Anzeige
Tats-Analyse
17.06.26, 14:50 Uhr

Kreuzfahrten stemmen sich gegen den Abwärtstrend im Vertrieb

Der Abschwung im deutschen Reisevertrieb setzt sich fort: Der fakturierte Gesamtumsatz bleibt im Mai unter Vorjahr, der touristische Auftragseingang bricht mit fast minus 28 Prozent abermals ein – und stärker als zuvor. Einzig das Geschäft mit Hochseereisen zeigt gegenläufige Signale.

Kreuzfahrten bleiben im Reisevertrieb einer der wenigen Wachstumstreiber und entwickeln sich derzeit stabiler als andere Segmente. Symbolbild: KI-generiert.

Der aktuelle Reisebürospiegel des Backoffice-Dienstleisters Tats für Mai 2026 zeichnet kein freundlicheres Bild als im Vormonat: Zwar fällt das Umsatzminus im Mai moderater aus als im April – der strukturelle Druck durch einbrechende Neubuchungen bleibt aber unverändert hoch.

Fakturierte Umsätze wieder im Minus

Der Gesamtumsatz der erfassten Reisebüros liegt im Mai 2026 mit minus 1,4 Prozent unter dem Vorjahresmonat – kumuliert über die ersten fünf Monate des Jahres liegt der Wert jedoch noch auf Vorjahresniveau.

Der Touristikumsatz inklusive Kreuzfahrten verzeichnete im Mai ein Plus von 2,3 Prozent gegenüber Mai 2025, über das gesamte Geschäftsjahr hinweg liegt der Wert allerdings bei minus drei Prozent. Das Geschäft mit Hochseereisen für sich genommen entwickelt sich dabei wieder als Stütze: plus sechs Prozent im Mai (April: minus 14,9 %), kumuliert ein schmales Plus von 0,4 Prozent (April: minus 1,1 %).

Negativ entwickelte sich erneut der Flugbereich: minus fünf a gegenüber Mai 2025, kumuliert ergibt sich auch hier ein hauchdünnes Plus von 0,3 Prozent. Die Anzahl der ausgestellten Tickets sinkt jedoch deutlich um 11,4 Prozent im Monatsvergleich – ein Signal, dass gestiegene Ticketpreise das Gesamtbild schönen, und nicht mehr Buchungen.

Die sonstigen Umsätze – etwa Versicherungen, Mietwagen oder Servicepauschalen – legten im Mai um 1,3 Prozent zu, kumuliert sogar um 5,4 Prozent.

Neugeschäft bricht weiter ein

Wirklich besorgniserregend fällt abermals der Blick aufs Neugeschäft aus: Der touristische Auftragseingang lag im Mai mit minus 27,4 Prozent weiter stark unter dem Vorjahr. Auch der Kreuzfahrtbereich kommt mit minus 24,2 Prozent nicht glimpflich davon – der Negativtrend verfestigt sich hier zunehmend.

Der Auftragsbestand der touristischen Buchungen nach Reisedatum bis Oktober 2026 liegt mit minus vier Prozent unter dem Vorjahresmonat – ein Zeichen, dass der einbrechende Auftragseingang der vergangenen Monate nun spürbar auf den Bestand durchschlägt. Einziger Lichtblick: Der Kreuzfahrtbereich im Bestand verzeichnet ein Plus von 3,7 Prozent gegenüber 2025.

Einordnung: Vertrieb bleibt unter Druck

Die Zahlen für Mai bestätigen das Bild, das sich seit Jahresbeginn, spätestens seit Ausbruch des Irankriegs im Nahen Osten abzeichnet: Während abgerechnetes Altgeschäft den Gesamtumsatz noch stützt, bricht das Neugeschäft heftig ein. Der Auftragseingang im Mai liegt mit minus 27,4 Prozent sogar noch tiefer als im April (minus 19,3 %) – eine weitere Verschärfung, auch gegenüber März (minus 21 %).

Positiv entwickelt sich dagegen das Kreuzfahrtgeschäft. Nach dem Rückgang im April legten die fakturierten Umsätze im Mai wieder zu und auch der Auftragsbestand liegt über Vorjahr.

Für die kommenden Wochen wird entscheidend sein, ob sich dieser Trend abschwächt oder weiter verfestigt – insbesondere mit Blick auf die Buchungsintensität für den Sommer, das Kurzfristgeschäft, sowie die Reisesaison 2026/2027, die die Veranstalter nach und nach zur Buchung freigeben.

Felix Hormel