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25 Jahre CFM Media
28.05.26, 15:45 Uhr

Frank Müller: Der CFM-Gründer zwischen Harley, Heimat und Hightech

Vom Kinderzimmer in Seligenstadt zum Technologiepartner der Touristikbranche: CFM-CEO Frank Müller blickt beim 25-jährigen Jubiläum seines Unternehmens auf Krisen, Ideen, Pandemiejahre und die Geschichte eines Unternehmers zurück, der nie in klassische Systeme passen wollte. Ein Porträt.

Frank Müller, Gründer und Geschäftsführer von CFM Media, blickte beim 25-jährigen Jubiläum seines Unternehmens ungewöhnlich offen auf seinen Weg zurück.

Frank Müller zählt seit Jahren zu den bekanntesten Technologie-Unternehmern der deutschen Reisebranche. Mit seinem Unternehmen CFM Media in Seligenstadt entwickelt er Software- und KI-Lösungen für Reisebüros, Veranstalter und touristische Unternehmen. Zum 25-jährigen Bestehen von CFM blickt der Gründer auf seinen Weg zwischen Unternehmertum, Digitalisierung und persönlicher Verantwortung zurück. Zwischen Weggefährten, Touristikern und langjährigen Partnern blickt Müller ungewöhnlich offen auf seinen Weg zurück: vom rebellischen Schrauber und Bastler über improvisierte Büroräume im Elternhaus bis hin zu einem der prägenden Digitalmacher der deutschen Touristik. Es ist die Geschichte eines Unternehmers, der nie wirklich in klassische Systeme passte – und gerade daraus seine größte Stärke machte.
 



Es ist ein warmer Sommertag in Seligenstadt, jener ruhigen Kleinstadtidylle unweit von Frankfurt, in der Fachwerk, Vereinsleben und Bodenständigkeit bis heute den Rhythmus bestimmen. Vor den Cafés sitzen Menschen unter Sonnenschirmen, vom Main weht ein leichter Wind durch die engen Gassen.

Und genau hier, mitten in dieser entschleunigten Kleinstadtidylle, versammelt sich an diesem Nachmittag ein bemerkenswerter Teil der deutschen Reisebranche. Rund 120 Gäste sind gekommen: Reisebüro-Inhaber, Veranstalter, Technologiepartner, Weggefährten, Kollegen, Freunde. Es sind Menschen, die CFM-Gründer Frank Müller teilweise seit Jahrzehnten begleiten. Viele von ihnen kennen nicht nur seine Projekte, sondern auch seine Geschichten. Manche haben mit ihm gefeiert. Andere mit ihm Krisen durchgestanden. Einige wissen ziemlich genau, wie oft dieses Unternehmen eigentlich schon totgesagt wurde.

Der Anlass ist das 25-jährige Jubiläum von CFM Media. Und dass dieses Jubiläum ausgerechnet hier stattfindet, im traditionellen alten Kinosaal von Seligenstadt, nur wenige Minuten entfernt von den Straßen seiner Kindheit, ist alles andere als Zufall. Wer Frank Müller kennt, weiß schnell: Trotz aller Branchennetzwerke, Innovationsreisen, ITB-Abende und KI-Konferenzen ist er immer ein Stück Seligenstadt geblieben. „Wir sind froh, dass wir das wieder hier machen dürfen. Hier ist unsere Heimat, das ist unsere Hood“, sagt er gleich zu Beginn seiner Keynote.

Es ist ein Satz, der auf den ersten Blick beiläufig wirkt. Tatsächlich beschreibt er ziemlich genau, was Frank Müller ausmacht: diese eigenartige Mischung aus Bodenständigkeit, Direktheit und emotionaler Verbundenheit. Denn obwohl an diesem Nachmittag viel über Technologie, künstliche Intelligenz, Plattformen und Innovation gesprochen wird, wirkt die Veranstaltung nie kühl oder technokratisch. Eher wie ein großes Treffen von Menschen, die gemeinsam etwas erlebt haben.

