„Wir fangen da an, wo bei den Großen meist Schluss ist“
Die Faszination für Arktis und Antarktis wächst – und mit ihr die Bedeutung von Umweltstandards in sensiblen Regionen. Gäste des Veranstalters Ikarus Tours suchen weniger Luxus als authentische Erlebnisse und intensive, respektvolle Naturerlebnisse zwischen Packeis, Pinguinen und Polarlichtern.

Wer einmal sein Herz an die Polarregionen verloren hat, der kann meistens auch noch Jahrzehnte später mit leuchtenden Augen von diesem einem magischen Moment erzählen: Ganz egal ob der wie im Fall von Ikarus-Geschäftsführer Nicolas Kitzki im russischen Teil der Arktisregion, im Gebiet der Inselgruppe Franz-Josef-Land, stattgefunden hat, oder wie, im Fall seiner Mitarbeiterin, Destinations-Expertin Kerstin Stock, umgeben von unzähligen im Wasser umherflitzenden Pinguinen in den Gewässern der Antarktis nach einer Überfahrt von Südamerika.
Dass die Begeisterung des Teams des Reiseveranstalters aus Königstein bei Frankfurt auch ansteckend ist, schlägt sich seit Jahren in steigenden Buchungszahlen nieder – und in immer mehr Neugierigen, die zu Expeditionen in beide Polarregionen aufbrechen und danach direkt für die nächste Reise in die faszinierenden Landschaften zu sparen beginnen.
Und während manche Routen kaum acht Tage dauern, sind die Gäste auf manch anderen knapp unter 50 Tage unterwegs. An Bord von Schiffen, auf denen es meist mit um die hundert Passagieren und 80 Crew-Mitgliedern noch extrem familiär zugeht.
Flexibilität und Luxusverzicht
Dabei fangen die Expeditionsreisen auf den kleinen Schiffen, die Ikarus Tours und das Schwesternunternehmen Polarnews für ihre Kunden buchen, meist „da an, wo bei den großen Anbietern Schluss ist“, und deren Gäste vielleicht noch einen kurzen Abstecher in einen der Souvenirläden in Longyearbyen auf Spitzbergen machen, erklärt Kitzki, der beide Unternehmen als Geschäftsführer leitet und die Polarregionen selbst inzwischen in zahlreichen Reisen kennengelernt hat.
Dabei ist ihm wichtig, dass seine Gäste nach Möglichkeit so tief in die Regionen eintauchen, wie es möglich ist, um später als Botschafter einer faszinierenden Welt zurückzukehren, deren Gefährdung inzwischen an vielen Stellen während des Besuchs deutlich wird.
Für ihn bedeutet dieses Erlebnis, einige der entlegensten Regionen der Welt anzusteuern, und dabei auf einige Annehmlichkeiten auch schon mal zu verzichten: „Bei den Reisen in die Antarktis etwa lassen wir unsere Gäste mit einigem Puffer anreisen, um sicherzugehen, dass alles Gepäck mit an Bord kommt, denn Shopping-Möglichkeiten gibt es ab dem ersten Betreten des Schiffes unterwegs dann eben nicht mehr und die Temperaturen erfordern eine vollständige Ausrüstung.“
Auch die Flexibilität gegenüber den oft rauen Wetterverhältnissen, die den Unterschied zwischen klassischer Kreuzfahrt und Expedition ausmachen, spielt eine Rolle. Jene Erlebnisoffenheit erfordert häufig eben auch eine gewisse Geduld bei den Gästen, die an ihre kostspieligen Reisen natürlich auch Erwartungen haben.
Gäste sind besser informiert und haben klare Vorstellungen
Dafür, dass gut organisierte Reiseverläufe ins Programm aufgenommen werden, die widrigen Verhältnissen mit Plan B oder C trotzen, und auch die Gäste optimal auf alle Eventualitäten vorbereitet werden, sind Produktmanagerin Kerstin Stock und ihr Destinations-Team zuständig.
Stock selbst bereiste 1993 erstmals als Hospitality-Mitarbeiterin eines Expeditionsschiffs die Antarktis, war mehrere Saisons lang sowohl in den Destinationen am Nord- als auch am Südpol unterwegs und hat dabei vom Arctic Plunge – dem kurzen Bad im eisigen Polarmeer – bis zu Wanderungen in den entlegensten Gegenden von Ostgrönland so manches mitgemacht.
