Anzeige
Verhandlungen gescheitert
11.02.26, 09:00 Uhr

Lufthansa-Streik – Cockpit und Kabine legen Arbeit nieder

Lufthansa steht vor einem Tag mit flächendeckenden Flugausfällen. Am Donnerstag haben gleich zwei Gewerkschaften zu Streiks aufgerufen. VC und UFO fordern bessere Bedingungen – und werfen dem Management mangelnde Kompromissbereitschaft vor.

Sowohl im Cockpit als auch in der Kabine wächst der Druck auf Lufthansa. Für Donnerstag sind Streiks angekündigt. Foto: iStock/NiroDesign
Bei der Lufthansa drohen am Donnerstag, 12. Februar, erhebliche Flugausfälle. Sowohl die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) als auch die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) rufen zum Arbeitskampf auf.

Der VC-Streik betrifft alle Abflüge von Lufthansa und Lufthansa Cargo ab deutschen Flughäfen zwischen 00:01 und 23:59 Uhr Ortszeit. Das Kabinenpersonal der Lufthansa ist von UFO für denselben Zeitraum zu einem Warnstreik auf den Flughäfen Frankfurt und München aufgerufen.

Streit über Betriebsrenten

Die Vereinigung Cockpit reagiert mit dem Streik auf festgefahrene Verhandlungen über die betriebliche Altersvorsorge. Seit 2017 gilt bei Lufthansa ein kapitalmarktbasiertes Modell, das laut Gewerkschaft deutlich unter dem früheren Versorgungsniveau liegt.

„Wir hätten eine Eskalation sehr gerne vermieden“, versichert VC-Chef Andreas Pinheiro. „Wir waren jederzeit gesprächsbereit und haben mehrfach versucht, Bewegung in die Verhandlungen zu bringen“. Dass es nun dennoch zu diesem Streik kommt, liege in der Verantwortung des Arbeitgebers, so Pinheiro.

Verhandlungen ohne Fortschritt

Sieben Verhandlungsrunden seien laut VC ohne Ergebnis geblieben, so auch ein Vermittlungsvorschlag der Gewerkschaft. „Wir haben der Arbeitgeberseite vorgeschlagen, den Tarifvertrag zur Altersversorgung befristet bis zum 31. Dezember 2026 fortzuführen, verbunden mit beispielsweise Anpassungen der Anlagestrategie“, sagt Arne Karstens, Sprecher der Gruppe Tarifkommission. Das Angebot ​„lag deutlich unterhalb unserer urabgestimmten Forderungen.“  Dennoch habe das Management die gesetzte Frist verstreichen lassen.

VC bittet um Verständnis

Die Gewerkschaft ersucht betroffene Reisende um Verständnis. „Streiks sind niemals Selbstzweck und werden von uns nicht leichtfertig eingesetzt.“

„Unser Ziel ist und bleibt ein zukunftsfester Tarifvertrag, der Sicherheit und Verlässlichkeit für die aktuellen Piloten wie auch für neu eingestellte Cockpitbeschäftigte bietet“, fordert Karstens. Wie es nach dem Streik weitergeht, ließ er offen: „Jetzt ist der Arbeitgeber am Zug, Verantwortung zu übernehmen und ein Angebot vorzulegen.“

Kabinenpersonal protestiert gegen Arbeitsbedingungen

Parallel ruft auch die Gewerkschaft UFO zu einem Warnstreik des Kabinenpersonals auf. Hintergrund sind festgefahrene Manteltarifverhandlungen. Die UFO kritisiert, dass Lufthansa „unter dem Deckmantel von Produktivität und Flexibilität“ Einschnitte in bestehende Schutzregelungen durchsetzen wolle.

„Es ist offensichtlich geworden, dass Lufthansa gar nicht daran denkt, unseren Forderungen zu einem neuen Manteltarifvertrag entgegenzukommen“, kommentiert UFO-Verhandlungsführer Harry Jaeger. „Das Management ist entschlossen, das Schutzniveau der Arbeitsbedingungen unter dem Strich abzusenken.“

Gewerkschaft sieht Grenze überschritten

Auch strukturelle Entscheidungen des Konzerns würden laut UFO genutzt, um Druck auf tarifliche Standards auszuüben. „Wenn Arbeitsbedingungen zur Stellschraube gemacht werden, um Beschäftigte gefügig zu halten oder Zugeständnisse zu erzwingen, überschreitet das eine Grenze“, findet Jaeger. Über Verschlechterungen werde man nicht verhandeln.

UFO-Vorstand Joachim Vázquez Bürger warnt vor einer gefährlichen Entwicklung: „Wir bedauern die Auswirkungen des Warnstreiks auf die Passagiere sehr. Arbeitskämpfe sind für uns nach wie vor Ultima Ratio“, beteuert auch Bürger. Aber man trage nicht mit, „dass Arbeits- und Erholungszeiten, die vom nationalen Arbeitszeitgesetz ausgenommen sind, aus Profitgründen immer weiter in Richtung europäischer Minimalgrenzen aufgeweicht werden sollen.“

Die Dienstplanung an den gesetzlich zulässigen Sicherheitslimits führe zu Übermüdung durch Belastung. „Das ist gefährlich für Flugzeugbesatzungen und für Passagiere. Wir können das nicht akzeptieren. Wir brauchen Entlastung statt Belastung“, so Bürger.