Frank Müller steht vor der Bühne und wirkt aufgeregt. Hinter ihm laufen Bilder aus 25 Jahren Unternehmensgeschichte. Alte Büros. Frühere ITB-Stände. Mitarbeiter. Screenshots längst vergessener Websites. Szenen aus der Pandemie. Immer wieder bedankt er sich. Bei Partnern. Bei Kunden. Bei Freunden. Vor allem aber bei seinem Team. „Danke, danke, danke. Das ist eh heute mein Wort“, sagt er gleich mehrfach. Und dann folgt ein Satz, den man von vielen Unternehmern dieser Größenordnung vermutlich eher selten hören würde: „Ich bin sehr demütig heute.“

Es wirkt in diesem Moment fast so, als würde Müller selbst staunen, dass aus all dem tatsächlich einmal ein Unternehmen mit rund 30 Mitarbeitern, internationalen Projekten und einer festen Rolle in der Touristik entstehen konnte. Denn wer ihm zuhört, merkt schnell: Er erzählt seine Geschichte nicht wie jemand, der seinen Lebensweg sauber geplant hat. Sondern eher wie jemand, der rückblickend selbst manchmal nicht ganz glauben kann, wie vieles entstanden ist.

Der Junge, der nie stillsitzen konnte

Vielleicht deshalb, weil Frank Müller nie der klassische Unternehmer war. Keine Hochglanzkarriere, kein Business-School-Werdegang, kein strategisch aufgebauter Gründer-Mythos. Seine Geschichte beginnt nicht in einem Accelerator, sondern in Garagen, Werkstätten, Nachtschichten und anfangs im Kinderzimmer seines Elternhauses.

„Warum gibt es überhaupt CFM?“, fragt er und liefert die Antwort hinterher: „Es liegt vor allen Dingen daran, an dem Frank Müller, der in der Schule eine absolute Katastrophe war, der nie ruhig sitzen konnte.“ Er erzählt an diesem Tag nicht die Geschichte eines glatten Erfolgswegs, sondern eher die Geschichte eines Menschen, der nie wirklich in klassische Systeme gepasst hat.

Schule sei für ihn „nichts“ gewesen, sagt er. Er spricht offen über Konzentrationsprobleme, innere Unruhe und darüber, dass er sich schon früh gegen das Leben gewehrt habe, das andere für ihn vorgesehen hatten. „Irgendwo habe ich so ein kleines ADHS“, sagt er. „Ich konnte einfach nie mich so konzentrieren, hatte immer so eine innere Unruhe.“ Vielleicht liegt genau darin bis heute sein eigentlicher Motor.

Denn wer Frank Müller erlebt, merkt schnell, dass Bewegung für ihn fast ein Grundzustand ist: Harley fahren, Mountainbike, Segeln, Skifahren – vieles in seinem Leben dreht sich um Geschwindigkeit, Freiheit und Dynamik. Als hätte er nie gelernt, wirklich stillzustehen.

Dazu passt auch sein Äußeres: Groß gewachsen, schlank und sportlich, mit kurzem Haarschnitt wirkt er eher wie jemand, der jederzeit aufspringen und losfahren könnte, als wie ein klassischer IT-Unternehmer. Wer ihn erlebt, merkt schnell: Unter der oft ruhigen, kontrollierten Oberfläche steckt enorme Energie. Kollegen beschreiben ihn als jemanden, der Dinge antreibt, der andere mitreißen kann – manchmal auch überfordert, aber selten gleichgültig lässt.

Schon als Jugendlicher beginnt er Motorräder auseinanderzubauen, zu reparieren und später sogar Harleys aus den USA und Kanada zu importieren. „Bevor ich einen Führerschein hatte mit dem Motorrad, konnte ich schon Motorräder reparieren“, erzählt er lachend.

In Seligenstadt und Umgebung kennt man ihn damals nicht als künftigen IT-Unternehmer, sondern eher als den jungen Typen, der ständig schraubt, bastelt und irgendetwas Neues ausprobiert. Müller erzählt, dass er schon früh immer wieder versucht habe, eigene kleine Geschäfte aufzubauen. Innenausbau. Motorradhandel. Technische Lösungen. Sogar eine nachrüstbare Toilettendusche entwickelte er zeitweise mit Freunden – inklusive Besuch beim Patentamt. „Da haben wir gedacht: Jetzt werden wir stinkreich“, erzählt er lachend.

