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Verschiebungen im Reiseverkehr
27.07.26, 08:30 Uhr

Nahostkrise lenkt Luxusreisen in neue Bahnen

Sicherheitsbedenken und Einschränkungen im Luftverkehr verändern den Reisemarkt – auch im Luxussegment. Veranstalter Feinreisen registriert einen starken Rückgang für die Golfregion, während Urlaubsziele in Europa, Kanada und Afrika sowie der Indische Ozean von der Entwicklung profitieren.

Exklusive Lodges und Naturerlebnisse gewinnen bei Luxusreisenden angesichts geopolitischer Unsicherheiten an Bedeutung. iStock/jacoblund
​Der anhaltende Nahostkonflikt sorgt für spürbare Verschiebungen im internationalen Reiseverkehr. Ein gestiegenes Sicherheitsbedürfnis der Urlauber und Disruptionen am Himmel beeinflussen die Nachfrage ebenso wie die Erreichbarkeit vieler Ziele. Davon bleibt auch das Luxussegment nicht verschont.

Beim Luxusreiseveranstalter Feinreisen, einer Marke der America Unlimited Gruppe, ist die Nachfrage nach Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate und den Oman nach eigenen Angaben um rund 90 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig profitierten klassische Urlaubsziele in Europa, Kanada und Afrika von der Verlagerung der Nachfrage. Der Indische Ozean entwickele sich entgegen dem allgemeinen Markttrend stabil.

Sicherheit beeinflusst Reiseentscheidungen

Luxusreisende, so die Einsicht bei Feinreisen, reagierten besonders sensibel auf geopolitische Krisen. „Luxusreisende legen traditionell großen Wert auf Sicherheit und Stabilität. Das hat sich bereits in früheren Krisen gezeigt und bestätigt sich auch jetzt wieder“, beobachtet Melf Türkis, Director Business Development & Product beim Mutterkonzern America Unlimited. „Reiseentscheidungen werden in diesem Segment weniger vom Preis als vom persönlichen Sicherheitsgefühl bestimmt.“

Südeuropa legt deutlich zu

Besonders gefragt bei Feinreisen seien derzeit klassische Mittelmeerziele. Griechenland, Spanien, Italien – insbesondere die Toskana und Sizilien – sowie Portugal verzeichneten ein Buchungsplus von rund 150 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Nach Einschätzung von Feinreisen wurden viele dieser Reisen zudem bereits gebucht, bevor die jüngste Hitzewelle große Teile Europas erfasste. Die Zuwächse fallen trotzallem umso stärker aus, als hochwertige Hotels und Reiseleistungen zuletzt deutlich teurer geworden sind.

Auch Kanada zählt mit einem Plus von rund 200 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu den Gewinnern bei Feinreisen. Ob dies ausschließlich auf den Nahostkonflikt zurückzuführen sei oder auch auf eine Verlagerung von Reisen in die USA unter Präsident Trump, lasse sich nicht eindeutig beantworten. Obschon die Nachfrage nach den USA zuletzt merklich um rund 30 Prozent gesunken sei.

Indischer Ozean bleibt gefragt

Während andere Veranstalter rückläufige Buchungen für den Indischen Ozean beobachten, registriert Feinreisen für die Malediven, Mauritius und die Seychellen bislang keine vergleichbare Entwicklung. Grund für die allgemeine Marktentwicklung seien eingeschränkte Flugverbindungen über wichtige Drehkreuze wie Dubai, Abu Dhabi oder Doha, die längere Reisezeiten oder Umwege erforderlich machten.

„Unsere Gäste sind bereit, für komfortablere Flugverbindungen höhere Preise zu zahlen“, sagt Türkis. „Sie nutzen häufiger Direktflüge oder alternative Umsteigeverbindungen, beispielsweise über Singapur. Dadurch bleiben viele Destinationen im Indischen Ozean für sie weiterhin problemlos erreichbar.“

Afrika setzt Wachstum fort

Unabhängig von den aktuellen geopolitischen Entwicklungen wächst die Nachfrage nach Reisen ins südliche und östliche Afrika bei Feinreisen nach eigenen Angaben seit Jahren. Südafrika, Namibia, Botswana sowie Kenia, Uganda und Tansania liegen derzeit rund 110 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Als wichtigen Grund nennt der Veranstalter die Kombination aus Safari-Erlebnissen und Badeaufenthalten, etwa auf Sansibar oder Mauritius. Diese Reisen seien für Luxusurlauber, die ursprünglich einen Aufenthalt am Arabischen Golf mit einem Strandurlaub verbinden wollten, eine attraktive Alternative.