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CO₂-Transparenz in der Touristik
08.12.25, 13:53 Uhr

Klimalink mit Deutschem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet

Die Emissionsdatenplattform Klimalink erhält den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Produkte“. Ziel der Initiative: CO₂-Werte automatisiert in Buchungssysteme integrieren und nachhaltige Reiseberatung fördern. Aus der Branche kommt Zuspruch – und ein Appell.

Saskia Sánchez Buitrago (3. v. l.) und Swantje Lehners mit Ralf Hieke (links) und Chamäleon-Chef Ingo Lies. Foto: Privat
Die Emissionsdatenplattform Klimalink ist mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Produkte“ ausgezeichnet worden. Das Projekt will Nachhaltigkeitswerte automatisiert in B2B-Buchungssysteme integrieren und dadurch für mehr Transparenz in der Reiseberatung sorgen.

Ausgezeichnet wurde insbesondere die Initiative der Geschäftsführerin Saskia Sánchez Buitrago und Vorstandsvorsitzenden Swantje Lehners, die gemeinsam mit ihrem Team bei Klimalink an der technischen Umsetzung sowie an der Branchenvernetzung gearbeitet haben.

Bestätigung für gemeinsamen Einsatz

„Wir sind sehr glücklich über diese wichtige Auszeichnung – sie bestätigt, dass wir uns mit dem gemeinsamen Einsatz für Transparenz und Klimaschutz in der Tourismusbranche auf dem richtigen Weg befinden“, freut sich Lehners, die ebenfalls an der Spitze der Nachhaltigkeitsinitiative Futouris des DRV steht.

Ihr Appell an die Branche:
 „Damit die Klima-Fußabdrücke zukünftig zum Branchen-Standard werden, würden wir uns über viele weitere Mitgliedsunternehmen und Nutzer von Klimalink freuen.“

Impulse auf den Deutschen Nachhaltigkeitstagen

Die Preisverleihung fand im Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitstage in Düsseldorf statt. Dabei wurden zahlreiche Projekte vorgestellt, die über die Fachöffentlichkeit hinaus bislang wenig Sichtbarkeit hatten – etwa im Bereich gen- und patentfreies Saatgut. Unter den Rednern waren renommierte Wissenschaftler wie Johan Rockström, Maja Göpel und Mojib Latif, die eindringlich auf die Folgen der Klimakrise hinwiesen.

Mit dabei war auch Ingo Lies, Chef von Chamäleon Reisen. Der auf Erlebnisreisen spezialisierte Veranstalter wurde im vergangenen Jahr für seinen Einsatz für Umweltschutz und die Verbesserung der Lebensbedingungen in den weltweiten Reisezielen mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis prämiert. In diesem Jahr hat Lies in Düsseldorf die neue Master Class „Tourismus“ moderiert.

Nachhaltigkeit in der Touristik – mit Chamäleon

Die inhaltliche Kombination aus Präsentationen von Chamäleon, Futouris und der Lufthansa sowie der anschließenden Diskussionsrunde mit der Plattform Social B&B habe eindrücklich gezeigt, wie vielfältig und dringend die Nachhaltigkeitsthemen in der Touristik geworden sind. Für Ingo Lies hatte der Kongress zudem eine besondere Wirkung: „Der Austausch mit Laudatorinnen und Ehrenpreisträgern wie Maja Göpel und die wissenschaftlichen Prognosen – etwa die Einschätzung, dass die globale Erwärmung bereits 2031 zwei Grad erreichen könnte – unterstrichen für ihn die Dimension der Herausforderung“, so Lies.

Gleichzeitig bestätige das Format, wie wichtig es ist, „über die Touristik hinauszuschauen und gemeinsam mit anderen Branchen Impulse zu setzen, um die notwendigen Kipppunkte früher zu erreichen und nachhaltiges Handeln breit zu verankern.“

Lies’ Lob an Klimalink

Zum Preisträger Klimalink sagt Lies: „Wir gehören zu den ersten, die Klimalink einsetzen, weil wir an die Wirkung einheitlicher CO₂-Berechnungen glauben. Wenn alle denselben Fußabdruck ausweisen, entsteht Fairness im Markt – und Reisebüros können glaubwürdiger denn je beraten“. Seine Überzeugung: „Nur wenn wir Reiseemissionen branchenweit einheitlich messen, können wir Verantwortung übernehmen und unseren Gästen zeigen, wie nachhaltige Entscheidungen tatsächlich aussehen.“

Hieke: Themen außerhalb „der Bubble“

In einem persönlichen Rückblick beschreibt Reisebüro-Inhaber und Klimalink-Unterstützer Ralf Hieke die Veranstaltung inhaltlich als „deutlich besser als meine Erwartungshaltung“. Es habe viele Initiativen gegeben, „die man in der eigenen Bubble nicht sieht und kennenlernt“. Besonders die wissenschaftlichen Beiträge hätten „ganz direkt und mit den bekannt erschreckenden Fakten“ zum Nachdenken angeregt, so Hieke.

Kritik am DIHK-Klimapapier

Für Diskussion sorgte das wenige Tage zuvor veröffentlichte Klimapapier der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Deren stellvertretender Hauptgeschäftsführer Achim Dercks erhielt nach seinem Auftritt auf der Bühne keinen Applaus, was Ralf Hieke als Zeichen der Enttäuschung über das als ambitionslos empfundene Papier interpretiert.

Die DIHK fordert, Klimaschutz stärker international abzustimmen und weniger national einseitig voranzutreiben, um Wettbewerbsnachteile für die deutsche Wirtschaft zu vermeiden. Kritiker empfinden diese Position als zu industriezentriert. Statt scharfer Emissionsziele plädiert die Handelskammer für einen flexiblen Budgetansatz und setzt auf einen marktwirtschaftlichen Emissionshandel als zentrales Steuerungsinstrument.

Branche gefordert: „Let’s Push Things!“

Trotz kritischer Töne prägten Hoffnung und Gestaltungswille die Veranstaltung. Vertreter der Reisebranche waren nur vereinzelt anwesend, beziehungsweise „spärlich vertreten“ gewesen, wie Ralf Hieke, findet. In einem Beitrag auf Linkedin fordert er die Branche auf, „sich dem Thema deutlich mehr zu widmen“ – auch, um andere engagierte Initiativen und Anbieter wie Chamäleon Reisen, Socialbnb, Futouris und das Forum Anders Reisen sichtbarer zu machen. „Let’s push things forward“, schreibt er.

Auch wenn Hieke betont, selbst nur Unterstützer gewesen zu sein – „wie der Weltmeister Kevin Großkreutz 2014“ –, zeige die Auszeichnung für Klimalink, dass Klimaschutzprojekte aus der Reisebranche zunehmend Anerkennung finden.