Interview mit Nicolas Kitzki, Ikarus Tour...05.06.26, 12:00 Uhr
Ikarus Tours: „Die Menschen suchen heute wieder nach Orten, die größer sind als sie selbst“
Die Nachfrage nach Expeditionsreisen in die Polarregionen wächst seit Jahren. Immer mehr Menschen erfüllen sich den Traum von einer Reise in die Arktis oder Antarktis. Doch was fasziniert Reisende an Eis, Kälte und Abgeschiedenheit? Und warum wirken diese Regionen oft weit über die Reise hinaus nach? Darüber spricht Nicolas Kitzki, CEO von Ikarus Tours und Geschäftsführer von Polarnews.

BU: Nicolas Kitzki, Geschäftsführer von Ikarus Tours, erläutert, warum Reisen in die Arktis und Antarktis immer mehr Menschen faszinieren. Foto: Ikarus
Herr Kitzki, warum zieht es eigentlich immer mehr Menschen in die Arktis und Antarktis?
Ich glaube, weil viele Menschen heute nach etwas suchen, das in unserem Alltag selten geworden ist: echte Ruhe, echte Natur und echte Emotionen. Wir leben in einer Zeit permanenter Erreichbarkeit. Viele Menschen stehen ständig unter Strom. Die Polarregionen bieten das genaue Gegenteil. Dort erleben Reisende eine Natur, die größer ist als alles, was sie aus ihrem Alltag kennen. Diese Erfahrung berührt viele Menschen tief.
Die Polarregionen gelten auf den ersten Blick nicht unbedingt als klassische Traumreiseziele. Was macht ihre Anziehungskraft aus?
Stimmt, wer an Urlaub denkt, denkt oft an Sonne, Strand oder Städte. Die Arktis und Antarktis funktionieren völlig anders. Dort gibt es keine touristischen Attraktionen im klassischen Sinn. Die Landschaft selbst ist die Attraktion. Gewaltige Eisberge, riesige Gletscher, eine unglaubliche Weite und diese besondere Stille. Viele Menschen erleben dort zum ersten Mal seit Jahren das Gefühl, wirklich zur Ruhe zu kommen.
Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Reise in eine Polarregion?
Sehr gut sogar. Ich weiß noch genau, wie ich morgens an Deck stand und die ersten Eisberge gesehen habe. Diese Dimensionen kann man sich vorher kaum vorstellen. Besonders beeindruckt hat mich die Stille. Es gibt Momente, in denen man nichts hört außer Wind oder das entfernte Ausatmen eines Wals. Das war für mich damals fast überwältigend.
Sie begleiten seit vielen Jahren Expeditionsreisen. Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Ja, eine Begegnung mit einem Buckelwal in der Antarktis. Wir waren mit einem Zodiac unterwegs, zwischen Eisbergen und spiegelglattem Wasser. Plötzlich tauchte nur wenige Meter neben uns ein Wal auf. Zuerst hörten wir nur sein kräftiges Ausatmen. Dann erschien dieser gewaltige Körper direkt neben dem Boot. Niemand sagte mehr ein Wort. Für einige Sekunden schien die Zeit stillzustehen. Solche Momente lassen sich nicht planen. Genau deshalb bleiben sie oft ein Leben lang in Erinnerung.
Was lösen solche Begegnungen bei den Gästen aus?
Oft sehr starke Emotionen. Manche Gäste sind sprachlos, andere haben Tränen in den Augen. Nicht weil etwas spektakulär oder laut ist, sondern weil diese Begegnungen so authentisch sind. Man spürt plötzlich wieder, wie eng wir eigentlich mit der Natur verbunden sind. Viele Menschen erleben dabei eine Form von Demut, die sie aus ihrem Alltag kaum noch kennen.
Das sind wohl sehr prägende Momente…
Ja, und sie holen Menschen aus ihrer Komfortzone und gleichzeitig zu sich selbst zurück. Vor einem gewaltigen Gletscher oder einer endlosen Eislandschaft verlieren viele Alltagsprobleme plötzlich an Bedeutung. Man bekommt eine neue Perspektive auf die eigenen Themen und auf die Welt insgesamt.
Welche Rolle spielen Tiere für die Faszination der Polarregionen?
Eine große Rolle. Pinguine, Wale, Robben oder Eisbären gehören natürlich zu den Höhepunkten jeder Expedition. Aber entscheidend ist, dass diese Begegnungen nicht inszeniert sind. Die Tiere leben dort in ihrem natürlichen Lebensraum. Wir sind nur Besucher. Genau das unterscheidet eine Expeditionsreise von vielen anderen Reiseformen.
Viele Reisende nennen die Nordlichter als weiteren emotionalen Höhepunkt. Können Sie das nachvollziehen?
