deutschland gehört dabei zu den wichtigsten europäischen Märkten. Im Winterflugplan baut Air India ihr Angebot nach Frankfurt auf insgesamt 19 wöchentliche Flüge aus. Zwischen Delhi und Frankfurt steigt die Frequenz von zwölf auf 13 Verbindungen pro Woche, zwischen Mumbai und Frankfurt von fünf auf sechs.
„Deutschland war und ist für uns ein strategischer Markt. Deshalb haben wir dort auch unser neues Produkt eingeführt“, sagt Manish Puri, Head of Global Sales von Air India und Air India Express, im Gespräch mit TRVL COUNTER.
Frankfurt bekommt neues Bordprodukt
Auf den Strecken nach Frankfurt setzt Air India neue und modernisierte Boeing 787 ein. Delhi–Frankfurt wird mit Maschinen des Typs Boeing 787-9 aus der früheren Vistara-Flotte bedient. Auf Mumbai–Frankfurt kommen die neu ausgelieferten Boeing 787-9 sowie modernisierte Boeing 787-8 zum Einsatz. Deutschland ist damit der erste europäische Markt, auf dem Air India sowohl Flugzeuge der neuen Generation als auch vollständig modernisierte Langstreckenmaschinen einsetzt.

Air India modernisiert ihr Bordprodukt auf der Langstrecke. In der Business Class kommen dabei vollständig flach ausfahrbare Liegesitze und ein überarbeitetes Kabinendesign zum Einsatz.
„Was der Kunde am Ende wirklich wissen will, ist: Wann wird die Kabine modernisiert?“, sagt Manish Puri, Head of Global Sales von Air India und Air India Express. Frankfurt sei deshalb bewusst früh berücksichtigt worden. „Frankfurt war der erste Markt, den wir dafür ausgewählt haben.“
Von den 26 Boeing 787-8 im Bestand sind bislang fünf umgerüstet. Die Modernisierung der gesamten Teilflotte soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Rund die Hälfte des Widebody-Produkts ist bereits modernisiert, bis 2027 sollen es 75 Prozent sein.
Air India hat nach eigenen Angaben rund 600 Flugzeuge bestellt und investiert 400 Millionen US-Dollar in die Modernisierung älterer Kabinen. Mehr als 100 neue Flugzeuge sollen in den kommenden zwei Jahren zur Gruppe stoßen.
Bessere Anschlüsse über Delhi
Air India will die zusätzlichen Kapazitäten zugleich stärker für Rundreisen nutzen. Dabei soll Delhi noch stärker zum Drehkreuz für Reisen durch Indien und darüber hinaus werden.
Rund 55 Prozent der Passagiere aus Frankfurt reisen über Delhi oder Mumbai zu weiteren Zielen innerhalb Indiens weiter. Dazu gehören unter anderem Bengaluru, Kochi, Chennai, Hyderabad, Amritsar, Ahmedabad, Khajuraho, Jaipur, Varanasi, Leh, Srinagar und Guwahati. Weitere 27 Prozent fliegen über die beiden Hubs zu Zielen außerhalb Indiens, etwa nach Bangkok, Phuket, Colombo, Kathmandu, Singapur, Hanoi, Ho-Chi-Minh-Stadt, Sydney oder Melbourne.
Die europäischen Flüge sind inzwischen stärker aufeinander abgestimmt und treffen in Delhi in einem ähnlichen Zeitfenster ein. Viele Weiterflüge lassen sich dadurch mit zwei bis vier Stunden Umsteigezeit erreichen.
Easy Connect soll den Umstieg vereinfachen
Den Transit in Delhi soll zudem der neue Service „Easy Connect“ vereinfachen. Reisende können ihr Gepäck bereits in Frankfurt bis zum endgültigen Ziel in Indien durchchecken. Einreise und Zollformalitäten erfolgen dann erst dort und nicht beim Umstieg in Delhi.
Bislang funktioniert das für Ahmedabad und Amritsar. In den kommenden sechs bis acht Monaten soll Easy Connect auf rund 20 bis 25 indische Städte ausgeweitet werden.
