Stimmung am Counter – freier Fall im Keller gestoppt
Ein vorsichtiges Lebenszeichen: Das Stimmungsbarometer zeigt erstmals seit Monaten wieder aufwärts, wenn schon nur minimal. Die Verbesserungen kommen vor allem daher, dass weniger Reisebüros ihre Lage negativ bewerten. Der Schritt geht von „schlecht“ zu „unverändert“, der Sprung zu „gut“ bleibt vorerst aus.

Nach monatelanger Talfahrt zeigt die Stimmung im Reisevertrieb wieder minimal nach oben. Der touristische Vertriebsklima-Index steigt im Juni von 74 auf 75,5 Zähler. Von einer Erholung oder gar einem Lichtblick kann jedoch keine Rede sein: Das Stimmungsbarometer bewegt sich im Keller, mit Werten so niedrig wie zuletzt im Corona-Frühjahr 2021.
Für das zaghafte Plus sorgen sowohl eine bessere Bewertung der aktuellen Geschäftslage als auch etwas stabilere Erwartungen. Der Lageindex steigt von 73,7 auf 75,1 Punkte, der Erwartungsindex von 74,4 auf knapp 76 Punkte.
Lage bleibt schwierig
Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage hellt sich leicht auf. 10,7 Prozent der Reisebüros bewerten ihre Situation als gut, nach 8,7 Prozent im Mai. Der Anteil negativer Bewertungen sinkt leicht von 53,2 auf 52,7 Prozent. Nur noch 36,6 Prozent sprechen von einer befriedigenden Lage, nach immerhin 38,1 Prozent im Vormonat.
Verkaufsschwäche lässt ganz leicht nach
Auch bei den Verkaufszahlen entspannt sich das Bild leicht. 77 Prozent der Reisebüros berichten von rückläufigen Umsätzen in den vergangenen zwei bis drei Monaten gegenüber dem Vorjahr. Im Mai waren es noch 83,5 Prozent. 5,3 Prozent melden steigende Verkäufe, nach vier Prozent im Vormonat. Der Anteil stabiler Umsätze steigt von 12,4 auf 17,6 Prozent.
Erwartungen bleiben verhalten
Der Blick nach vorn bleibt ebenso verhalten. 58,8 Prozent der Befragten rechnen in den kommenden sechs Monaten mit sinkender Nachfrage. Im Mai lag dieser Wert noch bei 67,2 Prozent. Gleichzeitig sinkt der Anteil der Optimisten von 7,5 auf rund sechs Prozent. Deutlich mehr Reisebüros erwarten eine stabile Nachfrage: Ihr Anteil steigt von 25,3 auf 35 Prozent.
Erträge bleiben unter Druck
Bei den Erträgen überwiegt weiter die Skepsis. 64 Prozent der Reisebüros rechnen in den kommenden sechs Monaten mit sinkenden Einnahmen, nach 69,5 Prozent im Mai. Nur noch 4,6 Prozent erwarten steigende Erträge, nach 6,4 Prozent im Vormonat. Der Anteil stabiler Ertragserwartungen steigt von 24,1 auf 31,3 Prozent.
Noch keine Trendwende
Der leichte Anstieg des Vertriebsklima-Index signalisiert weniger einen Stimmungsumschwung als eine vorsichtige Stabilisierung. Auffällig ist, dass die Zugewinne vor allem auf die Kategorie „unverändert“ entfallen. Der Anstieg kommt insgesamt also weniger daher, dass plötzlich deutlich mehr Reisebüros optimistisch würden. Vielmehr verschiebt sich ein Teil der Antworten aus dem negativen Lager in die neutrale Kategorie.
Der Reisevertrieb verlässt den Krisenmodus damit weiterhin nicht. Von einer nachhaltigen Trendwende ist der Counter noch ein ganzes Stück entfernt.
Die Erhebung wird regelmäßig von der Unternehmensberatung Dr. Fried & Partner durchgeführt. An der aktuellen Befragung nahmen 262 Reisebüros (Mai: 266) teil, die sowohl den stationären als auch den Online-Vertrieb von Urlaubsreisen abdecken. Der Großteil stammt aus dem mittelständischen Leisure-Segment.