Absolut. Die Aurora Borealis gehört zu den beeindruckendsten Naturphänomenen überhaupt. Ich habe Gäste erlebt, die stundenlang nachts an Deck standen und kaum ein Wort gesprochen haben. Wenn grüne und violette Lichtschleier über den Himmel tanzen, entsteht eine Atmosphäre, die man nur schwer beschreiben kann. Fotos können diese Wirkung kaum wiedergeben. Man muss es erleben.
Gleichzeitig werden die Polarregionen oft als Symbol für den Klimawandel wahrgenommen. Spielt das für Reisende eine Rolle?
Ja, zunehmend. Viele Gäste reisen nicht nur aus Abenteuerlust in die Polarregionen. Sie möchten verstehen, wie diese Regionen funktionieren und warum sie so schützenswert sind. Gerade dort werden Veränderungen sichtbar, die in anderen Teilen der Welt weniger offensichtlich erscheinen. Das schafft ein Bewusstsein für die Fragilität dieser Ökosysteme.
Lässt sich sagen, dass moderne Expeditionsreisen deutlich anders sind als klassischen Kreuzfahrten?
Sehr deutlich. Das Erlebnis steht im Mittelpunkt. An Bord begleiten Wissenschaftler, Historiker, Biologen und Polar-Experten die Reise. Gäste erhalten Hintergrundwissen über Natur, Tierwelt, Geschichte und Klimaforschung. Dadurch entsteht ein ganz anderer Zugang zu den bereisten Regionen. Viele kommen nicht nur mit Fotos zurück, sondern auch mit neuem Wissen und einem tieferen Verständnis für diese Welt.
Hat sich auch die Zielgruppe verändert?
Definitiv. Früher waren Polarreisen eher ein Nischenprodukt für wenige Spezialisten. Heute kommen Gäste aller Altersgruppen. Viele sparen jahrelang auf diese Reise. Andere erfüllen sich einen Lebenstraum zum runden Geburtstag oder nach einem wichtigen Lebensereignis. Was alle verbindet, ist der Wunsch nach einer außergewöhnlichen Erfahrung, die über einen normalen Urlaub hinausgeht.
Warum glauben Sie, dass die Nachfrage nach Arktis- und Antarktisreisen weiter wachsen wird?
Weil die Sehnsucht nach Authentizität wächst. Viele Menschen haben das Gefühl, dass ihr Alltag immer digitaler, schneller und künstlicher wird. Die Polarregionen bieten das genaue Gegenteil. Dort erlebt man Natur in ihrer ursprünglichsten Form. Das ist etwas, das man nicht streamen, nicht downloaden und nicht künstlich erzeugen kann.
Wenn Sie die Faszination der Polarregionen in einem Satz zusammenfassen müssten – wie würde dieser lauten?
Die Arktis und Antarktis erinnern uns daran, dass es auf dieser Welt noch Orte gibt, an denen die Natur größer ist als der Mensch.
Danke fürs Gespräch!
Ich glaube, weil viele Menschen heute nach etwas suchen, das in unserem Alltag selten geworden ist: echte Ruhe, echte Natur und echte Emotionen. Wir leben in einer Zeit permanenter Erreichbarkeit. Viele Menschen stehen ständig unter Strom. Die Polarregionen bieten das genaue Gegenteil. Dort erleben Reisende eine Natur, die größer ist als alles, was sie aus ihrem Alltag kennen. Diese Erfahrung berührt viele Menschen tief.
Die Polarregionen gelten auf den ersten Blick nicht unbedingt als klassische Traumreiseziele. Was macht ihre Anziehungskraft aus?
Stimmt, wer an Urlaub denkt, denkt oft an Sonne, Strand oder Städte. Die Arktis und Antarktis funktionieren völlig anders. Dort gibt es keine touristischen Attraktionen im klassischen Sinn. Die Landschaft selbst ist die Attraktion. Gewaltige Eisberge, riesige Gletscher, eine unglaubliche Weite und diese besondere Stille. Viele Menschen erleben dort zum ersten Mal seit Jahren das Gefühl, wirklich zur Ruhe zu kommen.
Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Reise in eine Polarregion?
Sehr gut sogar. Ich weiß noch genau, wie ich morgens an Deck stand und die ersten Eisberge gesehen habe. Diese Dimensionen kann man sich vorher kaum vorstellen. Besonders beeindruckt hat mich die Stille. Es gibt Momente, in denen man nichts hört außer Wind oder das entfernte Ausatmen eines Wals. Das war für mich damals fast überwältigend.
