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Marktanalyse 2026
08.07.26, 11:51 Uhr

DRV sieht Last-Minute-Geschäft wieder anziehen

Der Reisemarkt wächst weiter, allerdings langsamer als erwartet. Der DRV rechnet für Sommer und Gesamtjahr nur noch mit einem Umsatzplus von jeweils einem, statt drei Prozent. Rückenwind geben Mittelmeerreisen, Kreuzfahrten und zuletzt wieder ein stärkeres Kurzfristgeschäft.

DRV-Präsident Albin Loidl erwartet für den Sommer 2026 trotz wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheiten ein leichtes Wachstum des Reisemarktes. Foto: DRV
Trotz geopolitischer Krisen und wirtschaftlicher Unsicherheiten bleibt die Reiselust der Deutschen hoch. Der Deutsche Reiseverband (DRV) rechnet für die Sommersaison 2026 mit einem Umsatzplus von einem Prozent auf knapp 57 Milliarden Euro. Wachstumstreiber seien vor allem Reisen ins Mittelmeer sowie Kreuzfahrten. Fernreisen blieben dagegen hinter den Erwartungen zurück.

Prognose fällt schwächer aus als zu Jahresbeginn

Für das gesamte Touristikjahr 2025/2026 erwartet der DRV einen Umsatz von knapp 85 Milliarden Euro. Das entspräche ebenfalls einem Plus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit fällt die Prognose allerdings niedriger aus als noch zu Jahresbeginn. Damals war der Verband von einem Umsatzwachstum von jeweils drei Prozent für Sommer und Gesamtjahr ausgegangen. 

Die Prognose umfasst den gesamten Markt der Urlaubs- und Freizeitreisen mit mindestens einer Übernachtung. Berücksichtigt werden sowohl Pauschal- und Bausteinreisen als auch individuell organisierte Urlaubsreisen. Rund die Hälfte des Umsatzes entfällt auf Veranstalterreisen.

Last-Minute-Geschäft gewinnt an Dynamik

Ein großer Teil der Sommerreisen wurde demnach bereits Ende vergangenen Jahres gebucht. Nach Beginn der Nahostkrise gingen die Neubuchungen zunächst zurück. Seit Ende Mai ziehen die Buchungseingänge jedoch wieder an und liegen kontinuierlich über dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig buchten viele Urlauber ihre Reisen derzeit kurzfristig.

„Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die Menschen möchten weiterhin reisen“, resümiert DRV-Präsident Albin Loidl. Gleichzeitig beobachte man ein verändertes Buchungsverhalten. Viele Verbraucher würden sich derzeit kurzfristiger entscheiden und ihre Reiseentscheidung aufgrund der geopolitischen Entwicklungen sorgfältiger abwägen. Das, so Loidl, „führt zu einer zeitlichen Verschiebung der Buchungen – nicht aber zu einem grundsätzlichen Rückgang“

Viele Reisende achten demnach stärker auf das Preis-Leistungs-Verhältnis und entscheiden sich häufiger für Pauschal- und All-inclusive-Reisen.

„Gerade jetzt zeigt sich auch der Mehrwert professioneller Beratung“, ist Loidl überzeugt. „Reisebüros helfen Kunden dabei, in einem unsicheren Umfeld die passende Entscheidung zu treffen, und stehen vor, während und nach der Reise beratend zur Seite“, so Loidl.

Mittelmeerziele und Kreuzfahrten legen zu

Besonders gefragt sind Reisen in die westliche und östliche Mittelmeerregion. Zu den meistgebuchten Flugpauschalreisezielen zählen die Türkei, Spanien und Griechenland. Die Nachfrage für die Türkei und Ägypten stabilisiert sich wieder, nachdem sie zu Beginn der Nahostkrise zeitweise zurückgegangen war.

Auch der Markt mit Hochseereisen bleibt auf Wachstumskurs. „Bei den Kreuzfahrten rechnen wir für dieses Jahr mit einem weiterwachsenden Markt – die Entwicklung aus dem Vorjahr setzt sich damit fort“, sagt Loidl.

Darüber hinaus erwartet der DRV in diesem Sommer eine stärkere Nachfrage nach Auto-, Bus- und Bahnreisen innerhalb Deutschlands sowie in die Nachbarländer.

Fernreisen bleiben unter Vorjahresniveau

Schwieriger entwickele sich weiterhin das Fernreisegeschäft. Sowohl im Sommer als auch im gesamten Touristikjahr blieben Fernreisen hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück und lägen unter dem Vorjahresniveau.

Als Ursache sieht der DRV vor allem die Reisewarnungen für viele arabische Länder im März und April infolge des Nahostkriegs. Dadurch konnten wichtige Umsteigeflughäfen im Nahen Osten für Asienreisen über Wochen nicht genutzt werden. Das Fernreisegeschäft erhole sich inzwischen langsam.

„Die Tourismusbranche hat in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, wie resilient sie ist“, macht Loidl Mut. Die Erfahrung zeige: „Sobald sich das Umfeld stabilisiert, kehrt auch die Nachfrage schnell zurück. Deshalb blicken wir trotz der aktuellen Herausforderungen insgesamt zuversichtlich auf die weitere Entwicklung des Reisemarktes“, so Loidl.