Erlebnisse im Mittelpunkt
Was ihr dabei auffällt: Die Kunden werden mit dem wachsenden Trend zur Polarexpedition nicht nur mehr, sondern auch deutlich informierter und zeigen schon in Gesprächen vorab immer häufiger, dass sie sich oft intensiv mit ihrer Traumdestination beschäftigt haben.

Nicolas Kitzki ist Geschäftsführer von Ikarus Tours und Polarnews und kennt die Polarregionen aus eigener Erfahrung von zahlreichen Expeditionen. Foto: TRVL COUNTER/Sandra Kathe
Für Stock liegt der wahre Luxus dieser Art des Reisens in den Erlebnissen, die hier warten. Die klare Luft und die Stille der Arktis, wo man teils nichts hört als das Knacken der Eisschollen, die spannenden Entdeckergeschichten, von denen an Bord und auf Ausflügen erzählt wird, die abenteuerlichen Möglichkeiten, zu Fuß an Land oder auch mit dem Zodiak oder Kajak auf dem Wasser, auf Erkundungstour zu gehen.
Ein Phänomen, von dem selbst die Fachfrau sich regelmäßig fasziniert findet: An einigen Orten, heizen unterirdische Vulkanaktivitäten das Wasser so sehr auf, dass man an bestimmten Stellen „bei Eiseskälte in Kuhlen am Strand, gefüllt mit warmem Wasser, sitzen kann“.
Ihr Tipp für die Gäste: Statt hunderter Handyfotos von unterwegs lieber Wahrnehmungen sammeln und den Moment im Hier und Jetzt so richtig genießen.
Respekt vor der Natur und ihren Bewohnern
Ein Faktor, der bei ihrer Planung eine Rolle spielt, allein weil sie die Veränderungen der Region in mehreren Besuchen seit über 30 Jahren mit Sorge beobachtet, ist die Frage, wie Polarexpeditionen so umweltschonend wie möglich stattfinden können. Dafür setzt Veranstalter Ikarus Tours etwa auf Schiffe, die mit moderner Technik möglichst emissionsarm unterwegs sind.
Gleichzeitig sorgen auch die geringe Größe der Kleingruppen sowie strenge Regeln und Kontrollen vor Ort dafür, dass die Gäste der Natur vor Ort nicht unbewusst schaden. Einziges Problem bei der Sache, auf das Ikarus-Chef Nicolas Kitzki, hinweist: „Wir briefen unsere Gäste intensiv, dass man den Pinguinkolonien in der Antarktis mit respektvollem Abstand begegnen soll – was die zutraulichen Tiere jedoch wenig stört, wenn sie die neu angekommenen Gäste dann eben doch lieber ganz aus der Nähe begrüßen.“
Das Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier funktioniert aus seiner Sicht hier aber sehr harmonisch – und sorgt als wichtiger Faktor dafür, dass die Gäste mit großer Faszination zur Natur die Heimreise antreten.
Geschichten aus Jahren von Polar-Abenteuern
Ein weiterer Faktor dabei sind auch die Menschen in den Expeditions-Teams, die die Geschichten und Anekdoten zu den Destinationen im Gepäck haben und ihr Wissen auf spannende Art den Gästen vermitteln.
Einer von ihnen ist Dr. Volker Strecke, der seit den 1980ern auf wissenschaftlichen Einsätzen als Informationstechniker, inzwischen im Ruhestand, seit 2023 als freier Lektor auf Schiffen mehrerer Anbieter inzwischen deutlich über vier Jahre in den Arktisgebieten verbracht hat. Zu seinen Lieblingsvorträgen auf See zählt etwa einer, den er zur Physik der Polarlichter konzipiert hat, und mit dem er sich einer ganz besonderen Aufgabe stellt. Denn ein so komplexes und gleichzeitig so herbeigesehntes Phänomen einer Reise in die Polargebiete will auch für Nicht-Wissenschaftler erst mal einfach und verständlich erklärt werden.
Darüber hinaus erzählt der promovierte Informationstechniker aber auch leidenschaftlich gern über die Forschungsgeschichte und gibt unterwegs, genau wie inzwischen auch in zwei Büchern, Einblicke in seine eigenen spannendsten Reisemomente.