Sie begleiten seit vielen Jahren Expeditionsreisen. Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Ja, eine Begegnung mit einem Buckelwal in der Antarktis. Wir waren mit einem Zodiac unterwegs, zwischen Eisbergen und spiegelglattem Wasser. Plötzlich tauchte nur wenige Meter neben uns ein Wal auf. Zuerst hörten wir nur sein kräftiges Ausatmen. Dann erschien dieser gewaltige Körper direkt neben dem Boot. Niemand sagte mehr ein Wort. Für einige Sekunden schien die Zeit stillzustehen. Solche Momente lassen sich nicht planen. Genau deshalb bleiben sie oft ein Leben lang in Erinnerung.
Was lösen solche Begegnungen bei den Gästen aus?
Oft sehr starke Emotionen. Manche Gäste sind sprachlos, andere haben Tränen in den Augen. Nicht weil etwas spektakulär oder laut ist, sondern weil diese Begegnungen so authentisch sind. Man spürt plötzlich wieder, wie eng wir eigentlich mit der Natur verbunden sind. Viele Menschen erleben dabei eine Form von Demut, die sie aus ihrem Alltag kaum noch kennen.
Das sind wohl sehr prägende Momente…
Ja, und sie holen Menschen aus ihrer Komfortzone und gleichzeitig zu sich selbst zurück. Vor einem gewaltigen Gletscher oder einer endlosen Eislandschaft verlieren viele Alltagsprobleme plötzlich an Bedeutung. Man bekommt eine neue Perspektive auf die eigenen Themen und auf die Welt insgesamt.
Welche Rolle spielen Tiere für die Faszination der Polarregionen?
Eine große Rolle. Pinguine, Wale, Robben oder Eisbären gehören natürlich zu den Höhepunkten jeder Expedition. Aber entscheidend ist, dass diese Begegnungen nicht inszeniert sind. Die Tiere leben dort in ihrem natürlichen Lebensraum. Wir sind nur Besucher. Genau das unterscheidet eine Expeditionsreise von vielen anderen Reiseformen.
Viele Reisende nennen die Nordlichter als weiteren emotionalen Höhepunkt. Können Sie das nachvollziehen?
Absolut. Die Aurora Borealis gehört zu den beeindruckendsten Naturphänomenen überhaupt. Ich habe Gäste erlebt, die stundenlang nachts an Deck standen und kaum ein Wort gesprochen haben. Wenn grüne und violette Lichtschleier über den Himmel tanzen, entsteht eine Atmosphäre, die man nur schwer beschreiben kann. Fotos können diese Wirkung kaum wiedergeben. Man muss es erleben.
Gleichzeitig werden die Polarregionen oft als Symbol für den Klimawandel wahrgenommen. Spielt das für Reisende eine Rolle?
Ja, zunehmend. Viele Gäste reisen nicht nur aus Abenteuerlust in die Polarregionen. Sie möchten verstehen, wie diese Regionen funktionieren und warum sie so schützenswert sind. Gerade dort werden Veränderungen sichtbar, die in anderen Teilen der Welt weniger offensichtlich erscheinen. Das schafft ein Bewusstsein für die Fragilität dieser Ökosysteme.
Lässt sich sagen, dass moderne Expeditionsreisen deutlich anders sind als klassischen Kreuzfahrten?
Sehr deutlich. Das Erlebnis steht im Mittelpunkt. An Bord begleiten Wissenschaftler, Historiker, Biologen und Polar-Experten die Reise. Gäste erhalten Hintergrundwissen über Natur, Tierwelt, Geschichte und Klimaforschung. Dadurch entsteht ein ganz anderer Zugang zu den bereisten Regionen. Viele kommen nicht nur mit Fotos zurück, sondern auch mit neuem Wissen und einem tieferen Verständnis für diese Welt.
Hat sich auch die Zielgruppe verändert?
Definitiv. Früher waren Polarreisen eher ein Nischenprodukt für wenige Spezialisten. Heute kommen Gäste aller Altersgruppen. Viele sparen jahrelang auf diese Reise. Andere erfüllen sich einen Lebenstraum zum runden Geburtstag oder nach einem wichtigen Lebensereignis. Was alle verbindet, ist der Wunsch nach einer außergewöhnlichen Erfahrung, die über einen normalen Urlaub hinausgeht.
Warum glauben Sie, dass die Nachfrage nach Arktis- und Antarktisreisen weiter wachsen wird?
Weil die Sehnsucht nach Authentizität wächst. Viele Menschen haben das Gefühl, dass ihr Alltag immer digitaler, schneller und künstlicher wird. Die Polarregionen bieten das genaue Gegenteil. Dort erlebt man Natur in ihrer ursprünglichsten Form. Das ist etwas, das man nicht streamen, nicht downloaden und nicht künstlich erzeugen kann.
Wenn Sie die Faszination der Polarregionen in einem Satz zusammenfassen müssten – wie würde dieser lauten?
Die Arktis und Antarktis erinnern uns daran, dass es auf dieser Welt noch Orte gibt, an denen die Natur größer ist als der Mensch.
Danke fürs Gespräch!