Familie, Verantwortung und ein bewegtes Leben

Verantwortung – dieses Wort taucht bei Frank Müller immer wieder auf. Verantwortung für Familie, für Mitarbeiter, für Partner, für Kunden. Vielleicht erklärt genau das auch, warum er so offen über sein Privatleben spricht. Drei Kinder von drei Frauen, frühe Verantwortung, mehrere Neuanfänge – Müller erzählt davon nicht wie von einer perfekt geordneten Unternehmerbiografie, sondern eher wie von einem intensiven, oft bewegten Leben. Erstmals Vater wurde er bereits mit Mitte zwanzig, zehn Jahre später erneut und noch einmal mit Ende vierzig. Sobald er über seine Kinder spricht, verändert sich seine Stimme spürbar. „Meine Kinder waren mir immer sehr, sehr, sehr wichtig“, sagt er.

Vielleicht erklärt genau das auch seine Nähe zu Menschen, die selbst Verantwortung übernehmen und etwas aufbauen wollen. Müller spricht mit auffallendem Respekt über Unternehmer, Vereinsmenschen oder Menschen, die für andere einstehen. Seit Jahren engagiert er sich auch im Umfeld eines Fußballvereins. Mannschaftssport, Loyalität und Zusammenhalt sind Werte, mit denen er sich stark identifiziert.

Freunde beschreiben ihn gleichzeitig als Familienmenschen und Freiheitsmenschen. Als jemanden, der Nähe sucht, aber gleichzeitig immer Bewegung braucht. 

Frank Müller, Gründer und Geschäftsführer von CFM Media, 2026

Frank Müller, Gründer und Geschäftsführer von CFM Media, beim 25-jährigen Jubiläum in Seligenstadt


Die Geburt von CFM Media

Damals arbeitet Müller noch bei DHL in Nachtschichten. Gute Bezahlung. Sichere Perspektive. Karriereoptionen bei Lufthansa inklusive. Für viele wäre das vermutlich ein idealer Weg gewesen. Für Frank Müller offenbar nicht. „Da wäre ich halt in dieser Maschinerie dann drin gewesen, in die ich nie rein wollte“, sagt er rückblickend. Die eigentliche Gründungsidee entsteht nachts während der Arbeit. „Irgendeiner hat gesagt: Webseiten sollen richtig gut gehen.“ Gemeinsam mit Freunden gründet Müller eine Firma. Carsten, Frank und Micha – daraus entsteht der Name CFM.

Auch der Name selbst erzählt viel über die Anfangszeit. Keine große Markenstrategie, kein Marketingprozess, sondern schlicht die Anfangsbuchstaben der Gründer. Später wird daraus „Creative Free Mind“ – rückblickend fast eine ziemlich treffende Beschreibung von Frank Müller selbst. Die ersten Büroräume befinden sich im Elternhaus. „Die Anfänge begannen in meinem Kinderzimmer“, erzählt er grinsend.

Heute klingt das fast romantisch. Müller beschreibt diese Zeit heute fast liebevoll-chaotisch. Tagsüber Kundenprojekte, nachts technische Probleme, zwischendurch Existenzängste. „Wenn nachts um drei irgendwas nicht funktioniert hat, dann musste man halt weitermachen“, erzählt er. Gleichzeitig habe genau diese Phase aber auch etwas Befreiendes gehabt. Keine Hierarchien. Keine Konzernlogik. Keine Regeln außer den eigenen.

Lieber ausprobieren als zerreden

Denn Frank Müller erzählt an diesem Nachmittag immer wieder, dass vieles zunächst gar nicht geplant gewesen sei. Webseiten. EDV-Service. Netzwerke. Sogar eine Webcam-Kontaktbörse wollte CFM Anfang der 2000er-Jahre schon bauen. „Wir wollten damals schon, dass man direkt mit einer Webcam den anderen kennenlernen kann“, erzählt Weggefährte Gereon Krahn lachend. Vielleicht ist genau das typisch Frank Müller: lieber ausprobieren als zerreden. Er selbst beschreibt seine Rolle erstaunlich nüchtern: „Ich hatte immer Ideen und irgendjemand hat sie umgesetzt.“

Heute zählt CFM zu den bekanntesten Technologiepartnern der deutschen Touristik. Das Unternehmen entwickelt Websites, Buchungssysteme, Apps, KI-Lösungen und digitale Plattformen für Reiseveranstalter, Reisebüros, Kreuzfahrtunternehmen und touristische Marken. Viele Vertriebspartner nutzen täglich Anwendungen von CFM – oft, ohne es überhaupt zu wissen. Hinter zahlreichen touristischen Frontends, IBEs, After-Sales-Apps oder Content-Systemen steckt Technologie aus Seligenstadt.