Rajasthan und Kerala im Fokus
Im Leisure-Geschäft sieht Air India vor allem bei Rundreisen Potenzial. Besonders Rajasthan und Kerala seien im Winter bei deutschen Urlaubern gefragt. Auch Goa und Kochi spielen für den Ferienverkehr eine wichtige Rolle.
Daneben will die Airline weitere Ziele stärker für europäische Reisende erschließen. Puri nennt unter anderem Leh und Srinagar im Norden sowie Guwahati im Nordosten Indiens.
Khajuraho und Varanasi wieder leichter kombinierbar
Eine Lücke in klassischen Indien-Rundreisen soll ab dem Winterflugplan wieder kleiner werden. Vom 25. Oktober an soll Khajuraho täglich mit Varanasi verbunden werden. Die Kombination beider Kulturziele sei früher bereits Teil vieler Indien-Rundreisen deutscher und europäischer Gäste gewesen.
„Wir müssen diese Kunden wieder gewinnen“, sagt Puri. Die neue Verbindung soll die Reiseplanung über Khajuraho und Varanasi wieder erleichtern.
Air India setzt auf Veranstalter
Eine Schlüsselrolle beim Ausbau des deutschen Leisure-Geschäfts spielt der Reisevertrieb. Air India arbeitet neben Reisebüros auch mit Veranstaltern, Online-Portalen, Geschäftsreiseanbietern und Consolidators zusammen. In Deutschland zählt unter anderem AER zu den Partnern.
Im Sommer waren Teams aus Revenue Management und Marketing bei deutschen Veranstaltern zu Gesprächen vor Ort. Zu den Unternehmen gehörte auch TUI. Dabei ging es darum, Angebote stärker auf die Anforderungen des deutschen Marktes zuzuschneiden.

Manish Puri verantwortet den globalen Vertrieb von Air India und Air India Express. Deutschland zählt für ihn zu den strategisch wichtigen europäischen Märkten der Airline.
Air India will dabei nicht mit einem fertigen Indien-Produkt an den Counter kommen. „Wir wollen nicht kommen und den Partnern sagen, wie sie Indien verkaufen sollen“, sagt Puri. Entscheidend sei vielmehr, gemeinsam herauszufinden, welche Produkte gefragt seien und womit Veranstalter gut arbeiten könnten.
Auch gemeinsame Marken- und Marketingaktivitäten sind geplant. Sie sollen sowohl das neue Bordprodukt als auch Indien-Reisen stärker in den deutschen Markt bringen.
NPS steigt auf den Deutschland-Strecken
Auch beim Net Promoter Score meldet Air India deutliche Verbesserungen. Der NPS misst auf einer Skala von minus 100 bis plus 100, wie wahrscheinlich Kunden ein Unternehmen oder Produkt weiterempfehlen.
Auf den Deutschland-Strecken ist der Wert nach Unternehmensangaben von minus 45 auf plus 25 gestiegen. Auf Mumbai–Frankfurt, wo Air India seit Februar 2026 eine neue Boeing 787-9 einsetzt, liegt er bei rund plus 50.
Ravi Teja Sharma, Associate Vice President Corporate Communications bei Air India, führt die Entwicklung vor allem auf das modernisierte Bordprodukt zurück. Mit neuen und umgerüsteten Flugzeugen habe sich die Kundenerfahrung deutlich verbessert.
Auch Puri sieht darin eine Bestätigung für den eingeschlagenen Kurs. „Das neue Produkt hat uns viel Zuversicht gegeben“, sagt er. Mit jeder weiteren modernisierten Maschine solle sich die Kundenerfahrung weiter verbessern.
Kampagne begleitet den Neustart
Seit dem 7. September wirbt Air India mit der Kampagne „Fell in Love“ in Deutschland. Sie läuft unter anderem in Frankfurt, Berlin, Köln, Stuttgart und Düsseldorf und soll bis zum 31. Oktober die Markenbekanntheit steigern und die Airline stärker ins Relevant Set der Kunden bringen.
Zum Einsatz kommen unter anderem Connected TV, digitale Werbung, Social Media, Podcasts, Außenwerbung, Transitmedien, Online-Reiseportale, Metasuche und B2B-Partnerplattformen.
