Geschäftsreise im Wandel29.01.26, 08:00 Uhr
IU-Studie: Arbeit und Urlaub wachsen zusammen
Bleisure Travel und Workation sind längst mehr als ein Nischentrend. Erste Ergebnisse des neuen „Bleisure & Workation Monitor Deutschland“ zeigen: Die Nachfrage ist da – doch auf Angebotsseite fehlt es vielfach noch an klaren Strukturen und strategischer Vermarktung.

Forscherteam des „Bleisure & Workation Monitor Deutschland“
v.l.n.r.: Prof. Dr. Andreas Zimmer, Prof. Dr. Sven Pastowski, Prof. Dr. Peter Neumann von der IU Internationalen Hochschule. Foto: IU Internationalen Hochschule
Geschäftsreisen verändern ihren Charakter – und mit ihnen die Trennlinie zwischen Arbeit und Freizeit. Genau diese Entwicklung nimmt der neue „Bleisure & Workation Monitor Deutschland“ der IU Internationale Hochschule erstmals systematisch in den Blick. Das 2025 gestartete Forschungsprojekt liefert eine der bislang fundiertesten Datengrundlagen zu hybriden Reiseformen im deutschen Tourismusmarkt.
Basis der ersten Auswertung ist eine bundesweite Online-Befragung unter touristischen Leistungsträgern. Über 1.000 Betriebe wurden eingeladen, knapp 300 auswertbare Fragebögen flossen in die Analyse ein. Ergänzt wurde die Erhebung durch Branchendialoge. Das Bild, das sich daraus ergibt, ist eindeutig: Bleisure Travel – also die private Verlängerung einer Geschäftsreise – ist in der Praxis deutlich weiter verbreitet, als es die Angebotslandschaft bislang widerspiegelt.
Rund zwei Drittel der befragten Betriebe geben an, bereits Gäste beherbergt zu haben, die Bleisure Travel oder Workation genutzt haben. Besonders ausgeprägt ist dabei Bleisure Travel: Mehr als die Hälfte der Unterkunftsbetriebe berichtet von Geschäftsreisenden, die ihren Aufenthalt privat verlängern. Für Betriebe und Destinationen entsteht dadurch zusätzliche Wertschöpfung, ohne dass zwangsläufig neue Kostenstrukturen aufgebaut werden müssen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht liegt hier ein Potenzial, das bislang nur teilweise ausgeschöpft wird.
Gleichzeitig offenbaren die Ergebnisse deutliche strukturelle Defizite. Nur etwa ein Viertel der Betriebe, die bereits Bleisure-Gäste hatten, verfügt über explizit formulierte Angebote. In vielen Fällen entsteht Bleisure eher situativ als strategisch – klassische Pauschalen, klare Preislogiken oder systematische Kooperationen sind bislang die Ausnahme. Angebot und Nachfrage entwickeln sich damit schneller, als die touristische Produktentwicklung Schritt hält.
Beim Thema Workation zeigt sich ein differenzierteres Bild. Die befragten Unternehmen benennen Workation seltener eindeutig als eigenständiges Segment. Häufig werden Bleisure Travel und Workation parallel adressiert oder nicht klar voneinander abgegrenzt. Das deutet darauf hin, dass sich die konzeptionelle Trennschärfe dieser hybriden Reiseformen in der Praxis noch nicht durchgesetzt hat.
Auffällig ist zudem die bislang geringe Rolle der Destinationsebene. Bleisure Travel und Workation werden überwiegend einzelbetrieblich vermarktet. Destinationsmanagementorganisationen und Convention Bureaus spielen bislang nur eine untergeordnete Rolle – obwohl knapp 70 Prozent der Betriebe davon ausgehen, dass ohne lokale Netzwerke und koordinierte Ansätze kein nachhaltiger Markt entstehen kann.
Die jetzt vorliegenden Ergebnisse markieren einen ersten Meilenstein. Eine vertiefte Analyse, inklusive regionaler Auswertungen und konkreter Handlungsempfehlungen für Betriebe, Destinationen und Politik, soll mit der Veröffentlichung der Gesamtstudie im Sommer 2026 folgen. Klar ist schon jetzt: Bleisure Travel und Workation sind keine Randerscheinung mehr, sondern ein struktureller Trend – und stellen den deutschen Tourismus vor die Aufgabe, Arbeit und Urlaub künftig konsequenter zusammenzudenken.
Basis der ersten Auswertung ist eine bundesweite Online-Befragung unter touristischen Leistungsträgern. Über 1.000 Betriebe wurden eingeladen, knapp 300 auswertbare Fragebögen flossen in die Analyse ein. Ergänzt wurde die Erhebung durch Branchendialoge. Das Bild, das sich daraus ergibt, ist eindeutig: Bleisure Travel – also die private Verlängerung einer Geschäftsreise – ist in der Praxis deutlich weiter verbreitet, als es die Angebotslandschaft bislang widerspiegelt.
Rund zwei Drittel der befragten Betriebe geben an, bereits Gäste beherbergt zu haben, die Bleisure Travel oder Workation genutzt haben. Besonders ausgeprägt ist dabei Bleisure Travel: Mehr als die Hälfte der Unterkunftsbetriebe berichtet von Geschäftsreisenden, die ihren Aufenthalt privat verlängern. Für Betriebe und Destinationen entsteht dadurch zusätzliche Wertschöpfung, ohne dass zwangsläufig neue Kostenstrukturen aufgebaut werden müssen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht liegt hier ein Potenzial, das bislang nur teilweise ausgeschöpft wird.
Gleichzeitig offenbaren die Ergebnisse deutliche strukturelle Defizite. Nur etwa ein Viertel der Betriebe, die bereits Bleisure-Gäste hatten, verfügt über explizit formulierte Angebote. In vielen Fällen entsteht Bleisure eher situativ als strategisch – klassische Pauschalen, klare Preislogiken oder systematische Kooperationen sind bislang die Ausnahme. Angebot und Nachfrage entwickeln sich damit schneller, als die touristische Produktentwicklung Schritt hält.
Beim Thema Workation zeigt sich ein differenzierteres Bild. Die befragten Unternehmen benennen Workation seltener eindeutig als eigenständiges Segment. Häufig werden Bleisure Travel und Workation parallel adressiert oder nicht klar voneinander abgegrenzt. Das deutet darauf hin, dass sich die konzeptionelle Trennschärfe dieser hybriden Reiseformen in der Praxis noch nicht durchgesetzt hat.
Auffällig ist zudem die bislang geringe Rolle der Destinationsebene. Bleisure Travel und Workation werden überwiegend einzelbetrieblich vermarktet. Destinationsmanagementorganisationen und Convention Bureaus spielen bislang nur eine untergeordnete Rolle – obwohl knapp 70 Prozent der Betriebe davon ausgehen, dass ohne lokale Netzwerke und koordinierte Ansätze kein nachhaltiger Markt entstehen kann.
Die jetzt vorliegenden Ergebnisse markieren einen ersten Meilenstein. Eine vertiefte Analyse, inklusive regionaler Auswertungen und konkreter Handlungsempfehlungen für Betriebe, Destinationen und Politik, soll mit der Veröffentlichung der Gesamtstudie im Sommer 2026 folgen. Klar ist schon jetzt: Bleisure Travel und Workation sind keine Randerscheinung mehr, sondern ein struktureller Trend – und stellen den deutschen Tourismus vor die Aufgabe, Arbeit und Urlaub künftig konsequenter zusammenzudenken.