Und doch wirkt Müller bis heute weniger wie ein klassischer CEO als wie ein Antreiber. Wie jemand, der Ideen produziert, Menschen zusammenbringt und ständig versucht, den nächsten Schritt früher zu erkennen als andere. Immer wieder spricht er über Mitarbeiter. Über Loyalität. Über gemeinsames Durchhalten. Über Nächte, in denen ganze Teams versucht hätten, scheinbar Unmögliches möglich zu machen.

Auffällig ist dabei, wie selten er über Geld, Wachstum, Umsatz oder Größe redet. Das scheint ihn weit weniger zu faszinieren als Innovation, Dynamik und gemeinsame Projekte.


Die „Big Five“ von CFM stehen für jene Werte, die Frank Müller und sein Team durch 25 Jahre Unternehmensgeschichte getragen haben: Innovation, Verantwortung, Zusammenhalt, partnerschaftliches Arbeiten und der Wille, Wandel aktiv mitzugestalten.


Die Pandemie als Wendepunkt

Besonders emotional wird es, als er über die Pandemie spricht. 2020 bricht eine virtuelle Messe zusammen, die seine Firma aufgesetzt hat. Server kollabieren, obendrein erkranken Mitarbeiter schwer an Corona, Aufträge stehen auf der Kippe. Das Unternehmen gerät mehrfach an den Rand des Scheiterns. „Wenn du mir damals einen Euro angeboten hättest, um meine ganzen Schulden damals in der Pandemie und die ganze Firma zu nehmen, dann hätte ich es vielleicht sogar gemacht“, sagt er rückblickend.

Er selbst arbeitet weiter, obwohl er kaum noch Luft bekommt. „Ich habe abends überlegt, ins Krankenhaus zu gehen – und habe trotzdem rund um die Uhr weitergearbeitet.“ Man kann diesen Satz unterschiedlich verstehen. Als Unternehmerstolz. Als Sturheit. Vielleicht auch als Ausdruck eines enormen Verantwortungsgefühls.

Die schwere Corona-Erkrankung und die gesundheitlichen Folgen danach haben ihn verändert. Zwei Jahre lang kämpft er sich zurück. Trotzdem wirkt er bis heute nicht wie jemand, der langsamer werden möchte. Eher wie jemand, der gelernt hat, bewusster mit Energie umzugehen – ohne dabei seinen inneren Antrieb zu verlieren.

Mitarbeiter erzählen rückblickend, dass gerade diese Zeit die Firma zusammengeschweißt habe. Viele hätten damals gemerkt, wie persönlich Müller das Unternehmen tatsächlich versteht. Nicht als abstrakte Firma, sondern fast wie eine große Gemeinschaft, für die er Verantwortung trägt.

KI und Digitalisierung: Wohin sich die Reisebranche entwickelt

Das Unternehmen trägt unverkennbar seine Handschrift: die Rastlosigkeit, die Offenheit für Neues, die Bereitschaft zum Risiko, der Wille, lieber auszuprobieren als zu lange zu analysieren. Vor allem aber diese Mischung aus Bodenständigkeit und Vision (siehe KI-Interview mit CTO Camil Binas: „Reisen ist das Gegenmittel zur KI-Welt“). Obwohl an diesem Nachmittag viel über Zukunft gesprochen wird – über KI-Agenten, digitale Plattformen und neue Vertriebsmodelle –, endet vieles genau dort, wo alles begann: in Seligenstadt. In jener kleinen Stadt am Main, die Frank Müller trotz aller ITB-Abende, Innovationsreisen und Branchennetzwerke nie wirklich verlassen hat. Vielleicht, weil Menschen wie er zwar ständig nach vorne denken – aber trotzdem genau wissen müssen, woher sie kommen.

Zum Ende seiner Rede sagt Müller einen Satz, der lange hängen bleibt: „Ich bin Sonntagskind. Ich habe den unglaublichen Glauben in so etwas.“ Es klingt wie eine Mischung aus Trotz, Optimismus und Lebensphilosophie. 

Und wahrscheinlich beschreibt kaum etwas Frank Müller besser als genau das.

Jean-Marc Göttert