Im Mittelpunkt steht zugleich das modernisierte Bordprodukt. Dazu gehören vollständig flach ausklappbare Sitze in der Business Class und eine neue Premium Economy. Gerade in dieser Zwischenklasse sieht Air India Nachfrage. Nicht jeder könne oder wolle Business Class bezahlen, viele Reisende wünschten sich aber mehr Komfort als in der Economy, erläutert Sharma.
Air India Express ergänzt das Netz
Für Reisen abseits der großen indischen Metropolen soll Air India Express stärker ins Spiel kommen. Die Schwestergesellschaft bedient vor allem Inlands- und Regionalstrecken und ist inzwischen auch in das gemeinsame Bonusprogramm Maharaja Club integriert.
Wer aus Frankfurt über Air India in eine kleinere indische Stadt reist, die von der Hauptgesellschaft nicht bedient wird, könne seine Reise mit Air India Express fortsetzen, erläutert Sharma. Punkte lassen sich bei beiden Airlines sammeln und einlösen.
Für Veranstalter schafft das zusätzliche Möglichkeiten bei Rundreisen, Badeverlängerungen und individuell zusammengestellten Bausteinen.
NDC ergänzt klassische Vertriebswege
Parallel zum Bordprodukt hat Air India auch die Technik hinter dem Vertrieb erneuert. Insgesamt investiert die Airline nach eigenen Angaben rund 200 Millionen US-Dollar in IT und digitale Systeme. 140 IT-Systeme wurden bereits ersetzt oder modernisiert.
Die Airline wechselte beim Reservierungssystem von Sabre zu Amadeus und führte ein neues Revenue-Management-System ein. Darüber steuert sie unter anderem Preise und Verfügbarkeiten.
Für Reisebüros und Veranstalter besonders relevant ist NDC. Der von der IATA entwickelte Datenstandard soll Airlines ermöglichen, Tarife, Zusatzleistungen und Produktinformationen umfangreicher über Vertriebspartner auszuspielen als über klassische Buchungswege allein. Air India bezeichnet sich dabei als frühen Anwender.

Mit neuen und modernisierten Boeing 787 treibt Air India den Umbau ihres Langstreckenprodukts voran.
Im Reisebürovertrieb laufen Flugangebote traditionell häufig über globale Distributionssysteme, kurz GDS. Sie bündeln Inhalte verschiedener Airlines und stellen diese für Buchungssysteme bereit. NDC ergänzt diese Strukturen um einen weiteren technischen Zugang zu den Angeboten der Airline.
Air India hat zudem ein Online-Tool für Gruppenbuchungen aufgebaut. Ergänzend gibt es einen rund um die Uhr erreichbaren Support für Vertriebspartner. „All diese Dinge gab es vor zweieinhalb oder drei Jahren noch nicht“, sagt Puri.
Gruppentool und Support rund um die Uhr
Air India hat zudem ein Online-Tool für Gruppenbuchungen aufgebaut. Gruppenanfragen sollen damit nicht mehr ausschließlich über manuelle Prozesse laufen. Ergänzend gibt es einen rund um die Uhr erreichbaren Support für Vertriebspartner.
„All diese Dinge gab es vor zweieinhalb oder drei Jahren noch nicht“, so Puri. Außerhalb Indiens hätten Reisebüros zuvor kaum verlässliche Unterstützung erhalten. Deshalb habe Air India den 24/7-Support, das Gruppentool und weitere Vertriebsangebote aufgebaut.
Auch Website und App wurden im Zuge des Technologieumbaus erneuert. Insgesamt investiert Air India nach eigenen Angaben rund 200 Millionen US-Dollar in ihre IT-Systeme – vom Reservierungs- und Revenue Management bis zu den direkten Buchungskanälen.
Für den Vertrieb zählt am Ende allerdings weniger, was im Maschinenraum der Buchungstechnik passiert. Entscheidend ist, ob Tarife und Zusatzleistungen verfügbar sind und Reisebüros auch nach der Buchung Unterstützung bekommen – etwa bei Änderungen oder Umbuchungen.
Felix Hormel

